Stadtradeln: Adelsheim soll im Fahrradfieber bleiben
Adelsheim. (ahn) "Am 7. Dezember 2019 überraschte uns alle die Feuerwehr- und Stadtkapelle Adelsheim bei ihrem Jahreskonzert mit dem Stück ,The Happy Cyclist‘, das wohl bei jedem Zuhörer Lust aufs Radfahren gemacht hat. Wer hätte gedacht, dass fünf Monate später ganz Adelsheim im Fahrradfieber ist?!", so Bürgermeister Wolfram Bernhardt im Rückblick auf das "Stadtradeln", das gestern zu Ende ging. Dass "ganz Adelsheim im Fahrradfieber ist", belegen die beeindruckenden Zahlen: Die 31 Radler-Gruppen haben in den vergangenen drei Wochen 81.008 Kilometer auf dem Drahtesel zurückgelegt. Dabei hat man zwölf Tonnen CO2 eingespart. Die meisten Kilometer haben die "Mountaineers", das Jugendhaus sowie das Eckenberg-Gymnasium zurückgelegt (alle Zahlen: Stand 16 Uhr, über das offizielle Ergebnis werden wir noch berichten). Wir haben die drei fleißigen Radgruppen gefragt, wie sie die letzten drei Wochen erlebt haben.
> "Mountaineers": Wie der Name schon verrät, sind die "Mountaineers" eine kleine Gruppe von Radfahrern, die vor allem mit dem Mountainbike unterwegs sind. Vor rund 20 Jahren hat Alexander Berger, der beim "Stadtradeln" als Team-Captain fungierte, mit einem Freund damit angefangen, regelmäßig Radtouren zu unternehmen. "Die Gruppe ist dann immer größer geworden", berichtet Berger, der mit seinen Kumpels vor allem auf den Waldwegen im Umkreis von 100 Kilometern um Adelsheim herum unterwegs ist.
Beim "Stadtradeln" ist die Gruppe mächtig angewachsen. "Das das solche Ausmaße annimmt, hätte ich beim besten Willen nicht gedacht", sagt der Team-Captain. 27 Teilnehmer am "Stadtradeln" zählen die "Mountaineers", darunter vor allem die Frauen und Kinder der angestammten Gruppe.
Mit zusammen knapp über 10.000 Kilometer waren diese alle fleißig unterwegs – entweder auf ihren Radtouren oder auch auf dem Weg zur Arbeit, wie es etwa auch Alexander Berger praktiziert, der verrät: "In der Gruppe hat man sich schon auch gegenseitig gepusht." Dieser Wettbewerbsgedanke steht für den Team-Captain beim "Stadtradeln" allerdings nicht im Vordergrund, sondern vielmehr die gemeinsame Sache und dass Fahrradfahren in Adelsheim auch nach dem "Stadtradeln" noch weiterhin boomt.
Dennoch freut er sich über die Platzierung. "Es ist schön, was unsere Gruppe geschafft hat. Das freut mich sehr. Es ist auch toll, dass unser junger Bürgermeister daran teilnimmt. Insgesamt finde ich die Aktion eine super Sache."
> Jugendhaus Adelsheim: Auch die jungen Adelsheimer scheinen das "Stadtradeln" eine super Sache zu finden. Denn die Gruppe um Team-Captain Christoph Belz hat die zweitmeisten Kilometer erradelt. Christoph ist der Sohn von Eberhard Belz, der das "Stadtradeln" in Adelsheim initiiert hat. "Gestartet sind wir mit circa 20 Teilnehmern", berichtet Christoph Belz. "Doch während der drei Wochen kamen immer mehr Jugendhaus-Sympathisanten in unser Team, sodass wir am Schluss 35 waren, wodurch wir immer mehr Kilometer auf dem Konto stehen hatten." 8769 Kilometer, um genau zu sein.
Die Jugendlichen fuhren auch mal ins Jagsttal oder waren auf den Radwegen rund um Adelsheim unterwegs. Aber auch jede kürzere Strecke, beispielsweise zum einkaufen oder zur Arbeit, wurde dokumentiert. "Unser bestplatzierter Radler Robin machte sich mit seinem Rennrad sogar auf den Weg nach Heidelberg, um dort genüsslich eine Portion Eis zu genießen", sagt Belz.
Dass die jungen Radfahrer voll im Saft stehen, beweist die Tatsache, dass niemand im Team mit Elektromotor unterwegs war. "So musste auch mit dem einen oder anderen Berg gerungen werden." Antrieb für die größten Berge fanden die jungen Adelsheimer in der "Konkurrenz". "Durch das EBG und die ,Mounteneers‘ war der Ansporn nach mehr Kilometern im ganzen Team zu spüren", sagte Belz.
> Eckenberg-Gymnasium: Hinter dem Team verbirgt sich das Eckenberg-Gymnasium als Ganzes: Schüler, teils organisiert in Klassenteams, Mitarbeiter sowie Lehrkräfte. Team-Captain ist Referendar Max Vogel, der allerdings die repräsentative Bedeutung seiner Rolle betont. Denn "im Vordergrund steht die ganze Schulgemeinschaft als Team und nicht der Team-Captain", sagt er. "Jeder einzelne tritt hier nicht nur für das Team, sondern auch für sich selbst, das Klima, unsere Umwelt und die eigene Gesundheit in die Pedale."
Durch diese Teamleistung ist die Gruppe 8571 Kilometer gefahren. "Die Strecken haben sich sowohl aus Alltagsfahrten zusammengesetzt, also Schulwege oder Alltagsbesorgungen, als auch aus gemütlichen oder sportlichen Radtouren – sowohl mit der Familie als auch alleine." Der Spitzenreiter in der Gruppe hat sogar die 1000-Kilometer-Marke geknackt.
Für die EBGler ist das Ziel der Aktion, das Rad in den Alltag zu integrieren. "Super wäre es, diesen aufgebauten Schwung nach der Aktion beizubehalten und immer mehr davon zu begeistern, auf das Rad umzusteigen", wünscht sich Max Vogel.
Dieser Meinung ist auch Bürgermeister Wolfram Bernhardt, der ebenfalls zusammen mit seiner Familie kräftig in die Pedale getreten hat. "Wenn nach der Fertigstellung der Ortsumgehung der B292 sich nicht mehr die 40-Tonner zwischen dem alten Rathaus und der evangelischen Kirche durchzwängen, dann kann der Drahtesel wieder die Innenstadt bevölkern. Und wenn dann das ,Stadtradeln‘ dazu beigetragen hat, dass wieder mehr Menschen im Alltag für kurze Strecken aufs Fahrrad steigen, ist das definitiv ein Gewinn für die Lebensqualität in der Innenstadt", so Bernhardt, dessen Dank Eberhard Belz gilt, und zwar nicht nur für das Initiieren des Projekts, sondern auch für seine großzügige Spende, mit der man den größten Teil der Teilnahmegebühren abgedeckt habe.

