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Downhill World Cup 2020 – Maribor: Rennbericht von Siegerin Nina Hoffmann

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Waaah, da ist er: mein allererster Weltcup-Sieg! Ich kann’s kaum glauben, dass alles so schnell ging. Vor gut fünf Jahren das erste Downhill-Rennen gefahren und jetzt an der Spitze der Welt angekommen. Verrückt! Lest in den kommenden Zeilen, wie es mir in Leogang erging und wie ich in Maribor langsam meinen Groove zurück gearbeitet habe!

Schlammschlacht in Leogang

Vielleicht fangen wir mit einer kurzen Zusammenfassung der Weltmeisterschaftswoche in Leogang an: Wir sind Dienstag angereist – ich hoch motiviert und voller Tatendrang. Endlich fand das erste internationale Rennen statt und gleich noch die Weltmeisterschaft. Ich war extrem heiß, endlich zeigen zu können, wofür ich das ganze Jahr trainiert habe. Nach dem Trackwalk war allerdings schon klar, dass der neue Streckenabschnitt im unteren Teil eine riesige Herausforderung wird in den vorherrschenden Bedingungen. Frisch abgesteckter Wald, null eingefahren und der Boden war durchgeweicht. Und so sollte es auch werden: Die neuen Stücke waren butterweich, es fuhren sich extrem tiefe Rinnen ein und von glatten Wurzeln muss ich sicherlich nicht berichten.

# Ein eher winterlicher als herbstlicher Trackwalk in Leogang.
Diashow: Downhill World Cup 2020 – Maribor: Rennbericht von Nina Hoffmann
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# 2020 geht Nina mit ihrem eigenen Team an den Start - unterstützt wird sie von ihrem Mechaniker Erik, ihrem Jenaer Bikeshop und auch mal ihrer kleinen Schwester.

Ich hatte allerdings schon im oberen Teil Probleme mit der Strecke. Probleme in dem Sinne, dass ich einige Mal hart vom Fahrrad geworfen wurde und unschön auf Kopf, Hüfte oder Handgelenk landete. Ein Helm, zwei GoPro-Hüllen und meine Bewegungsfähigkeit gingen dabei drauf. Ich humpelte irgendwann nur noch durch die Pits, fuhr mit Bandagen und schlafen war lediglich auf dem Rücken angesagt. Die Strecke wurde allerdings jeden Tag etwas besser fahrbar und Samstag konnte ich sogar öfter das neue Waldstück ohne Ausklicken meistern. Für Sonntag wurde jedoch Regen gemeldet und so sollte es dann auch kommen. Ich meine, zumindest blieb es bei Regen im Tal. Die Schneefallgrenze sank auf 1.300 m und zu Beginn der Rennläufe fielen am Startgate auch ein paar weiße Flocken vom Himmel. Es gab aber keinen Frost und so konnten die Finals stattfinden.

# Die Bedingungen in Leogang hätten kaum härter sein können.
# 20201011 Worlds Leogang S1D8288
# 20201011 Worlds Leogang S1D8292

Ich muss sagen, meine Stimmung war äußerst gut. Zumindest war ich kaum nervös oder aufgeregt. Ich wusste nach dem morgendlichen Training: Das wird heute ein Lottospiel und wer nicht hinfällt, gewinnt. Aber das musste man erst einmal schaffen. Mein Plan war es, den oberen Bereich ordentlich zügig fahren und dann unten im neuen Waldstück einfach irgendwie auf dem Rad zu bleiben. Ja, aber leider sollte es nicht sein. Ein Stein in meiner Linie direkt im ersten Schräghangstück vermasselte es und ich lag am Boden mit den Händen im Dreck. Auch im letzten Teil konnte ich nicht ohne Stürze durchkommen und so hieß es letztendlich Platz 7 für mich bei meiner zweiten Weltmeisterschaft. Einen großen Glückwunsch an die neue Weltmeisterin Camille, die es als Einzige ohne Sturz nach unten geschafft hat!

# Das war nicht der erhoffte WM-Lauf!
# 20201011 Worlds Leogang S1D9319
# 20201011 Worlds Leogang S1D9346

Auf geht’s nach Maribor

Noch am Sonntag bauen wir das Pit in Leogang ab und stapeln alles ins Auto. Morgen geht’s direkt nach Maribor, um dort am Nachmittag wieder alles aufzubauen. Ja, keine Zeit für Pause. Am Dienstag steht auch schon Trackwalk auf dem Plan. Ich habe sämtlich Register gezogen, um meinen Körper wieder fit zu bekommen – Mobility-Übungen, Black Roll, Massagegun, Flossing, Salben, Elektrotherapie. Zumindest kann ich am Dienstagmorgen wieder einigermaßen laufen und hinke nicht mehr allzu schlimm den Berg hinunter.

Die Strecke zum ersten Rennen ist zum letzten Jahr nahezu unverändert – deswegen schau ich mir nach dem Trackwalk noch ein paar GoPro-Videos vom letzten Weltcup an, um ein besseres Gefühl für die Linien zu bekommen. Der Mittwoch bleibt trocken und so ist die Strecke enorm schnell. Alle neuen Stücken aus 2019 sind festgefahren und rollen unglaublich schnell. Schon nach ein, zwei Läufen bin ich ganz schön am Gashahn und muss mich zügeln, es nicht zu übertreiben. Einen weiteren Sturz kann der arme Körper nicht gebrauchen. Ich mache sogar sechs Abfahrten, aber hauptsächlich, weil ich es bis Abfahrt 5 nicht auf die Ketten bekomme, den großen Double im mittleren Streckenabschnitt zu springen. In meiner letzten Abfahrt muss das aber klappen, denn morgen soll es regnen und im Regen springe ich da definitiv nicht zum ersten Mal drüber.

# Auch in Maribor geht's nicht gerade sommerlich zu.

Im Endeffekt schiebe ich noch zweimal hoch und springe im dritten Anlauf endlich! „Was ein Hin und Her schon wieder“, denke ich mir nach der Landung und hasse mich kurz ein bisschen. Das war der einfachste Sprung auf dem ganzen Kurs und ich verschwende meine Energie mit zweimal Hochschieben dafür. Egal, jetzt ist das Ding gemacht und ich kann mit ruhigem Gewissen das Training beenden. Der Tag heute fühlt sich wie ein erster Lichtblick am Ende des Tunnels an. Trockenes Wetter, eine mega spaßige Strecke und kein Sturz. Ich bin sehr zufrieden!

# Nochmal hochschieben für das große Gap!
# Im Steinfeld zeigt Nina schon früh ihren Speed!

Der erste Weltcup 2020 – natürlich im strömenden Regen

Das Wetter soll für Donnerstag aber leider nicht halten und schon in der Nacht setzt Regen ein. Gegen Mittag wird aus dem Niesel eher Starkregen und die Strecke gleicht einer Schmierbahn: harter Boden + Regen = kein Grip. Trotzdem versuche ich meine To Do-Liste abzuarbeiten und möchte im Steinfeld eine andere Anfahrt probieren. Geplant, getan und BÄM – lieg ich auf der Fresse. Und zwar richtig heftig! Ich weiß kurz nicht, wie das passieren konnte. Meine Brille hat es weggeschleudert und mein Bike liegt irgendwo in den Steinen. Gott sein Dank kann ich aufstehen und hieve mich an den Streckenrand. Oh Mann. Genau das brauchst du jetzt nicht. Ich sammle mich und muss echt ein paar Tränen verdrücken. Wieder ein harter Crash auf den Kopf und die Hüfte tut jetzt auch auf der anderen Seite weh. Zum Glück ist Peaty vor Ort und baut mich auf. „That’s racing“, sind seine Worte – er nimmt mein Bike und schiebt es hoch. Wir analysieren den Sturz, ich nehme wieder meine alte Einfahrt und rolle sauber durchs Steinfeld.

# 20201016 UCI WC Maribor S1D6649

Unten angekommen wird der Nacken schön steif und ich möchte zu meiner ersten Quali einfach nur runterrollen. So wird es letztlich auch und ich reihe mich auf Platz 7 ein. Ist okay für so einen Lauf. Also wieder Selbst-Physio für den Körper am Abend und Energie sammeln für das morgige erste Finale.

Eigentlich sollte es aufhören zu regnen, aber als ich um 8 Uhr zu meinen ersten Trainingslauf fahre, nieselt es nach wie vor. Die Strecke ist mittlerweile echt ausgefahren. Nach über einem Tag durchgängigen Regen werden die Löcher tiefer und die Wurzeln irgendwie noch glatter. Ich schaffe es, drei sichere Trainingsläufe zu fahren und bin einigermaßen bereit fürs Finale. Ich werde zwar den großen Double nicht springen, aber alle anderen Lines und Sprünge sitzen jetzt wieder. Also – let’s go!

# Auch in Maribor will das Wetter zwischenzeitlich so gar nicht mitspielen.
# 2517779-6q7eg9y8op3h-maribor20 qualies 5899-original
# 2517760-9xkwu32szy14-maribor20 qualies 1658-original

Ich rolle zuversichtlich aus dem Startgate durch den ersten Anlieger und auf die Wiesenkurve zu. Zack, ist das Hinterrad weg! Boah, was, nicht der Ernst, denke ich mir. Egal, ab aufs Bike und weiter! Ich versuche, bis nach unten noch zu pushen, baue ein paar kleine Fehler in den Lauf ein und werden am Ende 6. – nur 0,2 Sekunden vom Podium entfernt. Wie ärgerlich! Aber was mich beruhigt, ist die Art des Sturzes: Die Wiesenkurve war unberechenbar und durch nachlassenden Regen nochmal deutlich glatter als im Training zuvor. Auch Loïc und Danny rutschen in genau dieser Kurve weg. Meine einzelnen Sektorzeiten im unteren Bereich sind gut und ohne Sturz wäre eine Top-3-Platzierung möglich gewesen. Das lässt mich ein bisschen hoffen und zeigt mir, dass der Grundspeed da ist.

# Ohne Sturz wäre Nina schon im ersten Finale weit vorne dabei gewesen - die Zwischenzeiten waren vielversprechend.

Ich putze am Nachmittag also zum hundertsten Mal meine Schuhe, Helme, Brillen und Regenklamotten – im Hotel laufen die Heizungen auf Hochtouren, um alles zu trocknen. Danach gehe ich auf einen zweiten Trackwalk zusammen mit Max Hartenstern. Das ist das einzig Gute am verpassten Podium: Keine Siegerehrung und genügend Zeit, sich die veränderte Strecke noch einmal anzugucken. Da morgen das zweite Rennen stattfindet, werden vier neue Abschnitte hinzugenommen. Ursprünglich war vom Veranstalter geplant, zum Training am Mittwoch bereits beide Streckenteile zu öffnen. Zum Glück konnten wir Einspruch einlegen und es wurde bisher nur auf Strecke eins trainiert. Ich bin mir sicher, das hätte ordentlich Chaos gegeben an den Stellen, wo beide Strecken wieder aufeinandertreffen. Jedenfalls schauen Max und ich noch einmal gründlich über den Track und legen uns die neuen Linien zurecht.

Trocknende Strecke und steigendes Selbstbewusstsein

Ich wache am Samstag auf und fühle mich verhältnismä

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