Fuchsfeuer & Graveltrails: Abenteuer in Finnisch-Lappland
Manche Reisen beginnen mit einer Idee, andere mit einer Geschichte. Unsere Finnlandreise begann mit beidem. Gemeinsam mit meiner Zwillingsschwester Caro und dem Fotografen Martin Bissig wollten wir herausfinden, wie sich Gravelbiken nördlich des Polarkreises anfühlt. Endlose Wälder, tausende Seen und ein Netz aus Schotter- und Forstwegen versprachen genau das Abenteuer, das wir gesucht haben. Was wir nicht erwartet hatten: Blaubeerfelder neben den Trails, Sauna-Rituale am See, Packrafting mit unseren Bikes und eine alte samische Legende über die Nordlichter; das sogenannte Fuchsfeuer.
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Graveln im Land der tausend Seen
Unsere Basis für diese Reise ist Levi, eine kleine Stadt in Finnisch-Lappland. Im Winter ist die Region ein Hotspot für Wintersportler. Als wir ankommen, wirkt der Ort im Spätherbst fast ein bisschen verschlafen. Für uns perfekte Bedingungen.
Schon nach den ersten Kilometern wird klar: Lappland ist wie gemacht fürs Gravelbike. Breite Schotterstraßen wechseln sich mit schmalen Waldtrails ab. Wege, die im Winter Langlaufloipen sind, werden im Sommer zu fantastischen Gravel-Routen. Vom höchsten Punkt eines Fjells, knapp 400 Meter über dem Meer, schauen wir über eine Landschaft, die scheinbar endlos ist. Wälder und Seen, so weit das Auge reicht. Nur hier und da taucht eine Blockhütte oder ein kleines Dorf auf.
Blaubeeren statt Energieriegel
Mitten im Nirgendwo höre ich Caro plötzlich lachen. „Jetzt weiß ich, warum Blaubeersaft das Lieblingsgetränk bei Finnair ist“, ruft sie aus dem Wald. Ich finde sie mitten in einem Blaubeerfeld. Ihr Bike lehnt am Baum, ihre Hände sind blau und sie isst sich durch die Büsche. Und tatsächlich: Blaubeeren, so weit man schaut. Unsere Pause liefert nicht nur Energie, sondern färbt auch unsere Zungen blauviolett. Kostenloser Trail-Snack direkt neben den besten Gravelstrecken Lapplands.
Doch lange bleiben wir nicht stehen. Im Herbst steht die Sonne hier den ganzen Tag tief und verschwindet früher hinter dem Horizont, als man denkt. Unser Ziel für den Abend ist eine Feuerstelle an einem See im Nationalpark. Die letzten Sonnenstrahlen tauchen die Landschaft in goldenes Licht, ein perfekter Platz für einen Abend am Feuer.
Sauna gehört dazu
Eine Sache gehört in Finnland einfach dazu: Sauna. Es heißt, im Land gibt es fast halb so viele Saunen wie Einwohner. Tatsächlich scheint jede Hütte, jedes Ferienhaus und fast jedes Gebäude eine zu haben.
Unser Guide Aapo nimmt uns mit in die „Arctic Sauna World“. Dort gibt es mehrere Saunen, die den Elementen Feuer, Wasser, Erde und Luft gewidmet sind. Eine kleine kulturelle Überraschung gibt es allerdings auch. Anders als bei uns betritt man öffentliche Saunen hier nicht nackt, sondern mit Badebekleidung. Ohne den Hinweis unseres Guides hätten wir uns vermutlich ziemlich blamiert. Nach der Sauna springen wir in den eiskalten See. Danach fühlt sich der Körper wach und leicht an, genau richtig für den nächsten Programmpunkt.
Besuch beim Schamanen
Am Abend treffen wir einen samischen Schamanen in einer kleinen Holzhütte am See. Drinnen knistert ein Feuer, draußen zieht ein kalter Wind über das Wasser. Er erzählt uns eine alte Geschichte über die Nordlichter. In der samischen Mythologie streift im Winter ein riesiger Fuchs durch die Wälder. Wenn er mit seinem Schwanz über den Schnee streicht, entstehen Funken. Diese steigen in den Himmel auf und werden zu Nordlichtern. Darum nennen sie die Aurora Borealis auch Fuchsfeuer. Natürlich hoffen wir, dieses Schauspiel selbst zu sehen.
Gravelbikes auf Downhill-Trails
Levi hat einen der nördlichsten Bikeparks der Welt. Die lokale Trailcrew lädt uns ein, die Strecke zu fahren. Eigentlich sind die Trails für Downhill-Bikes gebaut. Aber Caro und ich sind schon in der Schweiz zuversichtlich: die grünen und blauen Trails sollten wir auf unseren Gravelbikes fahren können. Also lassen wir die Fullface-Helme zu Hause und rollen mit unseren Gravelbikes auf die „Santa Claus Hut“-Line. Die Strecke ist überraschend gut fahrbar. Steilkurven, Holzrampen und schnelle Passagen, alles fahrbar auch ohne Federweg.
Packrafting mit dem Bike
Lappland ist ein Paradies aus Flüssen und Seen. Unser Guide Aapo hat deshalb eine weitere Idee: Packrafting. Die kleinen aufblasbaren Boote haben zusammengefaltet etwa die Größe eines Schlafsacks. Perfekt für Bikepacking. Statt einen See zu umfahren, überqueren wir ihn einfach. Unsere Bikes werden zerlegt und mit Gurten auf den Booten befestigt. Ein paar Minuten später paddeln wir über spiegelglattes Wasser, mitten durch die finnische Wildnis.
Die Nacht der Nordlichter
Am letzten Abend sagt unsere Aurora-App eine hohe Wahrscheinlichkeit für Nordlichter voraus. Der Himmel ist klar, die Sonnenaktivität hoch, perfekte Bedingungen für Nordlichter. Wir fahren zum höchsten Punkt der Region, auf den Gipfel des Levi-Skigebiets. Anfangs ist nur ein leichter grüner Schleier zu sehen. Doch je dunkler es wird, desto stärker beginnt der Himmel zu tanzen.
Grüne und pinke Bögen ziehen über den Himmel, flackern und bewegen sich wie Wellen. Wir stehen alle einfach nur da und schauen nach oben. Ein überwältigendes Schauspiel und eine Box auf unserer Bucket for Life abgetickt. Besser hätte unsere Gravelreise durch Finnisch-Lappland nicht enden können.
Reiseinfos Finnisch-Lappland
GPX-Tracks
Unsere Rides haben wir in einer Komoot-Collection zusammengefasst: www.komoot.com
Beste Reisezeit
Für Gravelbike-Abenteuer sind die Monate Juni bis September ideal. Die Temperaturen sind angenehm. Von Juni bis Mitte August gibt es viele Mücken.
Die Chancen, Nordlichter zu sehen, sind ab September größer, dafür sind die Temperaturen tiefer.
Anreise
Die Region ist über Flughäfen in Kittilä, Rovaniemi und Ivalo gut erreichbar. Von dort aus ist Levi per Bus oder Mietwagen gut zu erreichen. Internationale Flüge gehen meist über Helsinki.
Klima
Lappland hat ein subarktisches Klima mit kurzen, milden Sommern und langen, kalten Wintern. Im Herbst liegen die Temperaturen tagsüber oft bei 5–15 °C, während es nachts schon schneien kann.
Währung
In Finnland zahlt man mit dem Euro. Kartenzahlung ist weitverbreitet und selbst in abgelegenen Regionen meist möglich.
Kosten
Finnland ist generell etwas teurer als andere europäische Länder. Für Unterkunft, Verpflegung und Freizeitaktivitäten sollte man mit etwa 100–150 € pro Tag rechnen.
Geführte Graveltouren
Der Schweizer Reiseveranstalter Bike Adventure Tours bietet geführte Gravelreisen nach Finnisch-Lappland an. Weitere Infos: www.bike-adventure-tours.ch
Tierische Erlebnisse
Warst du schon mal in Finnland Radfahren oder hättest du Lust darauf?

