MTB Frame Development Episode 5: Carbon-Alu-Bonding – besser, nicht leichter
In Episode 5 der MTB Frame Development-Serie beschäftigt sich Kavenz mit einem Thema, das im Rahmenbau immer wieder diskutiert wird: dem strukturellen Verkleben von Carbonrohren mit Aluminium-Lugs. Dabei geht es ausdrücklich nicht um ein fertiges Produkt, sondern um den aktuellen Entwicklungsstand und die dahinterliegenden Überlegungen.
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Warum Carbon?
Ausgangspunkt ist ein Vergleich am Unterrohr: Ein Aluminium-Down-Tube wiegt etwa 500 Gramm, ein vergleichbares Carbonrohr rund 300 Gramm – also rund 200 Gramm Unterschied. Trotzdem ist Gewicht nicht das Hauptziel. Carbon eröffnet vor allem zusätzliche Freiheitsgrade bei der Auslegung: Steifigkeit kann gezielter beeinflusst und Material dort eingesetzt werden, wo es strukturell sinnvoll ist. Der Fokus liegt damit weniger auf Minimalgewicht, sondern auf Funktion, Dauerhaltbarkeit und Vielseitigkeit.
Nachhaltigkeit & Embodied Energy
Auch das Thema Nachhaltigkeit wird differenziert betrachtet. In Gesprächen mit Compotech, dem Hersteller der Carbonrohre, zeigt sich:
- Carbon-Produktionsabfälle sind verwertbar und nachgefragt.
- Das Rohrwickelverfahren erzeugt sehr wenig Verschnitt.
- Die Carbonrohre werden in der EU gefertigt.
- Beim Vergleich der Embodied Energy zeigte sich bereits zuvor: Aluminium und Carbon liegen näher beieinander als oft angenommen – abhängig von Recyclingquote, Transportwegen und Nutzungsdauer.
Warum Kleben?
Carbon kann nicht geschweißt werden, mechanische Verbindungen bringen eigene Nachteile mit sich. Strukturelles Kleben bietet theoretisch Vorteile wie gleichmäßige Lastverteilung, elektrische Trennung von Carbon und Aluminium sowie Schutz vor Feuchtigkeit – funktioniert aber nur als sauber abgestimmtes Gesamysystem.
Die Aluminium-Lugs bestehen aus 6000er-Serie Aluminium, unter anderem wegen des geringeren Korrosionsrisikos in einer Mischbauweise. Alle Klebeflächen bleiben bewusst RAW, um die Langzeithaftung nicht zu beeinträchtigen.
Prozess & offene Fragen
Der gezeigte Prozess ist ein Work in Progress: Reinigung mit Alkohol, mechanische Vorbereitung, zeitnahes Fügen. Im Fokus stehen zudem zwei Klebstoffe: 3M DP420 und DP490. Ermüdungsverhalten, Temperaturbereich und Verarbeitungssicherheit werden gegeneinander abgewogen. Klar ist: Fahrräder können realistisch Temperaturen von 80–90 °C erreichen – und genau dort ändern Materialien ihr Verhalten.
Fazit
Das zentrale Fazit der Episode ist bewusst nüchtern: Der Rahmen wird nach aktuellem Stand vermutlich nicht leichter, könnte aber besser und vielseitiger werden. Es geht nicht darum, Carbon gegen Aluminium auszuspielen, sondern um ein System mit mehr Entwicklungsfreiheit und Optionen über mehrere Iterationen hinweg.
Ausblick
In Episode 6 wird es konkret: Kavenz besucht Compotech und zeigt den Weg der Carbonrohre von CAD über CAM bis zur CNC-Fertigung – und wie viel der Theorie sich in der Praxis bewähren muss.
Was sagt ihr zur neusten Episode von Kavenz?
Hier findest du die spannendsten Mountainbike-Videos – und das sind die letzten fünf Bike-Videos:
- MTB Frame Development Episode 5: Carbon-Alu-Bonding – besser, nicht leichter
- Level-Up Folge 1: So fährst du schneller durch Kurven – mit Christian Textor
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