Abschlussbericht zur DVM U14 in Plauen
Wie die meisten sicherlich schon mitbekommen haben, war die DVM u14 in Plauen für uns Emporianer ein voller Erfolg. Nicht einen Mannschaftspunkt haben wir abgegeben und wurden am Ende sehr überzeugend Deutscher Meister. Insgesamt mussten Ennio Rodgriguez-Klasen, Onno Zhang, Anker Müller und Mika Oleg Gundermann von 28 Partien nur 3 Niederlagen hinnehmen. Wir waren zwar an eins platziert, das tatsächliche Erreichen dieses Ziels ist jedoch nicht vielen Mannschaft bisher überhaupt gelungen. Dafür schonmal großen Respekt an die Jungs.
Die Meisterschaft fand zum ersten Mal in Plauen statt. Der Spiel- und Unterbringungsort, eine alte Feuerwache, welche zur Jugendherberge umfunktioniert wurde, stellte sich hin und wieder als suboptimal heraus. Für die Jungs und vor allem mich war zum Beispiel die Hellhörigkeit der Wände etwas problematisch, wenn es um das Einhalten der Nachtruhe ging. Im Großen und Ganzen war die Herberge aber recht angenehm und hatte durchaus etwas von einem Feuerwehrmuseum. Außerdem gab es eine Tischtennisplatte, an der neben den Jungs auch ich mich etwas austoben konnte. Die Runden fingen jeweils um 8:30 Uhr und 14:30 Uhr an, so dass sowieso wenig Zeit für andere Beschäftigung blieb.
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Und nun ausführlich zu den einzelnen Spieltagen und Runden:
Tag 1: Gleich am ersten Tag konnten wir zusammen mit zwei anderen Mannschaften zwei Siege einfahren. Es zeichnete sich in den ersten Runden jedoch direkt ein kleines Muster ab. Während der Runden sah es nämlich alles andere als vielsprechend aus. In der ersten Runde gelang es Onno, eine satte Verluststellung komplett zu drehen und auch Anker konnte sich am Ende in ein Remis retten. Bei Mika wurde schon der Grundstein für eine starke Performance über das gesamte Turnier hinweg gelegt. Auch Ennio, der mit den schwarzen Steinen zwar keine Chancen hatte, sein Spiel zu gewinnen, möchte ich hier bereits kurz erwähnen.. Bei ihm stand stets die Mannschaft im Vordergrund, so ist es nicht verwunderlich, dass er die meisten Remisen eingeholt hat. Bei den meist vorher schon abgeschlossenen Partien der anderen, ließ er an Brett 1 nie etwas anbrennen. Etwas Glück hatten wir auch in der Nachmittagsrunde: Mika fand sich in einer Stellung wieder, wie sie Anker ungefähr in Runde 1 hatte und auch Onno musste früh ein Remis in schlechterer Stellung akzeptieren. Mika gelang das zunächst Undenkbare, er gewann sogar sein Spiel. Anker hatte in Runde 2 wohl seine Partie des Turniers. Bei Ennio wurde es Remis. Somit gewannen wir die ersten beiden Runden jeweils etwas überraschend doch recht eindeutig mit 3:1.
Tag 2: Die dritte Runde gestaltete sich auch eher weniger entspannt aus unserer Sicht. Onno stand zum dritten Mal in Folge wacklig und hatte nachdem er sich stark zurückkämpfte sicherlich seinen Tiefpunkt während der vier Tage, nachdem es seinem Gegner gelang, mit einem taktischen Trick die Dame zu gewinnen. Spätestens nach diesem frühen Verlust war klar, unsere Jungs waren vor allem zum Kämpfen angereist! Uns war bewusst, dass die ersten Runden nicht ganz reibungslos verliefen, dafür besaßen wir aber noch die Möglichkeit, unsere Stärke und vor allem unsere Platzierung in den restlichen Runden zu beweisen und auszubauen. Spoiler Alert: Genauso kam es! Anker und Mika konnten sich in dieser Runde einen schönen Sieg erspielen, nicht ganz selbstverständlich, wenn man die Stellungen der beiden beachtet. Ennio hatte am Ende eines taktisches Feuerwerks ums Remis zu bangen und hatte dabei etwas Hilfe von seinem Kontrahenten. Sicherlich eine der knappsten Runden.
In Runde 4 ging es dann gegen den direkten Kontrahenten um den Titel, den SV Dresden-Striesen, andere starke Teams hatten bereits etwas Federn gelassen. Bei Mika sao es zwischendurch ziemlich gruselig aus, nachdem er in der Variante eigentlich nicht hätte so früh rochieren dürfen. Auch Anker lief sehr ungünstig in eine starke Vorbereitung des Gegners herein und griff dann fehl in einer bereits schlechteren Stellung. Onno konnte anschließend einen Sieg im Turmendspiel ergattern, bei Ennio dann leider nur Remis. Es grenzte eine Stunde später für uns an ein kleines Wunder, als wir erfuhren, dass bei Mika auf einmal nur noch seine Figuren auf dem Brett existierten. Der Gegner hatte eine Springergabel auf seine Dame übersehen. Letztendlich war die Stellung sehr kompliziert und angesichts des etwas schwächeren Ratings des Gegners kann man ihm da keine Vorwürfe machen, dass er den Vorteil nicht verwerten konnte. Das zweite 2,5:1,5 an diesem Tag und der wichtigste Sieg überhaupt für uns. Dresden wurde am Ende nämlich überzeugend Zweiter und unterlag dabei nur uns in Runde 4. Der Weg zum Titel war also geebnet! Wenn auch nicht ganz ohne Glück – am Ende zählt aber bekanntlich das Ergebnis.
Abends begaben wir uns auf einen Spaziergang am Wasser, um bei frischer Luft den Kopf frei zu bekommen und für die restlichen Runden vollen Fokus bieten zu können.
Tag 3: Für die Vormittagsrunde des dritten Tages wurden wir gegen den am Ende Drittplatzierten des Turniers gelost, den SK Kelheim aus Bayern. Nachdem es mit unserem aus Ungarn digital zugeschalteten „Hauptvorbeiter“ für die Jungs, Szigmond Szajbély, eine Abweichung seitens Ennio’s gab und dieser sich kurzerhand entschloss gegen 1.b3 ein Gambit zu spielen, welches zum ersten Mal von der extrem starken Lc0-Engine gespielt wurde, kam auch genau dieses aufs Brett. Ich würde kurzerhand sagen, Ennio hat in dieser Partie gespielt wie eine Maschine bzw. Lc0 selbst. Der Gegner wurde schon früh vor zunehmend schwer zu lösende Verteidigungsaufgaben gestellt. Lediglich der eine oder andere Figurenangriff beschäftigte Ennio noch und zwang ihn förmlich dazu, die besten Züge zu finden. Eine extrem dynamische Partie, welche er sich meiner Meinung nach auf jeden Fall einrahmen kann. Ansonsten herrschte natürlich primär schon vor den Partien Konsens zwischen Szigmond und uns in Plauen. Wir sind dankbar, dass er stets zur Verfügung stand und anscheinend auch genau das Notwendige an Vorbereitung uns vermitteln konnte. Onno blieb sich dann auch etwas treu. Nach suboptimaler Eröffnung konnte er sich abermals stark konsolidieren und nach taktischem Fehlgriff seines Gegners ebenfalls früh für einen Punkt sorgen. An den hinteren beiden Brettern brauchten wir somit nur irgendwie einen halben Punkt, für den Mika am Ende sorgte (es war auch schwer für seinen Gegner auf Sieg zu spielen). Damit sahen die Chancen für uns auf den Titel schon sehr gut aus.
In der sechsten Runde wurden wir dann aber nochmal gegen den Zweitgesetzten gelost, den SV Werder Bremen, bei dem bis dahin sicherlich unter der eigenen Stärke gespielt wurde. Obwohl es in unserer Macht stand, nach dieser Runde bereits für eine Vorentscheidung zu sorgen, konzentrierten wir uns abermals nur auf die Spiele dieser Runde und damit natürlich auch den Sieg als Mannschaft, der Gegner war bekanntlich stark. Wir waren dann aber sowas von eingespielt: 3,5-0,5 und damit die Vorentscheidung für uns! Vor allem Onno konnte in einem Franzosen mit Weiß brillieren und hatte gewissermaßen seine Partie des Turniers. Sein Gegner musste sich nach 26 Zügen geschlagen geben, obwohl nur ein Bauer und ein Leichtfigurenpaar abgetauscht wurden, so dominant wurde der Raumvorteil von ihm ausgenutzt.
Im Anschluss ging es italienisch Essen. Die Jungs hatten sich mehr als nur einen Gang im Restaurant verdient :-). So fielen dann im Anschluss auch alle mit vollem Magen rasch ins Bett und auch die Frage mit der Nachtruhe war an diesem Abend kein Problem mehr. Die Schiedsrichter mussten am Vortag schon eine strenge Ansage diesbzgl. treffen, welche durchaus fruchtete und auf das Wohlwollen aller Betreuer stieß.
Tag 4: Es ist bereits klar, dass wir die letzte Runde auch noch für uns entscheiden konnten, die dann das phänomenale Ergebnis von 14 Mannschaftspunkten über sieben Runden hinweg besiegelte. Dazu nur kurz: Uns kann keiner den Vorwurf machen, wir hätten uns womöglich nicht mehr so angestrengt in der letzten Runde. Die Lage im Turniersaal lichtete sich vergleichsweise rasch und nachdem Onno abermals früh gewinnen konnte, waren es Ennio, Anker und Mika die mit ihren Gegner fast die letzten übrigen Partien am Laufen hatten.
Wirklich eine sensationelle Leistung!
Noch ein kleines Wort zu unseren großartigen Kämpfern: Mika war hinten mit 6/7 ein absolutes Bollwerk und hat sein schachliches Wissen in bestimmten Stellungen stärken können, vor allem wenn Verteidigung mit Gegenspiel kombiniert werden sollte. Darüber hinaus bildete er für die Mannschaft auch gewissermaßen als Ältester ein kleines Rückgrat. Eine DWZ-Bilanz von +63, die sich sehen lässt. Auch wenn Anker schachlich hin und wieder mit schwereren Aufgaben am Brett konfrontiert wurde, macht er ein kleines DWZ-Plus und ließ sich von seinen zwei Niederlagen in Folge auch nur ganz kurz unterkriegen. Für den Teamspirit war er Gold wert. Onno gelang es ab der 2.Hälfte sicherer zu werden und dann schachlich auch vollends zu überzeugen. Er entwickelte ein Verständnis für die Mannschaft, was nicht selbstverständlich ist, da er bisher eher nur Einzelturniere bestritt. Auch bei ihm trotz starker 5,5/7 nur ein kleines DWZ-Plus (man beachte, dass wir an eins gesetzt waren). Ennio war auch ein absoluter Punktegarant und da ist es bei seiner Spielstärke in diesem Feld auch wirklich clever von ihm, viel Zeit am Anfang zu investieren, um selbst gut aus der Eröffnung zu kommen und einen guten Überblick über die anderen Partien zu bekommen, um dann dementsprechend eventuell Risiken einzugehen oder halt auch eher nicht.
Es hat mir große Freude bereitet, vor Ort dabei gewesen zu sein und mit Hilfe von Szigmond die Jungs sukzessiv für den Turniersieg vorzubereiten. Auch ich lerne von den Jungs dazu und da bin ich dankbar.
Felix Schabe

