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Wie arbeitet die hippe Schwester des ZDF?

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Von Sara Wess

Spätestens seit der Moderator und Satiriker Jan Böhmermann im März 2016 mit seiner Late-Night-Show "Neo Magazin Royale" Schlagzeilen machte, weiß man: ZDF-Neo ist die kleine, hippe Schwester des ZDF und von Volksmusik und Rosamunde Pilcher weit entfernt. Simone Emmelius ist der kluge Kopf hinter Formaten wie "Bares für Rares" und "Kessler ist…". Die Senderchefin sprach auf Einladung der studentischen Initiative "Querfeldein" im Karlstorbahnhof.

> Was muss passieren, damit ein neues Format auf ZDF-Neo läuft? "Wir verfassen ein Briefing, zum Beispiel für eine Dramaserie, und geben das an unsere Produzenten weiter", erklärt Emmelius. Diese arbeiten dann verschiedene Konzepte aus, aus den besten Konzepten werden Drehbücher. "Erst auf dieser Basis entscheiden wir, welche Idee zur Serie wird. Wenn es nicht nachvollziehbar ist und nicht im echten Lebensumfeld spielt, dann passt es nicht zu Neo."

> Welche Produktionen sind besonders teuer? "Grundsätzlich kann man in jedem Genre viel Geld versenken. Es gibt immer einen realistischen Rahmen für Produktionskosten, der dann mit dem Briefing an die Produzenten geht", sagt Emmelius - und verrät: "Meistens liegt der zwischen 400.000 und 600.000 Euro pro Folge." Damit könne man keine Produktionen wie die neue Krimiserie "Babylon Berlin" realisieren. Ob das "Neo Magazin Royale" denn eine teure Late-Night-Show sei? "Wir sprechen hier von einem angemessenen Preis", versichert die Senderchefin.

> Wie schauen Sie Fernsehen? "Auf jedem erdenklichen Weg!", verkündet die geborene Heidelbergerin und betont: "Ich schaue nach wie vor sowohl auf meinem traditionellen Fernseher als auch unterwegs auf Tablet und Smartphone." Anders verhält es sich bei den Gästen im Karlstorbahnhof: Die Mehrheit greift auf Video-on-Demand-Dienste wie Netflix oder Amazon Prime zurück, lediglich drei der über 50 Zuhörer besitzen noch ein Fernsehgerät. Fernsehverhalten sei lebenssituativ geprägt, kommentiert Emmelius diese Entwicklung. "Anders als Ihr sinken berufstätige Mittdreißiger mit Kindern gegen 21 Uhr aufs Sofa, sie wollen nicht mehr entscheiden, sondern ein Programm durchlaufen lassen." Streaming erfordere aktives Entscheiden.

> Wie sieht der Fernseher der Zukunft aus? "Zu Beginn der neunziger Jahre war es eine große Herausforderung, ein Internetprotokoll in einen analogen TV reinzuquetschen", erinnert sich die ZDF-Neo-Senderchefin zurück. Heute werde von jedem großen Bildschirm erwartet, dass er internetfähig sei. "Ein großes Thema ist aktuell das sogenannte ‚Second Screening‘, also ein zweiter Bildschirm, zum Beispiel das Smartphone, über den der Zuschauer auf das Geschehen im Fernsehen eingreifen oder aktiv daran teilnehmen kann", berichtet Emmelius.

> Trägt Fernsehen eine politisch-gesellschaftliche Verantwortung? "Auf jeden Fall!", verkündet Emmelius. "Fernsehen muss sowohl gut recherchiert und authentisch sein, als auch verantwortungsbewusst mit Protagonisten und Zuschauern umgehen." In gewisser Weise habe auch Böhmermanns Show einen Bildungsauftrag. "Physikunterricht macht Jan nicht. Aber in der Rubrik ‚Prism is a dancer‘ macht er beispielsweise auf sehr plakative Weise erfahrbar, was passiert, wenn man leichtfertig mit Daten umgeht. Das ist im allerbesten Sinne bildend."

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