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Bahnstreik: Massive Beeinträchtigungen auch in Rhein-Neckar

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		Bahnstreik:  Massive Beeinträchtigungen auch in Rhein-Neckar

Stuttgart. (jubu/mün/dpa-lsw) Der bundesweite Streik der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) bei der Deutschen Bahn hat auch in Baden-Württemberg und der Rhein-Neckar-Region für zahlreiche Zugausfälle und Verspätungen gesorgt. Neben den Fernzügen (IC und ICE) fallen auch etliche Züge im S-Bahnverkehr aus.  

Gegen 6 Uhr am Mittwochmorgen war die Situation am Heidelberger Hauptbahnhof so: Nervös schauen Fahrgäste immer wieder auf die Anzeigen der Bahn-App. Manche sagen, sie stünden hier seit kurz nach Mitternacht. "Wegen einer Störung fiel unser eigentlicher Zug aus und dann kam schon der Streik", erzählt Steffen Hirsch. Inzwischen steht er schon seit mehr als fünf Stunden am Bahnsteig.

Eine junge Frau wollte eigentlich in den Urlaub fahren. Aus der Berlin-Reise wurde nichts. Ratlos steht sie vor der großen Anzeigetafel in der Bahnhofshalle und hofft auf eine Verbindung. "Ich muss um 8 Uhr den Laden eröffnen", berichtet Heiko Steinmetz aus Neckargemünd empört. Im Minutentakt dröhnte aus den Lautsprechern, welche S-Bahn-Linie ausfällt. Reisende sprinten von einem Gleis zum anderen, weil Züge zusammengelegt wurden. Mit Tageslichtanbruch werden die Bahnsteige voller. Man trifft auf Unverständnis, ratlose Gesichter aber Zuversicht. "Zur Not fahr ich mit dem Taxi", schmunzelt Steinmetz schließlich.

Im Fernverkehr sind laut Bahn nur rund 25 Prozent der Züge unterwegs. Im Regionalverkehr gebe es erhebliche Unterschiede, sagte der Bahnsprecher. Nach Angaben des Verkehrs- und Tarifverbunds Stuttgart (VVS) sollen die S-Bahnen auf den wichtigen Linien in der Landeshauptstadt möglichst im Stundentakt fahren. "Es zeichnet sich ab, dass das auch funktioniert", sagte er am Morgen. Viele Kunden informierten sich vorab zum Beispiel online über Verspätungen und Ausfälle und suchten sich Alternativen.

Am Dienstag hatte die Gewerkschaft angekündigt, den Fern- und Regionalverkehr ab Mittwoch, 2 Uhr, für 48 Stunden bundesweit zu bestreiken. Schon seit Dienstagabend bestreikt die GDL den Güterverkehr.

Die Bahn bat Fahrgäste, nicht zwingend notwendige Reisen zu verschieben. Wegen des Coronavirus rief sie auch zu Rücksichtnahme in den Zügen auf. Der Ausstand trifft die Fahrgäste mitten in der reisestarken Urlaubszeit: In 11 der 16 Bundesländer sind Schulferien. Betroffen sind auch grenzüberschreitende Verbindungen und der Nachtreiseverkehr.

Nicht bestreikt werden Konkurrenten der Deutschen Bahn. Allerdings sind auch bei ihnen Einschränkungen in Folge der Streiks möglich. Wie viele Züge nicht fahren werden, war zunächst unklar. Nach Angaben der Südwest-GDL vom Dienstag wird die Ausfallquote in Baden-Württemberg aber recht hoch sein. 

Nach dem Streik-Start zeigt sich die GDL zufrieden mit der Zahl der Beteiligten. "Der Streik ist sauber angelaufen", sagte Jens-Peter Lück, der stellvertretende Vorsitzende des GDL-Bezirks Süd-West, der dpa. "Es gibt kaum GDL-Mitglieder, die trotz des Streiks unterwegs sind."

Die GDL-Mitglieder streiken für höhere Gehälter und bessere Arbeitsbedingungen. Dahinter schwelt in der Belegschaft auch ein Streit zwischen GDL und der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG darum, wer letztlich die Tarifverträge mit dem Unternehmen maßgeblich aushandelt. Anders als die größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) will die GDL in diesem Jahr keine Nullrunde bei den Gehältern akzeptieren. Sie verlangt deshalb unter anderem eine Corona-Prämie von 600 Euro und 3,2 Prozent mehr Geld in zwei Stufen.

Wegen Milliardenverlusten in der Pandemie will die Bahn hingegen die Erhöhung auf spätere Stufenzeitpunkte verteilen, bei einer Vertragslaufzeit von 40 Monaten. Hinzu kämen Leistungen zur Altersvorsorge und der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen.

Es ist der erste Streik bei der Bahn seit Dezember 2018, als die EVG ihre Mitglieder zum Arbeitskampf aufrief. Die GDL legte zuletzt vor sechs Jahren die Arbeit nieder.

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