Downhill World Cup 2019 – Maribor: 2975-01 – Fotostory vom Finale
Die Frage, ob nun 29″ oder 27,5″ schneller ist, wird seit vielen Jahren intensiv diskutiert. Beim Downhill World Cup in Maribor gesellte sich ein neues Kapitel zur Geschichte: Loïc Bruni ließ auf einem Bike mit Laufrad-Mix der Konkurrenz keine Chance, bei den Frauen setzte Tahnée Seagrave auf 27,5″ durch. Ist die richtige Technik womöglich viel wichtiger als die Größe?
Die Qualifikation am Vortag sollte aufgrund des Regens, mit dem viele Fahrer zu kämpfen hatten, nur bedingt Rückschlüsse darauf zulassen, wer am Renntag die Nase vorn haben würde. Doch wer das Training aufmerksam verfolgt hatte, der sah schon dort einen extrem fokussierten, präzisen und unfassbar schnellen Loïc Bruni. Als einer von wenigen Fahrern war der Franzose auch in Maribor nicht auf einem 29er unterwegs. Stattdessen war in seinem brandneuen Specialized-Prototyp ein Mix verbaut: 29″ vorne und 27,5″ hinten soll die besten Faktoren aus beiden Welten vereinen. Bikes mit unterschiedlichen Laufradgrößen sind erst seit dieser Saison offiziell erlaubt, und nimmt man Maribor als Indikator, dann dürfte uns die Frage nach der perfekten Größe wohl noch eine Weile beschäftigen.
Für Vali Höll und Thibaut Daprela war die Sache hingegen schon länger klar. Der schnelle Franzose und die österreichische Überfliegerin dürften wohl auch auf Bikes mit Stützrädern die Favoriten auf den Sieg in den Junioren-Kategorien gewesen sein – und beide wurden im Finale bei sonnigen Bedingungen ihren Favoritenrollen mehr als gerecht. Vali Höll ließ ihren Konkurrentinnen nicht den Hauch einer Chance und setzte sich mit fast 10 Sekunden Vorsprung durch. Auf Platz 2 erreichte Anna Newkirk, die seit dieser Saison für die SRAM Young Guns fährt, das Ziel. Und auch bei den männlichen Nachwuchs-Fahrern war der zweite Rang eine sehr spannende Personalie: Ethan Shandro, der Sohn der kanadischen Freeride-Legende Andrew Shandro, feierte in seinem ersten World Cup überhaupt direkt ein sehr starkes Resultat. Nur Thibaut Daprela, der auch schon die Junioren-Rennen im Vorjahr dominierte, war schneller als der Kanadier, der dem jüngeren Jahrgang angehört. Auf Rang 3 folgte der Australier Kye A’Hearn, der im Kampf um die Gesamtwertung sicherlich ein Wörtchen mitreden wird.
Im Vorfeld der Saison hatten bei den Frauen in Anbetracht der Verletzung von Myriam Nicole nicht wenige mit einem Duell zwischen Rachel Atherton und Tahnée Seagrave gerechnet, doch schnellste in der Qualifikation war Tracey Hannah. Die Australierin ging folglich als letzte Fahrerin auf der Strecke, doch ihr gelang es nicht, Tahnée Seagrave aus dem Hot Seat zu verdrängen. So feierte die Transition-Fahrerin den ersten Sieg der World Cup-Saison vor Rachel Atherton. Doch besonders laut wurde der fünfte Platz von Monika Hrastnik bejubelt: Das Podium-Ergebnis der Slowenin sorgte für Begeisterung bei den einheimischen Fans. Ebenfalls für Begeisterung sorgten Sandra Rübesam und Nina Hoffmann mit ihren starken Finalläufen: Beide deutsche Fahrerinnen landeten in den Top 10!
Das erste Ausrufezeichen beim Finale der Männer gelang dem jungen Briten Matt Walker, der einer der Shooting Stars dieser World Cup-Saison werden könnte. Er machte es sich nach einer starken Fahrt im Hot Seat bequem und wurde erst von seinem schnellen Teamkollegen Danny Hart aus diesem verdrängt. Dem Madison Saracen-Fahrer gelang eine starke Fahrt inklusive wilder Linie durch das berühmte Steinfeld in Maribor, das der absolute Zuschauermagnet am Renntag war. Fahrer um Fahrer biss sich die Zähne aus an der Zeit von Danny Hart – auch Amaury Pierron, der letztlich auf Platz 7 mit zwei Sekunden Rückstand auf den späteren Sieger landete. Generell ging es in Maribor extrem eng zur Sache: 1,6 Sekunden trennten die fünf Fahrer auf dem Podium voneinander, die Top 40 lagen gerade einmal 8 Sekunden.
Dann war Loïc Bruni an der Reihe – und der Franzose zeigte auf beeindruckende Art und Weise, dass man auf einem Bike mit unterschiedlichen Laufradgrößen extrem flott sein kann, wenn die Fahrtechnik stimmt. Während er in der Qualifikation noch recht zurückhaltend fuhr, um beim Regen kein unnötiges Risiko einzugehen, brannte er im Finale eine nahezu perfekte Fahrt bei optimalen Bedingungen in den slowenischen Boden. Der Franzose war übrigens der einzige Fahrer auf dem Podium, der nicht beim iXS Downhill Cup am vorherigen Wochenende teilgenommen hat – was seinen Sieg noch beeindruckender macht. Aaron Gwin und Troy Brosnan konnten die Zeit des amtierenden Weltmeisters nicht knacken, Finn Iles ging unsanft zu Boden. Und auch Mark Wallace, in der Qualifikation noch schnellster Fahrer, kam nicht an die starke Zeit von Loïc Bruni heran. So setzte sich der erste 2975er in der Downhill World Cup-Geschichte direkt auf Platz 1 – übrigens ebenso wie in der Enduro World Series, wo Martin Maes bei den ersten beiden Rennen des Jahres auf derselben Laufradkombination erfolgreich war. Ob beim nächsten World Cup in Fort William diese Serie weitergeht, die große Stunde der 29er schlägt oder 26″ ein Revival feiert, wissen wir noch nicht. Fest steht aber: Die Downhill-Saison 2019 hat mit einem spektakulären Rennen begonnen und verspricht sehr viel Spannung!
Juniorinnen
1 – Valentina Höll – 3:35.775 min
2 – Anna Newkirk – 3:45.718 min
3 – Mille Johnset – 3:45.885 min
Junioren
1 – Thibaut Dapréla – 3:05.557 min
2 – Ethan Shandro – 3:08.598 min
3 – Kye A’Hern – 3:09.823 min

