Trek Checkout SL 7 Gravel-Fully im Test: Halb Gravelbike, halb MTB?
Halb Mountainbike, halb Gravelbike? Das Trek Checkout Gravel-Fully polarisiert. Hat Trek hier einen ganz komischen Weg eingeschlagen oder ist das Checkout das Allround-Bike, was Gravelbiker und XC-Tourenfahrer insgeheim schon immer gesucht haben? Wir sind es auf Trails und auf Gravel gefahren und haben eine Antwort gefunden. Hier gibt’s unsere Testeindrücke.
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Video: Trek Checkout SL 7 im Test
Steckbrief: Trek Checkout SL 7
| Einsatzbereich | Cross-Country |
|---|---|
| Federweg | 60-60 mm (vorn) |
| Laufradgröße | 27,5ʺ |
| Rahmenmaterial | Carbon |
| Gewicht (o. Pedale) | 12,0 kg |
| Rahmengrößen | XS, S, M, L, XL (im Test: L) |
| Website | www.trekbikes.com |
| Preisspanne | 4.999 Euro - 6.999 Euro |
Wartet kurz und lest erst mal rein, bevor der erste Kommentar in die Tastatur gehämmert wird: Denn das Trek Checkout ist ein Bike, das man sich auch als Mountainbiker einmal näher anschauen könnte. Weil es als Gravel-Fully mit 2,1″ breiten Reifen definitiv stärker nach MTB riecht als nach Rennrad, trotz Dropbar. Aber ist es nun schon ein Mountainbike oder doch einfach ein sehr spezielles Gravelbike, welches das Konzept des ersten Gravel-Fullys Niner MCR 9 RDO von 2019 perfektioniert haben könnte? Genau diese Frage stellten wir uns schon bei der Pressemitteilung (Trek Checkout Neuheit). Nun sind wir das Bike mehrere Monate von Herbst bis Frühling gefahren und möchten genau diese Frage beantworten: Ist das noch ein Gravelbike oder schon ein MTB?
Auf den ersten Blick spricht nur wenig für ein ersteres, wenn man sich diese Federgabel, Heckfederung, den integrierten Gepäckträger, die verstellbare Sattelstütze und einen Dropbar mit einem Flare anschaut, der so weit ausgestellt ist, dass er sich fast wie ein regulärer MTB-Lenker greift. Dazu kommen 55 mm breite Reifen, was eigentlich eher Cross-Country-Pneus mit 2,1″ Breite entspricht. Und als ob das noch nicht genug wäre, fahren wir mit der SRAM Force AXS Mullet schaltungsmäßig einen Zwitter aus Gravel- und MTB-Schaltung. Ein wahrlich ungewöhnliches Bike.
Was möchte Trek mit diesem Rad erreichen? Mit dem neuen Checkout bringen die US-Amerikaner ihre Erfahrung aus dem Cross-Country-Full-Suspension-Bereich in den Gravel-Sektor und möchten das Bike laut eigener Aussage für ausgiebige Bikepacking- und Abenteuertouren geschaffen haben. Ein großes Ziel von Trek ist nicht nur die Möglichkeit zur umfangreichen Beladung, sondern auch viel Komfort, der sich durch den breiten Lenker, breite Reifen und natürlich die Heckfederung generieren lassen soll.
Auch im Hinblick auf die Geometrie geht Trek neue Wege. So liegt das Trek Checkout genau zwischen einer klassischen Gravel-Geometrie und einem Mountainbike. Hervorzuheben ist dabei der höhere Stack und der im Vergleich zu anderen Gravelbikes etwas längere Reach. Das soll, gerade mit dem flachen Lenkwinkel, für mehr Stabilität und Komfort im Abfahrtsbereich sorgen. Der hohe Stack sorgt außerdem dafür, dass man aufrechter und weniger aggressiv sitzt als auf vergleichbaren Cross-Country-Bikes von Trek. Ihr merkt: Wir vergleichen hier einen ganzen Obstkorb voller Äpfel und Birnen, aber genau so müssen wir uns dem Checkout auch annähern. Denn es passt auf Basis bekannter Radkategorien nirgendwo so richtig hinein.
Im Detail
Dass das Bike äußerst ungewöhnlich aussieht – und die, vorsichtig ausgedrückt, interessante Lackierung haben wir dabei noch nicht einmal angesprochen – haben wir bereits geklärt. Schauen wir uns das Bike etwas genauer an: Passend zur Einführung der neuen RockShox Rudy XL-Federgabel für den Gravelbereich spendiert das Checkout 60 mm Federweg an der Front sowie 55 mm am Heck. Geschaltet wird mit einer SRAM Force Mullet-Schaltung, die zwölf Gänge bietet und eine hohe Bandbreite aufweist, welche aufgrund des 1x-Kettenblattes allerdings auch nötig ist. Auch die Bremsen stammen aus der SRAM Force-Serie.
Auffällig und bereits kurz erwähnt, ist der brandneue Lenker. Der GR Checkout-Lenker ist so konstruiert, dass er laut Trek auf Straße und Gravel schneller sein soll als ein herkömmlicher Mountainbike-Lenker. Der Grund liegt in der speziellen Geometrie: Die sehr flache, ausgestellte Form bietet mehr Aero-Optionen für die Hände als ein Flatbar, sodass man an vielen Stellen greifen kann, ohne die Hände ermüden zu lassen, aber gleichzeitig effizient unterwegs ist. Auch in der Abfahrt hat man so mehr Möglichkeiten als nur den Griff unten im Drop oder oben an der STI-Einheit. Breite wird außerdem großgeschrieben: Satte 12 cm Differenz zwischen Hoods und Drops gibt es beim neuen GR Checkout-Lenker, der mit 399 € UVP, wenn man ihn einzeln kaufen würde, alles andere als günstig ist. Der aus Kohlefaser bestehende Dropbar reduziert durch die Carbonkonstruktion zusätzlich Schläge und soll ebenfalls für mehr Komfort sorgen.
Ein Adventure-Bike wäre kein Adventure-Bike, wenn es keine Verstaumöglichkeiten hätte: So lässt sich das Rad mit vielerlei Varianten beladen; es lassen sich sowohl Rahmentaschen befestigen als auch im Front- und Heckbereich Gurte, Taschen oder sonstiges arretieren. Und bei der Thematik Beladung hat sich Trek Gedanken gemacht: Nicht nur kooperiert die Firma mit dem Taschenhersteller Topo Designs, der optional eine passgenaue Rahmentasche anbietet, auch der Gepäckträger wurde speziell konzipiert. Dieser ist schwimmend am Hinterbau gelagert – dadurch bleibt das Gepäck rüttelfrei und beeinflusst das Fahrverhalten nicht. Ein zusätzlicher Pluspunkt ist, dass sich der Gepäckträger auch mit einer Variostütze nutzen lässt und nicht mit dieser in Kontakt kommt. Allerdings drückt dieser auch auf das Gesamtgewicht des Rahmens: knapp 800 Gramm bringt er auf die Waage. Demontieren lässt er sich, allerdings nicht mal eben in zwei Minuten.
Im Rahmendreieck geht es weiter: Neben den speziell konstruierten Taschen von Topo Designs gibt es zwei Multi-Mounts für Flaschen und Zubehör. Diese lassen sich in weiten Bereichen verstellen und sind über einer durchgängigen Mulde im Unterrohr angeschraubt. Insgesamt gibt es 18 Befestigungspunkte für Zubehör: zwei am Oberrohr, sieben am Unterrohr, drei am Sitzrohr sowie drei auf der Unterseite des Unterrohrs ab Rahmengröße ML. Ebenfalls vom Mountainbike übernommen wurde der Rahmenschutz. Am Unterrohr befindet sich ein großdimensionierter, demontierbarer Kunststoffschutz. Damit die Kette nicht abspringt, ist zusätzlich eine Kettenführung verbaut, die sinnvollerweise direkt am Gelenkpunkt der Kettenstrebe befestigt ist.
Geometrie
Im direkten Vergleich mit dem Adventure-Gravelbike Trek Checkpoint hat das neue Checkout einen längeren Reach, um zusätzlich zur Vollfederung mehr Stabilität im rauen Gelände und bei Anstiegen zu bieten. Der höhere Stack soll dafür sorgen, dass man aufrechter sitzt und generell mehr Komfort aus dem Bike herausholt. Aber warum nimmt man sich nicht einfach ein Trek Supercaliber, das nicht nur schnell ist, sondern auch nur minimal mehr Federweg (80 mm) bietet?
Ein Punkt ist die Geometrie: Im Vergleich zu klassischen Gravelbikes oder auch zu XC-Fullies fällt die Sitzposition des Checkout kompakter aus. Der Reach ist lang, der Stack relativ hoch, wodurch eine sehr zentrale Position zwischen den Rädern entsteht. Man sitzt weniger auf dem Bike, sondern deutlich mehr im Bike. Das sorgt für ein hohes Maß an Kontrolle, insbesondere auf losem Untergrund und in steilen Abfahrten. Die Rahmengrößen orientieren sich stärker an Rennrad- und Gravelstandards als an Mountainbike-Maßen.
Trek schien es hier durchaus wichtig zu sein, das Einsatzgebiet und die Daseinsberechtigung des Checkouts mehrfach herauszustellen, weshalb man das Bike mit den hauseigenen XC-Rädern verglichen hat: Im Unterschied zu Procaliber (Trek Procaliber Test) und Supercaliber (Trek Supercaliber-Test) sitzt man auf dem Checkout aufrechter und weiter hinten – das soll Rückenschmerzen auf längeren Touren vorbeugen. Und mit einem hohen Stack ist wirklich hoher Stack gemeint: In der größten Größe XL liegt er bei fast monströsen 673 mm, während der Reach in XL 435 mm beträgt. Die Kettenstreben liegen über alle Größen hinweg bei einer Länge von 442 mm. Der Lenkwinkel variiert leicht: in Größe S liegt er bei 68,8°, in M bei 69° und in ML, L und XL bei 69,4° – für ein Gravelbike liegt er damit auf der flachen Seite. Und ein vollgefedertes Bike wäre natürlich kein vollgefedertes Bike, wenn es nicht auch in Sachen Reifenbreite näher ans Mountainbike rücken würde. So passen maximal 2,2″-Reifen in die neue Rudy-XL-Gabel und auch in den Hinterbau.
| Rahmengröße | S | M | ML | L | XL |
|---|---|---|---|---|---|
| Laufradgröße | 28″ / 700C | 28″ / 700C | 28″ / 700C | 28″ / 700C | 28″ / 700C |
| Reach | 395 mm | 407 mm | 417 mm | 427 mm | 435 mm |
| Stack | 580 mm | 617 mm | 634 mm | 652 mm | 673 mm |
| STR | 1,47 | 1,52 | 1,52 | 1,53 | 1,55 |
| Lenkwinkel | 68,8° | 69° | 69,4° | 69,5° | 69,4° |
| Sitzwinkel, effektiv | 74,6° | 74,2° | 73,7° | 73° | 72,6° |
| Oberrohr | 564 mm | 589 mm | 597 mm | 613 mm | 628 mm |
| Oberrohr (horiz.) | 564 mm | 589 mm | 597 mm | 613 mm | 628 mm |
| Steuerrohr | 83 mm | 122 mm | 138 mm | 159 mm | 182 mm |
| Sitzrohr | 440 mm | 470 mm | 520 mm | 540 mm | 560 mm |
| Überstandshöhe | 772 mm | 804 mm | 840 mm | 861 mm | 861 mm |
| Kettenstreben | 442 mm | 442 mm | 442 mm | 442 mm | 442 mm |
| Radstand | 1.081 mm | 1.105 mm | 1.117 mm | 1.135 mm | 1.150 mm |
| Tretlagerabsenkung | 70 mm | 70 mm | 70 mm | 68 mm | 68 mm |
| Gabel-Offset | 48 mm | 48 mm | 48 mm | 48 mm | 48 mm |
Ausstattung
Das neue Trek Checkout ist in zwei Ausführungen erhältlich, die jeweils in zwei Farboptionen kommen. Die RockShox Rudy XL sowie der SidLuxe Ultimate-Dämpfer sind in beiden Modellen mit dabei, beide Varianten verfügen außerdem über 100 mm Hub an der Sattelstütze. Beim von uns getesteten Topmodell Trek Checkout SL 7 AXS gibt es eine Schaltungs-Mullet-Kombination aus SRAM Force AXS und SRAM X0 Eagle sowie Bontrager Aeolus Carbon-Laufräder und einer RockShox Reverb AXS. Der Preis für das knapp 12 kg leichte Bike (Größe ML): 6.999 €.
- Federgabel RockShox Rudy XL (60 mm)
- Dämpfer RockShox SidLuxe (60 mm)
- Antrieb SRAM Force AXS
- Bremsen SRAM Force AXS
- Laufräder Bontrager Aeolus Pro
- Reifen Bontrager Betasso RSL GX
- Cockpit Bontrager GR Checkout
- Sattelstütze RockShox Reverb AXS (100 mm)
| CheckOUT SL 7 AXS | CheckOUT SL 5 | CheckOUT Frame | |
|---|---|---|---|
| Rahmen | 500 Series OCLV Carbon, integrated frame bag mounts, integrated rack, T47, UDH, 142x12mm chamfered thru axle, 55mm travel | 500 Series OCLV Carbon, integrated frame bag mounts, integrated rack, T47, UDH, 142x12mm chamfered thru axle, 55mm travel | 500 Series OCLV Carbon, integrated frame bag mounts, integrated rack, T47, UDH, 142x12mm chamfered thru axle, 55mm travel |
| Federgabel | RockShox Rudy XL Ultimate, Charger Race Day 2 Solo Air spring, tapered steerer, 45mm offset, 12x100mm thru axle, 60mm travel | RockShox Rudy XL Ultimate, Charger Race Day 2 Solo Air spring, tapered steerer, 45mm offset, 12x100mm thru axle, 60mm travel | |
| Dämpfer | RockShox SIDluxe Ultimate 3P, 170mmx27.5mm | RockShox SIDluxe Ultimate 3P, 170mmx27.5mm | RockShox SIDluxe Ultimate 3P, 170mmx27.5mm |
| Gewicht | 12,04 (M/L, ohne Rack) | L - 12.74 kg | ML - 2.40 kg |
| Gewichtslimit | 125 kg inkl. Fahrer und Beladung | 125 kg inkl. Fahrer und Beladung | 125 kg inkl. Fahrer und Beladung |
| Shifter | SRAM Force AXS E1 | Shimano GRX RX820, 12 speed | |
| Schaltwerk | SRAM X0 Eagle AXS, T-Type | Shimano GRX RX822, 51T max cog | |
| Kurbelarme | Size: S: Sram Force 1 XPLR E1, 38T, DUB wide, 165mm length Size: M, ML: Sram Force 1 XPLR E1, 38T, DUB wide, 170mm length Size: L, XL: Sram Force 1 XPLR E1, 38T, DUB wide, 172.5mm length | Size: S: Shimano GRX RX610, 38T, 160mm length Size: M, ML: Shimano GRX RX610, 38T, 170mm length Size: L, XL: Shimano GRX RX610, 38T, 172.5mm length | |
| Tretlager | SRAM DUB Wide, T47 threaded, internal bearing | Praxis, T47 threaded, internal bearing | |
| Kassette | SRAM Eagle XS-1295, T-Type, 10-52, 12 speed | Shimano XT M8200, 10-51, 12 speed | |
| Kette | SRAM X0 Eagle, T-Type, 12 speed | Shimano XT M8100, 12 speed | |
| Max. Kettenblatt | 1x: 38T | 1x: 38T | 1x: 38T |
| Vorderrad | Bontrager Aeolus Pro 3V, OCLV Carbon, Tubeless Ready, 25mm rim width, 100x12mm thru axle | Bontrager Paradigm Comp 25, Tubeless Ready, 25mm rim width, 100x12mm thru axle | |
| Hinterrad | Bontrager Aeolus Pro 3V, OCLV Carbon, Tubeless Ready, 25mm rim width, 142x12mm thru axle | Bontrager Paradigm Comp 25, Tubeless Ready, 25mm rim width, SRAM XD-R 12-speed freehub, 142x12 thru axle | |
| Reifen | Bontrager Betasso RSL GX, Tubeless ready, aramid bead, 60 tpi, 700x50mm | Bontrager Betasso RSL GX, Tubeless ready, aramid bead, 60 tpi, 700x50mm | |
| Max. Reifenbreite | 56mm/2.20" (as measured, see manual for details) | 56mm/2.20" (as measured, see manual for details) | 56mm/2.20" (as measured, see manual for details) |
| Sattel | Verse Short Elite, hollow magnesium rails, 145mm width | Verse Short Comp, steel rails, 145mm width | |
| Sattelstütze | RockShox Reverb AXS, 100mm travel, wireless, 31.6mm, 337mm length | TranzX JD-YSI36, 100mm travel, internal routing, 31.6mm, 328mm length | |
| Lenker | Size: S: Bontrager GR Checkout, 42cm Size: M: Bontrager GR Checkout, 44cm Size: ML, L: Bontrager GR Checkout, 46cm Size: XL: Bontrager GR Checkout, 48cm" | Size: S: Bontrager GR Checkout, 42cm Size: M: Bontrager GR Checkout, 44cm Size: ML, L: Bontrager GR Checkout, 46cm Size: XL: Bontrager GR Checkout, 48cm" | |
| Lenkerband | Bontrager Supertack Perf tape | Bontrager Supertack Perf tape | |
| Vorbau | Size: S, M: Bontrager Pro, 31.8mm, Blendr compatible, 7 degree, 60mm length Size: ML, L: Bontrager Pro, 31.8mm, Blendr compatible, 7 degree, 70mm length Size: XL: Bontrager Pro, 31.8mm, Blendr compatible, 7 degree, 80mm length | Size: S, M: Bontrager Elite, 31.8mm, Blendr compatible, 7 degree, 60mm length Size: ML, L: Bontrager Elite, 31.8mm, Blendr compatible, 7 degree, 70mm length Size: XL: Bontrager Elite, 31.8mm, Blendr compatible, 7 degree, 80mm length | |
| Bremsscheibe | SRAM Paceline X, rounded, centerlock, 160mm | Shimano CL800, centerlock, 160mm | |
| Max. Scheibengröße | Max brake rotor sizes: 180mm front & rear | Max brake rotor sizes: 180mm front & rear | Max brake rotor sizes: 180mm front & rear |
| Cargo-Rack | Checkout rear rack | Checkout rear rack | |
| Preis | 6999,00 € | 4999,00 € | 2999,00 € |
Das etwas günstigere Trek Checkout SL 5 kommt mit mechanischer Shimano GRX 12-fach-Gruppe und unter anderem Bontrager Paradigm Comp-Laufrädern. Als Variostütze kommt eine TranzX JD-YSI36 zum Einsatz. Preis und Gewicht: 4.999 €, 12,7 kg (Größe L). Auch als Frameset ist das neue Checkout erhältlich – das 2,4 kg schwere Set inkl. Dämpfer kostet 2.999 €.
Auf dem Trail
Ich habe mir über die letzten Wochen sehr viele Gedanken zu diesem Fahrrad gemacht. Aus der MTB-Ecke kommend, habe ich sowohl Mountainbikes als auch Gravelbikes über viele Jahre auf den gleichen Strecken bewegt. Und so ging mir der anvisierte Einsatzbereich dieses Bikes nicht wirklich aus dem Kopf. Was soll dieses Rad? Schreibe ich den Bericht für Rennrad-News oder MTB-News? Beides? Ist man mit einem hinten ungefederten Gravelbike mit Federgabel nicht besser beraten? Das wäre leichter, schneller und auch komfortabel. Oder warum kein Cross-Country-Hardtail? Einer der ersten Vorschläge, der in den Kommentaren zu vollgefederten Gravelbikes immer wieder kommt – etwa auch unter dem aktuellen XC-Fully Pivot Mach 4. Ein XC-Fully wäre ähnlich leicht, bei sehr wahrscheinlich höherer Trail-Tauglichkeit.
Oder ist Trek uns hier einfach voraus und hat mit dem vorliegenden Gravel-Fully ein Bike designt, das beides kann? Ist das hier vielleicht sogar die eierlegende Wollmilchsau? Das etwas höhere Gewicht, das auch durch den schweren Alu-Gepäckträger entsteht, der hohe Preis des Bikes und die nicht ganz klassische Typenbezeichnung „Adventurebike“ sprechen allerdings dagegen. Nicht zuletzt deswegen war ich äußerst gespannt vor der ersten Fahrt.
Anders, als es der etwas längere Reach vermuten lässt, fällt das Rad, das wir für den Test in Größe L geordert haben, verhältnismäßig kompakt aus. Zwar ist der Stack ziemlich hoch, das Rad wirkt insgesamt aber nicht zu lang. Zunächst sollte man, wie auch beim Mountainbike üblich, ein Federungs-Setup vornehmen; für Gravel-Enthusiasten ein vielleicht nicht alltäglicher, aber hier ein wichtiger Vorgang. Denn ein vollgefedertes Bike sollte von Beginn an immer im richtigen Luftdruckbereich und mit dem korrekten Sag gefahren werden. Letzterer ist für Komfort und ein ideales Federungsverhalten enorm wichtig und gerade bei diesem vollgefederten Bike essenziell. Herantasten kann man sich über die RockShox-Tabellen und, noch genauer, über den Trek Setup Guide; hier gibt es auch Empfehlungen für die korrekte Zugstufendämpfung abhängig vom Fahrergewicht. Denn auch die Zugstufe hat gerade bei einem höheren Druck im Dämpfer bei kurzen Federwegen und kleiner Luftkammer einen wichtigen Einfluss: Springt mein Heck wie ein Flummi hoch und runter oder buttert die Zugstufendämpfung nach kleinen Schlägen den Dämpfer sanft zurück?
Sind Sattelhöhe und Federelemente eingestellt, kann es losgehen. Die vorliegende Testgröße L passt für mich sehr gut: Ich fühle mich sofort zu Hause und das Rad lässt sich schon auf den ersten Metern sehr angenehm steuern. Für effizientere Fahrten auf der Straße lassen sich die Federelemente, wie bei den größeren Mountainbike-Geschwistern, sperren. Der SidLuxe-Dämpfer kann hinten offen, im Pedal-Mode oder komplett geschlossen gefahren werden, vorn bietet die Rudy XL die Optionen offen und geschlossen.
Und diese Optionen sollte man nutzen – in Sachen Fahrgefühl, Komfort und Geschwindigkeit unterscheiden sich die entsprechenden Einstellungen stark. Nach einer kurzen Einfahrzeit erhöhe ich den Sag-Wert am Heck etwas und lasse Luft hinaus, denn für eine offene Einstellung ist mir die empfohlene Sag-Einstellung zu straff.
Auf Schotter lasse ich die Federelemente offen. Hier spielt das Checkout seine Stärken perfekt aus: Das Bike ist gerade auf sehr ruppigen Gravelpisten, sobald es beschleunigt ist, nicht nur komfortabel, sondern auch richtig schnell. Der Lenker mit seinen verschiedenen Griffpositionen ist ideal für diese Art von Untergrund und einer der größten Vorteile. Die Vollfederung, zeigt sich bereits hier: Das Bike pulverisiert Unebenheiten nahezu und bügelt wie ein fliegender Teppich über groben Schotter – kein Vergleich zu starren Gravelbikes. Gerade bei hohen Geschwindigkeiten vermittelt das Bike eine Sicherheit, die ich bisher bei Gravelbikes so noch nie erfahren habe.
Natürlich wird es Stimmen geben, die sagen, dass man das alles nicht braucht – und diese Stimmen haben natürlich recht. Was braucht man schon wirklich, wenn es um Fahrradfahren als Hobby geht? Klar, brauchen tut man ein Fully nie – auch ein Hardtail macht mit seinem direkten Fahrgefühl ohne Schnickschnack großen Spaß, hat sich etabliert und viele Fans. Aber natürlich wollen wir auch bei einem solchen Bike wie dem Checkout grundsätzlich herausfinden, warum und für wen es überhaupt gebaut ist. Und das Fahrgefühl des Checkout ist nicht mit dem eines herkömmlichen Gravelbikes zu vergleichen: Die Vorteile eines Dropbars in Kombination mit 60 mm Federweg machen lange Graveltouren extrem komfortabel und ermöglichen es, höhere Geschwindigkeiten der Ebene auch bei fiesem Terrain mühelos zu halten, ohne dass Körper und Gelenke frühzeitig ermüden. Und ja: Das kann es besser als ein XC-Bike.
Auch in Kurven bietet das Bike enorm viel Kontrolle; gerade auf schnellen, trockenen Forstwegen mit körnigem Waldschotter kennt man die Sorge (oder den selbst erlebten Fall), dass Vorder- oder Hinterrad wegrutschen könnten. Mit dem Trek Checkout sind diese Sorgen kein Thema mehr: Durch die breite Reifenauflage in Kombination mit der Dämpfung, die das Verspringen der Reifen deutlich reduziert, schmieren die Reifen praktisch nie weg.
Aaaaaaaber … natürlich hat ein vollgefedertes Bike nicht nur Vorteile. Um den Elefanten im Raum wollen wir gar nicht herumreden: Das vergleichsweise hohe Gewicht (im Vergleich zu Gravelbikes ohne Heckfederung) macht sich bergauf natürlich bemerkbar. Im Vergleich zu klassischen Gravelern ist das Checkout mit rund 12 kg kein Bergaufwunder – verständlich, immerhin haben wir Multi-Mounts am Flaschenhalter, den mit 800 g nicht allzu leichten Gepäckträger, eine Variostütze und natürlich Federelemente verbaut. Wer das Fahrwerk offen lässt, verliert zudem spürbar Energie; geschlossene Federelemente sind bergauf, abseits von Uphill-Trails Pflicht.
Aber Federungs-Lockout hin oder her: Wer ein schnelles Racebike sucht, ist hier ohnehin an der falschen Adresse. Während es in der Ebene und bergab sehr schnell zugeht, ist man bergauf eher gemütlich unterwegs. Doch will man überhaupt Highspeed bergauf mit so einem Bike? Eher nicht. Aber vielleicht Highspeed bergab, und so kommen wir zur Abfahrtsperformance.
Denn bergab spielt das Bike seine größten Stärken aus, hier zeigt sich Treks Erfahrung mit schnellen Mountainbikes. Der Rahmen ist nach MTB-Standards getestet und hält entsprechende Belastungen aus. Trotz der „nur“ 60 mm Federweg sind Gabel und Hinterbau sinnvoll auf den Gravel-Einsatz abgestimmt. Im Vergleich zu einem ungefederten Gravelbike spielt das Checkout in einer völlig anderen Liga: Leichte bis mittlere Trails verlieren ihren Schrecken und das Checkout vermittelt bergab absurd viel Sicherheit. Selbst die kleinen Sprünge auf meinem Hometrail oder wilde Steilstufen lassen sich völlig problemlos in die Tour einbauen – kein Vergleich zu allen anderen Gravelbikes, die ich zuvor über meine Hometrails gejagt habe. Auch hier sei der Lenker erneut erwähnt: Bislang bin ich Gravelbikes bei anspruchsvollen Abfahrtspassagen immer im Unterlenker gefahren, damit ich dosiert und ausreichend kräftig bremsen konnte. Der Checkout-Lenker fährt sich allerdings fast wie ein Riser – nie hatte ich das Gefühl, unten fahren zu müssen.
Auch mein neuer Hometrail macht mit dem Checkout – obwohl man etwas langsamer unterwegs ist – viel Spaß. Der Unterschied zu anderen Dropbar-Bikes: Das Trek Checkout fühlt sich nicht wie ein Fremdkörper im Traileinsatz an, vielmehr gehört es einfach dazu.
Ein kleiner Wermutstropfen sind die serienmäßigen Bontrager-Reifen. Sie bieten zwar viel Grip, knicken beim Übergang von Mittel- zu Seitenstollen für mein Empfinden aber recht stark ab und erzeugen so ein indirektes Fahrgefühl beim Lenken. Testweise habe ich deshalb andere Reifen montiert: Mit Schwalbe G-One RX PRO verbesserte sich das Fahrverhalten sofort, zudem sank der Rollwiderstand spürbar. Sorry Bontrager, aber die Reifen würde ich als Erstes (und einziges) tauschen. Last, but not least: Auf Asphalt ist das Trek Checkout ebenfalls kein extrem schnelles Bike: Reifen, Gewicht und der Hinterbau, der selbst im geschlossenen Zustand nicht völlig starr ist, sorgen dafür, dass man auch hier einem Race-Gravelbike klar unterlegen ist. Aber dafür ist das Checkout auch nicht gemacht.
Das ist uns aufgefallen
- Gepäck Ja, das Bike will Abenteuer schmecken und viel aufsatteln. Wir haben es testweise beladen und das Konzept mit dem schwimmend gelagerten Gepäckträger geht auf. Dass die schicke, extra angefertigte Topo Designs-Tasche satte 230 € on top kostet, ist allerdings hart.
- Mitgedacht Egal, ob angelenkter Gepäckträger, Kettenführung mit Befestigung im Drehpunkt, Extra-Geometrie am Lenker, Taschenkonzept, Fuge im Unterrohr, Multi-Flaschenhalter oder Kunststoff-Rahmenschutz: Man muss noch einmal erwähnen, wie sehr die Trek-Konstrukteure beim Checkout auch an die Feinheiten gedacht haben.
- Keine Schleiffreiheit Die Optik ist mir erst einmal egal, aber dass der breite Akku der kurzen RockShox Reverb AXS an breiten Oberschenkeln schleift, ist ein Minus für die Stütze. Der geringe Hub von 100 mm sorgt dafür, dass der breite Akkubereich der Reverb AXS beim Pedalieren an den Oberschenkeln entlang rutscht. Ein Problem, das bei langhubigen Reverb-Varianten nicht auftritt.
- Farbe Wer die Topversion sein Eigen nennen möchte, muss mutig sein – denn das SL 7-Modell kommt ebenso wie das Frameset ausschließlich in der auffälligen Farboption Era White/Blue Sage. Nur die SL 5-Variante ist in dunkleren Tönen verfügbar.
Das Trek Checkout ist alles und nichts zugleich. Es ist weder Mountainbike noch klassisches Gravelbike, sondern bewegt sich genau dazwischen. Braucht man eine Vollfederung an einem Gravelbike? Und WER braucht das? Und wäre man mit einem anderen Bike nicht besser beraten? Das Fazit: Wer bisher Gravelbikes – egal ob mit oder ohne Federgabel – gefahren ist, erlebt hier ein völlig neues Fahrerlebnis. Der Komfort eines schnellen Mountainbike-Fullys kombiniert mit der Sitzposition eines sehr guten Gravelbikes ist so in dieser Form bisher kaum vorgekommen und steht unserer Meinung nach eher für eine neue Bike-Kategorie. Festzuhalten bleibt, dass dieses Gravel-Fully sicher nicht das letzte seiner Art sein wird. Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, wären es minimal weniger Federweg und kein Gepäckträger – dann wäre es tatsächlich das Bike für alles zwischen Race-Gravel und Abfahrt, das den Begriff „Game-Changer“ verdient. Mit dem vorliegenden Trek Checkout ist den US-Amerikanern ein großer Wurf gelungen, der hoffentlich seine Fans findet.Fazit – Trek Checkout
Trek Checkout – Pro / Contra
Stärken
Schwächen
Testablauf
Trek hat uns das Bike vom Herbst 2025 bis Frühling 2026 zur Verfügung gestellt.
So haben wir das Trek Checkout SL 7 getestet
- Teutoburger Wald Trockener bis feuchter Waldboden, Mittelgebirge. Von steil bis flowig. Trails mit Wurzeln, Steilstufen. Gravelterrain: knorrige Waldwege bis Champagnergravel. Teilnahme am Gravelfest mit dem Checkout.
- Bad Kreuznach Teilweise steinig, viel Wald. Wellige Trails.
| Körpergröße | 193 cm |
| Schrittlänge | 98 cm |
| Oberkörperlänge | 61 cm |
| Armlänge | 59 cm |
| Gewicht | 97 kg |
- Fahrstil
- verspielt und sauber
- Ich fahre hauptsächlich
- Enduro, Trails, Pumptrack/Park/Street
- Vorlieben beim Fahrwerk
- Progressiv, nicht zu soft, schnelle Zugstufe
- Vorlieben bei der Geometrie
- Eher kürzerer Hinterbau, Lenkwinkel nicht extrem flach, die Front darf gern etwas höher

