Stabilitätsfaktor Asencio: Real Madrid hat einen neuen Nacho
Klub-WM-Tal schnell durchschritten
Als er nach der für ihn eher unglücklich verlaufenen FIFA Klub-Weltmeisterschaft in den USA zu Saisonbeginn von Xabi Alonso überhaupt nicht mehr berücksichtigt wurde, wähnten Viele ein jähes Ende von Raúl Asencio auf der großen Bühne, nachdem der Canterano eine der wenigen positiven Erscheinungen der für Real Madrid sonst so enttäuschenden Vorsaison. In den ersten drei Partien der laufenden Saison kam der 22-Jährige überhaupt nicht zum Einsatz, doch dann spielte er sich über Kurzeinsätze wieder in den Vordergrund und irgendwann spielte er plötzlich fast immer – ähnlich wie 2024/25 eher als Notnagel aufgrund von verletzungsbedingten Ausfällen in der Defensive der Königlichen als aus purer Überzeugung des Trainers.
Und auch unter Alonso-Nachfolger Álvaro Arbeloa ist Asencio aus der Mannschaft nicht mehr wegzudenken, in allen vier Partien unter dem neuen Trainer stand der frühere Castilla in der Startelf und spielte bis auf das Champions-League-Spiel gegen Monaco, in dem er bei komfortabler Führung zur Pause vorsorglich ausgewechselt wurde, auch durch. Und das wird sich bald auch nicht ändern, nicht nur, weil Arbeloa angesichts der anhaltenden Verletzungsmisere aktuell ohnehin kaum eine andere Wahl hat, sondern vor allem auch deshalb, weil Asencio sich zum Stabilitätsfaktor in Reals Defensive gemausert hat.
Konstant solide – auch vorne
Nur Dean Huijsen hat von allen Real Madrids Innenverteidigern mehr Einsatzminuten in dieser Saison als Asencio gesammelt, wobei der Unterschied zwischen den Beiden diesbezüglich verschwindend gering ist, denn der Neuzugang stand gerade einmal 32 Minuten länger auf dem Platz als das Eigengewächs. Und unter allen Abwehrspielern kommt nur Álvaro Carreras auf mehr Saisoneinsätze (27) als Asencio (24). Dass Real Madrid nach 21 Spielen und 17 Gegentoren trotz aller Turbulenzen und Verletzungen zusammen mit Atlético, das zu diesem Zeitpunkt noch ein Spiel weniger absolviert hat, die beste Verteidigung der Liga stellt, liegt zu einem erheblichen Teil auch an der Kostanz Raúl Asencios. Der in Las Palmas geborene Innenverteidiger spielt inzwischen auffällig unauffällig – im positivsten Sinne.
Im Gegensatz zu seiner Debütsaison, in der er durch seine physische, manchmal auch etwas ungestüme Art auffiel und einerseits damit Fan-Sympathien eroberte, aber gleichzeitig auch den einen oder anderen Elfmeter verursachte oder hier und da vom Platz flog, agiert Asencio aktuell deutlich ruhiger und abgeklärter, antizipiert viel mehr und besser, profitiert von einem inzwischen sehr solidem Stellungsspiel. Ohne dabei die körperliche Komponente zu vernachlässigen – wenn notwendig, kann er immer noch zulangen und in direkten Duellen, vor allem bei Standards, ist er für seine Gegenspieler weiterhin die lästige Nervensäge wie im Vorjahr. Sein ohnehin schon grundsolides Passspiel und Ballsicherheit haben sich mittlerweile sogar verbessert (Saisonpassquote 93,8 Prozent), und nun klappt es endlich auch mit dem Tore-Schießen: Dem Profi-Debüt-Tor gegen Betis zu Beginn des Jahres folgte keine zwei Wochen später auch der zweite Treffer gegen Levante.
Beschwerden seit Saisonbeginn
Was Asencio in der laufenden Spielzeit am meisten auszeichnet, ist Konstanz in jeder Hinsicht. Und seine bedingungslose Opferbereitschaft für den Verein.Im Gegensatz zu einigen seiner Kollegen gibt es beim 22-Jährigen nie Diskussionen über die Lieblingsposition – Asencio spielt dort wo er aufgestellt wird, liefert ab und macht weiter. So musste er in der aktuellen Spielzeit schon mehrfach als Rechtsverteidiger aushelfen und tat dies ebenfalls auf seine typische Art und Weise – grundsolide. Mittlerweile kann man von einem modernen und polyvalenten Verteidiger sprechen, der durch seine starke Passqualität, gute Zweikampfquote und Spielintelligenz und bemerkenswerte Athletik auffällt. Er ist mehr ein Ballverteiler und Raumleser als ein klassischer Verteidiger, der den Gegner im direkten Zweikampf dominiert.
Wie inzwischen außerdem bekannt wurde, spielt Asencio seit Beginn der Saison mit Schmerzen. Die Probleme werden durch einen Riss im Schienbein verursacht, der dem Spanier anhaltende Beschwerden bereitet, weswegen er auch gegen Monaco zur Pause ausgewechselt wurde, was wiederum Zweifel an seiner Einsatzfähigkeit für das La-Liga-Spiel gegen Villarreal am Samstag aufkommen ließ. Doch wie immer stellte sich Asencio in den Dienst der Mannschaft und des Klubs, biss auf die Zähne und lieferte erneut in gewohnter Manier solide ab. Und solange Antonio Rüdiger und Éder Militão nicht einsatzbereit sind, wird er es weiterhin tun, Schmerzen hin oder her.
Kein neuer Ramos, aber Nacho-Nachfolger
All diese Eigenschaften erinnern unwiderstehlich an einen von Asencios berühmten Vorgänger, und zwar an Nacho Fernández. Weniger an Sergio Ramos, mit dem der Canterano in seiner Debütsaison noch oft verglichen wurde. Ähnlich wie Nacho ist Asencio ein Klub-Soldat wie er im Buche steht. Auf dem Platz kompromisslos und immer mit hundertprozentigem Einsatz, auch wenn technisch nicht immer alles klappt. Darauf kann man sich bei ihm immer verlassen, egal wann, gegen wen und auf welcher Position. Weitere Parallele zur Real-Legende: Auch Asencio ist kein Lautsprecher, hält sich medial zurück und erledigt einfach konstant seinen Job. Und wenn er nicht startet oder wie zu Saisonbeginn gar nicht berücksichtigt wird, arbeitet er geduldig weiter und nutzt dann seine Chancen, die mit seiner Einstellung zwangsläufig kommen, was von einer enormen mentalen Stabilität zeugt.
Doch nicht nur auf dem Platz ist Asencio der geborene Nacho-Nachfolger, sondern eben auch als Mentalitäts- und Stabilitätsfaktor in der Kabine, in der es vor Egos und Einzelkünstlern nur so wimmelt. Ohne Nacho, Lucas Vázquez, Dani Carvajal oder Joselú, um nur ein paar berühmter Canteranos zu nennen, wäre die einmalig erfolgreiche Ära Real Madrids in den vergangenen fast 15 Jahren nicht möglich gewesen. Solche Spieler sind der Kleber, der alles zusammenhält und die schillernden Stars noch glänzender aussehen lässt. Sie waren die Träger der berühmten Real-Madrid-DNA und Asencio reiht sich mittlerweile in diese Riege ein, was wieder einmal beweist, dass es ohne Canteranos nicht geht. Und was Mut für die Zukunft macht.
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