Downhill-WM 2020 – Leogang: Dirty Dancing – Fotostory von der Quali
Seit 10 Jahren tourt der World Cup-Zirkus nach Leogang und zum zweiten Mal findet hier die Downhill-Weltmeisterschaft statt. Doch so einen Quali-Tag wie am Freitag hat sicherlich noch niemand hier erlebt. Die zu großen Teilen neue und technisch hochanspruchsvolle Strecke hat selbst gestandene Profis an ihre Grenzen gebracht und für mehr als einen prominenten Ausfall gesorgt.
Eigentlich ist die Qualifikation bei einer WM für die meisten Topfahrer kein großes Ding – schließlich qualifizieren sich so ziemlich alle Teilnehmer sicher für das Finale am Sonntag. In der sehr irregulären Corona-Saison 2020 allerdings könnte die Sache anders aussehen – das Rennen findet ja im Oktober statt. Sollte das Wetter zum Finale so schlecht werden, wie angekündigt, muss das Rennen wohl gecancelt werden – und dann zählen die Quali-Ergebnisse! Kein Wunder also, dass das gesamte Pro-Feld ordentlich aufs Gas gedrückt hat. In Kombination mit der sehr frischen, sehr technischen und sehr nassen Strecke hat das die Ergebnislisten ordentlich durcheinander gewirbelt.
Bei den Männern kam Loris Vergier am besten mit den unsicheren Bedingungen zurecht und setzte sich knapp vor seinem Landsmann und Kumpel Loïc Bruni durch. Generell befinden sich ganze vier Franzosen in den Top 5! Lediglich Nachwuchs-Hoffnung Finn Iles konnte seine starke Form unterstreichen und sich auf Platz drei einreihen. Dahinter folgt mit Remi Thirion ein Spezialist für anspruchsvolle und steile Strecken, auf Platz fünf liegt sein junger Teamkollege Thibaut Daprela, der gerade sein erstes internationales Rennen in der Elite-Klasse bestreitet. Weniger gut hingegen lief es für das MS Mondraker-Team, das keinen Fahrer ins Ziel bringen konnte oder auch Leogang-Spezialist Aaron Gwin, der sich ungewohnt weit hinten in der Ergebnisliste wiederfand.
Vali Höll galt sicherlich schon vor der Qualifikation als so etwas wie die heimliche Favoritin. Die Österreicherin, die nur wenige Kilometer von der Rennstrecke entfernt zuhause ist, setzte sich in ihrer ersten Elite-Saison vor Tracey Hannah und Titelverteidigerin Myriam Nicole durch. Diese liegt jedoch bereits über 14 Sekunden zurück, hatte allerdings auch mit Problemen in ihrem Rennlauf zu kämpfen. Während Vali also wohl fleißig Schnee- und Regentänze übt, dürften Tahnée Seagrave und auch Nina Hoffmann auf annehmbares Wetter am Sonntag hoffen. Die Britin war alles andere als begeistert von ihrem Quali-Lauf, Nina hingegen kämpft mit einem stark schmerzenden Handgelenk und erlebte mehrere Stürze.
Etwas spannend und wirr sieht es in den Junioren-Klassen aus – schließlich ändert sich das Feld hier jährlich und bisher hatten die vielen neuen Fahrer noch keine Chance, sich gegeneinander zu messen. Besonders krass ist dies im weiblichen Feld – hier setzte sich die Französin Leona Pierrini vor Siel van der Velden aus Belgien und der deutschen Nachwuchs-Hoffnung Anastasia Thiele durch. Bei den Junioren hingegen stürzten mit Seth Sherlock und Luke Meier-Smith zwei der großen Favoriten – so setzte sich Matthew Sterling aus Amerika mehr als deutlich mit fast 6,5 Sekunden Vorsprung durch. Ihm folgten Chris Cummings und Goncalo Bandeira. Bester Fahrer aus dem jüngeren Jahrgang war Chris Grice vom Specialized-Team auf Platz 6.

