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Sicherheitsaudit 2017: Weinheimer haben mehr Angst als 2006

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Von Philipp Weber

Weinheim. Neun von zehn Weinheimern fühlen sich in ihrem Stadtbezirk "ziemlich sicher" oder "sehr sicher". Die Lebensqualität in ihrem Umfeld bewerten sie mit einer Durchschnittsnote von 2,1. Damit sind das Sicherheitsempfinden und die "gefühlte" Lebensqualität in der Zweiburgenstadt stärker ausgeprägt als in Schwetzingen, Sinsheim und Leimen.

Dies ist die erfreuliche Seite des "Sicherheitsaudits 2017", das Professor Dieter Hermann, Leiter des Instituts für Kriminologie an der Uni Heidelberg, am Mittwoch im Gemeinderat vorstellte. Auf Anregung des Polizeipräsidiums Mannheim hatten Mitte des letzten Jahres die Großen Kreisstädte je 6000 zufällig ausgewählte Bürger ab 14 Jahren angeschrieben. Diese sollten Fragebögen zu Kriminalitätsfurcht und Lebensqualität beantworten, Verbesserungsvorschläge eintragen und die Bögen kostenlos zurückschicken. Mit einer Rücklaufquote von 46 Prozent lag Weinheim an der Spitze.

Dies sind - aus Sicht der Stadt - erfreuliche Botschaften. Steht in Hermanns Studie doch zu lesen, dass Standorte mit hohem Sicherheitsempfinden nicht zuletzt für Handel und Gewerbe attraktiv sind. Ein Grund, in Jubel auszubrechen, ist das Audit trotzdem nicht: Verglichen mit der letzten Befragung 2006 haben sich die Ängste vor Kriminalität auch in Weinheim zum Teil verdoppelt.

Professor Hermann sieht die Ursachen allerdings nicht in Weinheim. In seinen Erläuterungen weist er darauf hin, dass die Ängste vor außer Kontrolle geratender Migration, einem Versagen von Politik und Behörden sowie Terroranschlägen in den letzten Jahren bundesweit zugenommen haben. Bemerkenswerterweise haben die Ressentiments gegenüber Migranten im Allgemeinen in Weinheim trotzdem abgenommen. Die Studie erfasste Personengruppen oder Phänomene, welche die Befragten als problematisch wahrnehmen: von Jugendlichen, über Migranten, Falschparker oder Hausierer bis hin zu Müll, Graffiti oder Drogenkonsum.

Dabei stellte sich heraus, dass 2006 noch 15 Prozent der Befragten Migranten angekreuzt hatten; elf Jahre später lag die Quote bei sieben Prozent. Einen massiven Anstieg gab es bei "Falschparkern". CDU-Fraktionschef Holger Haring wollte das nicht glauben. Er argumentierte im Gemeinderat mit der veränderten Stimmungslage gegenüber Asylbewerbern seit dem Winter 2015/16. Tatsächlich wurden Asylsuchende 2006 nicht als gesonderte Gruppe abgefragt. Das war 2017 der Fall - wobei 18 Prozent der zwischen 14 und 69 Jahre alten Befragten an dieser Stelle ein Kreuzchen setzten. Apropos Zuwanderer und Asylbewerber: Hermann hatte die Polizeilichen Kriminalstatistiken für das Land und den Landkreis ausgewertet. Dabei wurde sichtbar, dass junge Zuwanderer dazu beigetragen haben, dass sich bestimmte Fallzahlen erhöhten.

"Das Bild des Asylbewerbers, der mit krimineller Absicht kommt, ist trotzdem falsch", so der Kriminologe. Die Zahl junger Männer unter den Geflüchteten sei überproportional hoch, die Wohnverhältnisse beengter, die Perspektiven schlechter - und die Zahl traumatisch Belasteter höher. Schlüsselt man die Statistik in Stadtteile auf, so ist die Furcht vor Kriminalität in der Weststadt mit Abstand am größten. Auf Rang zwei liegt die Innenstadt, während die Ängste in der Südstadt im Vergleich zu 2006 zurückgegangen sind. In den Odenwaldortsteilen gab es dagegen weit weniger Furcht vor Kriminalität. Aus Sulzbach kam Kritik, weil dort ein Lebensmittelmarkt fehlt.

Professor Hermann empfiehlt Präventionsprojekte, um Ängste vor Kriminalität abzubauen - und um reale Kriminalität zu vermeiden. Mit Präventions- und Selbstbehauptungsprojekten würde er auf Frauen unter 30 und auf Männer zwischen 20 und 30 Jahren zugehen. Hier gibt es Ängste davor, "dumm angemacht" zu werden. Einbruchsprävention solle sich an Bürger ab 40 richten - und die Prävention von Sexualdelikten an junge Frauen. Wie wichtig Flüchtlingsarbeit ist, zeigte eine andere Forderung: Hermann würde auf junge Migranten, speziell aus autoritär oder patriarchalisch geprägten Ursprungsgesellschaften, zugehen - und ihnen Gewalt und Machismo abtrainieren.

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