Schach-Frauenbundesliga: OSG zurückgefallen
Nein, das war nicht der Tag der OSG Baden-Baden in Runde 9 der Schach-Frauenbundesliga: Nach einer 4,5:1,5-Niederlage im Spitzenduell gegen den SK Schwäbisch Hall braucht man jetzt ein Fernglas, um das Ziel „Dreizehnte Deutsche Meisterschaft“ über dem Horizont noch glimmen zu sehen. Flügel allein reichen nicht mehr, um noch dorthin getragen zu werden. Es bedürfte außer einem stabilen Höhenflug der OSG in den letzten drei Runden noch einer Bruchlandung der schwäbischen Rivalinnen, aber so unsportlich sind wir nicht sie ihnen zu wünschen, denn sie sind ein Team, dessen Geschlossenheit und Spielstärke man anerkennen muss. Zweifellos ist – nach dem Rekord von 12 Titeln steht es nicht infrage – auch das Damenensemble der OSG traditionell eine Truppe auf Augenhöhe, in den letzten vier Jahren aber nur fast. Der letzte Sieg gegen Schwäbisch Hall, der gleichzeitig die letzte Deutsche Meisterschaft an die Oos brachte, datiert aus der Saison 2021/2022. Für den knappen 3,5:2,5-Erfolg der „Kurstädterinnen“ über die „Schwäbinnen“ brauchte es damals aber vier Spielerinnen aus den ersten sechs der gelisteten Rangfolge vom insgesamt 16 Brettern. Und damit sind wir beim aktuell wunden Punkt bei der OSG: Nur eine, die Ranglisten-Fünfte unter den ersten sechs Spielerinnen, Teodora Injac, stand am letzten Sonntag auf Baden-Badener Seite zur Verfügung. Beim SK Schwäbisch Hall war es die geschlossene Phalanx der ersten sechs Namen der Vereinsrangliste, vier davon aus einem Land, Georgien. Allesamt sind sie, wie die Baden-Badener Spielerinnen auch, internationale Titelträgerinnen. Teodora Injac erzielte Remis für die OSG, genauso wie Dinara Wagner und Mai Narva. Josefine Safarli, Anna Zatonskih und Iamze Tammert, die ihre Partien gegen Schwäbisch Hall aufgeben mussten, haben ungezählte Siege auf ihrem sportlichen Konto, rangieren mit ihren Leistungskennzahlen, den Elozahlen, aber im Durchschnitt aber etwas niedriger als die Siegerinnen des letzten Wochenendes. Das spielt jedoch nicht immer die entscheidende Rolle. Auf Bundesliga-Niveau kann fast jede Schachspielerin jede Gegnerin schlagen. Es stellt sich aber die interessante Frage, welche Rolle in der Einzelsportart Schach die mannschaftliche Geschlossenheit spielt. Das Team von SK Schwäbisch Hall tritt seit Jahren, mit nur wenigen Veränderungen, nahezu immer in derselben Besetzung an. Im OSG-Team ist die Fluktuation vergleichsweise wesentlich höher, gerade weil auf dem Papier Spitzenkräfte aus unterschiedlichen Regionen gelistet sind, die man an die Bretter bekommen muss, was oft nicht gelingt. Teamchef Thilo Gubler ist immer wieder mit Absagen konfrontiert, diesmal auch aus nachvollziehbaren privaten Gründen, die ihn mehr oder weniger zum Improvisieren zwingen.
Immerhin, am Tag vorher, in Runde 8, gewannen Dinara Wagner, Josefine Safarli, Anna Zatonskih und Iamze Tammert gegen die Schachfreunde Deizisau, Mai Narva remisierte. An Brett eins musste nach wechselvollem Spielverlauf eine Null für die OSG notiert werden, das Endresultat von 4,5:1,5 war aber um einen Punkt besser als bei der letzten Begegnung, vor rund einem Jahr.
Die „verschworene Spielerinnengemeinschaft“ von Schwäbisch Hall manifestierte sich in einem sinnbildlichen 6:0 gegen Gastgeber SK Freiburg-Zähringen – gleich mal ein deutliches Signal Richtung OSG Baden-Baden.
Am 17., 18. Und 19. April lädt der SC 1957 Bad Königshofen zur dreitägigen Endrunde dieser Saison.
Walter Siemon
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