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Real Madrid feiert 124. Geburtstag – warum der Mythos schon lange bröckelt

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Real Madrid hat in den letzten Jahren einiges vom sportlichen Glanz verloren – Foto: Michael Reaves/Getty Images

Gründung am 6. März 1902

Real Madrid darf mal wieder etwas feiern. Zwar befinden sich die Fußballer auf Kurs, das zweite titellose Jahr in Folge abzuschließen (das gab es zuletzt 2005 und 2006) und auch sonst haben die ersten drei Abteilungen die letzten acht Endspiele verloren, aber über eine kleine Sache kann man sich dann doch mal freuen: den Geburtstag. Denn Real Madrid wird an diesem Freitag stolze 124 Jahre alt!

Gegründet am 6. März 1902 als Madrid Foot Ball Club, kann der jetzige Real Madrid Clúb de Fútbol seinen Ehrentag sogar selbst erfolgreich gestalten – denn am Abend gastieren die Blancos bei Celta in Vigo. Und dann kann der spanische Rekordmeister auch dafür sorgen, dass der Traum von der 37. Meisterschaft doch noch irgendwie weiter lebt.

Real Madrids Mythos bröckelt seit Jahren

Und doch scheint es für viele Fans sowohl um die kurzfristige als auch die langfristige Zukunft eher düster auszusehen rund um einen Klub, der eigentlich noch ein CDB ist, also als Club Deportivo Básico den Fans, genauer den über 95.000 Socios (Mitgliedern), gehört. Aber demokratisch geht es rund um Florentino Pérez und Co. schon länger kaum noch zu, stattdessen stellt die königliche Führungsetage weiter die Weichen, den Klub teilweise in eine SAD, also eine Sport-Aktiengesellschaft umzuwandeln, oder zumindest Teile davon nach und nach auszugliedern. Noch ist Real Madrid aber einer von vier echten Vereinen in LaLiga – wenn auch nur auf dem Papier. Und das ist nur ein Teil der institutionellen Krise, in der Socios wie Fans immer wieder Punkte kritisieren. Dazu gehören auch die auf über 1,3 Milliarden Euro explodierten Stadion-Umbaukosten, bei denen immer noch nicht alles umgesetzt oder geklärt ist (Skybar, Konzerte, Videomapping), oder dass es Pérez und Co. ihren Kritikern oder generell oppositionellen Gruppierungen immer schwieriger machen, gehört zu werden und auch so die letzten drei Präsidentschafts-„Wahlen“ konkurrenzlos an Pérez gingen. Dazu kommen „romantische“ Details, wie dass Real Madrids ursprüngliche Hymne nicht mehr nach Abpfiff gespielt wird, oder dass Castilla-Spiele nach wie vor nur für Socios statt für die Öffentlichkeit zugänglich sind, oder dass Real Madrid nicht bei der „30 Euro Gästeblock“-Abmachung von LaLiga mitmacht oder dass aus Vermarktungsgründen lieber auf ausländische Feiertage und Feste hingewiesen wird, aber eigene Traditionen wie beispielsweise der spanische Nationalfeiertag vergessen werdem (spanische Flaggen sieht man eh nicht mehr, wenn Real spielt), oder auch dass mehr und mehr das Estadio Santiago Bernabéu namentlich nur noch zum Bernabéu werden soll. Und zu alledem kommt eben die sportliche Krise mit scheinbar zu naiven Kaderplanern, nicht modernen Ärzten und Methoden (17 Kreuzbandrisse in den letzten drei Jahren bei Herren, Frauen und Jugend), zu mächtigen Spielern, die geschützt werden (und so unter anderem keine Interviews geben müssen nach Patzer in LaLiga) und zu wenig kritischen respektive ehrlichen Trainern und anderen Verantwortlichen – von einem fehlenden Sportdirektor ganz zu schweigen. Der Klub wirkt immer abgehobener, intransparenter, so wird auch nicht mehr jede Verletzung geschweigedenn jede Vertragsverlängerung klar mitgeteilt, stattdessen liefert man sich einerseits öffentliche Schlachten mit Verbänden (RFEF, LaLiga, UEFA, Ballon d’Or…) und Verantwortlichen (teils zurecht), nur um schlussendlich scheinbar den größten Konkurrenten – den FC Barcelona – wieder mit stark gemacht zu haben, auch aufgrund angeblicher Unterstützung bei Joan Laportas Rückkehr. Anders formuliert: Madridistas haben seit Jahren sehr viel zu kritisieren an Florentino Pérez, José Ángel Sánchez, Juni Calafat und Co. – von der generellen Führung des Klubs über kleinere, in der Öffentlichkeit kaum bemerkbare Details bis zur sportlichen Entwicklung. Und von den jährlich steigenden Ticketpreisen (sofern man im sowohl veralteten Verfahren als auch technisch veralteten Shop einen Platz auswählen kann) trotz eines seit dem Umbau noch nie zu 100 Prozent voll besuchten Stadions ganz zu schweigen – Vermarktung und Kapitalismus sind die Themen, weswegen es scheint, als wären regelmäßige NFL-Spiele wichtiger als sportliche Titel – ein Platz im Kalender und Bernabéu für die eins traditionelle Trofeo Bernabéu scheint ohnehin nicht mehr möglich, auch Reals Basketballer und Frauen müssen weiter warten, um mal im Bernabéu auflaufen zu dürfen –, oder als würde die auch im zweiten Jahr geschehene Extrarunde in Form der Champions-League-Playoffs gar nicht so ungelegen gekommen. Hauptsache noch ein Heimspiel, um den Rekordumsatz von 1,1 Milliarden Euro erneut zu übertreffen.

Ohne VIP-Einnahmen und Ärmelsponsor geht es im heutigen Profifußball nicht mehr, speziell wenn man irgendwie noch mit der Weltelite aus der Premier League mithalten will – zumindest aus Gehaltssicht –, und doch scheint Real Madrid 124 Jahre nach seiner Gründung weit, sehr weit von dem entfernt, was es mal war: elf Mannen, die nur Fußball spielen wollten. Oder auch ein „Caballero del honor, (…) cuando pierde da la mano”, also ein Ehrenmann, der die Hand gibt, wenn er verliert – selbst diese Zeile aus der eben nicht mehr gespielten Hymne von 1952 scheint nicht mehr zu gelten, wenn man sich das Verhalten von Klub, aber auch erster Mannschaft hier und da ansieht. Der 124 Jahre alte Mythos, er bröckelt, und das nicht nur aufgrund des mittlerweile 443 Tage alten letzten Titelerfolgs.

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