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150 Jahre Elsenztal-Bahn: "Großer Bahnhof" zum Jubiläum

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Von Christoph Moll

Region Heidelberg. Der 25. Juni 1868 war ein Feiertag für das Elsenztal. Denn an diesem Tag fuhren erstmals regelmäßig Züge zwischen Neckargemünd und Bad Rappenau nach Fahrplan, nachdem eine Woche zuvor eine Probefahrt erfolgreich verlaufen war und die offizielle Eröffnung mit der Lok "Kniebis" stattgefunden hatte. Genau 150 Jahre ist es also nun her, dass die Eisenbahn ins Elsenztal kam. Dies wird am Sonntag, 24. Juni, mit mehreren Aktionen entlang der Strecke auch zwischen Neckargemünd und Meckesheim gefeiert.

Genau in diesem Streckenabschnitt gab es aber bereits seit dem 22. Oktober 1862 eine Bahnlinie, wie in den Broschüren "Rückblick auf 150 Jahre Eisenbahn in Meckesheim" und "150 Jahre Eisenbahn Bammental" nachzulesen ist: Nach einer Einweihungsfahrt "bei schlechtestem Wetter" wurde die 53,1 Kilometer lange Odenwaldbahn zwischen Heidelberg über Meckesheim und Neckarelz bis Mosbach als erste "Gebirgsbahn" Badens in Betrieb genommen. Neu war jedoch sechs Jahre später, dass es ab Meckesheim auch eine 27,9 Kilometer lange Abzweigung über Sinsheim bis Bad Rappenau gab. Meckesheim wurde somit zum Bahnknoten, der er noch heute ist.

Dass die Eisenbahn nach Meckesheim kam, ist einem kuriosen Umstand zu verdanken: Eigentlich sollte die Verbindung von Heidelberg nach Mosbach über das Neckartal gebaut werden. Zwar gab es bereits im Jahr 1846 erste Bemühungen für eine Eisenbahnverbindung, doch die Linienführung im Neckartal berührte über mehrere Kilometer hessisches Gebiet. Baden wollte aber keine Bahnlinie durch das "Ausland" bauen.

Deshalb entschied man sich für die Odenwaldbahn von Neckargemünd über Bammental, Mauer und Meckesheim bis Bad Rappenau, deren Bau zwischen Heidelberg und Neckargemünd im Jahr 1858 begann und einige Herausforderungen mit sich brachte. So mussten in Bammental zwei 29 Meter lange Brücken errichtet werden, weil die Gemeinde die Verlegung der Elsenz ablehnte.

Für die Trasse zwischen Meckesheim und Aglasterhausen stand auch einmal eine Linienführung über Mönchzell und Spechbach zur Diskussion. Doch hier war der Streckenverlauf ungünstiger, sodass die Gleise über Eschelbronn, Neidenstein, Waibstadt und Helmstadt gelegt wurden.

Die Neckartalbahn von Neckargemünd über Eberbach nach Mosbach wurde später dennoch gebaut und am 24. Mai 1879 in Betrieb genommen. Mit ihr verlor der Abschnitt von Meckesheim bis Neckarelz an Bedeutung. Heute geht dieser nur noch bis Aglasterhausen und wird als Schwarzbachtalbahn bezeichnet.

Nach dem Bau der Odenwaldbahn von Heidelberg über Meckesheim bis Mosbach wollte auch die staatliche Saline in Rappenau einen Bahnanschluss haben. Zunächst war eine Anbindung nach Waibstadt vorgesehen. Daraufhin strengten die Stadt Sinsheim und 25 Gemeinden im Kraichgau im Jahr 1862 eine Petition an, die eine Streckenführung von Bad Rappenau nach Meckesheim vorschlug. Diese einfache Variante wurde als Elsenztalbahn in 20 Monaten realisiert.

Die Eröffnungsfahrt von Meckesheim nach Bad Rappenau erfolgte am 19. Juni 1868 mit der "Kniebis". Die Lok verunglückte übrigens 14 Jahre später, am 3. September 1882, bei Freiburg bei einer Ausflugsfahrt mit 1200 Fahrgästen auf einer Gefällstrecke.

64 Menschen starben sofort und über 100 Personen wurden schwer verletzt, als die Lok und 28 Wagen entgleisten und sich ineinanderschoben. Ursache war eine Geschwindigkeit von 72 Kilometern pro Stunde bei erlaubtem Tempo 40. Die Lok wurde repariert, doch niemand wollte mehr mit ihr fahren.

Über die Arbeitsverhältnisse beim Bau der Bahnlinien ist nicht allzu viel bekannt. In der Heidelberger Zeitung vom 31. August 1861 suchte die Eisenbahnbauinspektion 100 bis 150 Arbeiter für den Bau des Abschnitts von Mauer bis Neidenstein. Interessierte sollten sich beim Sektionsingenieur in Meckesheim melden. Bekannt ist auch, dass es beim Bau und Betrieb der Bahnstrecken immer wieder zu Unfällen kam.

Die Eisenbahn brachte für das Elsenztal einen wirtschaftlichen Aufschwung, der gerade recht kam. Denn um 1850 lag die Wirtschaft in der Region am Boden, etwa 20 Prozent der Bevölkerung wanderte nach Amerika aus.

Doch die Eisenbahn bot wieder Arbeit: Für den Bau der Strecken und Bahnhöfe wurden Hunderte Arbeiter benötigt, von deren Konsum wiederum Bäcker, Metzger, Wirte und Herbergsbesitzer lebten. Aus Italien kamen Fachkräfte für den Tunnel- und Brückenbau, die oft auch in der Region blieben.

Mit der Bahn kamen Reisende, mit denen man Geld verdienen konnte. So siedelte sich beispielsweise in Meckesheim nicht nur eine Bahnhofsrestauration an, sondern auch weitere Gasthäuser. In Bammental ermöglichte die Eisenbahn die Errichtung der Tapeten- und Papierfabrik der Gebrüder Scherer, die im Jahr 1888 bereits 200 Beschäftigte hatte. Andere Wirtschaftszweige jedoch fielen der Eisenbahn zum Opfer: So traf es Speditionsbetriebe, aber auch die Dampfschifffahrt auf dem Neckar wurde im Jahr 1870 eingestellt.

In der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts gab es immer wieder Gerüchte, dass die Elsenztalbahn stillgelegt werden könnte. Doch als bei der Elektrifizierung der Neckartalbahn Anfang der 70er Jahre bei Eberbach ein Tunnel einstürzte, wurde die Strecke als Umleitung gebraucht.

In dieser Zeit wurden auch die Dampfloks zugunsten der günstigeren Dieselloks ausgemustert, das letzte Dampfross fuhr regulär im Jahr 1973. Mitte der 80er Jahre erlebte die Linie einen Aufschwung, der im Jahr 2009 in der Elektrifizierung und der Einführung der S-Bahn ihren Höhepunkt erreichte. Heute wird bereits der Abschnitt ab Neckargemünd als Elsenztalbahn bezeichnet.

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