Weinheim: Zunächst bekommt jeder vierte Grundschüler digitales Endgerät
Weinheim. (keke) Wie geht man mit bereits vorhandenen Geräten um? Gibt es für alle Schulen künftig ein einheitliches System? Nach welchen Kriterien wird entschieden, welche Schule als erste neue Tablets, Smartboards und Beamer bekommt? Wer übernimmt Betreuung und Wartung der Geräte? Wird der Jugendgemeinderat eingebunden? Und darf er dabei Vorschläge machen - oder sogar mitentscheiden?
Das Nachwuchsgremium hatte zwei Tage vor dem Gemeinderat die Thematik "Digitalisierung an den Schulen in Trägerschaft der Stadt" debattiert. Der "große Gemeinderat" war am Mittwoch dran, musste Antworten geben und die Signale fürs weitere Vorgehen auf Grün stellen.
Dass es "noch eine Schippe draufzulegen gilt", wie Sasche Pröhl im Namen der CDU konstatierte, stand für die anderen Fraktionen ebenso außer Frage. Christina Eitenmüller (Freie Wähler) verwies darauf, wie sehr die Digitalisierung in den Schulen noch davon abhängt, ob die Lehrer sie akzeptieren. Aber auch ältere Pädagogen dürften sich dem Thema nicht verschließen und müssten sich fortbilden.
"Die Technik folgt der Pädagogik": Umfassende Medienbildung gehöre zum grundlegenden Auftrag im Bildungsbereich, stimmte Thomas Knörr (SPD) zu. Die jetzigen "Insellösungen" müssten durch Einheitlichkeit ersetzt werden. Darüber hinaus seien personelle Ressourcen unabdingbar. Eine einzige Stelle, wie derzeit vorgesehen, werde wohl nicht ausreichen. Für Cornelia Münch-Schröder (GAL) ist "ärgerlich", dass die Finanzierungsfrage zwischen Bund, Land und Kommune ungeklärt ist. Das Personalproblem sei eher ein "Problem des Willens und Wollens", so Michael Lehner (WL). Für Lehrer gehöre es zu den wichtigsten Aufgaben, sich mit Digitalisierung zu beschäftigen. Für eine "schnellstmögliche Umsetzung" der gefassten Beschlüsse plädierte Andrea Reister (FDP). Auch Carsten Labudda (Die Linke) sah die Notwendigkeit, die Maßnahmen intensiv voranzutreiben.
Im Kern hat die Stadt fünf Aufgaben: Eine Breitbandanbindung der Schulen möglichst mit Glasfaser, die Versorgung in den Schulgebäuden mit einer strukturierten Verkabelung und WLAN, digitale Präsentationsmedien in allen Klassen- und Fachräumen, die Ausstattung mit Endgeräten sowie ein Unterstützungsangebot des pädagogischen Netzes einschließlich der Endgeräte. Als erster Stadtteil erhält Oberflockenbach voraussichtlich bis 2019 einen "Glasfaser-Backbone".
Ein daraufhin möglicher zeitnaher Hausanschluss für die Theodor-Heuss-Schule, die aktuell über einen Anschluss mit zwei Mbit/s verfügt, ist in Planung. Für das restliche Stadtgebiet ist mit Fertigstellung der Backbones 2020/21 zu rechnen. Für die Anbindung einzelner Objekte liegt noch keine Feinplanung vor: "Die Schulen sollen dabei Priorität genießen." Klar ist man sich im Gemeinderat, dass zu einem späteren Zeitpunkt die Notwendigkeit bestehen wird, jeden der derzeit 4500 Schüler aller Weinheimer Schulen mit einem mobilen Endgerät auszustatten. Bei einer üblichen Nutzungsdauer von fünf Jahren und einem Gerätepreis von circa 500 Euro entstehen im 1:1-Modell dabei jährliche Hardwarekosten von 450.000 Euro.
Vorschlag der Verwaltung: In einem ersten Schritt die Ausstattung soweit auszubauen, dass pro Grundschulzug ein Klassensatz an Endgeräten vorhanden ist. Dies entspricht einem 1:4-Modell. Für 19 Grundschulzüge je 30 Geräte würden so rechnerisch 570 Endgeräte benötigt. In einem System mit jährlichem Austausch der Geräte, die älter als fünf Jahre sind, fielen im Haushalt hierfür jährlich rund 60.000 Euro an. Auch für weiterführende Schulen soll im ersten Schritt eine Ausstattung von 1:4 angestrebt werden.
Am Ende votierte das Gremium einstimmig für alle Verwaltungsanträge. Damit werden die Grundschulen sukzessiv mit der Tablet-Lösung eines einheitlichen Systems in einem Verhältnis 1:4 (Endgerät pro Schüler) ausgestattet. Alle Schulen bekommen schrittweise eine möglichst einheitliche WLAN- und Präsentationstechnik und die nötigen Haushaltsmittel bereitgestellt. Zum Ausbau und Support der digitalen Ausstattung wird eine Vollzeitstelle eingerichtet, bei Bedarf der Stellenumfang angepasst. Aufgefangen werden die Kosten für die Personalstelle(n) 2018 aus dem Budget Personalaufwendungen. Ab 2019 und darüber hinaus werden die Stellen im Stellenplan verankert.

