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Guinness-Buch-Rekordversuch von Kai Saaler: 10.000 Höhenmeter an einem halben Tag!

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Kai Saaler ist schon aus dem einen oder anderen Bericht diverser 24 Stunden-Rennen auf MTB-News bekannt – so beispielsweise von den 24 Stunden von Finale. Im Sommer 2019 allerdings nahm eine Idee eine ganz andere Dimension an – nicht weniger als der Rekordversuch der meisten Höhenmeter in 24 Stunden stand auf dem Plan – mit dem Ziel, damit auf die Krankheit Multiple Sklerose aufmerksam zu machen. Hier ist der eindrückliche Bericht von Kai Saaler.

„Such mal einen Bike-Rekord raus und dann werd ich den schon brechen!“ Wie ich es hasse, wenn ich in meinen Bierlaunen mal wieder den Mund zu voll nehme. Zusammen mit meinem Freund Andi hatte ich mich aber im Laufe des Abends immer weiter in das Thema verrannt. Andi war stocknüchtern, während ich (so wie immer) das 12h-Rennen am kommenden Tag nicht so ernst nahm und ordentlich weiter pichelte.

Die Idee

Naja, es war eigentlich kein Rennen, sondern eine Benefizaktion für an Multipler Sklerose-Erkrankte. Andi ist selbst an MS erkrankt und zusammen überlegten wir, wie man Multiple Sklerose besser in die Öffentlichkeit bringen könnte. Mit dem Rad einfach nur 24 Stunden, ist dabei aber natürlich nicht zielführend. Interessiert doch dann sowieso keinen. „Kai, es muss ein Guinnessbuchrekord sein!“, schlug Andi vor. Einige Wochen nach der Benefizaktion rief Andi aus München an und teilte mir aufgeregt mit, dass es einen 24h-Höhenmeterrekord von 18.304 m gab. „Das packst du!“, schrie Andi pausenlos in den Hörer. Langsam dämmerte mir, was ich mir da eingebrockt hatte. Nach einem Wortgefecht willigte ich schließlich ein und das Projekt Guinness nahm seinen Lauf.

Die Vorgeschichte spielte sich im Sommer 2018 ab. Man sollte nun denken, dass noch genügend Zeit war, um den Rekord für 2019 in Angriff zu nehmen. Aber so einfach, wie ich mir solche Sachen immer vorstelle, war es leider nicht. An dieser Stelle muss ich das ganze Prozedere wirklich abkürzen, da es jeden Rahmen sprengen würde. Es war ein Mega-Aufwand!

# 24h Alfsee als Vorbereitung und Test. Mit Spaß und speziellem Outfit gelang der Sieg der inoffiziellen 24h-DM. Temperaturen um den Gefrierpunkt in der Nacht und der teils heftige Wind Norddeutschlands waren kein Zuckerschlecken.
Diashow: Guinness-Buch-Rekordversuch von Kai Saaler - 10.000 Höhenmeter an einem halben Tag!
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# Das Stoll R1 wurde extra für den 24h Guinnessrekordversuch aufgebaut. Mit mit vielen Prototypenteilen wurde ein 6,08 kg leichtes Bike aufgebaut. Die Sitzposition wurde im Labor optimiert.
# Interviews vor dem Start ließen die Zeit wie im Flug vergehen.

Die Vorbereitung

Zunächst nahm ich Kontakt mit dem aktuellen Rekordhalter Slim Gam-Drid auf, traf mich mit ihm, warnte ihn darüber vor, was ich vorhatte, erklärte ihm alle Hintergründe. Das Ziel war nicht, seinen Rekord zu brechen, sondern einzig und allein Aufmerksamkeit für MS zu generieren, um Spenden zu sammeln. Er teilte mir mit, dass er auch versucht hatte, seinen Rekord beim Guinnessbuch anzumelden, der aber als Mountainbike-Rekord nicht zugelassen wurde. Ich habe es dann mit allerlei Mühen dennoch geschafft, mein Vorhaben anzumelden. Doch dann fing der große Aufwand erst so richtig an. Ich habe zunächst einen eigenen Verein gründet, um die späteren Spenden besser verwalten zu können. Nach der Gründung von KS-Endurance e. V. machte ich mich daran, Sponsoren zu suchen, da ich aus der Sache ein richtiges Event machen wollte. Mein Bike (Bj. 2014) wurde das nächste Projekt. Zusammen mit meinen Ausrüstern habe ich eine echte Bergziege zusammengestellt.

Für das Event konnte ich zwei örtliche Vereine gewinnen, welche die Bewirtung übernahmen. Als die Sache in die Presse gelangte, überschlugen sich die Ereignisse. Bands meldeten sich, welche für den guten Zweck auftreten wollten. Ich organisierte ein Zelt für 1000 Personen, eine Bühne und einen Container mit Küchenzeile. Das Event fand mitten im Wald statt, da ich eine Strecke mit moderater Steigung, aber ohne Kurven benötigte. Denn bergab konnte ich die meiste Zeit sparen. Das Event sollte aber natürlich nicht nur Spenden generieren, sondern MS-Erkrankte sollten es ebenfalls besuchen können. Wir organisierten also einen Fahrdienst und Dixiklos für Rollstuhlfahrer. Die Sache wurde immer größer und größer und es war klar, dass das vereinbarte Stromaggregat der Feuerwehr nicht ausreichen würde. Zum Glück gab auch noch das THW ????. Das ganze Event musste dann natürlich nur noch beim Förster, der Stadt, dem Landratsamt und dem Landesforstamt Baden-Württemberg angemeldet werden. Dazu Beschilderungsgenehmigungen, Ausschankgenehmigungen, GEMA und die Genehmigung für Drohnenflug. Würste, Steaks, Brot, Kuchen, Bier, Wein, Schnaps, einfach ALLES haben wir gespendet bekommen, um die gesamten Einnahmen für MS-Erkrankte spenden zu können. Naja, außer der GEMA-Gebühren natürlich.

# Kurz vor dem Start um 15 Uhr stieg die Nervosität.

Neben dem ganzen Organisieren musste ich mich allerdings auch auf den Rekordversuch vorbereiten. Bei 24h-Rennen ist es aber leider mit einer Tour zur Eisdiele nicht getan. Meinen Trainingsplan der letzten Jahre habe ich grundlegend überarbeitet und alles zielgerichtet auf dieses Projekt ausgelegt. Dazu Leistungstests im Labor, Bikefitting und je näher der Tag X kam, natürlich auch einen Ernährungsplan. Ich habe sogar meine eigenen Sprossenkeimlinge gezüchtet. Zusammen mit ultraSPORTS haben wir die Wettkampfernährung auf mich abgestimmt und zwei Monate vor dem Event am der 24h-Rennen am Alfsee getestet. Ich habe jede Kleinigkeit in Frage gestellt und gemäß meiner Erfahrungen der letzten Jahre optimiert. Ich bin kein Profi, sondern mache das wirklich nur als Hobby, aber der Aufwand war enorm und der Stoff würde locker für ein Buch reichen. Soweit die Vorgeschichte in „Kürze“.

Das Rennen

Dann war es irgendwann soweit. Der Abend vor dem Rennen. Nachdem ich bis spätabends immer noch voll in den Vorbereitungen gesteckt hatte, musste ich versuchen, von dem Stresslevel runterzukommen, um für das große Vorhaben bereit zu sein. Seit Monaten hatte ich keinen Alkohol mehr getrunken, aber nun genoss ich eine halbe Flasche Rotwein. Wenn man länger nicht getrunken hat, knallt es natürlich sofort. Der Vorteil war dann aber, dass ich schlafen konnte wie ein Baby. Der Tag X war Mittwoch, der 19.6.2019, 15:00 Uhr. Der Donnerstag danach war Feiertag und der längste Tag des Jahres. Trotz eines normalen Arbeitstages hatten wir am Renntag sehr viele Helfer und ich konnte mich auf meine eigenen Vorbereitungen konzentrieren. Um 13 Uhr klingelte allerdings mein Handy und André, unser Pressekoordinator, teilte mir mit, dass die ersten Pressevertreter schon nach mir verlangten. Als ich 20 Minuten später beim Event-Ort eintraf, gab ich bis 10 Minuten vor dem Start Interviews und es wimmelte schon mittags von Zuschauern. Erst jetzt realisierte ich, was ich mir da eingebrockt hatte. Ich bin nur ein normaler Typ, der gerne Rad fährt; der Trubel um mich war mir dann doch etwas zu viel. Die letzten Minuten vor dem Start verflogen und ich wollte einfach nur aufs Bike. Nichts mehr organisieren und keine Interviews. Einfach nur mein Bike und ich!

# Mit 330 Watt begann die Startphase für den 24-Stunden-Rekordversuch.
# Mit mehr als 70 km/h wurde die Strecke abwärts befahren.
# Die Verpflegung war 50 m vor dem oberen Wendepunkt platziert, um eine optimale Umsetzung zu garantieren.
# Die Ideallinie war nur wenige Zentimeter breit und verzieh wie in der Formel 1 keine Fehler.

Ich stellte mein Vorderrad auf den unteren Messpunkt der Strecke und versuchte, alles um mich herum zu vergessen. Der laute Countdown der Zuschauer riss mich allerdings aus meinem Tagtraum.

Die Zuschauer begannen rhythmisch zu klatschen und ich musste eigentlich dringend Pipi. Ich versuchte cool zu wirken, aber das klappte nicht wirklich.

„… Drei, zwei, eins, looooooos!“

Das Startsignal zu meinem Martyrium! Mit dem rechten Fuß stieß ich mich vom Boden ab und das sollte dann auch der letzte Bodenkontakt für die nächsten Stunden gewesen sein. In die Rennradpedale einklicken, Wiegetritt und ordentlich Druck auf das Pedal. Ich nahm richtig Fahrt auf und blickte hinunter auf den Wattmesser: 600 Watt! Das war kein XC-Rennen, also triggerte ich zwei Gänge zurück und setzte mich in den Stuhl. Ok, das war schon gediegener, aber die Anzeige stand immer noch auf 350 Watt. Ich wollte eigentlich weiter Gewicht vom Pedal nehmen, aber irgendwie funktionierte das nicht. Der Weg schlängelte sich in leichten Kurven den Anstieg hinauf bis zum Zuschauerpunkt 1. Dann wurde der Weg steiler und führte am Zuschauerpunkt 2 vorbei in eine engere Kurvenkombination.

Ich bog links in einen weiteren Waldweg ab, der mit 12 % Steigung und 3 mm Schotter etwas schwieriger zu fahren war. Nach weiteren ca. 100 m hatten wir das Pavillon zur Verpflegung aufgestellt, da ich in der anschließenden Abfahrt besser verdauen konnte. Große Teile der Strecke waren ohne Schatten und ich wurde bei 32 °C absolut gegrillt. Der Vater meiner Freundin positionierte sich am heißesten Abschnitt, um mir in jeder Runde eine Flasche Wasser zum Kühlen zu reichen. Jedes Mal, wenn ich am oberen Wendepunkt angelangt war, war ich allerdings wieder trocken. Nach zwei gefahrenen Stunden strampelte ich immer noch mit 330 Watt den 122,87-Höhenmeter-Anstieg hinauf. Die Kommandobrücke im Kopf gab unermüdlich den Befehl in den Maschinenraum, das Tempo zu drosseln, aber es schien, als wäre die Verbindung zu den Beinen abgebrochen. Langsam hatte ich bergab eine Ideallinie und der Tacho zeigte Geschwindigkeiten von über 70 km/h an. Ich hatte eine Prototypenbremse aus dem Hause Trickstuff an meiner Maschine montiert und nahm meine Aufgabe, das Teil einem echten Härtetest zu unterziehen, wirklich ernst.

In jeder Runde warf ich den Anker und wurde von 70 km/h innerhalb weniger Meter auf fast Stillstand runtergebremst. Durch die mittlerweile ausgefahrene Ideallinie war nun der Bremseinsatz in den langgezogenen Kurven im unteren Teil nicht mehr nötig und ich konnte mit Topspeed heizen. Aber wehe, man trifft die Ideallinie nicht! Dann wird es wirklich brenzlig. Ich konnte mir nie vorstellen, dass in der Formel 1 nach Verlassen der Ideallinie die Boliden aus der Kurve rutschen. Aber es war tatsächlich so, man hatte einfach keinen Grip mehr! Mein Dad war nach 3 Stunden an der Strecke und rief mir bei einer Bergauffahrt zu, dass ich es im Downhill nicht übertreiben solle. In der darauffolgenden Abfahrt drosselte ich das Tempo etwas, war deshalb aber nicht mehr im Flow und traf die Ideallinie nicht richtig. Ich kam ordentlich ins Schlingern und konnte nur mit viel Glück das Bike noch abfangen, um nicht ungebremst in der Botanik zu verschwinden. Hinter mir hörte ich ein Raunen der Zuschauer und das Adrenalin kribbelte im ganzen Körper. Nach 4 Stunden hatte ich auch bergauf meinen Rhythmus gefunden und kurbelte mit etwas mehr als 300 Watt den Anstieg hoch. Naja, das hatte zwar immer noch nichts mit einer lockeren Eisdielen-Tour zu tun, aber es war wenigstens ein Schritt in die richtige Richtung.

# Aerodynamisch wurde wichtige Zeit bergab gespart, denn jede einzelne Sekunde könnte am Schluss zählen.
# Was auf dem Bild so flach aussieht und weggelächelt wurde, waren dennoch an dieser Stelle 10 % Steigung. Berge und Anstieg gibt es genügend im Schwarzwald, aber eigentlich keine ohne Kurven.
# Der Boxenstopp um 21 Uhr war optimiert, um Zeit zu sparen. Nach 6 Stunden andauernder Belastung standen schnelle Regeneration und Nahrungsaufnahme im Vordergrund.

Es wurde Abend, so langsam sanken auch die Temperaturen und das Kühlwasser war nun nicht mehr nötig. „Du siehst gut aus,“ hörte ich eine Zuschauerin bei einer meiner Auffahrten schreien. Es war nun 19:00 Uhr, eine Band spielte Livemusik auf der Bühne, am Bierstand war gut was los, im Zelt aßen viele Leute und die Zuschauer an der Strecke selbst wurden auch immer mehr. Toll, dass wirklich viele Leute gekommen waren und uns unterstützten! Was ich zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht wusste war, dass wir nach ca. zwei Stunden schon kein Bier mehr hatten – wir wurden regelrecht überrannt. Es wurden daraufhin alle umliegenden Supermärkte angefahren, um weiteres Bier zu kaufen. Die Würstchen, Steaks und die Kuchen, welche wir für beide Tage eingeplant hatten, waren schon nach vier Stunden aufgebraucht. Mit solch einem Ansturm hatten wir wirklich nicht gerechnet.

Immerhin war ich die einzige Person, die auf der Strecke fuhr … Aber was hinter den Kulissen abging, war einfach phänomenal. Über die Nacht hatte eine Metzgerei Würste organisiert und extra für uns Steaks zubereitet. Eine örtliche Bäckerei backte extra für uns Brot und Brötchen. Zuschauer haben die Nacht über Kuchen gebacken und uns diese am nächsten Tag gespendet, so dass wir wieder 60 Kuchen verkaufen konnten. Das Event hatte eine mega Wirkung auf die Leute, der Zusammenhalt war einfach unglaublich und es entstand innerhalb dieser 24 Stunden eine wahre Euphorie. Da soll mal einer sagen, dass sich in der heutigen Zeit jeder nur noch auf sich selbst konzentriert. Hier war genau das Gegenteil der Fall. Diese Magie spürte natürlich auch ich am ganzen Leib. Allerdings war meine Essensauswahl relativ überschaubar. Unseren Berechnungen zu Folge verbrannte ich 1 g Kohlenhydrate pro Kilogramm Körpergewicht in der Stunde. Bei meinen 63kg Körpergewicht sollte ich also 63 g Kohlenhydrate in einer Stunde konsumieren. Anders als viele andere Ultraspezialisten kann ich mich nicht ausschließlich flüssig ernähren, sondern brauche ab und an etwas Festes zwischen den Zähnen. Wir rechneten also für jede Stunde ein Gel oder einen Riegel mit ein. Aus den letzten Jahren wussten wir, dass ich ca. 18.000 kcal verbrenne, das sind immerhin mehr als 36 Big Macs. Da der Platz mitten im Wald etwas begrenzt war, bin ich dieses mal sogar durch unser Verpflegungszelt hindurchgefahren. Unnötige Stopps wurden so vermieden und ich konnte mich voll aufs Fahren konzentrieren.

Nach sechs gefahrenen Stunden war ein Viertel der Zeit geschafft, aber viel früher als sonst üblich waren meine Füße schon eingeschlafen. Da bergauf permanent Druck auf dem Pedal war und auch im Downhill während der rasanten Kurvenfahrten keine Möglichkeit zur Entspannung war, trat dieses Phänomen wohl deutlich früher auf als zunächst erwartet. Mittlerweile war mein Betreuerteam schon perfekt abgestimmt, so dass jeder genau wusste, was wann zu tun war. Pünktlich um 21 Uhr hielt ich also an und übergab mein Bike an den Dad meiner Freundin. Das Bike wurde gecheckt, die Kette „gesquirtet“ und alle drehbaren Teile kurzerhand mit Nähmaschinenöl benetzt. Ich setzte mich in einen bereitgestellten Stuhl, bekam sofort eine Schüssel mit Milchreis gereicht und ein Red Bull wurde mir in die Hand gedrückt. Zuvor zog ich Helm und Brille aus, da diese durch die Nachtausstattung ausgetauscht wurde.

Brille ohne Tönung und der Nachthelm mit vormontierter Lupine Piko. Ich saß noch nicht mal richtig, da wurden mir schon die Schuhe geöffnet und von meinen beiden Physiotherapeutinnen Kristin und Tabea ausgezogen. Schwups waren auch schon die Socken aus und meine Füße wurden massiert. Gelächter und Getuschel machte sich hinter mir bei den Zuschauern breit. Ich schaufelte einen großen Löffel Milchreis in die Futterluke, fing an zu kauen und spülte die Pampe mit einem Schluck Red Bull runter. Derweil versorgten mich meine Schwester Eva und meine Freundin Tamy mit den nötigen Infos wie Rundenzeiten, aktueller Höhenmeterstand, dann wurde die weitere Strategie besprochen. Alles Dinge, für die ich während des Fahrens keine Zeit hatte. Durch die schnellen Anfangsstunden waren wir gut vor dem Target und auf 24h-Rennrad-Guinnessbuchrekord-Kurs. Nach drei Minuten wurden mir die Socken angezogen, ich schnürte die Carbon-Treter wieder an die Hufen, schwang mich auf mein Carbon-Ross und ritt Richtung Sonnenuntergang.

Meine Wattwerte pendelten sich mittlerweile zwischen 280-290 Watt ein, aber ich merkte doch, dass das immer noch kein richtiges Wohlfühltempo war. Es warteten auf mich noch ca. 17 Stunden Belastung und es dämmerte mir, dass es wohl schmerzhaft werden würde. Dann: Schockschwerenot! Kurz bevor ich die Stirnlampe anknipsen wollte, lief, während ich auf der Abfahrt hinunterdonnerte, ein Dachs aus dem Gebüsch. Sofort war er neben mir auf der Höhe zwischen meinem Vorder- und Hinterrad. Das Adrenalin strömte augenblicklich wie ein Ruck durch meinen Körper und ließ die Situation wie in Zeitlupe erscheinen. Ich sah den Pelz aus dem Dickicht schießen, versuchte noch zu bremsen, aber es half einfach nichts. Das Hinterrad schlingerte einfach nur über den staubigen Boden und ich machte mich innerlich auf einen Impact und große Schmerzen gefasst. Dem Tier erging es aber wohl ähnlich und es leitete eine sofortige Vollbremsung ein. Im Gegensatz zu mir schaffte der Dachs allerdings das fast Unmögliche. Ähnlich wie ein Leopard-II-Panzer bremste das Fellbündel auf wenigen Metern und legte augenblicklich den Rückwärtsgang ein. So schnell das Tier neben mir auftauchte, war es auch schon wieder im Gebüsch verschwunden. Das war knapp, dachte ich noch, bis ich keine 100 Meter weiter seinen Kollegen auf der Waldautobahn entdeckte. Von weitem rief ich schon und der mächtige Räuber verschwand im Wald. Das war wirklich ein spannender Auftakt für die Nacht, wobei so ein Dachs noch nicht mal das größte Tier im Südschwarzwald ist. Bei jeder Abfahrt begann ich also, wie ein Hund zu bellen, um schon von weitem auf mich aufmerksam zu machen. Ich kam mir zwar wie der letzte Depp vor, aber die Maßnahme zeigte Wirkung, denn weitere Begegnungen blieben aus.

# Während die Physiotherapeutinnen die Füße massierten, wurde der Helm für die Nacht mit montierter Lampe gewechselt. Dazu eine Brille ohne Tönung.
# Für das leibliche Wohl war gesorgt.

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