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Radsport: Neues Superteam? "Als ob Real und Real fusionieren würden“

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Im Radsport steht eine historische Fusion an. Entstehen würde ein Superteam ähnlich wie einst im Fußball bei Real Madrid. Doch das zieht teils massive Kritik nach sich.Als sich Real Madrid um die Jahrtausendwenden ein Superteam zusammenbastelte, sorgte das für tektonische Verschiebungen im europäischen Fußball. David Beckham, Ronaldo, Luís Figo und Zinédine Zidane überstrahlten jahrelang des Geschehen – und gingen als "die Galaktischen" in die Annalen des wohl größten Klubs der Welt ein.Ähnliches steht nun im Profiradsport an. Fast zweieinhalb Jahrzehnte nach Beckham, Ronaldo und Co. steht dort die Vereinigung einer weiteren "galaktischen" Generation an. Allerdings nicht durch schlagzeilenträchtige Transfers, sondern durch eine Fusion – zwischen dem niederländischen Team Jumbo-Visma und der belgischen Equipe Soudal Quick-Step. Niederländische Medien berichten seit Tagen von konkreten Gesprächen, die Protagonisten halten sich mit Wasserstandsmeldungen allerdings zurück.Bestes Rundfahrteam trifft bestes KlassikerteamKlar ist, dass eine solche Fusion den Profiradsport bis ins Mark erschüttern würde. "Das wäre so, als ob Real Madrid und Bayern München fusionieren würden. Bis vor einigen Wochen habe ich so etwas für absolut unmöglich gehalten, aber mittlerweile verdichtet sich das", verdeutlicht Fabian Wegmann, ehemaliger Topfahrer und mittlerweile Sportlicher Leiter der Deutschland-Tour, gegenüber t-online.Die involvierten Namen unterstreichen seine Einschätzung: Jumbo-Visma hat mit Jonas Vingegaard (Tour de France), Primož Roglič (Giro d’Italia) und Sepp Kuss (Vuelta a España) die Sieger der wichtigsten Rundfahrten in seinen Reihen; Soudal Quick-Step dominiert demgegenüber seit Jahren die Klassiker- und Eintagesrennen und zählt Topsprinter Fabio Jakobsen, Frankreichs Radheld Julian Alaphilippe und vor allem Supertalent Remco Evenepoel zum Kader.Experte Wegmann: "Auf dem Papier das beste Team aller Zeiten"Daher verwundert es kaum, dass Ex-Profi Wegmann urteilt: "Auf dem Papier wäre das schon das beste Radsportteam aller Zeiten." Wobei die Betonung auf "wäre" liege. Denn eine derartige Superstar-Dichte innerhalb eines Teams mag zwar im Fußball möglich sein, im Radsport ist sie dagegen kaum denkbar.Denn Sieger des wichtigsten Rennens der Welt – der Tour de France – kann nur ein einziger Fahrer werden. Und genau dort liegt das Problem: Vingegaard hat sich nach seinem zweiten Tour-Sieg in Folge zum Superstar der Szene entwickelt. Er gilt mit 26 Jahren als gesetzter Kapitän. Der 33-jährige Roglič – ein ehemaliger Skispringer – ist dagegen im Herbst seiner Karriere und brennt nach Siegen bei Vuelta, Giro und Olympischen Spielen auf den ersten Platz der Frankreich-Rundfahrt.Sichtbare Konsequenz: Der Slowene kündigte wenige Tage nach den ersten Fusionsgerüchten nach acht Jahren seinen Abschied von Jumbo-Visma an. Die italienischen "Gazzetta dello Sport" nennt das deutsche Team Bora-hansgrohe als die von ihm präferierte Destination. Fix ist der Abschied aber noch nicht.Ähnlich ist die Konstellation bei Remco Evenepoel. Der 23-Jährige wollte bis vor einigen Jahren noch Fußballprofi werden und spielte in der Jugend von RSC Anderlecht und PSV Eindhoven. Mittlerweile gilt er als größtes Zukunftsversprechen des Radsports und in seinem Heimatland als legitimer Nachfolger von Eddy Merckx, dem Pelé der Pedaleure. Als Edelhelfer Vingegaards würde Evenepoel sicher nicht zur Tour fahren.Der DDR-Jahrhundertsportler: Sein erster Trainer war ein LinienbusDazu kommt: "Remco hasst Jumbo und Jumbo hasst Remco." Das behauptete zumindest Ex-Tour-Sieger Geraint Thomas in seinem Podcast "Watts Occurring". Einige Beobachter interpretieren diese Aussage des 37-Jährigen als Einladung an Evenepoel, beim Ineos-Team in Thomas' Fußstapfen zu treten. Ein entsprechendes Gerücht hatte Eurosport-Experte Alberto Contador bereits im August forciert. Doch aktuell läuft Evenepoels Vertrag noch bis 2026.Damit muss er sich keine Sorgen um die Zukunft machen – im Vergleich zu vielen Angestellten von Jumbo-Visma und Soudal Quick-Step. Denn im Falle einer Fusion müssten sich nicht nur etwa zwei Dutzend Fahrer ein neues Team suchen, die gesamte Belegschaft würde um ihre Jobs bangen."Wenn zwei so große Teams fusionieren, ist auch ganz klar, dass viele auf der Strecke bleiben. Ein Team darf nur 30 Fahrer haben und den Staff braucht man nicht doppelt", verdeutlicht Ex-Profi Wegmann. Er organsiert auch den "Sparkassen Münsterland Giro", bei dem am vergangenen Dienstag beide Teams am Start waren."Gerade bei Quick-Step gibt es Leute, die seit 30 Jahren in dieser Mannschaft sind – egal, wie der Sponsor hieß. Für die würde es natürlich schwer", so Wegmann. Sein Urteil: "Die größten Verlierer sind dann die unbekannteren Fahrer und der Staff." Ex-Profi Philippe Gilbert geht sogar noch weiter. Für ihn hätte eine Verschmelzung beider Spitzenmannschaften "katastrophale Folgen für die Wirtschaft des Profiradsports."Springen die Tech-Giganten in die Bresche?Wie ein mögliches neues Team heißen würde, ist noch unklar. Für Brian Cookson, dem ehemaligen Präsidenten des Weltradsportverbandes UCI, ist allerdings eine Sache unzweifelhaft: "Es wäre keine Fusion, sondern die Übernahme eines Teams durch ein anderes."Soudal Quick-Steps zweifacher Weltmeister Alaphilippe wäre "traurig", wenn seine Mannschaft von der Bildfläche verschwinden würde, weil es "ein Team im Herzen des Radsports seit vielen Jahren mit seiner eigenen Geschichte" sei.Doch wer weiß: Vielleicht platzt die größte Fusion der Radsportgeschichte doch noch. Den Stein ins Rollen gebracht hat vor allem der Ausstieg der Supermarktkette Jumbo als Co-Sponsor spätestens Ende 2024. Seitdem Apple-Chef Tim Cook dem Team im September einen Besuch abstattete, sprießen die Gerüchte um einen Einstieg des Tech-Riesen. Denn: Cook ist laut eigener Aussage Radsport-Fan.Wenig später wurde vom niederländische Marketingexperten Chris Woert auch Amazon als möglich Sponsor ins Gespräch gebracht. Auf Amazons Streaming-Plattform Prime gibt es seit 2022 die Serie "All-in team Jumbo Visma". Eine Fortsetzung ist in der Mache. Ob es die "Galaktischen" des Radsports also überhaupt geben wird, steht in den Sternen.

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