Sportkreis Mannheim: "Organversagen" im Vorstand
Von Claus-Peter Bach
Mannheim. Michael Scheidel, 58-jähriger geschäftsführender Gesellschafter eines Versicherungsmaklers und Ehrenvorsitzender des 1. Mannheimer Volleyball-Clubs, ist seit 2007 Vorsitzender des Sportkreises Mannheim im Badischen Sportbund Nord (BSB).
Herr Scheidel, Sie haben für Donnerstag einen Außerordentlichen Sportkreistag einberufen und angekündigt, von Ihrem Amt zurückzutreten. Warum?
Es gibt leider unüberbrückbare Differenzen mit Teilen des geschäftsführenden Sportkreis-Vorstandes, die mir ein Weitermachen unmöglich machen.
Die beiden stellvertretenden Vorsitzenden Sabine Hamann und Kurt Herschmann haben Ihnen offenbar die Gefolgschaft aufgekündigt und wollen nicht mehr mit Ihnen zusammenarbeiten …
… oder ich nicht mehr mit ihnen!
Was wirft man Ihnen denn vor?
In gewisser Weise ein Organversagen. Man spricht mir ab, mit dem Vorstand gut und eng zusammen zu arbeiten. Man wirft mir vor, den Vorstand nicht richtig in Beratungen und Entscheidungsprozesse einbezogen und zu oft alleine entschieden zu haben. Außerdem wurde bemängelt, dass die anderen Vorstandsmitglieder von mir ausgewählt und nicht von den Vereinen vorgeschlagen worden seien.
Seien Sie selbstkritisch: Ist da etwas dran?
Nun ja, zumindest im letzten Jahr war es fast gar nicht möglich, gemeinsame Termine zu finden, um Dinge zu beraten und zu entscheiden. Terminabsprachen waren jedenfalls sehr schwierig. Da die Arbeit allerdings erledigt werden muss, habe ich sicherlich die eine oder andere kleine Entscheidung getroffen. Auch sind unsere Mitgliedsvereine etwas in der Verantwortung. Vorschläge, die Arbeit oder ein Amt zu übernehmen, gab es in den letzten zehn Jahren keine.
Stimmt die Sportkreis-Kasse?
Überaus genau, das möchte ich betonen. Nachdem ich vor zwölf Jahren einen Sportkreis übernommen hatte, der durch kriminelle Entnahmen eines Vorstandsmitglieds über einen langen Zeitraum 180.000 Euro verloren hat, bin ich in finanziellen Dingen besonders penibel. In meinem Beruf kann man sich finanzielle Eskapaden nicht leisten. Wir haben im Sportkreis Mannheim die Kasse alljährlich prüfen lassen, haben lückenlose Prüfberichte vorzuweisen und werden dem Außerordentlichen Sportkreistag einen detaillierten Kassenbericht und einen ausführlichen Prüfbericht vorlegen. In dieser Beziehung lasse ich mir keine Vorwürfe machen. Der Sportkreis ist gesund und verfügt über ein hübsches Vermögen. Wer etwas anderes behauptet, wird juristisch belangt - wegen Verleumdung und übler Nachrede. Denn beim Geld hört die Freundschaft auf.
Ungewöhnlich für BSB-Sportkreise ist es, dass das Fanprojekt beim Sportkreis Mannheim angesiedelt ist. Warum ist das so?
Das hat historische Gründe: Nachdem die Stadt Ludwigshafen aus dem Fanprojekt ausgestiegen war, weil der SV Waldhof nicht mehr "iwwer der Brick" spielt, wurde der Sportkreis gefragt, ob er sich organisatorisch beteiligen wolle. Die Stadt Mannheim und das Land Baden-Württemberg finanzieren das Fanprojekt seither mit jeweils 25 Prozent, der DFB steuert 50 Prozent bei. Der Sportkreis stellt drei hauptamtliche Sozialarbeiter und deren Büroräume und erhält dafür eine Entschädigung. Wir machen die Jugendsozialarbeit deshalb gerne, weil auch wir aktiv verhindern wollen, dass die betreuten Jugendlichen in die rechte Szene abdriften. Außerdem bringt es uns finanziell keine Nachteile, sondern eher kleine Vorteile.
Sie sind seit zwölf Jahren im Amt. Was ist Ihnen denn besonders gut gelungen?
Wir haben erreicht, dass die drei Sportkreise Sinsheim, Heidelberg und Mannheim sehr gut zusammenarbeiten und sich die Kooperation mit dem Landratsamt außerordentlich positiv entwickelt hat. Das ist mit Landrat Stefan Dallinger noch besser geworden. Ein Höhepunkt war Mission Olympic 2010, wo wir gemeinsam mit der Stadt und toller Unterstützung unserer Vereine aktivste Stadt Deutschlands wurden und natürlich das Internationale Deutsche Turnfest 2013, das man sofort wieder machen müsste. Damals ist es gelungen, die Stadt davon zu überzeugen, ihren Zuschuss von 3,5 auf 5,5 Millionen Euro zu erhöhen. Auch wurde die Zusammenarbeit über die Ländergrenzen hinweg deutlich verbessert.
Die Konversion der US-Flächen für den Sport ist Ihnen ein besonderes Anliegen…
Das ist in Teilen gelungen. Dass die Freiflächen in Benjamin Franklin Village (BFV), unmittelbar neben der US Sportsarena, mit einem großen Sportfeld und einer Kunststoffbahn zum Laufen, Radfahren, Inlineskating und Rollskilauf erhalten bleiben, ist großartig, und der geplante Loop durch BFV wird den rund 9000 Bewohner zu Gute kommen. Was noch fehlt, sind Umkleideräume und Sanitäranlagen. Da sind wir in einem aussichtsreichen Tauziehen mit der MWSP. Wir wünschen uns auch, dass die Sportsarena renoviert wird, um unter anderem den Basketballsport dort weiter zu betreiben.
Was hätten Sie gerne noch vollendet?
Die Weiterentwicklung des Bäderkonzeptes und Grünzuges Nord-Ost und den notwendigen Bau der Sportkreis-Geschäftsstelle. Alle Vorbereitungen sind getroffen, die Mittel dafür sind vorhanden, die Zinsen sind niedriger denn je. Hierzu aber ist der Vorstand nicht bereit. Ich hatte auch das Ziel, den Vorstand zu verjüngen.
Sie werden am heutigen Mittwoch zurücktreten, um den Weg zu morgigen Neuwahlen frei zu machen. Wie geht es dann weiter?
Ich hoffe, dass ein zukunftsfähiger engagierter Vorstand gewählt wird - ohne mich, denn ich werde nicht mehr kandidieren. Frau Hamann hat in der letzten Woche ihre Kandidatur erklärt.

