Zu inkonstant, zu instabil: Arbeloas Real noch nicht titelreif?
Zwei Schritte nach vorne, einer zurück
Real Madrids Niederlage bei Osasuna (1:2) war zwar die erste Liga-Pleite der Königlichen seit dem 7. Dezember – zwischen dem 0:2 im Heimspiel gegen Celta und dem Gastauftritt in Pamplona lagen acht aufeinanderfolgende Dreier in der Primera División – doch realistisch betrachtet war ein Patzer nur eine Frage der Zeit. Zwischendurch fragten sich nicht wenige Beobachter, wie es bei allen Problemen und Umwälzungen, von denen der Hauptstadtklub schon seit dem vergangenen Herbst umgeben ist, überhaupt möglich ist, dass die Blancos immer noch realistische Titelchancen haben. Vor einer Woche übernahm das Team von Álvaro Arbeloa nach dem zweiten Patzer des FC Barcelona sogar erstmals seit dem November sogar wieder die Tabellenführung.
Ein genauer Blick auf die Leistungen und Ergebnisse des Rekordmeisters in den letzten Wochen verrät jedoch, dass die Wettbewerbsfähigkeit in der nationalen Meisterschaft durchaus auf wackeligen Füßen steht. Zu inkonstant sind Kylian Mbappé und Co. in ihren Auftritten, ebenso die Ergebnisse – zumindest wettbewerbsübergreifend. In Arbeloas noch kurzer Amtszeit wechseln sich solide und schwache Leistungen regelmäßig ab, nur selten schieben die Blancos den einen oder anderen überzeugenden Auftritt hin. Dem desaströsen Debüt Arbeloas in Albacete (2:3) folgten der glanzlose Sieg gegen Levante (2:0) die CL-Gala gegen Monaco (6:1) und der Arbeitssieg in Villarreal (2:0), und als man sich dann auf einem guten Weg wähnte, verspielte man mit dem Fiasko bei Benfica (2:4) die sicher geglaubte Platzierung unter den besten acht Teams der CL-Ligaphase und die direkte Qualifikation ins Achtelfinale. Danach landete Real zwar vier Siege in Folge, drei davon in LaLiga, doch wirklich überzeugen konnte das Team nur gegen Real Sociedad (4:0), während die Dreier gegen Rayo Vallecano (2:1) und in Valencia (2:0) eher von der Sorte „irgendwie gewonnen“ waren. Und nun der nächste Rückschlag in Pamplona.
Barcelonas Schwäche nicht genutzt
Zwar konnte Real sich durch die zwischenzeitliche Siegesserie in der heimischen Liga erst lange an Barcelona halten, um nach dem Patzer der Katalanen in San Sebastián noch näher an den ersten Tabellenplatz heranzurücken, doch die perfekte Vorlage, die der amtierende Meister den Blancos mit der unerwarteten Niederlage in Girona am vergangenen Montag geliefert hatte, warfen die Madrilenen zu leichtfertig weg. Mit dem zu erwartenden Heimsieg gegen Abstiegskandidat Levante am Sonntagnachmittag, wird der Erzrivale voraussichtlich nach nur sechs Tagen erneut die Tabellenspitze erklimmen. Und angesichts des Musters, nach dem das Team von Hansi Flick seit dessen Amtsübernahme in LaLiga auftritt, wird sich Real eine solche Möglichkeit nicht mehr so schnell anbieten.
Sowohl in der vergangenen als auch in der laufenden Spielzeit hatte der FC Barcelona zwar immer wieder kleinere Schwächephasen mit dazugehörigen Patzern, denen dann aber in der Regel sehr lange Siegesserien folgen. So schleppte sich der Meister im Sommer in die Saison, um dann im Herbst innerhalb kurzer Zeit in Sevilla (1:4) und im Estadio Santiago Bernabéu (1:2) zu verlieren. Nach der Clásico-Pleite holte das Flick-Team dann aber aus den darauffolgenden neun Liga-Partien die maximale Punkteausbeute. Seit dem Jahreswechsel leistete sich Barcelona bei Real Sociedad und in Girona bereits die zwei obligatorischen Patzer – es wäre nicht überraschend, wenn nun die nächste Dreierserie der Katalanen folgen würde.
Restprogramm ähnlich, Barcelona trotzdem im Vorteil
Wenn man sich den restlichen Spielplan der beiden Titelkandidaten anschaut, so gibt es auf den ersten Blick durchaus Ähnlichkeiten und es ist nicht einfach, diesbezüglich einen Vorteil für den einen oder den anderen Klub auszumachen. So müssen beide noch gegen Atlético Madrid ran, Barcelona sogar auswärts, während das zweite Madrid-Derby im Bernabéu stattfinden wird. Bedenkt man jedoch, wie schwer sich einerseits Real Madrid gegen den Stadtrivalen traditionell und ortsunabhängig tut, und die Katalanen auf anderen Seite seit Jahren in Ligaduellen keine großen Probleme mit Atlético haben, ist ein wirklicher Vorteil für die Blancos in dieser Hinsicht nicht zu erkennen.
Neben dem direkten Duell im Clásico (um den 10. Mai), der diesmal in Barcelona stattfinden wird, warten auf die Blaugrana mit den Gastauftritten in Pamplona und Getafe bei realistischer Einschätzung noch zwei potenzielle Minenfelder. Real hingegen muss noch vor allem Auswärts mehrfach mit Ausrutschgefahr rechnen: Bei Celta, in Mallorca, bei Betis, Espanyol und dem FC Sevilla sind Siege für die Blancos alles andere als eine Selbstverständlichkeit, ob aufgrund aktueller Form oder aus der Tradition der letzten Jahre heraus. Dabei könnte jeder Patzer fast schon vorentscheidenden Charakter haben, denn sollte Real Madrid mit mehr als drei Zählern Rückstand in den Clásico gehen, wird es mit der Meisterschaft objektiv enorm schwer für die Königlichen werden. Nicht zuletzt hat Barcelona durch das Heimrecht im direkten Duell ohnehin einen großen Vorteil gegenüber dem Rivalen.
Real muss nächste Serie starten
Allein schon deshalb muss Real Madrid nach dem unnötigen Patzer in Pamplona unmittelbar eine neue Dreier-Serie hinlegen, will man sich nicht vorzeitig aus dem Titelrennen verabschieden. Wenn man die Hinrunde als Maßstab nimmt, stehen die Chancen dafür nicht gerade gut. Ähnlich wie seit Jahresbeginn legten die Blancos auch im Sommer einen sehr guten Start hin, der – abgesehen von der Derby-Pleite bei Atlético (2:5) – bis Anfang November anhielt. Doch dann folgte ein schlechter Auftritt nach dem anderen, begleitet von noch schlechteren Ergebnissen, mit dem Resultat, dass aus einem Fünf-Punkte-Vorsprung auf den FC Barcelona innerhalb weniger Wochen ein Defizit von vier Zählern aus Real-Sicht entstanden war.
Im schlimmsten Fall müssen die Blancos ab Sonntagnachmittag zwar nur einem minimalen Rückstand hinterher rennen, sodass nicht einmal ansatzweise von einer Vorentscheidung im Titelkampf die Rede sein kann. Doch gleichzeitig vermittelt der Rekordmeister keinen gefestigten und stabilen Eindruck, es fehlt Konstanz in allen Belangen und somit auch der endgültige Glaube, dass es am Ende für den 37. Ligatitel reichen wird. An Arbeloa und seinem Team ist es nun, diese Einschätzung zu widerlegen. Wenngleich nicht wahrscheinlich, möglich ist es jedoch allemal.
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