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Keine Selbstaufgabe

Noch ein richtiger Zug, und die OSG Baden-Baden wäre weiterhin nah dabei im Kampf um die Meistertrophäe in der Schachbundesliga. Aber in extrem zugespitzten Situationen sehen Turmendspiele, besonders bei knapper werdender Bedenkzeit, auch bei hartgesottenen Profis mit jahrzehntelanger Erfahrung einem Würfelspiel zuweilen ähnlicher als dem Schach.

Originelle Gewinnführung: Rustam Kasimdzhanov (Foto:OSG)

Aber der Reihe nach: Gegen den Münchener Verein MSA Zugzwang gelang am vergangenen Wochenende noch ein  zähflüssiges 4,5: 3,5. Sieben von acht Partien endeten nach beiderseits ohne grobe Fehler verlaufenden Abwicklungen remis, nur Alexei Shirov schraubte mit einem Sieg seinen Score auf erstaunliche fünf Punkte aus sechs Partien hoch. Er manövrierte präziser als sein Gegner, bis der Münchener Robert Zysk keinen sinnvollen Zug mehr hatte. Spitzenreiter SC Viernheim baute unterdessen seinen Brettpunktevorsprung gegenüber Verfolger Baden-Baden mit einem 5:3 gegen Werder Bremen um einen halben Zähler aus.

Ein Drama musste die OSG jedoch am Folgetag gegen die Schachfreunde Deizisau erleben: Zunächst ging der Oos-Verein in Führung – mit einem raffiniert herausgespielten Sieg von Rustam Kasimdzhanov, der einen Springer für drei unaufhaltsame Bauern gab. Dann aber unterlief dem sieggewohnten OSG-Großmeister Richard Rapport, statt den Remishafen anzusteuern, ein Schnitzer in Form eines zu optimistischen Bauernzugs, der ihn die Partie kostete. Nun kam alles auf das Turmendspiel mit einem Mehrbauern von Etienne Bacrot an, da an allen anderen Brettern unentschieden gespielt und schon die ein oder andere Chance ausgelassen wurde. Nach wechselseitigen Ungenauigkeiten dann plötzlich nur noch ein Standartmanöver: Turm hinter den Freibauern, um ihn „anzuschieben“, und der volle Punkt für Bacrot und zwei Punkte für das Team wären sicher gewesen.

Wie leicht hat es doch der Mitfiebernde, der sich, gemütlich zuhause auf dem Sessel sitzend, vom Rechner die richtigen Züge zeigen lässt, die ihm wie Selbstverständlichkeiten vorkommen. Der Spieler am Brett wird derweil Opfer einer Fata Morgana. Besagtes Turmmanöver kam jedenfalls einen Zug zu spät und Etienne Bacrot wie die Mannschaft mussten sich zu einem 4:4 Endstand die Punkte teilen.

Auch der SC Viernheim hatte seine liebe Mühe gegen den SK Kirchweyhe: In sieben Partien kamen die Südhessen nicht über ein Remis hinaus, aber einer setzte sich eben doch durch, Shakhriyar Mamedyarov verschaffte Viernheim den knappen 4,5:3,5 Erfolg.  Für OSG-Teamchef Sven Noppes ein Signal, dass das „Durchregieren“ der Viernheimer in der Liga keineswegs ein Selbstläufer ist.

Für die OSG Baden-Baden heißt es somit aus seiner Sicht: Meisterschaftsambitionen keinesfalls vorzeitig begraben. Wenn in den restlichen fünf Runden noch durchaus mögliche Überraschungen passieren, könnte ein Sieg in der noch ausstehenden direkten Begegnung des Rekordmeisters Baden-Baden gegen den aktuellen Vizemeister Viernheim ein völlig anderes Bild ergeben.

 

Walter Siemon

 

 

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