French Open: Alexander Zverev und das Team hinter der Nummer 3 im Tennis
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Alexander Zverev braucht nur noch zwei Siege für seinen ersten Grand-Slam-Titel. Im Hintergrund setzt er auf Kontinuität. Wenn Alexander Zverev dieser Tage trainiert, dann hat es ein bisschen was von einem entspannten Familienausflug in den Park. Das liegt zum einen daran, dass die vor wenigen Jahren neu gebaute Trainingsanlage Jean Bouin im Schatten des berühmten "Parc des Princes" (Spielstätte von Paris Saint-Germain, Anm. d. Red.) mit wunderschönen Grünflächen zwischen den Übungscourts aufwartet und Rückzugsorte bietet. Es ist der Gegenentwurf zur nur wenige Hundert Meter entfernten und immer hektischen sowie überfüllten Anlage der French Open . Nach Startproblemen: Zverev kommt seinem großen Traum näher Zum anderen sind ein Großteil der Familie sowie das gesamte Funktionsteam des besten deutschen Tennisspielers der vergangenen zehn Jahre dabei und machen es sich gemütlich. Mutter Irina und Großmutter Natalia sowie Freunde der Familie, die nicht unmittelbar an der Trainingsarbeit beteiligt sind, bringen Decken für schöne Schattenplätze und kleine Gartenstühle mit. In den Taschen befindet sich Verpflegung für Groß und Klein, denn mitunter ist auch der Sohn von Alexanders Bruder Mischa zugegen, der selbst regelmäßig zum Schläger greift. Im Hintergrund verrichtet Alexander Zverev die schweißtreibende Hauptarbeit zwischen den Wettkampftagen in der Pariser Nachmittagshitze. An seiner Seite sind gleich mehrere wichtige und langjährige Begleiter, die ihm in den wohl wichtigsten Tagen seiner Karriere Halt geben. Zverev ist Olympiasieger, hat zweimal die ATP-Finals gewonnen, zudem 24 ATP-Titel. Nur der Grand-Slam-Titel fehlt noch. Familie von Alexander Zverev versucht, Druck zu nehmen Nach dem frühen Ausscheiden von Überfavorit Jannik Sinner und dem Grand-Slam-Rekord-Champion Novak Djoković wird Zverev vor seinem Halbfinale am Freitag von nahezu allen Experten, Medienseiten, Podcasts und TV-Sendern als Hauptfavorit auf den Einzeltitel bei den Herren im Stade de Roland Garros genannt. Der Tenor: Der Titel liegt auf dem Silbertablett, und wenn Zverev als letzter verbliebener Top-5-Spieler nicht zugreift, wird er es niemals schaffen. Der ewige Jäger ist der Gejagte; der Druck ist immens. Familie und Team versuchen, Zverev die Last zu nehmen, auch weil Freundin Sophia Thomalla aufgrund von beruflichen Verpflichtungen nicht in Paris sein kann. Der bekannteste und historisch betrachtet Wichtigste im Umfeld ist Vater Alexander senior. Der 67-Jährige war früher selbst Tennisprofi und schlug im Davis-Cup für die Sowjetunion auf. Durch die heimische Politik war ihm die große Karriere aufgrund von Reiseeinschränkungen allerdings nie vergönnt. Anfang der 1990er-Jahre baute er sich mit Mutter Irina erst in Schleswig-Holstein und dann in Hamburg als Vereinstrainer eine neue Heimat auf. Später lag der Fokus ausschließlich auf den beiden Söhnen, die fast zehn Jahre auseinanderliegen. Zverev senior formte erst Mischa als Serve-and-Volley-Spezialisten zum Profi, der es unter die besten 30 der Weltrangliste und unter anderem ins Viertelfinale der Australian Open schaffte. Auf die "alte Schule" und durchaus härtere Gangart des Vaters verzichtete Mischa im Laufe seiner Karriere. Alexander hält dem Vater bis heute trotz zahlreicher temporärer Startrainer wie Ivan Lendl und Juan Carlos Ferrero und Avancen von Boris Becker die Treue. Er spricht öffentlich ausschließlich in den höchsten Tönen vom "besten Trainer der Welt". Intern kracht es, wie in jeder richtigen Familie, auch mal. Von außen wirkt es, als hätte der Vater eine gewisse Altersmilde entwickelt. Seine ruhige Art und Routine jedenfalls tut Zverev in diesen Tagen von Paris gut. "Mein Vater ist mein Haupttrainer", erklärte Zverev auf Anfrage von t-online am Sonntag nach dem Achtelfinale gegen Jaesper de Jong. "Er fühlt meinen Ball": Zverevs Trainingspartner Ledovskikh Im Training wird aber nicht viel geredet. Es folgen lediglich kurze Anweisungen an den Sohn und dessen Trainingspartner Mikhail Ledovskikh. Neben Ledovskikh war ebenfalls Bruder Mischa Zverev in der Ausgangsstellung an der Grundlinie positioniert. Das war für Beobachter, die vor sechs Wochen bei den BMW Open in München weilten und den Ex-Profi auf Krücken und mit dicker Schiene am Knie antrafen, eine kleine Überraschung. In der kräftezehrenden Pariser Hitze war Mischa Zverev einen Großteil der knapp zweistündigen Einheit aktiv mit auf dem Platz und wirkte deutlich mobiler. Eine seiner Aufgaben: Die härter gewordene Vorhand seines Bruders, eingesetzt als Richtungswechsel nach mehreren Rückhandbällen, zu entschärfen und zurückspielen. Danach vollendete Zverev den Ballwechsel nach Möglichkeit mit einem Gewinnschlag. Der Vater gab die Anweisungen; Ledovskikh und Bruder Mischa pushten Alexander Zverev ans Limit. Wie bedeutsam Mikhail Ledovskikh für ihn ist, machte Zverev in Paris deutlich. "Er macht sehr, sehr viel für mich, was mein Spiel angeht, und fühlt meinen Ball." Er könne ihm vieles verraten. "Wie mein Ball ankommt, was ich mache, wo er Verbesserungen sieht." Vor ein paar Jahren konnte der Ex-Profi, der es nach einer Achtelfinal-Niederlage in Dubai 2008 gegen Rafael Nadal immerhin auf Platz 154 der Weltrangliste schaffte, aufgrund von Visaproblemen nicht vollumfänglich reisen. Zverev griff und greift temporär auf die deutschen Ex-Profis Tobias Kamke und Mathias Bachinger zurück. Das Vertrautheits-Level des gebürtigen Kasachen Ledovskikh erreichte bisher niemand. Zverev-Brüder lieben die Arbeit mit Statistiken Zwischen 2019 und 2021 wurde Zverev von Roger Federers Agentur Team8 betreut, doch mittlerweile ist es wieder eine Art Familienbusiness. Eine Agentur gibt es nicht. Bruder Mischa und Sergej Bubka junior, Sohn des gleichnamigen ehemaligen Stabhochsprung-Weltrekordlers und heutigen Sportpolitikers, betreuen den besten deutschen Tennisspieler. "Beide sind meine Manager", sagte Zverev. Bubka übernimmt oft die Medienabläufe, Mischa ist Vermittler für deutsche Sponsoren, hat zudem sportliche Aufgaben. "Mischa macht jetzt auch etwas mehr Taktik zusätzlich. Das hat er bereits die letzten Jahre gemacht", sagte Alexander Zverev, der es liebt, tief in Statistiken einzutauchen. Weltklasse-Spieler wie Zverev arbeiten in großem Stil mit Datenanbietern zusammen: Welcher Schlag wird vom Gegner bei welchem Spielstand in welche Richtung gespielt? Diese und weitere Fragen bereitet der Bruder oft am Handy vor. Überliefert ist etwa eine Anekdote des deutschen Profis Daniel Masur, der 2025 beim United Cup kurz vor Matchbeginn für den verletzten Zverev einspringen musste. "Sein Bruder Mischa kam dann zu mir, drückte mir das Handy in die Hand und sagte: 'Da steht alles, was du über den Gegner brauchst'", sagte Masur in seinem Podcast. Außerhalb der Tennisplätze kümmert sich mittlerweile wieder Jez Green um Zverevs Fitness. Green arbeitete zu Hochzeiten mit Andy Murray zusammen und setzte mit seiner Expertise im Alter zwischen 15 und 20 Jahren Zverevs Fitness-Fundament für eine erfolgreiche Tenniskarriere. Dass Zverev trotz seiner 1,98 Meter derart beweglich und spritzig ist und gleichzeitig über enorme Kraft im Rumpf verfügt, ist auch dem Briten zu verdanken. "Der hat mir 77 Spritzen irgendwo reingesteckt" Recht neu im Team ist dagegen Physiotherapeut Timo Schall, der 2026 seit dem Turnier in Rom für Zverevs Erholung und Geschmeidigkeit zuständig ist und temporär auch 2025 mit ihm reiste. Vor Paris machte Zverev seinen zweiten Abstecher nach München. "Ich hatte zwei wunderbare Behandlungen bei Doktor Müller-Wohlfahrt", sagte er vor seinem ersten Match bei den French Open. Der bekannte Mediziner ist für zwei verschiedene Dinge bekannt. Erstens: für seine Fingerkuppen; diese hätten Fähigkeiten, die in der Schulmedizin nicht gelehrt würden. Das behauptet der Mediziner selbst. Muskelverletzungen taste er wie kein zweiter Arzt ab. Zweitens: für seine Injektionen auf Basis von Kälberblut und biologischen Mitteln. Für die wurde Müller-Wohlfahrt laut "FAZ" oft belächelt. Manche hielten die Heilkräfte für Hokuspokus, doch die Behandlungserfolge bei vielen prominenten Sportlern sprechen für ihn. Auch bei Zverev schlugen die Spritzen sofort an. In Australien hatte Zverev gesagt: "Der hat mir 77 Spritzen irgendwo reingesteckt, das hat geholfen." Besonderes Ritual: Mutter führt während der Spiele die Hunde aus Schmerzfrei ist wiederum Zverevs vierbeiniger Begleiter momentan nicht. Zverev, für den die Hunde seiner Familie und nun sein eigener Dackel eine immense Bedeutung darstellen, belastete das. Zverev gab in Paris zu, dass Mishka sich schwer verletzt hatte . "Der Volltrottel ist erst acht Monate alt und versteht nicht, warum er im Golfcart sitzen bleiben soll. Er war angeleint, springt aber während der Fahrt ab und bricht sich vier Knochen und beide Hüften. Ich habe die ganze Nacht im Krankenhaus verbracht und wusste nicht, ob er operiert werden muss oder nicht und ob er jemals wieder laufen kann oder nicht", resümierte er nach eigenen Angaben einen schlimmen Tag während des Turniers in München Mitte April. Zverev genießt außerhalb der Matches und Trainings die Zeit mit der Familie. Die Großmutter passt in der Trainingszeit auf seinen Hund auf und fiebert auf der Tribüne mitunter energisch mit. Die eigenen Nerven schont Mutter Irina, selbst hervorragende Spielerin, während der Spiele ihres Sohnes. Sie führt stattdessen die Hunde aus. Das ist das gängige Ritual seit einem Jahrzehnt. Der beste Freund als Doppelpartner ist immer dabei Eine nicht zu unterschätzende Bedeutung hat zudem der beste Freund Marcelo Melo. Der brasilianische Doppelspezialist gewann mit Zverev 2026 in Acapulco nicht nur den ersten gemeinsamen Doppeltitel auf der Tour. Er gilt als engster Vertrauter auf der Tour, die durchaus einsam sein kann. Die ungewöhnliche Freundschaft – schließlich trennen beide rund 13 Jahre – erklärte der 42-Jährige in einem gemeinsamen ATP-Video. "Wir sind 2015 in Peking Freunde geworden. Das erste Mal, dass wir gesprochen haben, war in der Umkleidekabine. Dann sind wir beide früh in Stockholm angekommen und hatten nichts zu tun, also sind wir in ein Sushi-Restaurant gegangen und haben eine Playstation gekauft." Heute fahren beide nach Saisonende regelmäßig gemeinsam in den Urlaub auf die Malediven. Melo unterstützt Zverev auch hier in Paris. In besagtem Video beschrieb Melo zudem Zverevs Suche nach dem fehlenden Grand-Slam-Titel. "Früher oder später wird es ein Ende geben. Ich wünsche ihm, dass er außerhalb dieses Sports Glück findet. Das ist sehr wichtig. Jetzt weiß er, wie sehr ich ihn einen Grand Slam gewinnen sehen möchte." Zverev sei derjenige, der während und außerhalb der Turniere am meisten trainiert, um zu gewinnen. "Ich denke, dass er und seine Familie es verdienen. Ich bin sicher, dass er es früher oder später schaffen wird. Ich wünsche es mir aus tiefstem Herzen." Die nächsten Tage könnten die wichtigsten in der Karriere von Alexander Zverev werden. Da kann so ein bisschen Idylle am Trainingsplatz mit der gesamten Familie als Ablenkung sicher nicht schaden

