Neues Lapierre PXR Team im XC-Weltcup: „Wir wollen ein Fundament für die Zukunft legen“
Ein neues Team wird den Cross-Country-Zirkus 2026 aufmischen: Das Lapierre PXR Team geht als Zusammenschluss der beiden langjährigen Weltcup-Teams Ghost Factory Racing und Lapierre Mavic Unity in seine erste Saison. Zur Vorstellung des neuen Werksteams konnten wir mit Pauline Liandrat, Sports Marketing Manager der Accell Group – dem Dachkonzern von Ghost und Lapierre – über den großen Umbruch, die strategische Neuausrichtung und die sportlichen Ziele sprechen.
Anne Terpstra, Caroline Bohé, Nicole Koller, Anton Cooper und Tobias Lillelund werden in der kommenden Saison in den Farben des neuen Lapierre PXR Teams an den Start gehen. Während Terpstra, Bohé und Koller aus dem ehemaligen Ghost Factory Racing Team stammen, wechseln Cooper und Lillelund aus dem bisherigen Lapierre Racing Unity Team in die neue Struktur. Die Teamgründung ist Teil einer konzernweiten Neuausrichtung innerhalb der Accell Group, zu der sowohl Ghost als auch Lapierre gehören: Künftig wird sich Ghost vollständig auf die Segmente Gravity und Adventure konzentrieren, während Lapierre die Verantwortung für Rennrad-, Gravel- und Cross-Country-Rennsport übernimmt.
Der Zusammenschluss der beiden Teams ist vor diesem Hintergrund ein konsequenter Schritt – auch deshalb, weil das Lapierre Racing Unity Team bislang als privat geführte Struktur lediglich mit Lapierre als Hauptsponsor agierte. Mit dem neuen Lapierre PXR Team endet gleichzeitig jedoch auch die Ära des Ghost Factory Racing Teams, das über viele Jahre hinweg als reines Frauenteam eine Sonderstellung im Weltcup einnahm. Da diese Struktur jedoch stets direkt von Ghost betrieben wurde, fließen zahlreiche organisatorische und personelle Elemente nun in das neue Lapierre-Werksteam ein.
Auch die Zusammenstellung des Kaders folgt dieser Linie: Alle fünf Fahrerinnen und Fahrer waren zuvor entweder Teil des Ghost Factory Racing Teams oder des Lapierre Racing Unity Teams. Gleichzeitig bedeutete die Neuformierung auch Einschnitte – einige Athletinnen und Athleten aus den bisherigen Teams fanden keinen Platz mehr im neuen Setup. Besonders relevant sind aus deutscher Sicht die Abgänge des ehemaligen Deutschen Meisters Max Brandl sowie der früheren U23-Deutschen Meisterin Finja Lipp.
Welche Überlegungen hinter dem Zusammenschluss der beiden Teams und der Neuausrichtung von Lapierres Cross-Country-Engagement stehen, erklärt im Interview Paulin Liandrat, Sports Marketing Manager der Accell Group.
MTB-News.de: Zwei Teams werden nun faktisch zu einem – ein ziemlich großer Schritt. Was waren aus eurer Sicht die wichtigsten Gründe dafür?
Paulin Liandrat: 2025 war Lapierre über die Partnerschaft mit Vaillant TT und dem Lapierre Racing Unity Team im XC-Weltcup vertreten. Das war eine sehr gute Zusammenarbeit – sportlich wie menschlich. Die Ergebnisse haben gepasst und die gemeinsamen Werte ebenfalls. Mit Lapierres klarer Ausrichtung auf Rennsport und Innovation war für uns relativ schnell klar, dass der nächste logische Schritt ein eigenes Factory Team sein muss. So können wir unsere Rennsport-Identität noch klarer zeigen und Athleten, Bikes und das gesamte Team enger zusammenbringen.
Gleichzeitig wollten wir nicht bei null anfangen, sondern auf einer bewährten Struktur aufbauen. Mit über 15 Jahren Erfahrung auf Weltcup-Niveau war das eine ideale Basis, um ein neues Lapierre-Team zu starten. Dass das Team ausschließlich auf Lapierre-Bikes fährt, passt perfekt zu unserem Anspruch und unserer Performance-orientierten Denkweise.
Sportlich und organisatorisch konnten wir die Gelegenheit außerdem nutzen, das Setup und den Kader gezielt weiterzuentwickeln. Herausgekommen ist eine Mischung aus erfahrenen Athletinnen und Athleten und jungen Talenten, die alle dieselbe Performance-Mentalität teilen.
MTB-News.de: Alle Fahrerinnen und Fahrer kommen aus den beiden bisherigen Teams. Nach welchen Kriterien habt ihr entschieden – und warum sind einige nicht mehr dabei? Aus deutscher Sicht fallen vor allem die Abgänge von Max Brandl und Finja Lipp auf.
Paulin Liandrat: Zunächst ist wichtig zu sagen, dass das frühere Lapierre Racing Unity Team nicht direkt Lapierre gehörte. Die Verträge liefen über Vaillant TT, nicht über uns. Es gab jetzt also keine klassische Teamfusion. Wir haben die Partnerschaft beendet und sind mit einem komplett neuen Team eigenständig weitergegangen – allerdings weiterhin auf Lapierre-Bikes.
Für 2026 wollten wir bewusst ein geschlechterneutrales Team aufstellen: Bei den Frauen haben wir uns für Nicole, Anne und Caroline entschieden, weil wir bei ihnen überzeugt sind, dass wir sie individuell am besten unterstützen können – abgestimmt auf ihre persönlichen Bedürfnisse und sportlichen Ziele. Bei den Männern spielten mehrere Faktoren eine Rolle. Bei Anton glauben wir fest daran, dass wir ihm helfen können, wieder zu seinem Top-Niveau zurückzufinden und haben ihn deshalb von Beginn der Planungen einbezogen. Bei Tobias hat uns sein unbekümmerter Fahrstil und das sehr starkes Saisonende 2025 überzeugt. Für uns war schnell klar, dass er sportlich und menschlich gut ins Team passt und eine sinnvolle Ergänzung für 2026 ist.
MTB-News.de: Welche bestehenden Strukturen habt ihr übernommen – etwa Personal, Logistik oder Materialpartner?
Paulin Liandrat: Grundsätzlich haben wir das Setup von Ghost Factory Racing übernommen. Der Großteil des Staffs ist geblieben, inklusive Thomas Wickles, der das Team vor 15 Jahren aufgebaut hat und weiterhin als Teammanager fungiert. Zusätzlich haben wir gezielt externe Spezialisten eingebunden, um in allen Bereichen noch besser zu werden. Dazu gehören ein Performance Manager mit internationaler Erfahrung, Mentaltrainer für Athleten und Staff, Experten für Bikefitting, Ernährung und Fahrwerksabstimmung.
Darüber hinaus arbeitet das Team weiterhin mit dem gleichen Paddock wie das Ghost Factory Racing Team in 2025 – allerdings komplett neu gebrandet im Look des Lapierre PXR Racing Teams. Bei den Partnern war es uns wichtig, sowohl OE-Partner aus dem Accell- und Lapierre-Umfeld einzubinden als auch bewährte Partner aus den letzten Jahren mitzunehmen. Dazu zählen unter anderem Michelin, Julbo, SRAM, RockShox, FSA, Zéfal, Crankbrothers, Northwave, Selle Italia, ESI Grips und die Kitzbüheler Alpen.
MTB-News.de: Das Ghost Factory Team war jahrelang als reines Frauenteam ein echtes Alleinstellungsmerkmal im Weltcup. Besteht die Gefahr, dass diese Identität nun verloren geht?
Paulin Liandrat: Klar, nach 15 Jahren als Women-only-Team ist das ein großer Einschnitt. Gleichzeitig ist es aber auch eine neue Chance. Wir sind überzeugt, dass ein gemischtes Team viele Vorteile bringt und eine positive Dynamik entsteht, von der alle profitieren.
MTB-News.de: Wie ist das Team sportlich aufgestellt und was sind die Ziele für die kommende Saison?
Paulin Liandrat: Bei den Frauen ist das Ziel ganz klar: regelmäßig um Podestplätze im Weltcup mitfahren. Nicole hat in der vergangenen Saison eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass die das Potenzial hat, das zu schaffen. Anne ist nach ihrer Verletzung wieder voll einsatzfähig und wir hoffen, dass sie schnell wieder zu alter Stärke zurückfindet. Caroline trauen wir ihr ebenfalls konstante Top-10-Ergebnisse im Weltcup zu – und vielleicht auch noch mehr.
Bei den Männern steht bei Anton zunächst die Rückkehr nach seiner längeren Krankheitsphase im Fokus. Wir sind überzeugt, dass die neue Teamstruktur ihm dabei helfen kann, wieder an sein Top-Niveau anzuknüpfen. Bei Tobias sehen wir sehr viel Potenzial in naher und langfristiger Zukunft. Für ihn geht es darum, sich Schritt für Schritt weiterzuentwickeln, ohne Druck aufzubauen – und dann zu schauen, wie weit ihn dieser Weg bringen kann.
MTB-News.de: Wann wäre die Saison 2026 für euch ein Erfolg?
Paulin Liandrat: Für uns ist 2026 ganz klar ein Übergangsjahr. Das Wichtigste ist, dass alles funktioniert und wir ein stabiles Fundament für die kommenden Jahre legen.
Wenn wir es schaffen, unsere Athletinnen und Athleten optimal zu unterstützen, sie sich weiterentwickeln, gegebenenfalls wieder zu ihrem besten Leistungsniveau zurückfinden und aktiv ins Renngeschehen eingreifen, dann ist das für uns ein Erfolg. Und klar: Podestplätze würden das Ganze natürlich noch einmal deutlich aufwerten.
MTB-News.de: Vielen lieben Dank für das Interview!
War es eine gute Entscheidung von Accell die beiden Teams zusammenzuführen? Was denkt ihr?
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