Schach
News melden
Nachrichten

2. Frauenbundesliga: Aufstiegschancen nach haarsträubendem Lokalderby intakt

0 53

Karlsruher SF 1853 – SK Freiburg-Zähringen 1887

Dramatischer Kampf lässt Hoffnungen auf Wiederaufstieg am Leben

2.FBL Süd · 19.2.2023 · Karlsruhe · © Stefan Haas

Die Freiburgerinnen hatten uns bereits beim direkten Vergleich vor exakt einem Jahr (damals ein Samstag) zu viert das Leben sehr schwer gemacht, und ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass sie heute in der Tabelle besser dastünden, hätten sie das Antreten „ohne zwei“ zu einer durchgehenden Wettkampfstrategie gemacht oder es zumindest mit einer taktischen Ranglistenaufstellung versucht. Heute traten Sie jedoch in ihrer „normalen“ Aufstellung an, d.h. mit den bekannten drei starken und erfahrenen Spielerinnen vorne, ergänzt durch drei junge Spielerinnen hinten. Ich hätte viel darauf gewettet, dass unsere Chancen an den hinteren Brettern liegen würden; was dann kommen sollte, konnte keiner erahnen. Der Misserfolg der sympathischen Freiburgerinnen bei der ersten Doppelrunde in Mainz brachte uns ja leider in die unerfreuliche Lage, dass wir – zum Erhalt unserer Aufstiegschancen – ihre Abstiegsgefahr entscheidend vergrößern mussten. Wegen eines Zugausfalls mussten unsere Gegnerinnen zu allem Überfluss dann auch noch die Anfahrt im Taxi bewältigen.

Die Partien verliefen zwar zunächst verhalten, doch schon nach einer Stunde begann der Kampf sich zu unseren Ungunsten zu neigen. Anna war in einen „doppelten Bauerntritt“ geraten und hatte durch eine Gabel eine Figur eingebüßt; sie wehrte sich danach zwar noch lange, aber erfolglos. Das 0:1 ereilte uns jedoch überraschend am Brett von Tatiana; sie hatte ihre Gegnerin bereits überspielt und hätte im 34. Zug durch ein Damenopfer ihren Vorteil erheblich vergrößern können; stattdessen lief sie in eine Bauerngabel und verlor eine Figur.

Zu diesem Zeitpunkt traute ich mich kaum noch in den Saal, weil ich befürchtete, was ich auf den Brettern sehen könnte, und verließ mich auf die Nachrichten, die Jessicas Töchter nach draußen brachten. Das ging von „Warum schauen immer alle beim Spielen so bös?“ über „Mama schaut sehr ernst“ bis zu „Mama hat einen Bauern mehr und einen Turm für einen Springer, sie wird sicher gewinnen“. Ich war erstaunt, was die so alles sehen… Tatsächlich hatte Sarah einen Einschlag auf g2 mit vermutlichem Remis-Angriff ausgelassen, einen Bauern verloren und dann unnötig die Qualität hinterhergeworfen; das Ende war dann etwas kurios, als Jessica im 29. Zug nicht das Beste fand und postwendend mit einem eingestellten Figur beschenkt wurde, also 1:1…

Lena hatte derweil eine etwas dubiose Verteidigung gewählt (3…g6 gegen Spanisch), doch schon nach 12 Zügen war ihre Stellung etwas angenehmer, und sie verbesserte sich kontinuierlich. Ihre Gegnerin überzog die Stellung mit ihren Angriffsbemühungen, und nach gut 30 Zügen besaß Lena drei Bauern für die geopferte Qualität, musste aber den Qualitätsrückgewinn nur mit einem Bauern bezahlen. Den Rest erledigte sie technisch sauber, wobei sie den gegnerischen Springer umzingelte und gefangen nahm. Nach der zwischenzeitlichen Aufgabe von Anna nun 2:2…

Ein weiteres Drama ereignete sich bei Veronika. Als sie sich gerade etwas Vorteil am Damenflügel herausgespielt hatte, eröffnete ihre Gegnerin einen rabiaten Angriff am Königsflügel; Veronika konterte jedoch mit einem Springeropfer auf e5 und erreichte in der Folge eine klare Gewinnstellung, vergriff sich dann aber an einem Läufer und ließ sich dabei einen Turm herausneppen; glücklicherweise behielt sie gerade  in dieser schwierigen Situation die Nerven, konnte nach dem Abtausche der Damen und eines Turmpaares mit einem starken Freibauern ausreichende Kompensation für die Qualität nachweisen und das Remis retten.

Das war der Moment, in dem Julia zur Höchstform auflief. Da sich inzwischen ein Kantersieg der Stuttgarterinnen – die zudem das etwas leichtere Restprogramm vor sich haben – abzeichnete, hätte uns selbst ein 3:3 vermutlich alle Aufstiegschancen gekostet. In einer schwerblütigen Partie hatte Julia durch geduldiges Manövrieren ihre Gegnerin zur Vertripelung der Schwerfiguren auf der a-Linie verlockt, was sich aber als eine gänzlich fruchtlose Demonstration herausstellte. Durch den verfehlten Versuch eines doppelten Turmabtausches auf a8 erhielt Julia dann auch noch einen Bauern geschenkt. In solchen technischen Situationen ist sie dann – gerade noch friedlich hin-und-her-lavierend – plötzlich gnadenlos: Ein freigewordener Bauer stürmt sofort nach vorne, der König eilt hinterher und macht weitere Beute unter der gegnerischen Landbevölkerung – eine beeindruckende Energieleistung, und eine große Erleichterung, als wir mit dem gerade hereingekommenen erfolgreichen Pokalteam aus dem Vorraum durch die Glastür nach innen schauend plötzlich ein Lächeln auf den Gesichtern aller unserer Spielerinnen sich ausbreiten sahen. Der inzwischen fast verloren geglaubte Kampf war gedreht worden, und unsere Aufstiegshoffnungen werden endlich realer…

In drei Wochen spielen wir in Freiburg gegen Regensburg und Nürnberg, bei denen das Ergebnis im direkten Vergleich den bisherigen Saisonverlauf auf den Kopf stellte. Da die Stuttgarterinnen uns inzwischen einen Brettpunkt voraus sind, wird wohl der Aufstieg über die Mannschaftspunkte entschieden, und wir haben die Chance, es mit zwei Siegen (gerne auch knapp) schaffen zu können. Freiburg ist noch nicht verloren; drei Mannschaftspunkte aus der abschließenden Heimspiel-Doppelrunden dürften den Klassenerhalt unserer Reisepartnerinnen sichern. Hier die Ergebnisse der 5. Runde:


5. Spieltag
19.2.2023        
In Regensburg: SC Bavaria Regensburg 1881 2 : 4 SC Noris Tarrasch Nürnberg
In Mainz: TSV Schott Mainz : SK 1980 Gernsheim
In Karlsruhe: Karlsruher SF 1853 : SK Freiburg-Zähringen 1887
In Stuttgart: SV Stuttgart-Wolfbusch :   ½ SG Augsburg 1873

 

Pl. 2. Frauenbundesliga Süd 1 2 3 4 5 6 7 8 M.P. B.P. B.W.
1. Karlsruher SF 1853 3   9-1 19 65½
2. SV Stuttgart-Wolfbusch 3 4 3   8-2 20 70½
3. SC Bavaria Regensburg 1881 5 2   6-4 16½ 58½
4. SK 1980 Gernsheim 1 3   5-5 13½ 50
5. SC Noris Tarrasch Nürnberg 2 4 3 1   5-5 13½ 38½
6. SG Augsburg 1873   ½ 5 3   3-7 13½ 48½
7. SK Freiburg-Zähringen 1887 3 3   2-8 13½ 47½
8. TSV Schott Mainz   2-8 10½ 41

Comments

Комментарии для сайта Cackle
Загрузка...

More news:

Menchik, Vera (Francevna)
Badischer Schachverband

Read on Sportsweek.org:

Schachclub Leipzig-Lindenau e.V.
Ein misshandeltes Mädchen entwickelte sich zu einer Schachmeisterin
Schachclub Leipzig-Lindenau e.V.
SV Empor Berlin e.V. Abteilung Schach
Ooser Schachgesellschaft Baden-Baden 1922 e.V.
Schach in Thüringen

Andere Sportarten

Sponsored