MTB-Verkäufe sinken: Warum verkümmert das Mountainbike?
Warum verkaufen sich im MTB-Bereich fast nur noch E-Bikes? Was die Zahlen der ZIV-Statistik schon seit ein paar Jahren schwarz auf weiß zeigen, hinterfragt ein italienischer Kommentar bei ebike-mag.com – und trifft damit einen Nerv, den viele in der Szene spüren: Das klassische Mountainbike scheint im Handel weiter an Bedeutung zu verlieren, während E-MTBs dominieren. Was steckt hinter der provokanten Frage?
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Hintergrund: Verkaufszahlen-Entwicklung MTB vs. E-MTB
Der Zweirad-Interessen-Verband veröffentlicht seit langen Jahren kontinuierlich Marktdaten zur Verkaufsentwicklung von Fahrrädern im deutschen Markt. An diesen Daten lässt sich ziemlich eindeutig belegen, dass das MTB momentan abbaut: Im Segment Fahrrad ohne Motor geht der MTB-Anteil zurück, während das gesamte Segment Fahrrad ohne Motor zeitgleich im Vergleich zum E-Bike schrumpft. 2023 wurden erstmals mehr E-Bikes als Fahrräder ohne Motor verkauft, der Anteil von E-MTBs im gesamten E-Bike-Segment liegt bei deutlich über einem Drittel der gesamten Verkaufsmenge. Zum Vergleich: Die Menge an Mountainbikes erreichte den jüngsten Peak bei 5 % Anteil im unmotorisierten Segment.
Woran et jelejen hat? Sind wir alle bequemer geworden? Oder hat das E-Bike schlicht ein strukturelles Problem des Mountainbikens gelöst? Gehen wir im nächsten Kapitel möglichen Thesen nach!
| 2022 | 2023 | Veränderung 22 zu 23 | 2024 | Veränderung 23 zu 24 | Vergleichbarkeit | |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Verkauf gesamt (Fahrräder + E-Bikes), Mio. Stück | 4.6 Mio. | 4 Mio. | -0.60 Mio. (-13.0%) | 3.9 Mio. | -0.10 Mio. (-2.5%) | hoch |
| davon Fahrräder, Mio. Stück | 2.4 Mio. | 1.9 Mio. | -0.50 Mio. (-20.8%) | 1.8 Mio. | -0.10 Mio. (-5.3%) | hoch |
| davon E-Bikes, Mio. Stück | 2.2 Mio. | 2.1 Mio. | -0.10 Mio. (-4.5%) | 2.1 Mio. | +0.00 Mio. (+0.0%) | hoch |
| Fahrräder: Anteil MTB, % | 4 % | 5 % | +1.0 %-Pkt. | 3 % | -2.0 %-Pkt. | hoch |
| E-Bikes: Anteil E-MTB, % | 38 % | 39 % | +1.0 %-Pkt. | 40 % | +1.0 %-Pkt. | hoch |
| Gesamt (Fahrräder+E-Bikes): Anteil MTB, % | 20,3 % | 23 % | +2.7 %-Pkt. | 22,7 % | -0.3 %-Pkt. | mittel |
Im Folgenden gibt es die Tabelle mit einem etwas ausführlicheren Datensatz. Die Daten entstammen allesamt den durch den ZIV veröffentlichten Marktdaten aus den Geschäftsjahren 2022, 2023 und 2024. Aufgrund seiner breiten Aufstellung an Mitgliedern von Fach- und Online-Händlern, sowie klassischen Händler- und Direktvertrieb-Marken, zeigt sich durchaus ein repräsentatives Bild, das als Stimmungsbild für die Branche verwendet wird. Kontext zum Rennrad- und Gravel-Bike – dieses wird in der Auswertung erst seit 2023 getrennt voneinander betrachtet.
| 2022 | 2023 | Veränderung 22 zu 23 | 2024 | Veränderung 23 zu 24 | Vergleichbarkeit | |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Verkauf gesamt (Fahrräder + E-Bikes), Mio. Stück | 4.6 Mio. | 4 Mio. | -0.60 Mio. (-13.0%) | 3.9 Mio. | -0.10 Mio. (-2.5%) | hoch |
| davon Fahrräder, Mio. Stück | 2.4 Mio. | 1.9 Mio. | -0.50 Mio. (-20.8%) | 1.8 Mio. | -0.10 Mio. (-5.3%) | hoch |
| davon E-Bikes, Mio. Stück | 2.2 Mio. | 2.1 Mio. | -0.10 Mio. (-4.5%) | 2.1 Mio. | +0.00 Mio. (+0.0%) | hoch |
| E-Bike-Anteil am Verkauf, % | 48 % | 53 % | +5.0 %-Pkt. | 53 % | +0 %-Pkt. | hoch |
| Verkaufswert gesamt, Mrd. € | 7.36 Mrd. € | 7.06 Mrd. € | -0.30 Mrd. € (-4.1%) | 6.33 Mrd. € | -0.73 Mrd. € (-10.3%) | hoch |
| Ø Verkaufspreis Fahrrad (brutto, alle Kanäle), € | 500 € | 470 € | -30 € (-6.0%) | 500 € | +30 € (+6.4%) | hoch |
| Ø Verkaufspreis E-Bike (brutto, alle Kanäle), € | 2800 € | 2950 € | +150 € (+5.4%) | 2650 € | -300 € (-10.2%) | hoch |
| Ø Verkaufspreis gesamt (Fahrrad+E-Bike), € | 1602 € | 1788 € | +186 € (+11.6%) | 1645 € | -143 € (-8.0%) | hoch |
| Bestand Fahrräder+E-Bikes (Deutschland), Mio. Stück* | 82.8 Mio. | 84 Mio. | +1.20 Mio. (+1.4%) | 88.7 Mio. | +4.70 Mio. (+5.6%) | hoch |
| Bestand E-Bikes (Deutschland), Mio. Stück | 9.8 Mio. | 11 Mio. | +1.20 Mio. (+12.2%) | 15.7 Mio. | +4.70 Mio. (+42.7%) | niedrig |
| Fahrräder: Anteil Trekkingrad, % | 45 % | 42 % | -3.0 %-Pkt. | 41 % | -1.0 %-Pkt. | hoch |
| Fahrräder: Anteil ATB, % | 9 % | 11 % | +2.0 %-Pkt. | 9 % | -2.0 %-Pkt. | hoch |
| Fahrräder: Anteil MTB, % | 4 % | 5 % | +1.0 %-Pkt. | 3 % | -2.0 %-Pkt. | hoch |
| Fahrräder: Anteil Rennrad+Gravel (kombiniert), % | 7 % | 9 % | +2.0 %-Pkt. | 11,5 % | +2.5 %-Pkt. | mittel |
| Fahrräder: Anteil Gravel, % | – | – | – | 6,5 % | – | niedrig |
| Fahrräder: Anteil Rennrad, % | – | – | – | 5 % | – | niedrig |
| E-Bikes: Anteil E-MTB, % | 38 % | 39 % | +1.0 %-Pkt. | 4 % | +1.0 %-Pkt. | hoch |
| E-Bikes: Anteil E-Trekkingrad, % | 28 % | 25 % | -3.0 %-Pkt. | 25 % | +0 %-Pkt. | hoch |
| E-Bikes: Anteil E-ATB, % | – | 4 % | – | 3.5 % | -0.5 %-Pkt. | mittel |
| E-Bikes: Anteil E-Rennrad+E-Gravel (kombiniert), % | 1 % | 1 % | +0 %-Pkt. | 1,5 % | +0.5 %-Pkt. | mittel |
| E-Bikes: Anteil E-Rennrad, % | – | – | – | 0.5 % | – | niedrig |
| E-Bikes: Anteil E-Gravelbike, % | – | – | – | 1 % | – | niedrig |
| Gesamt (Fahrräder+E-Bikes): Anteil Trekkingrad, % | 36,9 % | 33 % | -3.9 %-Pkt. | 32,5 % | -0.5 %-Pkt. | mittel |
| Gesamt (Fahrräder+E-Bikes): Anteil MTB, % | 20,3 % | 23 % | +2.7 %-Pkt. | 22,7 % | -0.3 %-Pkt. | mittel |
| Gesamt (Fahrräder+E-Bikes): Anteil ATB, % | 4,7 % | 7 % | +2.3 %-Pkt. | 6,1 % | -0.9 %-Pkt. | mittel |
| Gesamt (Fahrräder+E-Bikes): Anteil Rennrad+Gravel (kombiniert), % | 3,9 % | 4,5 % | +0.6 %-Pkt. | 6,2 % | +1.7 %-Pkt. | mittel |
Warum werden immer weniger MTBs verkauft? Sieben Thesen
Mit dem Erscheinen des Artikels von MTB-Mag haben auch wir zwischen den Jahren diskutiert – Warum sinken die MTB-Verkäufe seit Jahren, warum verkaufen sich MTBs so schlecht, vor allem im Vergleich zum E-MTB? Ein hausgemachtes Problem?
Grundlage vieler nachfolgender Thesen ist: Mountainbiken ist kein Nischensport mehr, sondern hat sich zu einem beliebten Breitensport entwickelt. Mit dieser Entwicklung geht einher, dass sich Motivation, Nutzungsverhalten und damit auch der Konsum aus den Extremen heraus verschoben haben. Mountainbiken ist heute nicht mehr nur: In Lycra auf schmalen Reifen Schotterwege ballern oder am anderen Ende des Spektrums in voller Montur mit dem DH-Bike durch den Wald schanzen.
Die breite Grauzone zwischen diesen beiden Extremen ist zwischenzeitlich bestens erschlossen und im Kern das, was Mountainbiken heutzutage ausmacht. Das bedeutet auch: Die breite Masse ist die Käufergruppe, die anvisiert wird. Diese weniger spezialisierte Zielgruppe schaut nicht nur auf Performance, sondern auch auf den Preis, den Komfort und andere Faktoren – wie das E-MTB da reinpasst – das wollen wir in den nächsten Thesen beleuchten.
Die Thesen:
- These 1: Die Datengrundlage ist nicht eindeutig.
- These 2: Ist MTB‑Fahren Sport oder Spaß?
- These 3: Ist es wichtiger, Zeit in Gesellschaft zu verbringen, als wie man sie verbringt?
- These 4: Zeitmanagement im Alltag.
- These 5: Preisentwicklung und Zugänglichkeit.
- These 6: Industrie und Journalismus als Ambassadors.
- These 7: Konsum- statt Genussgesellschaft?
These 1: Die Datengrundlage ist nicht eindeutig.
Zahlen lügen nicht. Oder vielleicht schon? Auf 100 verkaufte E-Bikes kommen 40 E-MTBs, auf 100 verkaufte Fahrräder jedoch nur 3 Mountainbikes. Stärkste Zielgruppe ohne Motor ist der Trekking-Kunde: 41 von 100 verkauften Fahrrädern sind Trekking-Bikes. Unterscheiden sich die Zielgruppen wirklich so wesentlich, oder kann es sein, dass die Datengrundlage verfälscht ist?
Ich denke, im Wald und im Bikepark ist eindeutig sichtbar, dass immer mehr E-Mountainbikes auftauchen. Dennoch fällt es schwer zu glauben, dass diese 40/100 E-MTBs waschechte Mountainbikes sind, die auch als Mountainbike genutzt werden. Neu erschaffene Fahrradklassen wie das E-SUV-Bike lassen die Klassifizierung verschmelzen und erschweren somit die Trennschärfe in der Auswertung und Interpretation dieser Marktdaten. Was zählt als E-Mountainbike? Ist ein Rad mit Stollenreifen, vollgefedertem Rahmen und Schutzblechen ein Mountainbike? Damit öffnet sich die Frage: Sorgt möglicherweise die fehlende Trennschärfe in unserer Datengrundlage für ein falsches Bild der Zielgruppe und damit für eine falsche Wahrnehmung der Verkaufszahlen?
These 2: Ist MTB‑Fahren Sport oder Spaß?
In meiner Zeit als aktiver Mountainbiker habe ich nur wenige Menschen getroffen, die in beiden Lagern unterwegs sind. Meist wird primär aus Spaß oder mit dem Leistungsgedanken im Hintergrund gefahren. Der Mountainbiker, der sowohl gerne bergauf fährt, als auch gerne wildes Terrain bergab, ist meiner Erfahrung nach eher selten. Mountainbiken ist für die meisten also keine reine Trainingsdisziplin, sondern vielmehr eine Spaßmaschine.
Der sportliche Effekt – Ausdauer, Fitness, Fortschritt – ist oft eher ein angenehmer Nebeneffekt, wobei der Uphill eher Mittel zum Zweck ist. Entscheidend ist, was sich gut anfühlt: Flow, Trails, Abfahrten, Fahrzeit. Genau in dieser Zielgruppe stößt das E-Bike natürlich auf Zustimmung – minimieren, was man nicht mag, maximieren, wofür man den Sport macht? Klingt nach einem Win-Win.
Doch so einfach ist die Rechnung auch nicht, denn auch für fitte Mountainbiker kann das E-Bike interessant sein. Wer sich technische Uphill-Challenges sucht oder nonstop mit maximaler Geschwindigkeit seine Runden zieht, der ist definitiv auch in höheren Herzfrequenzbereichen unterwegs. Ein E-MTB in steilen Anstiegen konstant nahe der 25-km/h-Marke zu halten, ist eine eigene Herausforderung. Kürzere, aber potenziell sogar höhere Belastungsspitzen sind keine Seltenheit, vor allem im Vergleich zum kontinuierlichen Tritt bei geringerem Tempo.
Wer sich auf das E-MTB einlässt, bekommt sowohl als spaßorientierter Fahrer als auch als leistungsorientierter Fahrer seine Benefits. Vorrangig greift das motorisierte Bike aber vor allem die riesige Zielgruppe der Spaß-Biker auf.
These 3: Ist es wichtiger, Zeit in Gesellschaft zu verbringen, als womit man sie verbringt?
Gibt es noch Aspekte am MTB-Fahren, die jenseits von Flow, Speed, Trailspaß und Fitness wichtig sind? Definitiv – und einer der wichtigsten ist die Gesellschaft, in der man diese Zeit verbringt. Rund um die Weihnachtsfeiertage war die gesellschaftliche Vereinsamung wieder in den Medien präsent. Empfehlungen: Echte Menschen treffen, in Vereinen und beim Sport, statt digital in sozialen Netzwerken.
Das MTB wird dieser Rolle sehr gerecht, denn obwohl es ein Individualsport ist, kommt es mit einer großen Community und macht in Gesellschaft mehr Spaß. Der E-Antrieb nimmt eine Schwachstelle heraus: Den Fitness-Unterschied. In der Abfahrt unterhält man sich bis auf Freudenschreie oder Warnungen kaum, gesellig ist aber oft der Uphill. Durch eine stärkere Egalisierung der Bergauf-Leistung wird der Austausch vereinfacht – wer ein Fitnessdefizit hat, hinkt nicht hinterher und kann am Gespräch teilhaben.
In meiner MTB-Karriere war ich in vielen Whatsapp-Gruppen, die zur Organisation von gemeinsamen Ausfahrten dienen. Oft habe ich die Erfahrung gemacht, dass gewisse Personen nie alleine fahren. Der gesellige Aspekt ist meiner Einschätzung nach für viele ein entscheidender – und das E-Bike kann ihn noch befruchten.
These 4: Zeitmanagement im Alltag.
Eine kurze These: Wenn ich wenig Zeit habe, möchte ich das Maximum herausholen. Für den leistungsorientierten Biker bedeutet das: das bestmögliche Training. Für den spaßorientierten Biker: möglichst viele Laps machen. Und darin ist das E-MTB unschlagbar. Punkt.
These 5: Preisentwicklung und Zugänglichkeit.
Beispielhaft berechnet, entwickeln sich die Preise von Mountainbikes weniger stark (inflationsbereinigt) als die von E-Mountainbikes. 100 % treffsicher ist der Vergleich zwar nicht, aber an der Entwicklung eines Stumpjumper und eines Levo erkennt man: Der Preiszuwachs macht beim E-Bike größere Sprünge als beim MTB. Das gilt jedoch nur für die UVP-Preisentwicklung – gerade in den vergangenen Jahren mit heftigen Rabatten wurde die Preisspanne zwischen E- und MTB verschwindend gering. Die stark rabattierten reellen Preise sorgen für eine einfachere Zugänglichkeit und machen das E-Bike deutlich attraktiver. Warum auch ein MTB kaufen, wenn ich fürs gleiche Geld noch einen Motor dazu bekomme?
SJ 2018 Entrylevel 3.099 €, Topmodell 9.299 €
SJ 2025 Entrylevel 2.999 €, Topmodell 12.499 €
Levo 2017 Entrylevel 4.999 €, Topmodell 8.999 €
Levo 2025 Entrylevel 5.999 €, Topmodell 14.499 €
Parallel dazu ist das Leasing-Geschäft wie eine Bombe eingeschlagen. Anstatt den Geldbeutel weit zu öffnen und einen vier- bis fünfstelligen Betrag auf einen Schwung auszugeben, senkt der monatliche Brutto-Lohn-Abzug die Hemmschwelle für eine solch teure Investition. Wenn sich die Preise von MTB und E-MTB so stark annähern, stellt sich die Frage: Ersetze ich mein Mountainbike oder stelle ich mir eine zusätzliche Option daneben?
These 6: Industrie und Journalismus als Antreiber.
Das Prinzip von Angebot und Nachfrage kann deutliche Auswirkungen auf den Markt haben. Nicht nur im Bereich der Preisentwicklung. Ist der Anstieg der E-MTB-Verkäufe gar eine „self-fulfilling prophecy“? Also: Kaufen wir keine Mountainbikes mehr, weil das Angebot nicht gut genug ist?
Eine interessante Frage, zu der ich keine Antwort geben kann, denn das aktuelle Mountainbike ist für mich persönlich auf einem hervorragenden Stand: Performance und Haltbarkeit sind gegeben – zumindest für meine Vorlieben. Etwas anders sieht es für Leichtbaufans aus, denn moderne Mountainbikes sind meistens nicht besonders leicht und schließen somit schon fast die Lücke zu leichten E-MTBs.
Leichte Rahmen zu entwickeln, zuverlässig abzutesten und die Gewährleistung sicherzustellen, ist mit den Wünschen und Anforderungen an moderne Räder nicht immer einfach und kann bei den momentanen Verkaufszahlen und Verkaufsmargen auch schnell wirtschaftlich fragwürdig werden. Der vermeintlich einfachere Weg: Trends aufgreifen, Zielgruppen erschließen und damit die Gelder und Kapazitäten in sicherere Geschäftsfelder stecken. Die Zahlen lügen nicht – sicherer ist momentan einfach das E-MTB – aber wie angemerkt: Vielleicht auch, weil es ein hausgemachtes Problem ist.
Entsprechend steckt auch technologisch mehr Druck und mehr Innovation im E-MTB-Segment – also auch aus journalistischer Sicht ein sehr spannendes Feld.
These 7: Konsum- statt Genussgesellschaft?
Unser Konsumverhalten verändert sich stetig. Im digitalen Zeitalter vermutlich stärker denn je: Hürden fallen, viel wird einfacher und zugänglicher – natürlich auch bewusst gesteuert. Komfortlösungen für den Kunden, sei es am Produkt, dem Bezahl- oder Bestellprozess, befeuern diese Entwicklung. Als anpassungsfähige Spezies verändern wir uns dahingehend natürlich auch.
Entsprechend sinkt aber auch die Geduld, Social Media lehrt uns, dass Belohnung schnell und vielfältig kommen kann – vielleicht überträgt sich genau dieses Verhalten auch auf uns Mountainbike-Fahrer? Skeptisch? Ich bin davon überzeugt.
Zu dieser Verhaltensweise passt was hervorragend? Richtig, ein Sportgerät, das den Komfort erhöht und die Belohnung beschleunigt. Auch hier trifft der Wandel im Verkauf den gegenwärtigen Zeitgeist.
Diesen Punkt darf man aber auch ruhig ein bisschen kritisch beleuchten: Mit dem Uphill-Speed, den das E-Bike ermöglicht, wird dem Genuss weniger Zeit gelassen. Auch Gesprächen mit Mitfahrenden wird weniger Zeit eingeräumt – und wenn ich alleine fahre, habe ich im Uphill weniger Zeit, meine Gedanken zu sortieren, weil ich permanent konzentriert bin.
Wie sieht die Zukunft des Mountainbikes aus?
Mountainbiken wird nie komplett verschwinden! Ganz im Gegenteil: ich denke, dass nach stark E-MTB-fokussierten Jahren auch wieder ein Peak in den Mountainbike-Verkaufszahlen kommen wird. Aktuell steigen aus den genannten Gründen viele aufs E-Bike um – die Technologie ist für viele neu, interessant, und der Gruppenzwang tut vielleicht sein Übriges. Aber E-Bike fahren ist auch anders und gewisse, eigentlich schöne Dinge rücken dabei in den Hintergrund. Etwa sich Zeit zu nehmen, anstatt möglichst viel in einen Zeitslot zu pressen. Für mich persönlich ist eines der wichtigsten Take-Aways nach einem Jahr E-Bike-Redaktion: Es ist verdammt angenehm, den Tapetenwechsel ohne Motor zu haben!
Wie seht ihr das?
- Ist das klassische Mountainbike ein Auslaufmodell – oder nur wieder auf dem Weg zurück zur bewussten Nische?
- Fahrt ihr E-MTB aus Effizienz, aus Spaß oder aus beidem?
- Und würdet ihr ohne Motor überhaupt noch genauso viel fahren?
Zum italienischen Artikel auf www.ebike-mag.com
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