Mosbach: Das ist der Flowtrail für Mountainbiker
Von Peter Lahr
Mosbach. Nach dreieinhalb Jahren Vorlauf befinden sich Alexander Arnold und Peter Stumpf nun auf der Zielgeraden – bildlich gesprochen. Denn wenn alles gut geht, wird im Herbst der "Flowtrail Mosbach" eröffnet. Um was es sich bei dieser 230.000 Euro teuren Anlage genau handelt, erklärten der Leiter der Radsportabteilung sowie der Vorsitzende des Turnvereins 1846 Mosbach dieser Tage im Gespräch mit der RNZ. Denn die eigentlich geplante Bürgerinformation musste wegen der Corona-Einschränkungen leider ausfallen. Umso wichtiger ist es den beiden Sportlern, der Öffentlichkeit und den Waldbenutzern genau zu erklären, was es mit der sieben Kilometer langen Mountainbikestrecke auf sich hat.
"Egal, ob Hobbyfahrer oder Leistungssportler, uns verbindet die Begeisterung für die Fortbewegung mit dem Fahrrad und die Freude, sich in der Natur zu bewegen", so Alexander Arnold. 170 Mitglieder stark ist die Radsportabteilung beim TV. Mit rund 1800 Mitgliedern bilden die Sportler, die in 16 verschiedenen Abteilungen organisiert sind, derzeit den größten Verein der Region. Kontinuierlich wächst dabei das Feld der Mountainbiker, abzulesen etwa bei zwei neu ins Programm aufgenommenen Trainingsgruppen. Auch sportliche Erfolge haben die Mountainbiker bereits errungen: Sechsmal holte Matthias Ball den Europameistertitel nach Mosbach, zweimal gewann Katrin Schwing die Europameisterschaft im Mountainbike-Marathon, und bei den Special Olympics in Abu Dhabi erzielte Michael Lohfink gleich zwei Goldmedaillen.
"Wir alle kämpfen mit der Zwei-Meter-Regel", kam Arnold auf das Grundproblem der Geländeradler zu sprechen – und die Geburtsstunde des Mosbacher Flowtrails. Eigentlich sei Mountainbikern das Befahren von Wegen unter zwei Metern Breite untersagt. Wo also legal trainieren? In der Waldstadt gebe es zwar ein kleines Übungsgelände. Aber sonst müssten Alexander Arnold und seine Sportfreunde erst mal wahlweise mit dem Auto oder öffentlichen Verkehrsmitteln nach Heilbronn, Karlsruhe, Heidelberg oder Beerfelden fahren, um einen legalen Trail befahren zu können. Deshalb will der TV nun vor Ort eine Anlage schaffen, die deutschlandweit unter den Top Ten rangieren – und für alle radsportbegeisterten Bürgerinnen und Bürger offenstehen soll.
"Flowtrail bedeutet so viel wie fließende, wellige Abfahrt", erläutert Peter Stumpf. Die sieben Kilometer lange Strecke teilt sich auf drei Abfahren mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden und eine Auffahrtsstrecke auf. "Im Prinzip ist es eine Lehmbahn", ergänzt Alexander Arnold. Steilkurven und Sprünge sorgten dabei für das beliebte "Achterbahngefühl". Aber es werde kein Beton in den Wald geführt. Alle Baumaterialien seien naturverbunden. Fremderde müsse kontrolliert schadstofffrei sein, und der Kalk stamme aus Gundelsheim. "Da sind Profis am Werk", beschreibt Stumpf die Arbeit des professionellen Trailbauers Joscha Forstreuter. Dessen besonderes Augenmerk liege auf dem Vermeiden von Abwassererosionen.
Die vom Mosbacher Gemeinderat bewilligte Anlage unterliegt zudem einer ökologischen Baubegleitung durch das Landratsamt. Um Haselmäuse, Zauneidechsen und Amphibien zu schützen, wird erst im Mai mit den Bauarbeiten begonnen. Lediglich die Baumfällarbeiten fanden bereits im Februar statt. 160 Bäume waren zu fällen. "Das klingt mehr als es ist", befindet Arnold. Denn die meisten Stämme seien maximal zehn Zentimeter stark gewesen. Als Ausgleichsfläche werde ein etwa 9000 Quadratmeter großes Waldstück Richtung Neckarburken neu bepflanzt.
Zwei Eingänge mit Beschilderungen sollen ab Herbst auf den Parcours hinweisen. Zudem können Interessierte alle Details über die Internetseite des TV Mosbach erfahren. "Die Leute können nicht im Wald parken", unterstreicht Alexander Arnold. Aber für Mountainbiker sei es keine große Sache, etwa von der Pattberghalle bis zum Flowtrail zu radeln. "Das freie Betretungsrecht des Waldes bleibt bestehen, auch Wanderer werden nicht verboten", betont Peter Stumpf. Man strebe eine Zertifizierung durch die "Deutsche Initiative Mountainbike" an. Allerdings seien momentan keine Wettbewerbe in Mosbach geplant. "Wir wissen aber, wann sie stattfinden könnten und wann nicht", sagt Arnold. Generell sei der Flowtrail nur vom 1. April bis Ende Oktober geöffnet.
Wenn alles nach Plan verläuft, können die ersten Mountainbiker bereits im Herbst den neuen Parcours testen. Besonders freut sich der TV Mosbach darüber, dass das Projekt von Leader gefördert sowie von weiteren Spendern und Sponsoren unterstützt wird. Auch die Stadt Mosbach und der Verein engagierten sich finanziell, um ein völlig neuartiges Freizeitangebot für die Region zu schaffen.

