Schweiz gedenkt der Brandopfer von Crans-Montana: Macron kommt, neun junge Fußballer unter Toten
Die Schweiz hält inne. Eine Woche nach dem verheerenden Brand in der Bar "Le Constellation" im Walliser Ferienort Crans-Montana gedenkt das Land der 40 Todesopfer und der 116 Verletzten mit einem nationalen Trauertag.
Um 13:45 Uhr beginnt im Expo-Center von Martigny die zentrale Gedenkfeier, um 14:00 Uhr folgen eine landesweite Schweigeminute und das Läuten der Kirchenglocken.
Der Bundesrat hatte den 9. Januar zum nationalen Trauertag erklärt, nachdem das Ausmaß der Katastrophe deutlich geworden war. Die meisten Opfer waren junge Menschen, viele von ihnen noch minderjährig oder im frühen Erwachsenenalter. Spitäler in der ganzen Schweiz mussten in den ersten Tagen nach dem Unglück Dutzende Schwerverletzte aufnehmen, zahlreiche Patienten wurden mit Rega-Helikoptern in Spezialkliniken geflogen.
Zur offiziellen Zeremonie in Martigny werden Vertreter aus rund dreißig Staaten erwartet. Darunter sind Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und der italienische Staatspräsident Sergio Mattarella, dessen Land mehrere Todesopfer zu beklagen hat. Für die Schweiz nehmen Bundespräsident Guy Parmelin, Außenminister Ignazio Cassis und Justizminister Beat Jans teil.
Aus Respekt gegenüber den Angehörigen findet die Gedenkfeier unter Ausschluss der Medien statt. Die Übertragung übernimmt ausschließlich das Schweizer Fernsehen. Für die Bevölkerung von Crans-Montana wird im Kongresszentrum Le Régent eine Liveübertragung organisiert.
Parallel zur zentralen Feier sind in zahlreichen Städten und Gemeinden Gedenkveranstaltungen geplant. In Zürich lädt der Stadtrat auf den Münsterhof zu einem gemeinsamen Moment der Stille. Anschließend findet im Fraumünster ein interreligiöser Gedenkanlass statt. In St. Gallen treffen sich die Kirchen auf dem Klosterplatz, in Fribourg und Lugano sind Gedenkfeiern in den Kathedralen vorgesehen.
Anteilnahme im ganzen Land
Der Bund hat zudem ein Online-Kondolenzbuch aufgeschaltet, in dem Bürgerinnen und Bürger ihre Anteilnahme ausdrücken können. Viele Gemeinden haben ihre Fahnen bereits auf Halbmast gesetzt.
Auch die SBB beteiligen sich am Trauertag. Auf Bahnhofsbildschirmen und in den Zügen wird auf den Gedenkmoment hingewiesen, um 14:00 Uhr wird der Betrieb kurz innehalten. Zwei Minuten zuvor, um 13:58 Uhr, sind Lokführer landesweit aufgerufen, die Zughörner zu betätigen.
Unter den 40 Todesopfern des Brandes in der Bar "Le Constellation" befinden sich neun junge Schweizer Fußballer aus drei regionalen Vereinen. Der Schweizer Fussballverband (SFV) würdigte die Verstorbenen und drückte gegenüber den Angehörigen sowie den Vereinen sein Beileid aus. Mehrere weitere Spieler wurden verletzt. Der Verband betonte, dass er die Familien auch langfristig unterstützen werde.
Die Ermittlungen zu dem Brand in der Bar "Le Constellation" dauern an. Die Betreiber, Jacques und Jessica Moretti, wurden erstmals von der Walliser Staatsanwaltschaft einvernommen. Im Zentrum steht die Frage, wie das Feuer in der Neujahrsnacht so schnell und verheerend ausbrechen konnte. Erste Hinweise deuten auf den Einsatz von bengalischen Zündhölzern, sogenannten Wunderkerzen, hin.
Am nationalen Trauertag hält das Land für wenige Minuten inne. In einem sonst von Tempo und Routine geprägten Alltag wird die Stille zum Ausdruck eines gemeinsamen Verlusts. Die Tragödie von Crans-Montana hat die Schweiz weit über den betroffenen Ferienort hinaus erschüttert.
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