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Bericht vom Mt. Ventoux

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Drei Mal auf den Mont Ventoux

Elke und Peter im "Club der Verrückten"

16. September 2017

 

Was tun eine Randonneurin und ein Randonneur*, wenn die Brevets** vorbei sind? ...sie suchen sich neue Ideen für Verrückte und treten dem "Club de Cingles" bei. Das bedeutet so viel wie "Club der Spinner" und vereint alle Leute, die drei Mal am Tag auf den Mont Ventoux gefahren sind. In den letzten 30 Jahren waren das ca. 11 000 RadfahrerInnen , unter ihnen 7 % Frauen. Da wollten wir auch dabei sein!

Gesagt getan fahren wir also aus dem verregneten Zürich gen Süden, wo uns beim Bahnhof Avignon der helle freundliche Süden empfängt. Aus dem Fenster sehen wir schon die weiße steinige Kuppe des Mt. Ventoux - wüssten wir es nicht besser, würden wir glauben, er sei verschneit.

Ca. zehn Kilometer vom Start entfernt übernachten wir und rollen am Morgen gemütlich ein.

1500 Höhenmeter geht es konstant rauf auf den berüchtigten Berg. Aber nicht die Steigung ist das Problem, sondern der Wind. Nicht umsonst bedeutet der Name "Windiger Berg". 2016 wurde die Etappenankunft der Tour de France zum Chalet Reynard, also 500 Höhenmeter nach unten verlegt, weil es sogar die Profis beinahe vom Rad geweht hätte.

Es kommt Brevetstimmung auf, als wir uns in Bedoin im Kiosk den ersten Stempel auf der obligatorischen Stempelkarte holen. Bei wenig Wind und hellem Himmel versuchen wir warm zu werden: Nur 7 Grad sind es nach der klaren Nacht! Eigentlich hatte ich doch den September gewählt, damit es nicht sooo heiß ist!? Doch die Jahreszeit ist gut, denn die Motorradfahrer bleiben lieber unten in der warmen Provence.

Bei der ersten konstant steilen Auffahrt (bis zu 13 %) geht es fast 1600 Höhenmeter durch Pinienwälder am Chalet vorbei auf den 1909 m hohen Gipfel. Hier sind es weiterhin nur 6 Grad.

Ein weiter Blick über die Provence und den steinigen rauen Gipfel belohnen die ersten Mühen. Wir sind früher schon hier gewesen, aber eben nur einmal pro Tag. Im Souvenirladen holen wir uns den nächsten Stempel.

Und schon stürzen uns volle Fahrt nach unten Richtung Malaucène. Noch selten habe ich bei einer Abfahrt so geschlottert! Unten auf 400 m über NN (wo's wieder schön warm war) gönnen wir uns erst mal einen Kaffee und was Süßes in der Boulangerie.

Und dann geht's wieder rauf auf den Gipfel. Mittlerweile sind andere Radler unterwegs: meistens sind es Dänen, Belgier oder Niederländer oder eben andere "Cingles" (Verrückte), die man an der Plakette am Rad erkennt. Die Ersteren radeln einmal im Leben auf den Berg, die Anderen drei Mal am Tag. Die ganz Extremen (nicht wir!) machen es sogar sechs Mal hintereinander!

Mittags sind wir nach 24 km und 1500 Hm zum zweiten Mal oben. Diesmal empfängt uns der Rummel, den der Ventoux an jedem Schönwettertag erlebt: Hunderte von Radfahrer, viele Motorradfahrer und einige Autotouristen stehen frierend rum.

Wir düsen vorbei am Denkmal von Tom Simpson. Er starb 1967 bei der Tour de France kurz vor der Gipfelankunft an der Wirkung von Amphetaminen und Alkohol, womit er sich gedopt hatte. Wir dagegen beschränken uns auf Käsebrote und Müsliriegel und freuen uns schon auf Kaffee und Kuchen in Sault, dem dritten Ort am Fuß des Berges.

Die dritte und letzte Auffahrt führt mit angenehmen 4 bis 5 Prozent Steigung durch weite Lavendelfelder. Vom Chalet muss man nochmal die letzten sechs Kilometer und bis zu 13% auf den Gipfel. Inzwischen ist es fünf Uhr und die spätsommerliche Nachmittagssonne taucht den weißen Gipfel in warmes Licht. Oben ist es ruhig, nur noch ein paar Rennradler ziehen sich schnell die Windjacke an, bevor sie sich so wie wir zur letzten Abfahrt auf den Sattel schwingen.

Und dann lagen die 4400 Höhenmeter auf 137 Kilometer schon hinter uns. Eigentlich war es gut machbar, nur hätten wir uns ein paar Kilometer mehr zum Pedalieren gewünscht, damit die Beine mal was anderes tun können. Aber das bieten uns dann die nächsten Bevets im Frühjahr 2018 wieder, wo sich 4000 Höhenmeter auf lange 400 Kilometer verteilen.

Beim leckeren französischen Abendessen mit einem Gläschen provenzialischem Wein stellen wir fest: Es hat sich gelohnt und war gar nicht so verrückt!

Elke Reuter

 

* RandonneurInnen fahren Langstreckentouren (Brevets) zwischen 200 und 1200 Kilometern.

** Diese Brevets sind keine Rennen, sondern werden ohne Unterstützung durch Begleitfahrzeuge o.ä. und ohne Ergebnisliste durchgeführt. Sieger ist, wer sich überwindet und ankommt.

Infos z.B. unter www.ara-breisgau.de, www.audax-suisse.ch oder www.paris-brest-paris.org

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