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Heidelberg: Wie Rohrbach der Boden entzogen wurde

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		Heidelberg:  Wie Rohrbach der Boden entzogen wurde

Von Volker Kaltschmitt und Jörg Clauer

Heidelberg. Da wieder mal Entscheidungen der Politik anstehen, die einen Verlust von landwirtschaftlicher Fläche und Gehölzstrukturen bedeuten würden, wollen wir aufmerksam machen, wie das einstige Dorf Rohrbach mehrere hundert Hektar landwirtschaftliche Flächen und Wald verloren hat: Über Jahrhunderte hinweg lebte Rohrbach fast ausschließlich von der Landwirtschaft. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts brach sich wie vielerorts das Maschinenzeitalter Bahn, sodass von da an viele Rohrbacher in den Fabriken ihr Brot verdienten. Die Landwirtschaft als Haupterwerbszweig wurde abgelöst durch die Beschäftigung in Industrie, Verwaltung und Handel. Ein hoher Prozentsatz der Arbeiter, Angestellten oder Beamten betrieb jedoch nebenbei Landwirtschaft und Weinbau – teilweise auch heute noch. Bei der Eingemeindung im Jahr 1927 war von Rohrbach als "reicher Braut" die Rede. Gemeint waren die Industrieanlagen, das florierende Handels- und Gewerbeleben, und vor allem der fast 500 Hektar große Wald, die ertragreichen Äcker, Weinberge und Obstanlagen.

Seit dieser Zeit haben sich die landwirtschaftlichen Strukturen stark verändert – einem großen Teil der Erwerbslandwirtschaft wurde im wahrsten Sinne des Wortes der Boden entzogen, auch der Wald verlor an Fläche. Um ein paar Beispiele zu nennen: Der Bau der "Nachrichtenkaserne" (später Hospital) und der "Großdeutschlandkaserne" (später "Hauptquartier") samt Mark-Twain-Village führte zu einem Verlust von insgesamt 32 Hektar. Daneben entwickelte sich ein neuer Stadtteil, die "Südstadt". Boxberg und Emmertsgrund, die ab 1959 und 1972 entwickelt wurden, umfassen zusammen über 115 Hektar. Wald, Obstbaumwiesen und Gärten mussten Hochhäusern weichen. Für die ab 1967/68 entstehenden Gebiete Industriegebiet Rohrbach-Süd und Wohngebiet Hasenleiser wurden nochmals circa 120 Hektar Ackerland geopfert. Für das Wohngebiet "Gewann See" ab 1978 weitere 15 Hektar. Hier waren es sogar "100er Böden" – die besten Böden für Landwirtschaft in Deutschland. Nicht zu vergessen der Bau der Umgehungsstraße für Leimen 2005. Die Pläne für eine Erdgasleitung, die in Rohrbach 36,5 Hektar verschlingen würde, liegen immer noch auf dem Tisch.

Bei der Eingemeindung umfasste Rohrbach eine Gesamtfläche von 1140 Hektar bei 5227 Einwohnern. Heute umfasst die freie Landschaft zusammen mit dem Wald nur noch 640 Hektar und es leben dort 28.000 Menschen in vier Stadtteilen – Rohrbach wäre somit heute längst selbst eine Große Kreisstadt. Die Fläche für die erwerbsmäßige Landwirtschaft ist auf etwa 50 Hektar Ackerland, 50 Hektar Weinberge und 10 Hektar Grünland geschrumpft.

Uns – wie wahrscheinlich allen Rohrbacher Bürgerinnen und Bürgern – liegt die übrig gebliebene landwirtschaftliche Fläche am Herzen: Sie ist Erwerbsgrundlage der verbliebenen landwirtschaftlichen Betriebe, der letzte Lebensraum für Tiere und Pflanzen der Feldflur, aber auch – und das zunehmend – Naherholungsgebiet für die Menschen, die hier leben. Die Felder und die Weinberge tragen einen großen Teil zur Stadtteilidentität und zur Lebensqualität in Rohrbach bei. Auch die Bewohner der Stadtteile Boxberg und Emmertsgrund leben gerne "zwischen Wald und Reben".

Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, diese Kulturgüter zu erhalten, damit die Menschen den so wichtigen Kontakt zur Landschaft nicht verlieren. Das Landschaftsbild ist an dieser wertvollen Nahtstelle zwischen Berg und Tal – zwischen Gewerbe, Landschaftserlebnis und Wohnen – besonders sensibel. Deshalb setzen wir uns dafür ein, dass diese letzten wertvollen und für das Erscheinungsbild von gleich drei Stadtteilen prägenden Flächen erhalten bleiben und bitten auch die Politik inständig darum, dies bei ihren Entscheidungen zu bedenken!

Die Autoren: Volker Kaltschmitt ist Stellvertretender Vorsitzender des Kreisbauernverbands Rhein-Neckar, Jörg Clauer ist Ortsobmann des Bauernverbandes Rohrbach.

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