„Liebe in den Zeiten der Corona“
…Ausblick!!!
Liebe Eckbauern,
ob nun „100 Jahre Einsamkeit“, „Liebe in den Zeiten der Cholera“ oder gar Stefan Zweig’s „Schachnovelle“ – es finden sich in der Weltliteratur genügend prominente Vordenker, die sich bereits eingehend mit den Problemen von Eckbauern im Angesicht von 100 Tagen Einsamkeit auseinandergesetzt haben …
Es ist schon komisch, welche Ruhe einen im Moment umgibt. Und wie sich allmählich die Perspektive verändert.
Und zwar auch gegenüber dem Schach.
Hatte ich mich in den zurückliegenden Monaten tatsächlich dabei erwischt, Schachtermine z.T. als eine weitere lästige Pflicht in einem eh schon übervollen Terminkalender zu sehen?!- Unvorstellbar!!
Wie hätte ich können …?!
Regelmäßig dieselben Nasen zu treffen und ebenso regelmäßig dieselben Eröffnungen und Partieen mit ihnen zu spielen – sollte es das etwa schon gewesen sein …?!
Nunja: die Krise birgt jedenfalls die Chance, mit etwas Abstand klarer zu sehen, was einem tatsächlich fehlt, wenn man es auf einmal nicht mehr hat: IHR ZUM BEISPIEL!!!
Und deshalb fand ich es auch große Klasse, als „mein Co-Vereinsmeister“ dazu aufrief, die online-Platform lichess zu nutzen, um wieder miteinander Schach zu spielen. Es war wie eine ausgestreckte Hand.
Natürlich habe auch ich sehr gerne eingeschlagen und mich – manche werden es bereits geahnt haben: unter dem alias-Namen „schlagmichtoth“- sogleich registrieren lassen. Und auch wenn ich leider bislang von dem Angebot auch zu spielen noch keinen Gebrauch machen konnte, finde ich die Idee doch großartig! Natürlich finde ich es analog ungleich schöner und freue mich daher auch drauf Euch – den Weg bewusst in Kauf nehmend – persönlich zu treffen; das kann die Plattform – bei aller Liebe – nicht ersetzen. Aber: sie ist eine echte Hilfe und erleichtert das Durchhalten. bis ich Euch guten Gewissens wieder per Handschlag zu Siegen gratulieren oder – nicht minder gerne – Eure Glückwünsche entgegennehmen kann.
Die Krise als Chance könnte darüber hinaus aber auch motivieren, darüber nachzudenken, wie wir unseren Verein wieder zukunftsfähig machen können. Ich habe schon, gemeinsam mit so einigen von Euch, die mich in den zurückliegenden Jahrzehnten auf diesem Weg begleitet haben, einen Schachverein überlebt. Und ich habe nicht den Ehrgeiz, dies ein zweites Mal zu tun – schon gar nicht den ältesten Deutschlands. Es ist auch für mich eine reizvolle Aufgabe, dabei mitzuwirken, unseren Spielbetrieb noch ansprechender und attraktiver zu gestalten, um dem Verein „frisches Blut“ zuzuführen.
Nichts von dem, was ich schreibe, ist neu. Und jeder von uns, dürfte dem vermutlich ohne den Hauch eines Zweifels zu haben zustimmen.
Und dennoch hat sich im Laufe der zurückliegenden Jahre – im Ergebnis – leider herzlich wenig getan. Wir treffen uns einmal im Jahr zur Mitgliederversammlung und beklagen des status quo.
Wann immer wir uns zur nächsten Mitgliederversammlung treffen werden, sollten wir uns damit nicht zufrieden geben. Nichtnur unser Jugendwart, der seit Jahren ohne Jugend ist, sondern wir alle sind aufgerufen, konkrete Ideeen zu entwickeln und zu realisieren, damit wir als Verein überleben.
Wer von uns ist bitteschön noch nicht in der 2. Halbzeit seines Lebens angekommen?!
Wer kann von sich sagen, dass er dem Schach nicht so einiges zu verdanken hat?!
Die gegenwärtige Situation zeigt mir, dass es einiges an alltäglichen Routinen und Bequemlichkeiten gibt, was schlicht und ohne jegliche Einbuße an Lebensqualität verzichtbar ist.- Geht es Euch nicht auch ein bisschen so?!
Es ist an der Zeit, dem Schach etwas zurückzugeben und Spuren zu hinterlassen. Konservativ ist es nicht die Asche zu bewahren, sondern das Feuer weiterzugeben!
Wir sind nicht „im“ ältesten Schachverein Deutschlands. Wir sind der älteste Schachverein Deutschlands.
Wer wäre mehr aufgerufen, als wir, sich zu sagen:
WIR. SCHREIBEN GESCHICHTE. FORT.
… und im Idealfall auch noch danach zu handeln?!
In diesem Sinne
Alles Gute und hoffentlich bis bald auf der Plattform
„schlagmichtoth“ Feri

