Das war London 2026
Masters go London
Wenn einem die Rallye Paris-Dakar öde erscheint … , äh nein, ich fang anders an.
Der Masters Regattakalender hatte in den letzten Jahren eine gewisse Konstanz, um es freundlich auszudrücken. Da kam es Ende vergangenen Jahres vielen recht, dass Jens von seinen alten Mindener Kollegen erzählte, die jedes Jahr am HEAD OF THE RIVER RACE in London teilnehmen und er dann fast nebenbei bemerkte, dass man uns wohl mitnehmen würde und wir nichts neu organisieren müssten. Einige von uns kannten das Rennen aus lange zurückliegenden Teilnahmen, als man noch nicht Master war. Die ‚Alten Herren‘ damals hießen noch nicht Master und machten so was nicht.
Ein besonderer Reiz lag diesmal auch darin, dass es eine Jubiläumsregatta war. Im Jahr 1926 wurde das Rennen erstmalig ausgetragen. Aber würde sich ein Achter finden für so ein nicht ganz billiges Ereignis, wo doch einigen die alljährliche Amsterdam Regatta schon zu teuer ist? Zu zögerlich gedacht. WUMM! Auf der Mannschaftsversammlung im Dezember meldeten sich Teilnehmer für 2 Achter.
Carsten, studierter Trainer, übernahm die sportliche Leitung. Wir haben unter seiner Anleitung trainiert wie noch nie als Master. Es war zu erwarten, dass die Gruppe bröckelt. Die Firma, der Meniskus, oder doch keine Lust. Wir hatten regelrecht Angst davor, dass wir im Februar noch 2-3 Leute aussortieren müssen. Aber es kam so, dass wir am Ende tatsächlich genau 8 Ruderer und ein freiwilliger Ersatzmann waren. UND: Unsere beiden besten Steuerfrauen Hannah und Emma waren beide dabei, welch ein Luxus.
So begaben sich Michael, Willi, Marco, Jens und Chris am Donnerstag vor der Regatta zu Herrn O’Learys Boing auf dem Bremer Flughafen. Carsten mit Familie war schon länger dort, ebenso die Steuerfrauen. Heiner brauchte noch den Extrakick und war bereits um 6 Uhr in die Nordwestbahn gestiegen und fuhr über Bremen, Köln und Brüssel nach London, wo er pünktlich zum Treff im Hardrockcafé erschien.
Der Freitag war schnell vorbei mit Aufriggern, ausgiebiger Probefahrt und etwas Tourismus. Schon da waren wir nicht die Einzigen. Auf dem Weg zum Abendessen in der Dunkelheit sahen wir noch einen gut beleuchteten Cambridge Achter mit Trainerboot auf der Themse.
Der Samstag war für uns der Tag der Regatta. Der Masters Head findet zwar am Sonntag statt, wir wollten uns aber mit den jungen Leuten auf dem eigentlichen Head messen. Allein zu Wasser zu gehen war schon ein Abenteuer. Dass es nirgendwo Anleger gibt, war uns klar und darauf waren wir vorbereitet. Beeindruckend war aber die Masse an Booten, man sah kaum noch Wasser. 375 Mannschaften waren zugelassen worden. Jetzt begann für Steuerfrau Emma harte Arbeit, die sie perfekt meisterte. Wir ruderten also im Pulk gegen die heftige Strömung zum Start, meist ‚stop and row‘. Emma behielt die Nerven und wir erreichten nach einer gefühlten Ewigkeit in der Kälte den Start, wo wir nach Kommando des Marshalls den Bug in die Strömung drehten und Richtung Start ruderten.
Dann ging alles ganz schnell. 6,8 km bei Schlagzahl 28-30 und der Strömung sowie teilweise Rückenwind sind im Nu vorbei. Etwas Zahnrad mussten wir dann doch noch haben, aber alles blieb im Stück. Es war gut gelaufen, das Training hatte sich gelohnt. Dennoch landeten wir mit unseren 22:24 ganz hinten auf Platz 351. Eigentlich hatten wir uns näher an den 22 min gesehen. Das ist unsere Aufgabe für das nächste Jahr. Vielleicht machen wir es uns ja auch einfacher und fahren auf dem Masters Head am Sonntag. Da kommt man schnell ins Mittelfeld. Darüber wird es dann aber auch wieder eng.
Dennoch, ein gutes Rennen gefahren mit guter Konstanz bis ins Ziel und überhaupt die Teilnahme an diesem Superevent des Rudersports haben uns begeistert. Das abendliche ‚after row‘ in den Clubhäusern tat ein Übriges. Es sieht so aus, als würden wir das in 12 Monaten wieder brauchen.
Text: Heiner Gratenau
Photographie: Julia Reinking

