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Wald im Rhein-Neckar-Kreis: "Die Folgen der Trockenheit halten uns ganz schön auf Trab"

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		Wald im Rhein-Neckar-Kreis:

Von Carsten Blaue

Rhein-Neckar. Der Regen der vergangenen Wochen hat den Grundwasservorräten auch in der Region gutgetan. Für die Wälder ist damit allerdings keine ausreichende Erholung verbunden. Viele Baumarten, etwa Buchen, Kiefern und Fichten, kämpfen weiter ums Überleben. "Dabei haben wir dieses Jahr richtiges Waldwetter", sagt Manfred Robens. Er leitet das Kreisforstamt des Rhein-Neckar-Kreises und ist weiter in Sorge um den Forst: "Viele Bäume gehen kaputt."

Fragt man ihn zur Wasserversorgung der Waldböden, führt er zunächst vor Augen, wie komplex das Thema ist: "Jeder Boden verhält sich anders. Die Wasserhaltekapazität ist sehr unterschiedlich." Und die Böden in der Region sind nicht überall gleich. In der Schwetzinger Hardt herrschen Sand und Kies vor, im Kraichgau toniger Boden, und im Odenwald ist er lehmig. Eine Verallgemeinerung sei da schwierig.

Überhaupt sei das Thema sehr komplex: "Bodenkunde ist nicht umsonst ein eigenständiges Fach im Studium", sagt Robens. Aber eines ist trotzdem klar: Ein regnerischer Sommer alleine reicht längst nicht. Dazu der Forstamtsleiter: "Die oberen 20 Zentimeter sind schnell getränkt. Diese Bodenschicht interessiert aber eher Gärtner."

Für die Bäume seien Tiefen ab 50 Zentimeter bis zu vier Meter interessant. Hier wurzeln sie, "und es dauert elend lange, bis zu zehn Jahre, bis das Wasser tiefer geht und der Boden auch in diesen Schichten getränkt ist." Er hoffe daher, dass mindestens noch die nächsten fünf Sommer so schön verregnet seien – "also normal". Denn die Hitzesommer der vergangenen Jahre seien es eben nicht.

Robens und seine Kollegen können sich nicht daran erinnern, dass es jemals drei so trockene Vegetationszeiten hintereinander gegeben hat wie in den Jahren 2018 bis 2020. Und das hat für den Wald fatale Folgen. Gerade bei älteren Bäumen seien die Grenzen des Erträglichen überschritten, so Robens.

In der Schwetzinger Hardt sterben die alten Kiefern ab. Die Trockenheit macht um ihr Leben ringende Bäume zudem anfällig, weil sie weniger vital sind. Misteln und der Diplodia-Nadelpilz schwächen sie zusätzlich. "Den gibt es seit Jahrhunderten", so Robens. Aber gestresste Bäume können dem Pilz weniger entgegensetzen.

Oder die Fichten im Odenwald. Diese Baumart lebe seit Tausenden Jahren mit dem Buchdrucker, einem Borkenkäfer, in Co-Evolution zusammen. Doch aufgrund des Wassermangels kann die Fichte nicht genug Harz bilden, um den Käfer, der sich in die Rinde einbohren will, darin zu ertränken. Außerdem hat die trockene Hitze die Borkenkäferpopulationen geradezu explodieren lassen – drei Generationen in einem Jahr. "Massen von Borkenkäfern sind da über die geschwächten Fichten hergefallen", so Robens. Immerhin das sei dieses Jahr besser. Höchstens zwei Generationen gebe es, sagt der Forstexperte.

Bei den Buchen im Odenwald und im Kraichgau könnten die Folgen der Dürre für Waldbesucher sogar richtig gefährlich werden, warnt Robens. Viele alte Bäume hätten sich bis zuletzt gewehrt. Aber jetzt sind sie so schwach, dass sie nicht mehr ausschlagen und keine Knospen mehr bilden. So sterben sie quasi "von oben runter" ab. Und wenn es dann in die morschen Äste hineinregnet, werden diese schwer und können brechen – sogar ganz ohne Windeinfluss.

Für die Revierförster bedeutet all das viel Arbeit. "Die Folgen der Trockenheit halten uns ganz schön auf Trab", so der Forstamtsleiter. "Wir haben viel zu tun." Daher ärgert ihn auch besonders, dass es Stimmen gibt, die behaupten, die Forstleute würden die Wälder durch die Bewirtschaftung, sprich: Baumfällarbeiten, kaputt machen. "Der Wald ist so wichtig für uns alle! Deshalb arbeiten wir ja auch mit Hochdruck daran, die Wälder klimaresilient zu machen", sagt Robens. Er hofft, dass sich gerade jüngere Bäume eher auf den Wassermangel einstellen können – sollten die Sommer nicht doch irgendwann wieder alle so normal werden, wie in diesem Jahr.

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