Specialized S-Works Recon Evo im ersten Test: Edelschuh mit viel Platz
Die Neuentwicklung eines Klassikers: Der neue Specialized S-Works Recon Evo MTB-Schuh führt zentrale Merkmale des bisherigen S-Works Recon weiter und kombiniert sie mit Elementen des Ares 2 – vor allem bei Obermaterial, Verschluss und der natürlicher geformten Zehenbox. Der neue Schuh soll ein sicheres und komfortables Tragegefühl bieten und gleichzeitig maximale Performance liefern. Ob das gelungen ist? Im Rahmen des Epic-Launches konnten wir den Schuh schon einem ersten Test unterziehen.
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Specialized S-Works Recon Evo – Infos und Preise
Specialized setzt beim neuen S-Works Recon Evo MTB-Schuh auf die Erfahrung mit dem Rennrad-Schuh S-Works Ares 2 und bringt die Features aus dem Road-Bereich mit denen des S-Works Recon zusammen – um damit einen steifen, aber auch komfortablen Schuh zu kreieren. Der Schuh richtet sich an XC-Rennfahrer und Gravel-Athleten, die Wert auf Kraftübertragung, Effizienz, eine hochwertige Passform und hohen Tragekomfort legen – wir sind den Schuh im Rahmen der Epic 9 Vorstellung (Specialized S-Works Epic 9 Test) und auf ersten Runden zuhause gefahren.
- Schuhtyp XC-, Gravel- und Offroad-Rennschuh, 2-Loch-Aufnahme
- Verschlusssystem BOA®-Anpassungssystem mit Dual-Dial Li2
- Leisten Body Geometry Natural Leisten
- besondere Features Varuskeil, Fußgewölbestütze, Mittelfußknopf, PowerHug-Verschlusssystem, verstärkte Fersenkappe
- Sohle Carbonsohle mit TPU-Pontons und Gummi-Stollen
- Farben Schwarz, Weiß
- Gewicht 364 g (Größe 47)
- Herstellungsland Vietnam
- Verfügbarkeit 7. Mai 2026
- www.specialized.com
- Preis 479 €
Im Detail
Optisch vollzieht Specialized mit dem neuen Recon Evo eine Kehrtwende zu den bisherigen Recons, denn insbesondere der Frontbereich sieht gänzlich anders aus, als man es vom bisherigen S-Works Recon kannte. Klar orientiert hat man sich mit dem neuen Design beim hauseigenen Highend-Rennradschuh Ares 2 (S-Works Ares 2 Test auf Rennrad-News.de), der im vergangenen Jahr auf den Markt gebracht wurde. Der Schuh kostet 479 € und liegt damit preislich im absoluten Oberklasse-Segment aktueller XC-Rennschuhe.
Der auffälligste Punkt ist dabei die Neugestaltung des Vorderfuß-Bereichs, der nun asymmetrisch gestaltet ist. Böse Zungen würden behaupten, er hätte von oben Ähnlichkeiten mit einem Gesundheitsschuh – und selbst Specialized gab bei der Präsentation zu, dass er zumindest eine ungewöhnliche Form erhalten hat. Aber wie heißt es so schön: Form follows function, denn diese Form ergibt laut den Schuhspezialisten von Specialized absolut Sinn: Tausende Messungen mit ihrem hauseigenen RETÜL-System hätten ergeben, dass die meisten Füße sehr gerne noch ein bisschen mehr Platz im Zehenbereich hätten, ohne jedoch den Schuh unnötig breiter zu machen. Und genau so wurde der neue Recon Evo gestaltet: nicht einfach breiter als der Vorgänger, sondern stärker der natürlichen Fußform folgend. Dabei gibt es keine zwei Breiten mehr wie beim alten Recon, sondern mit der neuen Form nur noch eine Variante: Regular. Ob sich das im Einsatz als besser erweist, lest ihr unten – zumindest die Specialized-Athleten Haley Batten, Matt Beers & Chris Blevins konnten beim Cape Epic und im vergangenen XC World Cup bereits Erfolge einfahren.
Specialized benennt die Energieübertragung als ein Kernthema des Schuhs – und diese ist auch für mich persönlich ziemlich wichtig: Gerade als Fahrer, der mit knapp unter 100 kg eher zu den schweren zählt, fällt es mir bei vielen verfügbaren Schuhen auf dem Markt negativ auf, wenn durch eine zu flexible Sohle die Energieübertragung leidet oder das Obermaterial meinen Fuß nicht maximal sicher im Schuh hält. Beim S-Works Recon Evo wurde die Fersenkappe vergrößert und das – ebenfalls vom Ares 2 inspirierte – „PowerHug“ genannte Verschlusssystem soll sowohl den Rückfuß stabilisieren als auch den Mittelfuß fixieren, damit man im Schuh nicht wild herumrutscht.
Insbesondere an der Ergonomie des Schuhs hat Specialized nach eigenen Angaben gearbeitet. Man kennt das RETÜL-Bike-Fitting von Specialized, und dieses macht auch beim Recon Evo nicht halt: Der Schuh basiert wie auch die bisherigen Top-Schuhe auf dem Body Geometry Natural-Leisten und soll nach Specialized-Angaben den Vorfußdruck um 44 % verringern. Was man auch bisher von den Body-Geometry-Modellen kannte, ist auch hier natürlich dabei: Varuskeil zur Stabilisierung des Vorfußes, Fußgewölbestütze für die Erhaltung der natürlichen Fußform unter Belastung sowie eine Mittelfußstütze, welche die Nervenkompression reduzieren soll.
Das dritte Kernthema betrifft die Offroad-Tauglichkeit. Hier knüpft der Recon Evo sichtbar an den bisherigen S-Works Recon an: Auch dort waren bereits austauschbare Pontons und Shims zur Abstimmung der Pedal-Schnittstelle ein zentrales Feature. Damit man mit dem Schuh gerade im Gravel- und teilweise auch im Cross-Country-Bereich in Tragepassagen nicht wegrutscht und gleichzeitig möglichst effizient unterwegs ist, verfügt der Recon Evo über Gummi- und TPU-Stollen, die groß ausfallen und einen möglichst rutschfesten Stand und Laufen ermöglichen sollen. Die Pontons (also die Klötze der Stollen) sind von innen geschraubt und austauschbar, um sie entweder auszuwechseln oder mit Shims eine Feinabstimmung der Verbindung mit dem Pedal zu ermöglichen, sodass man exakt je nach Cleat perfekt auf dem Pedal steht.
Auf dem Trail
Kleine Offenlegung zu Beginn: Ich bin seit vielen Jahren großer Recon-Fan, wie auch schon vor zwei Jahren mein Eintrag in unserer Empfehlungsserie „Geile Teile“ zeigte (Specialized S-Works Recon – jeden Cent wert). Bislang dachte ich, dass die Passform meines alten Recons kein Schuh schlagen würde. Der S-Works Recon Evo hingegen tut genau dies, und zwar aus diversen Gründen.
Auffällig ist zunächst, dass der Schuh (Größe 47/12,5) im direkten Vergleich mit meinem „alten“ Recon (Größe 46,5/12) exakt identisch lang ist – obwohl der Schuh eine halbe Schuhgröße größer ist. Zumindest bei meinen Füßen spricht der Vergleich dafür, bei Zwischengrößen auch die größere Größe anzuprobieren. Gefahren wurde der Schuh mit Shimano SPD-Cleats und Shimano XT XC-Pedalen.
Der Unterschied der Fußform ist nicht nur sichtbar, sondern auch auf dem Trail definitiv zu spüren. Der Recon Evo bekommt den Spagat aus viel Platz und viel Kontrolle noch etwas besser hin als der Vorgänger und ich fühlte mich beim ersten Anziehen direkt komplett zu Hause.
Das, was Specialized „PowerHug“ nennt, fühlt sich auch so an: Die BOA-Li2-Verschlüsse ziehen sich nicht nur einfach fest und drücken die Zunge auf den Spann – so war es beim alten Recon, weshalb man diesen recht präzise festziehen musste, damit die BOA-Kabel nicht unangenehm drückten. Beim Evo laufen die Kabel über die großzügige Lasche, die wiederum über der Zunge liegt, und umschließt so den Fuß fest. Einzig das Lösen dieses Verschlusses finde ich unnötig hakelig: Lösten sich bei BOA sonst die Kabel immer direkt und der Schuh war direkt offen, sind sie hier etwas schwergängig und man muss recht fest an der Lasche über dem Spann ziehen, um die BOA‑Kabel herauszuziehen – zugegebenermaßen ist das Meckern auf allerhöchstem Niveau.
Auf dem Trail und auf Schotterwegen mit dem Gravelbike ist der Schuh eine Macht: null Flex am Pedal, maximale Kontrolle und ein Gefühl im Fuß vom Start weg, das ein Schuh ohne Eintragen eher selten leistet. Dabei ist der Fersenhalt hoch und auch die Seitenstabilität immer gegeben. Neben hohem Kontrollgefühl bietet der Recon Evo viel Komfort, gerade im Vorderfuß, und sorgt dennoch für eine hohe Übertragungskraft. Kosmetisch empfindlich, aber das hat nacktes Carbon nun mal so an sich, ist leider die Unterseite der Sohle. Nach gerade einmal zwei Tagen XC-Trails und kaum Schiebepassagen sorgten Schotterparkplatz und einige Steine auf dem Trail direkt für diverse feine Kratzer in der Kohlefaser – siehe Bild 6. Dies jedoch bleibt ein optisches Problem, das man bei dem offenen Material wohl in Kauf nehmen muss und vor dem auch mein alter Recon nicht gefeit war – etwas wehtun dürfte es Käufern des teuren Schuhs dennoch.
Fazit – Specialized S-Works Recon EVO
Auch wenn wir aufgrund der bislang kurzen Testdauer noch kein endgültiges Testurteil in Sachen Langzeitkomfort und Haltbarkeit fällen können – man kann es nicht anders sagen: Der S-Works Recon Evo ist ein fantastischer Schuh. Niedriges Gewicht, hoher Komfort, höchste Kontrolle und auch in Sachen Flex – Spoiler: Es gibt keinen – bleibt er den bisherigen S-Works-Modellen treu. Bleibt allein der sehr hohe Preis von 479 €. Wenn dieser Schuh allerdings eine ebenso hohe Haltbarkeit haben sollte wie mein alter Recon (7 Jahre und mehr), kann sich auch eine solche Investition aber durchaus lohnen.
Was sagt ihr zum neuen Specialized S-Works Recon Evo?
Testablauf
Für den Launch des neuen Specialized S-Works Epic 9 wurden wir im Vorfeld des Sea Otter Classic Festivals nach Santa Cruz/Kalifornien eingeladen, in dessen Zeitraum wir auch den neuen S-Works Recon Evo testen konnten. Der Testumfang beschränkt sich bislang auf wenige Tage, eine Langzeitaussage zur Haltbarkeit ist damit noch nicht möglich. Die Kosten für das Pressecamp wurden von Specialized getragen.
So haben wir den S-Works Recon Evo getestet
- Santa Cruz Feuchte, rutschige Trails mit Wurzeln, steilen Rampen und kurzen Downhill-Abschnitten. Trail verlassen streng verboten – das Poison Oak wuchs in diesem Frühjahr besonders gut …
- Fort Ord/Monterey Maximal schnelle Hardpack-Trails. Von sandig-rutschig bis griffig war alles dabei.
| Körpergröße | 193 cm |
| Schrittlänge | 98 cm |
| Oberkörperlänge | 61 cm |
| Armlänge | 59 cm |
| Gewicht | 97 kg |
- Fahrstil
- verspielt und sauber
- Ich fahre hauptsächlich
- Enduro, Trails, Pumptrack/Park/Street
- Vorlieben beim Fahrwerk
- progressiv, nicht zu soft, schnelle Zugstufe
- Vorlieben bei der Geometrie
- eher kürzerer Hinterbau, Lenkwinkel nicht extrem flach, die Front darf gern etwas höher

