Der neue Kader
Das neue Jahr ist offiziell angelaufen. Nachdem der Deutsche Schachbund die Vorgaben für den Landeskader geändert hatte, haben wir im Januar auch den neuen Landeskader sowie die neu eingeführten Titeljäger bekannt gegeben. Am Wochenende war nun der erste Termin: Das Kaderwochenende in der Jugendherberge Bad Homburg. Hier sind unsere drei Trainingsgruppen, trainiert von Jürgen, Markus und Uwe:
Kennt ihr eigentlich schon die Detailseiten des Landeskaders, der Titeljäger und der Trainer:innen?
Apropos „Titeljäger“: Auch wenn Bayastan nicht mehr Teil des HSV ist, möchte ich eure Aufmerksamkeit einmal nutzen, um auszurechnen, wie eigentlich IM-Normen funktionieren. Wie ihr wisst, vergibt der Weltschachverband FIDE Titel an besonders gute Schachspieler:innen. Der bekannteste und höchste ist der „GM“ – Großmeister – aber soweit sind wir noch nicht. Der „IM“ – Internationale Meister – ist der zweithöchste, den wir uns jetzt genauer ansehen.
Die FIDE definiert in einer Ordnung, wie diese Titel verliehen werden (sie ist auf Englisch, weswegen ich sie teilweise frei übersetzen werde):
- Punkt 0.5: IM performance is ≥ 2450 performance against opponents with average rating ≥ 2230.
Übersetzung: Man muss eine Leistung von mindestens 2450 spielen, die Gegner müssen durchschnittlich 2230 ELO haben. - Punkt 1.4.1.a: The player must play at least 9 games.
Übersetzung: Im Turnier muss man mindestens 9 Spiele spielen. - Punkt 1.4.3: At least two federations other than that of the title applicant must be included.
Übersetzung: Wenn man bei der FIDE für Land A gemeldet ist, braucht man Gegner aus Ländern B und C. - Punkt 1.4.4: A maximum of 3/5 of the opponents may come from the applicant’s federation and a maximum of 2/3 of the opponents from one federation.
Übersetzung: Wenn ich runde, dürfen höchstens 60 % der Gegner aus dem eigenen Land sein und 66,67 % aus dem gleichen Land.
Anmerkung: Das ist nicht dasselbe! Ich kann für Deutschland gemeldet sein und gegen 9 Franzosen spielen. Das erfüllt den ersten Teil, aber nicht den zweiten. - Punkt 1.4.5: At least 50% of the opponents shall be title-holders. […] For an IM norm at least 1/3 of the opponents must be IMs or GMs.
Übersetzung: Die Hälfte der Gegner muss einen Titel haben, ein Drittel mindestens einen IM.
Es gibt noch weitere Details, aber das führt uns zu weit. Prüfen wir jetzt Bayastans Leistung in der 2. Bundesliga Süd für den SC Viernheim 2:
- Seine Gegner haben einen ELO-Schnitt von 2357, seine Leistung war 2481: Check
- Er hat 9 Runden gespielt: Check
- Er hatte 6 Deutsche, 1 Österreicher, 2 Litauer. Zum Glück ist Bayastan für Kirgisistan gemeldet: Check
- Alle Gegner hatten einen Titel, darunter 2 GMs und 2 IMs: Check
Jetzt bleibt die Frage nach den Details; zum Beispiel, ob jedes Mal ausreichend Schiedsrichter:innen mit passenden Schiedsrichtertiteln vorhanden waren (noch ein ganz anderes Fass…). Ich nehme es an und in dem Sinne gratuliere ich Bayastan zur IM-Norm.
Jetzt zur Kür: Was braucht es eigentlich für den IM-Titel? Lasst mich einmal klugscheißen: Es gibt keine Anforderung, dass man für den Titel mindestens drei Normen braucht. Man braucht aber Normen mit mindestens 27 Runden, und die meisten Turniere haben nicht mehr als 13 (sozusagen meistens 9), daher kommt der Irrglaube.
Nun gut, praktisch gesehen drei Normen; außerdem einmal (Live-)Rating von mindestens 2400. Wie finden wir das heraus? Die FIDE hat da keine sehr schöne Internetseite; auf Bayastans Profil sehen wir, dass seine bisherige höchste Wertung 2388 war (reicht noch nicht). Die bisherigen Normen sind schwieriger herauszufinden: In der Normenliste müssen wir auf „Norms“ klicken und dann „Kyrgyzstan“ auswählen. Dort können wir in der IM-Liste neben Bayastans Namen das + aufklicken und sehen zwei Einträge, einen für das 3Ds Chess-Masters 2025 und einen für das Sparkassen Chess Trophy 2025.
Meine Ferndiagnose: Dritte Norm erfüllt, Rating aktuell 25 zu niedrig. Wir drücken die Daumen!

