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Porträt Ueli Läderach

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Die Rubrik Porträt ist neu im Stadtschütz. In dieser Rubrik legen wir den Fokus auf Persönlichkeiten und Originale, die unseren Verein ausmachen und bringen sie anderen Mitgliedern näher, die sonst z.B. aufgrund von Zugehörigkeit zu anderen Disziplinen oder Gruppen vielleicht nicht so viel in Kontakt mit ihnen stehen.

Dieses Mal werfen wir einen Blick auf das Leben und Wirken von Ueli Läderach, einem langjährigen Mitglied unseres Vereins und Mitglied des Vorstandes unserer Gesellschaft, der die Dinge in seinem Leben am liebsten „schwarz auf weiss“ sieht.

Teil einer unaufgeregten Realität

Ueli Läderach wurde am 28. 6.1940 in Bern geboren. Er wuchs wohlbehütet in einem Unternehmerhaushalt auf. Die Druckerei seines Vaters, Willy Läderach, lief gut und man erfreute sich der Annehmlichkeiten des Lebens in der Stadt Bern und ihrer einzigartigen Umgebung.
Die Stadtschützen waren im Leben des jungen Ueli Läderach allgegenwärtig. Vater Willy Läderach war Mitglied der Stadtschützen und gehört zudem zu den ehemaligen Präsidenten der Gesellschaft. „Die Stadtschützen gehörten einfach dazu und waren wie eine erweiterte Familie“, berichtet Ueli wie selbstverständlich. Sie waren für den jungen Ueli Teil einer unaufgeregten Realität.
So ist es nicht verwunderlich, dass Ueli bereits als 10jähriger den Schiessbetrieb des Vereins als Warner unterstützte. Und wenn man seinen Erzählungen so folgt, bekommt man fast den Eindruck, dass er sich bereits in diesem jungen Alter in journalistischer Observation übte: „Die Reaktionen der Schützen auf ein gutes oder auch ein schlechtes Resultat hautnah mitzubekommen, empfand ich immer als sehr aufregend. Warner zu sein hat immer viel Freude gemacht (auch wenn es manchmal scheusslich kalt war)“, erzählt er. „Aber das Sackgeld war natürlich auch sehr angenehm“, fügt Ueli lachend hinzu.

„Die jungen Schützen müssen sich zusammentun!“

Nach erfolgreicher Absolvierung mehrerer Jungschützenkurse, im Alter von 20 Jahren, wurde Ueli 1960 Mitglied der Stadtschützen Bern. Dort sollte er – ähnlich wie sein Vater – den Verein unterstützen.
Drei Jahre später übte er bereits das Amt des 3. Standschützenmeisters aus und wurde somit in den Vorstand der Gesellschaft berufen. (Im Vorstand waren damals u. a. OSM, SM für auswärtige Schiessen, 3 Stand-, 5 Feld-, und 2 Pistolen-SM, Jungschützenchef und Munitionsverwalter!)
Vier Jahre später, 1967, war es dann soweit: Auf Initiative von Willi Rutsch, dem Jungschützenleiter (der Jungschützenkurs zählte damals 120 Teilnehmer), blickten die damaligen Schiesslehrer begeistert auf die vielen Aktivitäten und Anlässe der älteren Schützenkameraden und deren Gruppen, welche innerhalb des Vereins existierten wie z. B. die der Gruppe Chutz oder der Gruppe Delli. Schnell war klar: «Die jungen Schützen müssen sich zusammentun!» Aber wo?
Der Ort war schnell gefunden. Und so trafen sich 15 ehemalige Schiesslehrer in der Schützenstube des Restaurants Bürgerhaus an der Neuengasse in Bern, dem damaligen Stammlokal der Stadtschützen. Dieses erste Treffen 1967 war die Geburtsstunde der Gruppe Chindlifrässer, welche heute noch im Verein aktiv ist.
Chindlifrässer, wie auch sonst sollte man eine Gruppe wildentschlossener und hochmotivierter, junger Stadtschützen denn auch schon nennen?!
«Von der Gründung weiss ich eigentlich nicht mehr viel», erzählt Ueli nachdenklich. «Aber unsere Treffen waren immer ein grosses Fest. Das weiss ich sicher!», fügt er verschmitzt hinzu.

1968, nur ein Jahr später, trat Ueli im Rahmen des 150jährigen Jubiläums der Gesellschaft erneut in Erscheinung. Der damals 28jährige war Teil der Gruppe Tung, der historischen Ehrenformation der Stadtschützen, welche ebenfalls heute noch aktiv ist und letztmals, wenn auch in anderer Besetzung, zum 200jährigen Gesellschaftsjubiläum auflief.
Neben all diesen Aktivitäten kam der Schiesssport selbstverständlich nie zu kurz. In seiner aktiven Zeit war Ueli ein guter Schütze, ob mit dem Karabiner oder als Stutzerschütze. Entsprechend gefragt war er auch in seiner aktiven Zeit, wenn es um die Zusammenstellungen von Gruppen für diverse Anlässe ging: „In einem Jahr fehlte der Gruppe Chutz der 5. Schütze für das Jubiläumsschiessen in Röthenbach im Emmental. Mitglieder der Gruppe Chutz, unter anderem Ulrich Meyer, waren der Meinung ich solle mitkommen“, erinnert er sich. „Eigentlich haben wir alle nur aus Spass teilgenommen. Aber am Ende belegte unsere Gruppe den 1. Platz in der Gruppenwertung und ich den 12. Platz in der Rangliste der Einzelwertungen“, führt Ueli aus. „Danach ging es noch in die Beiz“, ergänzt er schmunzelnd. „Die Emmentaler hatten an uns gar nicht so viel Freude wie wir selbst. Und im Nachhinein glaube ich, dass wir ein bisschen laut gewesen sind. Aber es war sehr lustig“, fügt er hinzu.

In Anbetracht seines Engagements erfolgte 1969 der nächste logische Schritt in Uelis Vereinslaufbahn: Ueli wurde 1. Standschützenmeister. Er unterstützte den Verein in dieser Funktion weiter drei Jahre bis einschliesslich 1972. 1973 übernahm er das Amt des 2. Kassierers. Pflichtenheft: Mitgliederverwaltung, Beitragsinkasso und führen der Schützenkonti für 760 Mitglieder, nota bene ohne EDV. Er war zu diesem Zeitpunkt bereits 10 Jahre Mitglied des Vorstandes der Gesellschaft und sollte dies auch noch viele weitere Jahre bleiben.

«Der Läderach von Bern!»

Aufgrund seiner beruflichen Vorkenntnisse im Druckwesen diente Ueli (der ehemalige Füsilier-Wachtmeister) ab 1976 der Schweizer Armee im Armeestab, Abteilung Presse und Funk. Dieser gehörte er bis einschliesslich 1990 an und hatte hier den Grad als Dienstführer inne. «Das war schon eine bunte Truppe» berichtet Ueli schmunzelnd. «Die von der Zeitung, das waren die Bodenständigen. Die vom Radio waren eine andere Kategorie, aber sehr angenehme Leute. Ja, und dann waren da noch die vom Fernsehen …. die waren … speziell … », erinnert sich Ueli. «Bei meiner ersten Einberufung trafen wir uns in Brienz in der Jugendherberge» berichtet er. «Als ich ankam, sah ich einen dieser amerikanischen Kombis, die an den Seiten mit Holz verziert waren. Er war nicht zu übersehen, hatte er doch halb auf dem Trottoir parkiert. Ich kam gerade so mit meiner Ausrüstung daran vorbei», erzählt er verärgert. «Drinnen angekommen, belegte ich den ersten freien Platz den ich vorfand. Als ich gerade meinen Platz eingenommen hatte, beobachtete ich durch das Fenster hindurch wie eine Frau mit Kinderwagen verzweifelt versuchte an dem amerikanischen Kombi vorbeizukommen. «Wer hat da so blöd parkiert?», fragte ich meinen Tischnachbarn aufgebracht. Sichtlich brüskiert erwiderte dieser meine Frage mit einer Gegenfrage: «Was bist du für einer?» «Der Läderach von Bern!», antwortete ich angriffslustig «Und du!?», fügte ich hinzu. Darauf begann am gesamten Tisch schallendes Gelächter. Denn mein Tischnachbar war kein geringerer als Kurt Felix und das Auto gehörte ihm. Ich hatte mich wohl zu den Kameraden vom Fernsehen gesetzt», schlussfolgert Ueli lachend.

Zwei Jahre später, 1978, war es an der Zeit mehr Verantwortung im elterlichen Betrieb zu übernehmen (nachdem das Nachfolgeproblem gelöst war). Ueli übernahm die Druckerei, die einst sein Grossvater gegründet hatte. Beruf und Familie waren jedoch ab sofort nur schwer mit den Anforderungen eines regelmässigen Schiesstrainings in Einklang zu bringen. Die gewohnten Erfolge blieben somit aus. Und so verkaufte Ueli schweren Herzens 1978 seinen Stutzer und schränkte damit seine aktive Schützenlaufbahn stark ein.

Dem Verein blieb Ueli selbstverständlich weiterhin treu. Auch bei seiner dreimaligen Teilnahme am polysportiven Exkurs der Gruppe Chindlifrässer, den vom Kameraden Ueli Benz organisierten Eishockey-Matches gegen den EHC Niederhasli. Und das obwohl er – gemäss eigener Aussage – auf dem Eis nicht ganz so talentiert war wie beim Schiessen. «Bremsen nur an der Bande, Kurven nur gegen links, Spielerwechsel zum Teil mit einem Hechtsprung über die Bande. Sah ziemlich spektakulär aus!», lacht er. Und dennoch die Gruppe Chindlifrässer gewann 8 der insgesamt 11 Matches gegen den EHC Niederhasli. Chapeau!

Die Anforderungen des beruflichen und des familiären Alltags nahmen unterdes jedoch weiter zu, so dass Ueli 1981 beschloss seine Aktivität im Vereinsvorstand zu beenden. Doch wer meint, dass Uelis aktive Vereinstätigkeit hier endet, der irrt.

„Der Vater des Stadtschütz“

Wusstet ihr, liebe Kameradinnen und Kameraden, dass unser Vereinsorgan „Der Stadtschütz“ seit 3 Generationen im Hause Läderach gedruckt wird? «Das ist schon seit Menschengedenken so…» scherzt Ueli nüchtern. Und da ist sie wieder, die unaufgeregte Realität.

Es ist daher nicht verwunderlich, dass Ueli auf Bitten keines geringeren als Oscar Kräuliger, im Jahr 2007 wieder aktiv in das Vereinsgeschehen einstieg. Oscar Kräuliger, der damalige Redaktor, fand keinen Nachfolger für sein Amt, worauf sich Ueli mehr oder weniger spontan dazu bereit erklärte.

14 Jahre später, Ende 2020, wandte sich Ueli mit den folgenden Zeilen an unseren Präsidenten: «Nachdem ich nun 80 Lebensjahre – wovon 33 im Stadtschützen-Vorstand – hinter mir habe, bin ich doch etwas amtsmüde geworden.»

Und was machte Ueli in seiner freien Zeit? Der Sport- und Naturfan, der sich bis in jüngere Vergangenheit noch regelmässigem Jogging, alljährlichen Ski- und Hochtouren oder dem Rennvelo bzw. seinem Mountainbike widmete, möchte es nun ein wenig ruhiger angehen lassen. «2007 habe ich das Rudern für mich entdeckt. Zwischen 2010 und 2019 habe ich auch als Einsteiger-Instruktor gewirkt. Das mache ich jetzt allerdings nicht mehr», berichtet der 80jährige. «Doch auf dem Wasser zu sein und die Natur zu geniessen fasziniert jedes Mal aufs Neue. So rudere ich 2 bis 3 Mal pro Woche auf dem Wohlensee. Das möchte ich beibehalten, so lange bis ich nicht mehr laufen kann» lächelt er.

Danke Ueli. Für Alles.

 

 

30.05.2021 / Victor Maeder

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