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Nordische Kombination vor Aus: Severin Freund sieht Gefahr für Skispringen

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Nach der Streichung aus dem Olympia-Programm kämpft die Nordische Kombination ums Überleben. Die Folgen könnten auch das Skispringen treffen. Es war ausgerechnet der Hochsommer-Monat Juli, als plötzlich der Wintersport die Sportschlagzeilen bestimmte: Als das Internationale Olympische Komitee (IOC) bekanntgab, dass die Nordische Kombination aus dem Programm für die Olympischen Winterspiele 2030 gestrichen wird, war die Betroffenheit groß. Mit der "NoKo" verliert Olympia eine der traditionsreichsten Sportarten, die seit erstmaliger Austragung der Winterspiele vor über 100 Jahren durchgehend im Programm vertreten waren. Die Angst in der Szene ist groß, denn mit der Streichung aus dem Olympia-Programm geht auch die Streichung vieler Fördermittel einher. Die Nordische Kombination droht auszusterben. "Horror von Planica": Skispringer nach schwerem Sturz im Krankenhaus Große Ankündigung in nächster Woche: Olympiasiegerin vor Karriereende? Die Reaktionen auf das Olympia-Aus der Sportart bewegten sich zwischen Verzweiflung, Wut und Resignation. "Man ist ziemlich, ziemlich hilflos und ich habe auch gemerkt: Ich habe ganz viel gekämpft und man wird so müde vom Kämpfen", sagte etwa die frühere deutsche Gesamtweltcupsiegerin Nathalie Armbruster und schob hinterher: "Irgendwann möchte man nur noch weinen." Olympiasieger Vinzenz Geiger bekundete: "Ich fühle mich live in einem Albtraum oder in einem schlechten Film. Wir wussten, dass eine Gefahr besteht, aber wir hätten nie damit gerechnet, dass es wirklich zum Olympia-Aus kommen würde. Und dann: Bumm. Das war ein Riesenschock." Schon Monate vor der Verkündung am 7. Juli hing eine mögliche Streichung aus dem IOC-Programm wie ein Damoklesschwert über der Sportart. Als wirklich realistisch wurde das Szenario jedoch von vielen nicht eingeschätzt – auch weil die Verantwortlichen des internationalen Skiverbandes (Fis) wohl andere Signale sendeten. Horst Hüttel, Sportdirektor des Deutschen Skiverbands (DSV) sagte etwa: "Die Informationen, die wir von der Fis erhalten hatten, die allein mit dem IOC korrespondierte und in Kontakt stand, gingen in eine andere Richtung." Man müsse "leider feststellen, dass uns seitens der Fis wahrscheinlich nicht immer die Wahrheit gesagt wurde". Auch Skisprung-Olympiasieger Severin Freund , der als Jugendlicher zunächst in der Nordischen Kombination begann, bevor er zum spezialisierten Skispringen wechselte, gehörte zu denjenigen, die nicht so recht an ein Olympia-Aus seiner früheren Sportart glauben wollten. "Ich habe selbst auch lange zu dem naiven Teil gezählt, der sich nicht vorstellen konnte, dass die Nordische Kombination aus dem olympischen Programm fliegt", sagt er im Gespräch mit t-online. Die Entscheidung des IOC habe er deshalb "mit schwerem Herzen" zur Kenntnis genommen. Sportförderung hängt an Olympia Welche Folgen das Olympia-Aus hat, beschreiben die Beteiligten mit drastischen Worten. "Es ist unter dem Strich einfach so, dass die Sportförderung an Olympia hängt", erklärt Freund. "Wenn man nicht mehr olympisch ist, dann gibt es keine Grundlage mehr für Förderung, weil sie darauf basiert, was das Medaillenpotenzial der Sportart bei Olympischen Spielen ist." Genau dieses Schicksal droht die Kombination nun zu ereilen. "Ich sehe da schwarz", sagte Kombinierer-Bundestrainer Eric Frenzel im Interview mit der "Zeit". "Die ersten Gespräche mit Förderern waren negativ." Vor allem in der Nachwuchsarbeit sind die Auswirkungen schon zu spüren. Nach Angaben von DSV-Sportdirektor Hüttel haben bereits jetzt zwei Eliteschulen signalisiert, dass dort keine Nordische Kombination mehr betrieben werden könne. Insgesamt gebe es sieben Internate im Nachwuchsbereich, bei zweien hätten die Länder bereits darüber informiert, dass die Unterstützung bereits zum 1. Januar 2027 wegfallen solle. "Dann bricht ganz viel weg" Nicht nur finanziell fällt dabei Förderung weg. Auch die Forschungsstelle für die Entwicklung von Sportgeräten (FES) und das Institut für Angewandte Trainingswissenschaft (IAT) haben laut Frenzel bereits angekündigt, ihre Arbeit für die Kombinierer schon ab Januar einzustellen. Laut Freund ist die Arbeit dieser Institute aber "immens wichtig" für die Sportler. "Das FES macht extrem viel in der Materialentwicklung. Das IAT deckt den ganzen trainingswissenschaftlichen Bereich und die Leistungsdiagnostik ab", erklärte Freund. "Wenn es da heißt, ihr dürft darauf nicht mehr zugreifen, dann hat man vielleicht noch eine gewisse Zeit Puffer, weil der Wissensstand in der Sportart nicht von heute auf morgen weg ist. Aber man bleibt einfach stehen, und über kurz oder lang wird man verlieren", so Freund weiter. Nachwuchsförderung, Unterstützung der Profis, Erhalt der Sportstätten: Das Streichen der Fördermittel hat zahlreiche Folgen. "Wenn man einmal aus dem Olympiatopf raus ist, dann bricht ganz viel weg. Das kann man sich wie Dominosteine vorstellen, die dann umfallen", sagte Freund. Zwar könnten die großen Bundesverbände die Sportart durch Querfinanzierung noch eine Weile tragen. "Das werden aber nur einige wenige sein, weil das Geld natürlich überall knapp ist und genau überlegt wird, wie man es einsetzt." Freunds Prognose ist düster: "Deshalb muss man ganz klar sagen: Wenn die Nordische Kombination nicht zu den Olympischen Spielen zurückkommt, dann wird diese Sportart sterben." Bundestrainer Frenzel gibt dafür sogar einen recht kurzfristigen Zeitrahmen vor: "Meiner Meinung nach kann diese Sportart nach dem Olympia-Aus ein Jahr überleben, maximal vielleicht zwei Jahre. Danach ist komplett Schicht im Schacht." Der Schaden könnte sich jedoch auch auf das Skispringen ausweiten. DSV-Sportdirektor Hüttel erklärte dazu: "Nicht nur die Förderung der Nordischen Kombination, sondern auch des Skisprungs hängt in vielerlei Hinsicht an öffentlichen Mitteln." Das macht auch Freund Sorgen: "Wenn es um Sportstättenmodernisierung und Sportstättenbau geht, ist es bei der Förderung immer eine wichtige Frage, wie viele Athleten die Schanzen benutzen", erklärt er. "Dann werden uns sicherlich ein paar Kinder wegbrechen" Wenn Kombinierer also wegfallen, fallen damit auch die Chancen auf Förderung. Zwar seien die Schanzen, auf denen auch im Weltcup gesprungen werde, sicher, "aber gerade, wenn es um den Nachwuchs geht, wenn man Zentren hat, die modernisiert werden müssen, wo die Schanze aber nur als Trainingsschanze fungiert, dann wird das sicherlich einen Einfluss haben", so Freund. Auch in der Ausbildung, wo viele Kinder (wie auch Freund) als Kombinierer beginnen, bevor sie sich spezialisieren, dürften Auswirkungen zu spüren sein – positiv wie negativ. "Da kann man eine lange Pro-und-Kontra-Liste machen", sagt Freund. "Natürlich kann man es so sehen, dass ohne die Nordische Kombination mehr Talente für das Skispringen zur Verfügung stehen", so der 38-Jährige. "Auf der anderen Seite kann man genau so sagen, dass eine breite Ausbildung, bei der ein Skispringer auch auf Langlaufskiern aufwächst, förderlich ist." Für ihn sei vor allem entscheidend, dass man, wenn ein Kind gerade erst mit dem Sport beginnt, noch nicht absehen könne, in welcher Sportart eine Karriere möglich sei. Die Kombination sei dabei eine Möglichkeit, zunächst breit auszubilden, bis erkennbar wird, in welchem Bereich eine Spezialisierung lohnenswert ist. "Wenn diese Möglichkeit wegfällt, dann werden uns sicherlich auch ein paar Kinder wegbrechen", so Freunds Sorge. Die Sportart kämpft weiter Aus all diesen Gründen möchten die Kombinierer weiter um ihre Sportart kämpfen. In Frankreich formiert sich aktuell eine Initiative um Olympiasieger Jason Lamy Chappuis und den früheren Weltklasse-Biathleten Martin Fourcade . Sie wollen nach Angaben von DSV-Sportdirektor Hüttel beim französischen Präsidenten Emmanuel Macron um eine Aufnahme der Nordischen Kombination in das olympische Programm 2030 werben. Hintergrund: Frankreich ist 2030 Austragungsort der Spiele. "Der Gastgeber kann drei Disziplinen wählen, eine wäre noch frei. Aber da ist viel Prinzip Hoffnung dabei", erklärte Hüttel. Sollte auch das nicht funktionieren, liegen die Hoffnungen auf einer Wiederaufnahme im Jahr 2034. Die Entscheidung darüber soll laut Hüttel "im vierten Quartal 2027" fallen. Severin Freund bleibt skeptisch Freund ist angesichts der Art und Weise, wie die Kombination aus dem Programm gestrichen wurde, aber skeptisch. "Es wurde gesagt, man schaut sich die Wettkämpfe bei den Olympischen Spielen 2026 an und dann guckt man", erinnert er sich. "Dort wurde von IOC-Präsidentin Kirsty Coventry dann noch mit großer Begeisterung über die Wettkämpfe gesprochen – und dann wurde die Kombination doch aus dem Programm geschmissen." Zwar habe die Kombination nicht die besten Einschaltquoten, aber das sei für andere Wintersportarten auch der Fall. "Viele von den Veränderungen, die das IOC gefordert hat, wie unter anderem die Frauen näher heranzubringen, wurden außerdem umgesetzt", erklärt Freund. "Es hat trotzdem nichts genutzt", beklagt er. Die Sportler sind deshalb zu weiteren Veränderungen bereit. So sollen neue, kurzweiligere Formate eingeführt werden. Diese dürfen nun im Wettkampf eingebracht werden, "ohne sie vorher zu testen", erklärte Hüttel: "Die Sportler sind zu allem bereit. Wenn sie das rettet, dann machen sie das." Freund ist dennoch pessimistisch: "Wenn man schon mal draußen ist, sehe ich die Hürden für eine Rückkehr sehr, sehr hoch", sagte er. "Ich würde mich wahnsinnig freuen, bleibe aber skeptisch."

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