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Gregor in Gefahr beim iXS DHC in Bellwald: Das Vollgasigste, was ich kenne!

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Nach längerer Abstinenz ist es wieder so weit: Ich begebe mich mal wieder in Gefahr und versuche mein Glück bei einem Downhill-Rennen. Nach einer hektischen Saison voller Testcamps und Downhill World Cups passt mir das letzte Rennen der iXS Cup-Saison perfekt in den Kalender – Bellwald! Außerdem höre ich seit Jahren nichts als Gutes von der Schweizer Vollgas-Strecke und möchte mir nach mehreren verpassten Terminen endlich selbst ein Bild machen – hier mein Erfahrungsbericht!

Ganze 14 Monate ist es her, dass ich das letzte Mal bei einem Downhill-Rennen im Startgatter stand. Grund war neben den vielen anderen Aufgaben, die man als MTB-News-Redakteur so hat, vor allem, dass ich im September 2018 einen ziemlich schweren Sturz hatte, der vor allem meine Handgelenke und meinen rechten Ellenbogen nachhaltig etwas in Mitleidenschaft gezogen hat. Da hätte ich mir sicherlich einen leichteren Wiedereinstieg in Race-Business suchen können als ausgerechnet Bellwald. Schließlich ist die hochalpine Strecke zumindest unter deutschen Fahrern berühmt für ihre aberwitzige Geschwindigkeit, die Streckenlänge und den schnell ausgebombten und losen Sandboden. Schweizer hingegen würden die Strecke wohl als entspannten Flowtrail bezeichnen. Meine Vorbereitung war wieder einmal alles andere als vorbildlich: Nachdem ich mich Anfang des Jahres für die knallharte Trans Provence so halbwegs in Shape gebracht hatte, standen erstmal eine Reihe von Downhill World Cups an. Das bedeutet als Fotograf und Reporter: viel reisen, kaum schlafen und eine miese Ernährung. Doch immer nur Leuten (ok … den besten Fahrern der Welt) beim Downhill-Fahren zuzugucken, ist mir auf Dauer nix. Da mich außerdem rechtzeitig zu meiner Rückkehr vom World Cup in Snowshoe das neue und äußerst potente Specialized Demo 29 erreichte, war die Anmeldung schnell getätigt und es hieß als Last-Minute-Vorbereitung: zwei Wochen lang laps on laps on laps in Bozi Dar und auf meiner Heimstrecke in Ilmenau.

Die Anreise nach Bellwald liegt aus Thüringen zwar bei 9 bis 10 Stunden
# Die Anreise nach Bellwald liegt aus Thüringen zwar bei 9 bis 10 Stunden - dafür kann man jedoch die Route über den Furka-Pass nehmen, die Panorama-mäßig so einiges zu bieten hat.
Diashow: Gregor in Gefahr beim iXS DHC in Bellwald - Das Vollgasigste, was ich kenne!
Da ich noch nie zuvor in Bellwald war, hatte ich zu Beginn etwas Probleme, mir die schnelle und kurvige Strecke einzuprägen
Motiviert gestartet, aber dann weit zurückgefallen …
Beim ersten Trainingslauf war es noch extrem neblig
Die Anreise nach Bellwald liegt aus Thüringen zwar bei 9 bis 10 Stunden
Als fahrbaren Untersatz hatte ich in Bellwald das neue Specialized Demo 29 dabei
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Da Bellwald im Wallis in der Südschweiz liegt und die Anreise als Thüringer entsprechend lang ausfällt, ging es für mich und meinen Racebuddy Christoph schon donnerstags los. Mehrere kleine Zwischenstopps – unter anderem bei Trickstuff in Freiburg, um passende Scheiben für die ebenfalls im Test befindliche und extrem starke Maxima-Bremse abzuholen – zogen die Reise zusätzlich in die Länge, sodass wir erst bei Dunkelheit und gefühlten -273,15 °C Außentemperatur in Bellwald eintrafen. Da die Aktion etwas spontan verlief und alle streckennahen Unterkünfte bereits ausgebucht waren, hieß es bei sternklarer und eiskalter Nacht im Bus schlafen. Da das Wetter zwar kalt aber trocken bleiben sollte und wir außerdem mit Pavillon und Gasheizstrahler bestens ausgerüstet waren, versprach es dennoch, ein exzellentes Rennen zu werden.

Dank einiger Umwege kamen wir erst im Dunkeln in Bellwald an
# Dank einiger Umwege kamen wir erst im Dunkeln in Bellwald an - konnten jedoch den sensationellen Sonnenuntergang auf dem Furka-Pass beobachten.

Freitag – Training

Freitagmorgen mussten wir erstmal zusammengekauert die steifen Glieder vor der Gasheizung wärmen – die Nacht war wirklich verdammt kalt. Entsprechend dick mit Ski-Unterwäsche, Baumwoll-Trainingsanzug und Winterjacke eingepackt, ging es dann auch hoch hinaus auf den Trackwalk. Mich bei einem Trackwalk mal wieder auf die Linienoptionen und nicht aufs Fotografieren zu konzentrieren, war schon ziemlich ungewohnt. Das in Kombination mit der ganz ordentlichen Streckenlänge sorgte dafür, dass ich große Probleme hatte, mir überhaupt irgendwas zu merken. Zum Glück ist die Strecke zum Großteil einfach nur sehr schnell und bietet nicht übermäßig viele Linienoptionen. Die goldene Trans Provence-Regel „Auf jede Linkskurve folgt eine Rechtskurve“ trifft auch in Bellwald sehr zuverlässig zu, was eine große Hilfe für die ersten unbeholfenen Trainingsabfahrten sein sollte. Ansonsten bietet die Strecke eigentlich nur wenige wirklich technische Sektionen, die dafür jedoch umso präziser und schneller bewältigt sein wollen.

Auch beim Trackwalk gilt
# Auch beim Trackwalk gilt - immer brav der Beschilderung folgen! | Foto: Sebastian Sternemann

Für die ersten Fahrten ließ ich gerne Christoph den Vortritt – schließlich war er im Gegensatz zu mir schonmal hier und konnte sich etwas besser orientieren. Obwohl ich die zwei Wochen vor dem Rennen sehr viele Läufe auf der nicht gerade langsamen Strecke im tschechischen Bozi Dar gemacht hatte und mich dort pudelwohl fühlte, fand ich die Geschwindigkeit in Bellwald schon relativ krass. Man rollt aus dem Starthaus, macht 2 – 3 Kurbelumdrehungen … und dann ist der Gashahn voll offen bis unten. Selbst bei technischen Stücken tippt man die Bremse nur am Eingang mal an und lässt sich dann voll rausbeschleunigen. Das macht von der ersten Fahrt an einen Heidenspaß, allerdings hatte ich die ganze Zeit das Gefühl, dass ich noch lange, lange, lange nicht auch nur in der Nähe vom Geschwindigkeitslimit war. Am Ende des Trainings unternahm ich dann mit Christoph zwei kommentierte Kamera-Läufe, bei denen ich ehrlicherweise noch nicht ganz linienfest war – aber macht euch einfach selbst ein Bild:

iXS Downhill Cup Bellwald 2019 – Das Streckenvorstellungsvideo von GregorMehr Mountainbike-Videos

Da ich noch nie zuvor in Bellwald war, hatte ich zu Beginn etwas Probleme, mir die schnelle und kurvige Strecke einzuprägen
# Da ich noch nie zuvor in Bellwald war, hatte ich zu Beginn etwas Probleme, mir die schnelle und kurvige Strecke einzuprägen - einige Sprünge sind relativ blind, was die Sache anfangs etwas nervenaufreibend macht. Hat man sich aber alles halbwegs eingeprägt, passen alle Gaps gut zum Speed auf der Strecke. | Foto: Sebastian Sternemann

Samstag – Quali

Zum Glück war die Nacht auf Samstag deutlich bewölkter und damit wärmer, sodass ich mich als Lizenzfahrer recht ausgeruht gegen 8:30 Uhr aus dem Bett schälen konnte. Dachte ich jedenfalls, denn mein schlapper Körper gab mir recht schnell zu verstehen, dass die fünf Läufe am Vortag ganz ordentlich Kräfte gekostet hatten. Also war der Plan, das Lizenztraining zu nutzen, um auf nur wenigen Läufen noch ein paar Linien zu checken, vielleicht etwas am Speed zu drehen und dann einfach ganz locker und entspannt in die Quali zu starten, in der Hoffnung, dass meine lädierten Arme den Lenker bis unten halten könnten. Da der Lift recht lange über eine kahle Ebene läuft, kühlt man gerade morgens extrem aus, sodass ich auf der ersten Fahrt tatsächlich nur entspannt von Schlüsselstelle zu Schlüsselstelle rollte und neben dem Linienprüfen irgendwie versuchte, warm zu werden.

Als fahrbaren Untersatz hatte ich in Bellwald das neue Specialized Demo 29 dabei
# Als fahrbaren Untersatz hatte ich in Bellwald das neue Specialized Demo 29 dabei - das 29" Alu-Bike wurde mit Loïc Bruni entwickelt und ist für schnelles Geballer wie in Bellwald perfekt geeignet. | Foto: Sebastian Sternemann

Mein Plan ging hervorragend auf, bis ich auf Masters-Ass Benny Herold traf und beschloss, ihm für eine letzte Fahrt zu folgen. Die war dann derartig schnell und machte derartig Spaß, dass es nicht viel Überredungskünste benötigte, um mich für eine weitere letzte Fahrt in den Lift zu locken. Die Strecke in Bellwald ist wirklich mega. Es ist mir ein Rätsel, wie Leute behaupten können, moderne Enduros würden DH-Bikes überflüssig machen … wer das sagt, fährt definitiv die falschen Strecken. Am Ende standen wieder fünf absolute Vollgas-Fahrten auf der Uhr, das Grinsen ging von Ohr zu Ohr, aber alle Knochen und Muskeln taten tierisch weh. Ich hatte mir zwar vorgenommen, alles ganz locker zu nehmen, nur nicht zu stürzen und keinen Ehrgeiz zu entwickeln … aber ich war mir wirklich nicht sicher, ob ich einen ganzen Lauf packen würde und selbst wenn … am Ende wie ein Schluck Wasser auf dem Rad hängen und Letzter werden wollte ich auch nicht grade.

Nach einigen Stunden Pause ging es bei wieder einmal kühlen, aber ansonsten besten Bedingungen an den Start. Ein bisschen Hampelmann und Gelenke durchbewegen musste als Warm-Up reichen und dann ging’s schon los. Und was soll man schon sagen … Downhill-Rennen sind einfach genial. Der Lauf war von oben bis unten top, machte dank der tollen Strecke und den motivierten Zuschauern mega Spaß und festhalten war tatsächlich überhaupt gar kein Problem. Ich weiß nicht, wie es anderen geht, aber ich könnte nie im Leben ohne laufende Uhr so fahren wie im Rennen. Während dem Lauf ging es mir super, erst im Ziel habe ich dann gemerkt, dass meine Finger komplett um den Lenker gekrampft waren und kaum aufgingen. Mit der Zeit war ich unter den Umständen auch mehr als zufrieden, was mir definitiv nochmal einen Motivationsschub für den Sonntag verlieh.

Vor dem Rennlauf war ich wirklich etwas nervös, ob ich kräftemäßig so gut durchkommen würde
# Vor dem Rennlauf war ich wirklich etwas nervös, ob ich kräftemäßig so gut durchkommen würde - den Sommer über lief bei mir MTB-technisch nicht viel. So hatte ich zwar das Gefühl, für meine Verhältnisse recht schnell zu fahren … aber eben nur 1–2 Minuten lang. | Foto: Sebastian Sternemann
Tatsächlich ging es dann viel besser als erwartet
# Tatsächlich ging es dann viel besser als erwartet - mit meiner Zeit gewann ich zwar keinen Blumentopf, war aber mehr als zufrieden.

Sonntag – Finale

Sonntagmorgen grüßte uns dichter Nebel, der fast bis ins Tal hinab reichte. Dass ich einiges an Mühe hatte, mich aus dem Bett zu schälen, kannte ich ja bereits vom Vortag. So war wieder einmal eine ausgiebige Session vorm Heizstrahler und eine große Portion Müsli notwendig, bis ich mich in der Lage fühlte, eine Trainingsfahrt zu unternehmen. Im Lift war der Nebel so dicht, dass man die nahe gelegene Strecke nicht mal ansatzweise sehen konnte. Die erste Trainingsfahrt erfolgte entsprechend unsicher und eher steif. Das bisschen Tau hatte das einzige Wurzelfeld der Strecke auch direkt etwas glitschig werden lassen, wodurch ich prompt am Baum landete. Auf der nächsten Fahrt saß die Sektion zwar wieder und die Sicht klarte langsam auf – die Strecke war mittlerweile aber auch so ausgebombt, dass ich richtig Mühe hatte, die Körperspannung zu behalten und das Demo 29 in den schnellen Anliegern auf Linie zu halten. Im Steinfeld, das ich bisher auf der Hauptlinie gefahren war, schaute ich mir zwar nochmal die sehr direkte, aber auch schmale Innenlinie an. In Anbetracht der Tatsache, dass es auf dem Rest der Strecke nicht so grandios lief und ich mit meinem Rumgestocher ohnehin keinen Blumentopf gewinnen würde, beschloss ich jedoch, auf der Hauptlinie zu bleiben und lieber zurück ins Camp zu fahren, um möglichst ausgeruht fürs Finale zu sein.

Beim ersten Trainingslauf war es noch extrem neblig
# Beim ersten Trainingslauf war es noch extrem neblig - gegen Ende des Lizenztrainings besserte sich die Lage jedoch erheblich. | Foto: Sebastian Sternemann

Nach der überraschend erfolgreichen Qualifikation hatte mich dann doch etwas der Ehrgeiz gepackt. Das Ziel war immer noch nicht stürzen und Spaß haben … aber wenn ich mich vielleicht doch noch um ein paar Plätze verbessern könnte, wäre ich jedenfalls nicht unglücklich. Am Start machte ich mich wieder mit ein paar Hampelmann-Sprüngen warm, boxte ein letztes Mal mit Thilo von Racement ab und los gings. Der Lauf lief eigentlich wie am Vortag, allerdings war die Strecke wirklich deutlich ausgefahrener. In den löchrigen Anliegern im oberen Teil fehlte mir einfach die Kraft, um so richtig Druck zu geben. Je weiter ich mich dem Ziel näherte, desto deutlicher wurde, dass mir diesmal tatsächlich gewaltig die Energie ausging. Irgendwie konnte ich mit sehr passiver Fahrweise gröbere Fehler vermeiden, dass ich aber zwei Sekunden langsamer als am Vortag war, verwunderte nicht.

Diesmal war ich mit den Kräften dann tatsächlich am Ende
# Diesmal war ich mit den Kräften dann tatsächlich am Ende - in der letzten technischen Sektion hatte ich entsprechend eine Körperhaltung wie ein nasser Sack Reis. Lenker irgendwie halten und das Öhlins-Fahrwerk machen lassen, war die Devise.
Motiviert gestartet, aber dann weit zurückgefallen …
# Motiviert gestartet, aber dann weit zurückgefallen … - Foto: Sebastian Sternemann
… die Enttäuschung hielt allerdings nur sehr kurz an.
# … die Enttäuschung hielt allerdings nur sehr kurz an. - Foto: Sebastian Sternemann

Tja, das hat man von dem unnötigen Ehrgeiz. Auch wenn ich im ersten Moment etwas enttäuscht war, muss man sagen, dass ein bisschen Training zum Downhillfahren schon notwendig ist und ich ohnehin nicht damit gerechnet habe, überhaupt so gut zurechtzukommen. Ein paar Minuten nach dem Rennen war die Laune aufgrund des grandiosen Wochenendes wieder glänzend und ich schaffte es sogar, mich dank einiger fadenscheiniger Ausreden mitsamt Bike auf den eigentlich geschlossenen Lift zu mogeln, um mich mit einer letzten Fahrt auf der benachbarten und ebenfalls spaßigen Freeride-Strecke gebührlich von Bellwald zu verabschieden.

Fazit – Fahrt mehr Rennen!

Es ist mir ein absolutes Rätsel, warum die Starterzahlen bei Downhill-Rennen derartig rückläufig sind. Das Wochenende in Bellwald war eines der besten, die ich in diesem Jahr hatte – dabei komme ich dank meines Jobs eigentlich öfter in den Genuss, an recht coolen Orten Rad zu fahren. Aber die Atmosphäre, Anspannung und Erleichterung, die man bei einem DH-Rennen erlebt, lässt sich eben schlecht imitieren. Wer sich gerne mal an einem DHC-Rennen versuchen möchte, dem kann ich trotz der weiten Anreise Bellwald nur wärmstens empfehlen.

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