Norco Downhill-Prototyp von Greg Minnaar: Neue Shimano Saint-Komponenten und 32″ im Downhill?
Die diesjährige Downhill-Saison ist zwar noch nicht richtig angelaufen, die Teams scharren allerdings schon mit den Hufen und bereiten Mensch und Material auf den ersten World Cup des Jahres in Südkorea vor. So auch das Norco Factory Racing Team mit Teamchef und Mountainbike-Legende Greg Minnaar. Ebendiesen konnten wir kürzlich mit einem Downhill-Prototypen antreffen. Die Spyshots und Infos zum neuen Bike gibt’s hier.
[toc]
Norco Downhill-Bike Prototyp von Greg Minnaar
Im Rahmen eines von Fox Racing Shox durchgeführten Pressevents hatten wir die Möglichkeit, ein paar Sätze mit einer der Mountainbike-Legenden schlechthin zu wechseln: Greg Minnaar. Der Südafrikaner hat 2024 seine aktive Karriere im Downhill World Cup beendet, ist allerdings nach wie vor in der Downhill-Szene aktiv. Als Teammanager des Norco Factory Racing Teams rund um die kanadische Überfliegerin der Saison Gracey Hemstreet betreut, optimiert und testet Greg fleißig alles rund um den schönsten Sport der Welt.
Dementsprechend ist es wenig verwunderlich, dass wir Greg mit einem ungebrandeten Norco Downhill-Prototypen angetroffen haben. Das Bike setzt auf einen unlackierten Hauptrahmen aus Aluminium, der mit einem Carbon-Hinterbau kombiniert wird. Durch den Carbon-Hinterbau soll das Bike zum einen deutlich leichter geworden sein, aber auch Vorteile bei der Verdrehsteifigkeit sind ein Grund für Kohlefaser an dieser Stelle. Laut Greg ist das Downhill-Bike mit dem Carbon-Heck deutlich leichter im Handling und trackt den Untergrund besser.
Bei der Laufradgröße setzt man, wie im DH-Bereich aktuell üblich, auf ein Mullet-Setup mit 29″-Vorderrad und 27,5″-Hinterrad. Spannend wird es, wie so oft bei Prototypen, wenn man sich die umfangreichen Verstelloptionen anschaut. Hier können ganz klassisch Reach und Lenkwinkel verstellt werden. Zudem ist auch eine Progressions-Verstellung integriert.
Dadurch soll sich die Highpivot-Kinematik mit Umlenkrollen perfekt an Fahrervorlieben oder auch spezielle Strecken anpassen lassen. Auch die Position der Kettenumlenkrolle ist anpassbar. Hier stehen fünf Optionen zur Wahl. Nachdem letzte Saison bereits ausgiebig in diese Richtung getestet wurde, weiß das Team mittlerweile ungefähr, welche Settings sich für welche Strecken eignen.
So viele Verstelloptionen klingen natürlich nach einem Traum für Setup-Nerds, hierbei das Optimum auszuloten, kostet aber auch richtig viel Zeit. Minnaar betont, dass es zwar leicht sei, grob in die gewünschte Richtung zu kommen – bis man wirklich das perfekte Setting hat, vergeht dann aber noch mal sehr viel Testzeit.
Fox & Shimano Prototypen: Kommt die neue Saint?
Greg Minnaar ist eine echte Mountainbike-Legende und seit jeher eng mit Firmen wie Fox und Shimano verbandelt. Da verwundert es nicht, dass an seinem Bike auch die ein oder andere Komponente verbaut ist, die man so bisher nicht von der Stange kaufen kann. Am Lenker findet sich neben dem Schalthebel auf der rechten Seite auch links eine für Downhill-Bikes eher unübliche Hebeleinheit. Diese steuert laut Greg den verbauten Fox Live Valve Neo-Dämpfer. Dadurch kann der Automatik-Modus des Dämpfers überschrieben werden. Ein bretthartes Fahrwerk auf Knopfdruck könnte in Tretpassagen durchaus Vorteile bieten. Mehr Details konnten wir dem Südafrikaner diesbezüglich allerdings nicht entlocken.
Doch auch bei den Japanern von Shimano scheinen einige Neuheiten in der Pipeline zu stehen. An Gregs Bike war ein schwarzes Downhill-Schaltwerk mit einem ganz dezenten Shimano-Branding zu entdecken. Dieses durften wir zwar leider nicht im Detail fotografieren, der kurze Käfig und die DH-Kassette legen allerdings nahe, dass es sich hierbei um ein neues Shimano-Saint-Schaltwerk handeln könnte. Optisch lässt sich die Verwandtschaft zu den neuen Shimano XT und XTR Schaltwerken definitiv nicht verleugnen.
Auch die Shimano-Bremsen-Familie könnte bald heiligen Zuwachs bekommen. Denn auch diesbezüglich gab es an Gregs Bike potenzielle Neuheiten zu entdecken. Die Shimano XTR-Bremshebel hat Greg nämlich mit unlackierten, ungebrandeten und ziemlich wuchtigen Bremssätteln kombiniert. Wir sind uns ziemlich sicher, dass es sich hierbei um eine neue Shimano-Downhill-Bremse handelt. Auffällig ist die optische Verwandtschaft zu den Bremssätteln der SRAM Maven.
Hat 32″ eine Zukunft im Downhill-Sport?
Greg Minnaar war seinerzeit einer der ersten World-Cup-Racer, der mit den großen 29″-Laufrädern im World Cup an den Start ging. Dementsprechend liegt jetzt mit Ankunft der noch größeren 32″-Laufräder im Mountainbike-Bereich die Frage nach deren potenziellem Einsatz im Downhill-Bereich nahe. Hier zeigt sich Greg Minnaar allerdings skeptisch. Er sei die großen Laufräder bislang noch gar nicht gefahren. Außerdem müssten zuvor robuste 32″-Komponenten wie Federgabeln, Reifen und Laufräder für den DH-Einsatz zur Verfügung stehen.
Auch Fahrwerks-Guru und Fox-Racermanager Jordi Cortez sieht keine 32-Zukunft im Downhill-Bereich. Die größten Vorteile würden die 32″-Laufräder durch den enorm hohen Grip am Hinterrad ausspielen. Dadurch könnte man krasse Uphills bewältigen.
Am Downhill-Bike wäre aufgrund des hohen Federwegs und der nötigen Bewegungsfreiheit allerdings nur eine Mullet-Kombination mit 32″-Vorderrad denkbar. Hier sieht Jordi allerdings Probleme aufgrund des Gyro-Effekts. Ein Abkippen des Bikes dürfte hier deutlich schwerer vonstattengehen als bei 29″-Laufrädern. Außerdem könnten Mullet-Setups wie 32″/27,5″ in Sachen Balance und Geometrie schnell „weird“ werden.
Wie gefällt dir der Downhill Prototyp von Greg Minnaar und was sagst du zu den neuen Shimano Saint-Komponenten?

