Mannheim: Neuer Raum für die Uni - Weitere Projekte geplant
Von Harald Berlinghof
Mannheim. D7 zieht nach B6. "Klingt nach Schach", sagte am gestrigen Donnerstag die Stuttgarter Finanzministerin Edith Sitzmann, die nach Mannheim gekommen war, um ein neues Universitätsgebäude einzuweihen. Aber was nach Schach klingt, hat etwas mit der Mannheimer Eigenart zu tun, die Innenstadt in Quadrate mit Buchstaben und Nummern zu bezeichnen. Das neue Gebäude der Universität Mannheim befindet sich - über den Resten der historischen Stadtmauer - im Quadrat B6. Und ein Teil der Studenten und Dozenten, die im neuen Forschungs- und Lehrgebäude arbeiten werden, sind aus Räumlichkeiten im Quadrat D7 hierher gezogen. Das hatte die Ministerin zu der Schach-Analogie inspiriert. "Der Neubau war ein kluger Schachzug. Er ist strategisch und weitsichtig geplant", blieb sie ihrer Analogie treu. Uni-Rektor Ernst-Ludwig von Thadden ergänzte, dass nicht nur ein Umzug aus D7 hierher erfolgt sei, sondern auch aus diversen L-Quadraten.
Die Mannheimer Schlossuniversität konzentriert sich, modernisiert sich und wird damit attraktiver für potenzielle Studenten. "Der Kampf um die klügsten Köpfe wird auch von der Infrastruktur mit entschieden. Und dazu leistet dieses grandiose Gebäude seinen Beitrag", so der Rektor, der allerdings in Richtung Stuttgart, auch an einem solchen Tag, da es Grund gibt zu feiern, die Forderung richtete, dass mehr Geld vom Land kommen müsse. 22 Millionen Euro hat das neue Gebäude gekostet. 20 Millionen Euro davon hat die Universität selbst aufgebracht, zwei Millionen stammen vom Land Baden-Württemberg. "Wir sind finanziell in den letzten Jahren bis an unsere Grenze gegangen und mussten an anderen Stellen deshalb sparen.
Eine solche Rosskur wie in den vergangenen fünf Jahren kann und will sich die Universität nicht mehr leisten", betonte von Thadden. Eine gewisse finanzielle Entlastung des Uni-Haushaltes entsteht durch wegfallende Mietkosten in den bisherigen Räumlichkeiten. Ministerin Sitzmann hatte zuvor dargelegt, dass das Land seit 2011 durchschnittlich jährlich 310 Millionen Euro Bauausgaben im Hochschulbereich - ohne Unikliniken - habe, für das Jahr 2017 erwarte man gar 360 Millionen Euro. Und auch in Mannheim werde es weiter gehen, denn an den jetzt fertiggestellten Neubau soll an die Nordostfassade ein zweiter Bauabschnitt angesetzt werden. Selbst ein dritter Bauabschnitt auf dem Quadrat, der ein Studentenwohnheim aufnehmen soll, ist ins Auge gefasst. "Die Bebauung des Quadrats B6 wird weit in die Zukunft hinein auch Stadtbild prägend sein", so Sitzmann.
Mannheims Erster Bürgermeister Christian Specht erinnerte sich an einen unsäglichen oft überschwemmten und überfüllten Parkplatz auf B6 und betonte, dass die Fläche A6 noch frei sei. "Es gibt noch Platz in Mannheim", so Specht. Der Rektor sprach sich strikt gegen eine Zubetonierung des Friedrichsparks aus. Von Thadden wünscht sich vielmehr einen Campus der Schlossuniversität, der durch die Neugestaltung der Bismarckstraße, auch mit Fahrradweg, mit der Stadt verzahnt werden könnte.
Das neue Gebäude des Architektenbüros Wulf aus Stuttgart, das sich in einem Wettbewerb durchgesetzt hatte, nahm den Aufbau der Mannheimer Innenstadt in Quadrateform zum Anlass, die Fassade des Gebäudes in einem gelb gefärbten Sichtbeton auszuführen und in quadratische Einzelelemente zu unterteilen.

