Anatoli Karpow bei Schach im DAI: Beim besten Schachspieler aller Zeiten in die Lehre gehen
Von Christoph Ziemer
Heidelberg. Der Mann, der als bester Schachspieler aller Zeiten gilt, kommt immer gerne nach Heidelberg. Trotz seiner 67 Jahre reist Anatoli Karpov munter durch die Welt. Fast die Hälfte des Jahres weilt der zwölfte Schach-Weltmeister fernab der russischen Heimat. Bald wird er in Spanien und Serbien sein, Weihnachten verbringt die Schach-Legende in China.
Nun ist er also wieder einmal in Heidelberg, und das aus gutem Grund: Die Schach-Akademie Rhein-Neckar bittet im Deutsch-Amerikanischen Institut (DAI) zu einem Schaukampf, zu dem der gesamte Bundesliga-Kader der Schachvereinigung Hockenheim erschienen ist. 5000 Euro gibt es von der Manfred-Lautenschläger-Stiftung für die Schach-Förderung in der Metropolregion, Dr. Matthias Zimmermann vom Racket Center Nussloch überreichte den Scheck - und ist auch ein wenig stolz.
Seit 2010 findet im Racket Center als Stützpunkt der Schach-Akademie regelmäßiges Training statt. "Auf höchstem Niveau", betont der Sportwissenschaftler. Man begreife Schach auch als ein Stück Kultur, die man mit körperlichen Aktivitäten verbinden wolle: "In diesem Geist möchten wir uns gerne als Bildungsstätte etablieren. Dahinter steckt auch die Idee, Randsportarten zu fördern und damit die Peripherie zu stützen. Und heutzutage gilt ja fast alles, was nicht Fußball ist, als Randsportart."
In einer Zeit, in der die Aufmerksamkeitsspanne der Jugend immer kürzer, die Verweildauer vor großen und kleinen Bildschirmen dafür immer länger wird, ist das ein nicht einfaches Unterfangen. In der Schach-Akademie Rhein-Neckar kann man allerdings die ersten Früchte ernten. Marco Dobrikov war im Racket Center von Anfang an dabei, der Tagesablauf des Schülers im Heidelberg College ist klar strukturiert: Schule, Hausaufgaben, Schach.
In seiner Freizeit verschlingt der Sandhäuser Schachbücher, spielt und trainiert auch über das Internet. "Am liebsten aber in der realen Welt", verrät der 14-Jährige, der für Hockenheim in der Bundesliga startet und in München neulich seinen ersten Erfolg feiern durfte. Für sein ehemaliges Hobby Tennis hat er lange keine Zeit mehr, an seiner Schule hat er zum Ausgleich das Sport-Profil gewählt. Mit seiner Klassenlehrerin unterhält er sich schon mal über die Schach-WM, sein Idol ist der Norweger Magnus Carlsen.
"Er hat ein unglaubliches Gefühl für die richtige Eröffnung", schwärmt Marco Dobrikov, der schon an vier Jugend-Europameisterschaften teilgenommen und auch eine Schach-WM in Dubai auf dem Buckel hat. Sein Ziel: Großmeister werden. Auch gegen Anatoli Karpov hat er schon gespielt. "Das war im letzten Jahr beim Simultan-Schach", erinnert sich Marco: "Am Anfang lief es noch ganz gut, aber am Ende hatte ich keine Chance. Die Partie dauerte zwischen 40 und 50 Zügen." Natürlich hat er auch alte Partien und Strategien des russischen Weltmeisters von 1975 bis 1985 und Fide-Champions von 1993 bis 1999 studiert.
Für die Renn- und Schachstadt Hockenheim ist Marco Dobrikov das jüngste Puzzleteil, das den Vizemeister zum ersehnten Ziel führen soll: Den Bundesliga-Titel. Der Kader ist mit dem US-Champion Samuel Shankland, den vier wohl besten Deutschen und nicht zuletzt Karpov erstklassig besetzt. Mit dem Hockenheimring läuft eine Kooperation, ein Großsponsor wäre höchst willkommen.
"Wir sehen die Region auch etwas in der Pflicht", sagt Teamchef Dieter Auer, der Anatoli Karpov seit 28 Jahren kennt und schätzt. Sollte das nicht klappen, könnte Karpov, der für die Putin-Partei Geeintes Russland auch in der Duma sitzt, seine Kontakte spielen lassen und in seiner Heimat auf Sponsorensuche gehen.
Nun geht es für Hockenheim um den Titel. "Es sieht ganz gut aus", findet Anatoli Karpov: "Baden-Baden ist auf dem Papier zwar stärker, aber wir werden alles geben." Auf Deutsch versteht der Russe sämtliche Schachbegriffe, Englisch hatte er in der Schule. Ansonsten genießt er sein immer noch aufregendes Leben.
Schachturniere spielt er nur noch privat, erst neulich hat er die chinesische Meisterin geschlagen und mit einer Duma-Auswahl gegen ein Team des Bundestages gewonnen. Tennis, Eishockey, Volleyball und Fußball schaut er gerne im Fernsehen, das WM-Finale in Moskau hat Karpov live im Stadion erlebt: "Die WM war wirklich hervorragend organisiert", findet er.
Schwimmen, Skifahren und Basketball spielen klappe nicht mehr ganz so gut wie früher. "Das Alter", lacht Karpov: "Das Beste am Alter ist die Erfahrung." Diese will er nun ganz seinen Hockenheimern zur Verfügung stellen. Schließlich soll es ja bald klappen mit dem Meistertitel.

