Transition Sentinel im Test: Auf Sendung!
Transition Sentinel im Test: Mit der Einführung der Speed Balanced Geometry wagte Transition zeitgleich den ersten Vorstoß ins langhubige 29″-Segment. Herausgekommen ist dabei das Sentinel – ein 29er mit 160 mm Federweg an der Front, 140 mm am Heck, langem Hauptrahmen, kurzen Kettenstreben und einem vergleichsweise flachen Lenkwinkel. Inzwischen ist das Rad auf dem Markt etabliert – nach unserem ersten Eindruck konnten wir das spannende Rad jetzt in aller Ausführlichkeit testen!
Steckbrief: Transition Sentinel
| Einsatzbereich | Enduro, Freeride |
|---|---|
| Federweg | 160 mm/140 mm |
| Laufradgröße | 29ʺ |
| Rahmenmaterial | Aluminium, Carbon |
| Rahmengrößen | S, M, L, XL |
| Website | www.transitionbikes.com |
Transition steckt das Sentinel nicht in eine Kategorie. Mit seinen 160 mm Federweg an der Front würde man sagen: Klar, Enduro! Bei 140 mm Federweg am Heck denkt sich der ein oder andere aber wohl doch: Trail! Auch wir wollen das Sentinel vorerst nicht klassifizieren – werfen wir aber einen Blick auf die Fakten. Das Bike der US-Amerikaner rollt auf 29″-Laufrädern und wird auf Basis eines Carbon- oder Alu-Rahmens in fünf Ausstattungsvarianten angeboten. Zudem hat man die Möglichkeit, das Rahmenkit mit Dämpfer einzeln zu erwerben. Der Viergelenk-Hinterbau hört auf den Namen GiddyUp 2.0HH – ein senkrecht im Rahmen stehender Dämpfer lässt genügend Platz für Trinkflaschen.
Bei der Größenwahl fällt auf: Transition bietet keine austauschbaren Durchschnittsgrößen an. Fünf Rahmengrößen gibt es beim Alu-Modell, vier beim Carbon-Rahmen. Allesamt sind mit der Speed Balanced Geometry ausgestattet. Ein Ansatz, der bei langsamen Geschwindigkeiten für ein gutes Handling, Druck am Vorderrad und gute Balance sorgen soll. Gleichzeitig soll bei hohem Tempo natürlich viel Sicherheit und Kontrolle vermittelt werden.
This bike will scramble your brain as to how capable it is, how rowdy it can get, yet how composed it is as an all-around trail bike.
Geometrie
Speed Balanced Geometry soll sich nicht nur cool anhören, hinter dem Konzept soll auch einiges Stecken. Mit dem Modelljahr 2018 hat Transition diesen Ansatz für seine Geometrien vorgestellt. Fünf Faktoren spielen dabei eine maßgebliche Rolle: Reach bzw. die Größe des Hauptrahmens, Vorbaulänge, Sitzwinkel, Lenkwinkel und Federgabel-Offset.
Da die Rahmen gewachsen sind, sollen ein kurzer 40 mm-Vorbau und der um 1° steiler ausgeführte Sitzwinkel eine gute Sitzposition bewahren. Ein flacher Lenkwinkel soll zusammen mit dem langen Hauptrahmen für Sicherheit sorgen – der kurze Offset der Federgabel bringt dabei wieder die Balance ins Spiel. Dadurch, dass das Vorderrad näher an den Fahrer wandert, soll man mehr Grip haben. Hört sich so weit vernünftig an – auf dem Papier stechen diese Werte auch heraus:
Ein Lenkwinkel von 64° ist für Bikes mit ähnlichen Eckdaten wohl Spitzenwert. Reach und Stack wachsen gleichmäßig von 425 mm und 617 mm am S-Rahmen bis hin zu satten 515 mm Reach bei 644 mm hohem Stack. Die Kettenstrebenlänge bleibt konstant bei relativ kurzen 435 mm. In Kombination mit dem kurzen Offset bleibt das Sentinel so selbst bei Rahmengröße XXL unter 1300 mm Radstand. Bei den Sitzrohren lehnt man sich nicht zu weit aus dem Fenster, zeigt sich aber auch nicht konservativ – so soll ausreichend Platz für Vario-Stützen sein. 30 mm Tretlager-Absenkung sind nicht gerade wenig, zu tief liegt das Tretlager damit aber auch nicht. In Summe macht das Rad auf dem Papier einen sehr modernen Eindruck, der Vorfreude – vor allem auf die Abfahrt – macht.
| Rahmengröße | S | M | L | XL | XXL |
|---|---|---|---|---|---|
| Sitzrohrlänge | 360 mm | 400 mm | 440 mm | 490 mm | 510 mm |
| Oberrohrlänge | 568 mm | 593 mm | 622 mm | 650 mm | 666 mm |
| Steuerrohrlänge | 100 mm | 100 mm | 110 mm | 120 mm | 130 mm |
| Lenkwinkel | 64° | 64° | 64° | 64° | 64° |
| Sitzwinkel | 77,5° | 76,8° | 76,3° | 75,8° | 75,5° |
| Kettenstrebenlänge | 435 mm | 435 mm | 435 mm | 435 mm | 435 mm |
| Tretlagerhöhe | 345 mm | 345 mm | 345 mm | 345 mm | 345 mm |
| Tretlagerabsenkung | 30 mm | 30 mm | 30 mm | 30 mm | 30 mm |
| Radstand | 1193 mm | 1218 mm | 1247 mm | 1277 mm | mm1296 |
| Reach | 425 mm | 450 mm | 475 mm | 500 mm | 515 mm |
| Stack | 617 mm | 617 mm | 626 mm | 635 mm | 644 mm |
Ausstattung
Transition ist einer der Hersteller, die sich von absoluten Edel-Aufbauten abgewendet hat. Bei den Amerikanern legt man Wert auf funktionelle und solide ausgestattete Räder. Die teuerste Schaltgruppe, die man am Sentinel bekommt, ist nicht etwa die neue AXS Eagle oder die mechanische XX1-Version. Die Spitze bildet stattdessen das X01-Modell auf Basis des Carbon-Rahmens. Das Aluminium GX-Modell teilt sich mit dem Topmodell einige Anbauteile. Und: die beiden Modelle sind die einzigen mit Carbon-Anbauteilen. Abgesehen von der Carbon-Kurbel am X01-Modell und den Bremshebeln an Carbon X01- und Alu GX-Bike wird kein Fremdprodukt aus Kohlefaser verbaut. Nicht am Cockpit, nicht am Sattel. Passend, wie wir finden.
Beim Fahrwerk unterstreicht der Hersteller den funktionellen Charakter: Bestmögliche Performance, ohne unnötige Mehrkosten zu produzieren. Carbon X01 und Alu GX sind mit Fox Performance Elite-Fahrwerk ausgestattet: GRIP2-Dämpfung und DPX2 mit Druckstufen-Verstellmöglichkeit liegen gleichauf mit den Factory-Bauteilen. Einzig die Kashima-Beschichtung fehlt. Am Carbon GX-Modell wird die Fox Performance-Reihe mit GRIP-Dämpfung und DPX2 ohne Verstellmöglichkeit verbaut. Einzig die NX-Modelle setzen auf RockShox-Federelemente.
Dafür dominiert SRAM bei der restlichen Ausstattung: Antriebe und Bremsen kommen ausschließlich vom amerikanischen Teilehersteller, die Sattelstütze Reverb wird immerhin in drei von fünf Modellen verbaut. Überraschend ist, dass recht wenige Teile der Eigenmarke ANVL an den Bikes verbaut werden. Setzt man am Topmodell noch auf ein ANVL-Cockpit, kommen die restlichen Bikes mit RaceFace-Lenkzentrale. Auch ansonsten wird nur an den GX-Modellen ein ANVL-Sattel verwendet.
Für unseren Test haben wir einen Rahmen zur Verfügung gestellt bekommen, der mit entsprechendem Fahrwerk und Reifen aufgebaut wurde. Da das Rad aber auch als Teileträger für andere Tests dienen sollte, weicht die restliche Ausstattung ab.
- Federgabel Fox 36 Float Grip2 (160 mm) / RockShox Lyrik Ultimate (160 mm)
- Dämpfer Fox Float DPX2 / DVO Topaz 2 / Push ElevenSix (140 mm)
- Antrieb Shimano XTR
- Bremsen Shimano XTR
- Laufräder Newmen Evolution SL A.30 EWS-Edition
- Reifen Maxxis Minion DHF/DHR II, WTB Verdict
- Cockpit RaceFace Chester 35 (770 mm) / RaceFace Turbine R (40 mm)
- Sattelstütze Vecnum Nivo 212 (180 mm)
| Transition Sentinel | Carbon X01 | Carbon GX | Carbon NX | GX | NX |
|---|---|---|---|---|---|
| Rahmenmaterial | Carbon | Carbon | Carbon | Alu | Alu |
| Federgabel | Fox 36 Grip 2 Performance Elite | Fox 36 Grip 2 Performance Elite | Rockshox Yari RC | Fox 36 Grip 2 Performance Elite | Rockshox Yari RC |
| Dämpfer | Fox DPX2 Performance Elite | Fox DPX2 Performance Elite | RockShox Deluxe RT | Fox DPX2 Performance Elite | RockShox Deluxe RT |
| Vorbau | ANVL Swage | RaceFace Aeffect R | RaceFace Aeffect R | RaceFace Aeffect R | RaceFace Aeffect R |
| Lenker | ANVL Mandrel Alloy | RaceFace Chester 35 | RaceFace Chester 35 | RaceFace Chester 35 | RaceFace Chester 35 |
| Griffe | ODI Elite Flow | ODI Elite Flow | Velo VLG | ODI Elite Flow | Velo VLG |
| Bremsen | SRAM Code RSC | SRAM Code R | SRAM Guide T | SRAM Code RSC | SRAM Guide T |
| Schaltung | SRAM X01 | SRAM GX | SRAM NX | SRAM GX | SRAM NX |
| Laufräder | Stans Flow MK3 Team | Stans Flow S1 Comp | WTB STi29/Novatech | Stans Flow S1 Team | WTB STi29/Novatech |
| Reifen | Maxxis Minion DHF/DHR II | Maxxis Minion DHF/DHR II | Maxxis Minion DHF/DHR II | Maxxis Minion DHF/DHR II | Maxxis Minion DHF/DHR II |
| Sattelstütze | RockShox Reverb Stealth | RockShox Reverb Stealth | KS Lev Integra | RockShox Reverb Stealth | KS Lev Integra |
| Sattel | ANVL Forge Ti | ANVL Forge Cromo | WTB Silverado Comp | ANVL Forge Cromo | WTB Silverado Comp |
| Gewicht | 13,83 kg | 14,33 kg | 14,42 kg | 15,31 kg | 15,72 kg |
| Preis | 6.399,00 € | 5.299,00 € | 4.399,00 € | 4.699,00 € | 3.299,00 € |
Im Detail
In schönes Weinrot gehüllt erreicht uns das Transition Sentinel als Rahmenkit. Alles liegt offen, kein Detail versteckt sich hinter bereits montierten Anbauteilen. Dass wir Rahmensets zum Test bekommen ist selten, aber immer wieder spannend – denn neben den Details bekommt man auch einen Überblick über die Verarbeitung und wie es sich am Rad schrauben lässt. Man merkt: Dieser Rahmen stammt aus Händen, die selbst an Rädern schrauben. Abgesehen von der etwas fummeligen Zugführung durch die Kettenstrebe geht der Aufbau voll und ganz reibungslos. Das liegt unter anderem an der aufgeteilten Zugführung. Während die Leitungen für Vario-Sattelstütze und Schaltwerk im Inneren des Rahmens laufen, muss die Bremsleitung nicht extra für die Montage geöffnet werden. Diese liegt auf dem Hauptrahmen geführt und muss auch am Heck nicht durch Rahmeninnere gezogen werden. Angenehm.
Um das säuberlich geschnittene Tretlager passiert recht viel: Hier sitzt neben der ISCG-Aufnahme auch der Hauptdrehpunkt und ein in der Kettenstrebe abgesenkter Kanal für den Schaltzug. Auch Gummi-Puffer gibt es hier sowohl an Unterrohr als auch an der Kettenstrebe. Während der Unterrohr-Schutz für einen Alu-Rahmen einen recht vernünftigen Eindruck macht, sieht der Kettenstreben-Schutz etwas kurz geraten aus.
Wirft man den Blick zurück aufs große Ganze, ergibt sich ein gemischtes Bild aus geraden Formen am Hinterbau und am Oberrohr sowie etwas geschwungeneren, organischen Formen bei der Wippe und am Unterrohr. Die großen Rohrquerschnitte und Streben zwischen den beiden Sitz-, Kettenstreben und der Umlenkwippe schaffen vertrauen in den Rahmen. Auf der Waage macht sich das auch bemerkbar: mit über 4 kg Rahmengewicht, ist das Sentinel nicht unbedingt leicht. Mit dem Alu-Rahmen glänzt das Komplettbike nicht unbedingt auf der Waage. Dafür sollte das Transition Sentinel aber ordentliche Nehmerqualitäten vorweisen können.
Technische Daten
Alle technischen Daten, Details und Standards des Transition Sentinel findet ihr in der folgenden Tabelle zum Ausklappen:
| Kinematik | Viergelenker | |
|---|---|---|
| Verschiedene Lager-Größen | 5 | im Hinterbau |
| Gesamtzahl Lager im Hinterbau | 12 | Anzahl |
| Lagerbezeichungen | 4 x 6802-2RS (15*24*5 mm), 2 x 6903-2RS (17*30*7 mm), 2 x 3802-2RS (15*24*7 mm), 2 x 6902-2RS (15*28*7 mm), 2 x 6900-2RS (10*22*6 mm) | Herstellerangabe |
| Hinterbau Einbaumaß | 148 mm x 12 mm | Einbaubreite x Achsdurchmesser |
| Maximale Reifenfreiheit Hinterbau | 2,5" | |
| Dämpfermaß | 205 mm x 57.5 mm | Gesamtlänge x Hub |
| Trunnion-Mount? | Ja | |
| Dämpferhardware erstes Auge | Trunnion | Bolzendurchmesser x Einbaubreite |
| Dämpferhardware zweites Auge | 8 mm x 25 mm | Bolzendurchmesser x Einbaubreite |
| Freigabe für Stahlfederdämpfer |

