(K)ein Jungschützenkurs in Zeiten von Corona
Im 2020 waren wir optimal aufgestellt. Der Theorietag in der 10m Anlage in der WKS Bern startete, nicht wie andere Jahre, mit dem vollzähligen Erscheinen aller Jungschützen. Anders als im 2019 hatten wir in diesem Jahr viele Neuanmeldungen. Alle waren Topmotiviert und hörten den Leitern gespannt zu was sie erwarten würde. Natürlich war der Tag nicht nur trockene Theorie, sondern auch mit praktischen Teilen gespickt. Das Gewehr zerlegen und der Stellungsaufbau war so faszinierend für die neuen Teilnehmer, dass nach Kursschluss kaum an Feierabend zu denken war. Viele wollten noch dieses oder jenes ausprobieren oder inspizieren. Bei so viel Tatendrang waren wir Leiter hochmotiviert und freuten uns mit den Nachwuchsschützen in die Praxis zu starten.
Etwas ungewöhnlich sollte dieses Jahr ja werden, denn anders als andere Jahre sollte der Kurs zumindest bis im Sommer in der Bitmatt stattfinden. Am 29. Februar konnte ein super erster Praxistag stattfinden. Auch wenn es etwas windig war, waren die Schützen sehr motiviert und gespannt was auf sie zukommen würde. Es hat allen sichtlich spass gemacht, auch wenn die Resultate noch etwas durchzogen waren. Doch bereits hier hat sich das eine oder andere Talent welches zum ersten Mal hinter einem Gewehr lag abgezeichnet. Was keiner wissen sollte war, dass nach der Gewehrreinigung an diesem Nachmittag eine lange Pause folgen sollte.
Der nächste Programmpunkt auf dem Jungschützenplan war das Erinnerungsschiessen in Burgdorf. Zusammen mit den beiden Leitern hatten wir sogar 2 Gruppen gestellt. Doch dieses Schiessen fiel Corona zum Opfer. Noch waren die Jugendlichen motiviert und wir nahmen an, dass es sich nur um eine kurze Pause handeln sollte. Den Kurstag vom 14. März sagten wir dann schliesslich von uns aus ab, da wir dachten «je eher wir uns einschränken desto eher können wir wieder unserem Hobby frönen» doch dann kam der Lockdown.
Die Spinnweben machten sich zwischen den Gewehren breit, der Schiessstand Riedbach ging wieder auf und endlich lockerte der Bund die Massnahmen. Aaaber…. Genau, jetzt kommt das grosse ABER. Der Schiessstand Riedbach hatte Sommerpause, losgehen konnte es also erst ab August. Auch wenn wir vom Bund die Möglichkeit bekamen den Kurs nicht bis zu 31. August 2020 sondern bis zum 30. September machen zu können, so sahen wir doch schwarz wie wir die noch offenen Kurstage durchbringen sollten. Und so änderten wir unser Konzept. Wir machten die Teilnahme freiwillig, es sollte keine separaten JS Tage mehr geben, sondern wir schossen an den regulären Übungstagen der Stadtschützen und es wurde ohne Druck geschossen was wir noch durchbrachten.
Die Folge davon? Kein Jungschütze hat es geschafft alle Kurstage zu schiessen und das Blatt voll zu bekommen. Wer jetzt aber denkt, dass wir versagt haben, der irrt sich… Denn was war noch die Folge? Ohne Druck und dadurch das wir das Schiessen ohne durchzwingen des Programmes möglich machten hatten wir nur zufriedene Gesichter. Alle Jungschützen aus 2020 welche Altershalber im 2021 wieder teilnehmen dürfen haben sich ausnahmslos angemeldet. Das freut uns als Leiter natürlich besonders.
Doch der Reihe nach. Nach dem erneuten Einstellen des Schiessbetriebes Ende Oktober und den strikten Auflagen des Bundes, dass sich lediglich noch 10 Personen unter Auflagen versammeln dürfen, war natürlich eine neue Herausforderung entstanden. Die Gewehre mussten ja noch gereinigt und retourniert werden. Was sonst in grosser Runde mit einem gemütlichen Fondue gesponsert vom EVK passiert, musste neu erfunden werden. Schliesslich wurde ja auch der Schiessstand Riedbach per sofort in den Winterschlaf versetzt. Das Datum wurde bereits vor einem Jahr auf den 7. November festgelegt. Wir wollten das durchziehen. Also schnell ein neues Konzept, ein neuer Ort und neue Gruppen finden. Zum Glück haben wir dieses Jahr so flexible Kursteilnehmer. So teilten wir die Jungschützen in Kleinstgruppen von 5 Teilnehmern auf und verlegten das Gewehrputzen in unseren Garten nach Münchenbuchsee.
So kam es, dass an einem kühlen und etwas nebligen Samstag die Jungschützen immer zu fünft mit Masken und Putzzeug ausgerüstet das Material bei uns im Garten putzten, während die Nachbaren mit der Gartenarbeit beschäftigt waren. Auch wenn wir die Anwesenheitszeit von allen Kleingruppen auf je eine Stunde begrenzen mussten, köchelte auf einem Feuer etwas Glühwein, es standen Punsch, Mandarindli und etwas Süsses bereit damit es doch ein kleines Bisschen Gemütlichkeit hatte. Unsere Jungschützin Nina überraschte uns sogar mit einem selbst gebackenen Cake. Vielen Dank an dieser Stelle!
Ja es war eine Herausforderung im 2020. Auch die Gewehrabgabe mit dem Zusammentragen des Materials von Jungschützen welche sich wenige Tage vor der Abgabe in Quarantäne oder Isolation begeben mussten gab zu organisieren. Nichts war sicher und planbar, alles konnte sich Schlag auf Schlag wieder ändern und doch nehmen wir einiges aus diesem speziellen Jahr mit.
Keiner unserer Kursteilnehmer wurde ernsthaft krank, alle waren topmotiviert und sehr flexibel, wir haben viele neue interessierte Schützen gewonnen und es hat trotz allem Spass gemacht. Nun freuen wir uns auf ein hoffentlich besseres Schützenjahr im 2021. Vielen Dank an die Flexibiltät der Jungschützen und an mein Leiterteam!
Daniela Kirchen
Chef Nachwuchs
11.12.2020 / Victor Maeder

