Fußball-WM 2026: Boykott? Ex-Fifa-Präsident Blatter rudert zurück
0
2
Weil er sich auf Social Media missverstanden fühlte, sah sich Blatter zu einer Klarstellung gezwungen. Zudem nutzte er die Gelegenheit, gegen seinen Nachfolger Infantino auszuteilen. Sepp Blatter verfolgt das Geschehen im Weltfußball auch zehn Jahre nach seinem Rückzug aus dem Amt des Fifa-Präsidenten aufmerksam. Am Montag teilte er auf der Onlineplattform X (vormals Twitter) den Aufruf des Schweizer Korruptionsexperten Mark Pieth , Fans sollten die WM 2026 in den USA meiden. Einen Boykott unterstützt er damit nach eigener Aussage jedoch nicht: "Ich habe doch nie gesagt, ich sei für einen Boykott", stellte Blatter klar. Er habe lediglich Pieth zitiert, der die Sicherheitslage und politische Instabilität in den USA als problematisch bezeichnet hatte. FC Bayern: Leon Goretzka verlässt den Klub im Sommer Blatter betonte, der Fußball müsse unabhängig von politischen Entwicklungen stattfinden: "Ob die Menschen in die USA reisen, ist nicht so wichtig. Wichtig ist, dass das Spiel ausgetragen wird." Boykotts wie bei den Olympischen Spielen 1980 und 1984 hätten seiner Meinung nach nichts gebracht. Gleichzeitig kritisierte Blatter, der im März 90 Jahre alt wird, die Rolle der Fifa unter Gianni Infantino scharf. Die Organisation bestehe heute "nur noch aus dem Präsidenten", der Fifa-Rat habe nichts mehr zu sagen. Von Protesten europäischer Verbände fehle jede Spur – auch weil diese gut verdienten und sich deshalb nicht einmischten. Fifa-Friedenspreis für Trump? "Eine Spinnerei" Über seinen Nachfolger Infantino sagte Blatter: "Gianni Infantino ist für mich ein einst abgewiesener Kandidat für die Rechtsabteilung bei der Fifa." Dass Infantino ein enges Verhältnis zu Donald Trump pflegt, kritisierte Blatter deutlich. Die Szene, in der Infantino dem damaligen US-Präsidenten den WM-Pokal überreichte, nannte er "eine Spinnerei". Auch die Verleihung eines Friedenspreises an Trump durch Infantino bezeichnete er als "schlimm". Blatter forderte, Infantino solle sich klar gegen Einreisebeschränkungen aussprechen, die Fans aus bestimmten Ländern von der WM 2026 ausschließen könnten. "Er muss ihm klarmachen: Jetzt geht es um Fußball", so Blatter. Das sei eine Chance, Popularität zurückzugewinnen. Trotz der Spannungen glaubt Blatter, dass es eines Tages zu einem Treffen mit Infantino kommen könnte. Bislang sei er aber nicht einmal zur WM eingeladen worden. Von US-Seite werde er die Spiele nicht besuchen: "Ich gehe nicht zur WM. Ich gehe nicht mehr ins Stadion." Auf die Frage, ob die Fifa zu seiner Zeit eine "mafiöse Organisation" gewesen sei, wie es die US-Justiz 2015 formulierte, antwortete Blatter: "Die Organisation war ganz sicher nicht mafiös." Es habe aber Personen gegeben, die Geld angenommen hätten. Bereuen wolle er dennoch nichts – weder das, was er getan habe, noch das, was er nicht getan habe.

