Downhill World Cup 2019 – Leogang: Pure Schikane
Der Trackwalk in Leogang wird jedes Jahr mit Spannung erwartet. Denn obwohl die Rennstrecke im Großen und Ganzen der bekannten Bikepark-Piste folgt, bauen die Organisatoren Jahr für Jahr mehr oder weniger kontrovers diskutierte Änderungen ein. Dieses Jahr stand der Streckenbau ganz unter dem Motto „Schikane“. Denn wo sonst voll drauf los gebügelt wurde, gilt es nun, scharf abzubremsen, um eine der vielen neuen, engen Offcamber-Schikanen zu bewältigen.
Leogang ist immer eine heiß diskutierte Strecke im Zirkus und erfreut sich als typischer Vertreter der Bikepark-Fraktion sehr durchwachsener Reaktionen. Letztes Jahr wagten die Streckenbauer dann einen gewaltigen Schritt in die richtige Richtung und begannen direkt nach dem Start damit, frische und durchaus steile Wiesen-Sektionen in die Strecke einzubauen. Von den folgenden positiven Reaktionen gestärkt hat man sich 2019 wohl entschlossen, dort weiterzumachen, wo man 2018 aufgehört hat, und die Rennstrecke von oben bis unten mit technischen, engen und teils etwas merkwürdig zu fahrenden Schikanen zu spicken.
Das erhöht sicherlich den technischen Anspruch deutlich und nimmt auch etwas Geschwindigkeit und damit hoffentlich Gefährlichkeit aus der Strecke – zwei Dinge, für die sich Leogang bisher kritisieren lassen musste – ob die Änderungen in diesem Umfang wirklich nötig gewesen sind oder ob man nicht auf 2–3 Schikanen hätte verzichten können, ist allerdings zumindest fraglich. Im Fahrerfeld waren die Reaktionen wieder einmal durchmischt. Fort William-Sieger Amaury Pierron fasste die neue Linienführung mit den Worten „Enduro on Steroids“ zusammen und auch viele andere Top-Fahrer wollen erst einmal abwarten, wie sich die frischen und teils weichen Linien nach dem B-Training am Freitag entwickelt werden. Denn ohne feste und eingefahrene Ruts dürften einige der Offcamber-Kurven kaum in einem angemessenen Tempo fahrbar sein.
Eine zweifelsohne willkommene Abwechslung hingegen ist die frische Waldsektion unterhalb des Motoways. Nach den beiden riesigen Holz-Wallrides scrubben die Fahrer wieder über einen kleine Step-Down, ballern in die Roots of Asitz – und biegen unvermittelt links in eine komplett frische Sektion mit perfektem Nadel-Loam-Boden ein. Hier warten nicht nur ein ordentliches Gefälle, sondern auch Linien-Varianz und einige schöne Kurven auf die Fahrer. Nach einem Abstecher auf die reguläre Bikepark-Line inklusive der berüchtigten Stairs of Contrast geht es kurz vor dem Ziel erneut ab in den Wald: Statt über eine gepflasterte Steilabfahrt ins Zielgelände zu ballern, stechen die Fahrer rechts von der Strecke runter und kommen über einige Kurven, Kanten und Wurzeln deutlich langsamer aus dem Wald als gewohnt. Die Linie dürfte vom iXS EDC 2017 noch bekannt sein.

