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Organisation der Fußball-WM in Katar: Das System hat Lücken

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Organisation der Fußball-WM in Katar: Das System hat Lücken

Damit bei der WM alles gut läuft, hat Katar viel Geld investiert. Doch nach fast einer Woche mit Hunderttausenden Fans im Land sind ein paar Schwächen zu erkennen.Guten Morgen aus Doha,wenn in der Qatar Stars League, dem katarischen Pendant zur deutschen Bundesliga, ein Spiel angepfiffen wird, sind auf den Rängen oft nur wenige Hundert Fans zu sehen. Hohe vierstellige Zahlen sind eine seltene Ausnahme. Bei der diesjährigen WM müssen die Sicherheitskräfte mit einem Vielfachen davon umgehen. Beim Duell von Argentinien gegen Saudi-Arabien waren laut Fifa-Angaben über 88.000 Fans anwesend. Insgesamt werden 1,2 Millionen Fans erwartet. Ein Ansturm, den Katar nicht kennt.Der Golfstaat nahm deshalb viele Milliarden in die Hand. Katar ließ ein U-Bahn-System mit drei Linien und 37 Stationen bauen. Die Planstadt Lusail bekam gleich noch ein Straßenbahn-System mit vier Linien und 25 Stationen. Und auch am Straßennetz wurde einiges verändert. Ein Taxifahrer berichtete mir die Tage, dass er 2006 nach Katar gekommen sei. Die in beiden Richtungen fünfspurige Straße, auf der wir uns befanden, sei damals einspurig gewesen. Und die riesige Kreuzung, an der wir wegen einer roten Ampel warten mussten, war ein Kreisverkehr.An den U-Bahn-, Bus- und Tram-Stationen sowie an den Stadien warten alle zwei Meter Helfer von Fifa und Katar. Es gibt "Marshalls" in gelben Westen, Mitglieder des "Event Teams" in blauen Jacken und Volunteers in mintgrün-violetten Oberteilen. Vor allem die Marshalls und Event-Team-Mitglieder haben dabei meist eine simple Aufgabe.Mit einem übergroßen Schaumstofffinger, einem Megafon oder einem Leuchtstab bewaffnet, zeigen sie in eine Richtung und rufen dabei "Metro", "Stadium" oder "Exit". Wer also die U-Bahn, das Stadion oder den Ausgang sucht, kann sich nicht verlaufen. Auch beim Fan Fest der Fifa an Dohas Promenade gibt es überall Mitarbeiter, die fleißig nach links oder rechts winken. Dazu kilometerlange Absperrungen mit Polizeibewachung. So sollen alle Besucher räumlich unter Kontrolle gehalten werden.Doch das katarische System weist einige Lücken auf. Ich gebe Ihnen drei Beispiele:1. Am Dienstag war ich beim Duell zwischen Polen und Mexiko. Da für die Abreise nach der Partie eine Seite der Eingänge zur U-Bahn-Station gesperrt war, begann der Stau für den offenen Eingang schon weit außerhalb, obwohl die Züge im Zwei-Minuten-Takt fahren. Das führte nicht nur zu extrem langen Wartezeiten, sondern auch dazu, dass sich noch mehr Fans für ein Taxi oder Uber entschieden. Dafür gibt es extra eingerichtete Abholstationen. Doch in die dürfen die Uber-Fahrer teilweise nicht einfahren. Warum? Das weiß ich nicht – und mein Fahrer am Dienstag auch nicht. Er hatte Glück, dass er mal in der Gegend gewohnt habe und sich auskenne, sagte er. Das Problem: Viele Fans stellen sich dann an den nächstmöglichen Ort für ein Uber, die Autobahn. So wird die rechte Spur kurz vor einer Abfahrt blockiert, was für Unmut unter den anwesenden Polizisten sorgt. "Sie hätten mich das organisieren lassen sollen", sagte mein Fahrer. "Ich verstehe nicht, warum du erstmal 30 Minuten bis zur Abholstation laufen musst. Das Stadion liegt doch an einer großen Straße, lass die Taxis doch dort warten und losfahren. Dann geht alles viel schneller."2. Nicht nur in die Stadien wollen viele Menschen, auch zum Fan Fest am Eröffnungstag brachen viele auf. 40.000 passen auf das Gelände an der Promenade "Corniche". Doch am ersten Tag kamen Berichten zufolge doppelt so viele Menschen, was für Chaos sorgte. Die Polizei versuchte, einen großen Teil der Fans wegzuschicken, die waren aber verständlicherweise sauer. "Es war gefährlich", sagte ein Fan, der ein knapp vierjähriges Kind bei sich trug und den Wartebereich verlassen hatte, der Nachrichtenagentur Reuters. "Sie haben zu viele Leute reingelassen. Wir haben es nie in den Hauptbereich geschafft, und ich war froh, als ich gehen konnte."3. "So ein Chaos habe ich in 25 Jahren als Reporter noch nie erlebt", sagte MagentaTV-Reporter Thomas Wagner am Mittwoch. Der Grund: Sein versprochenes Interview mit Bundestrainer Hansi Flick vor dem Spiel gegen Japan war geplatzt. Ein Fifa-Mitarbeiter sagte ihm, dass das Gespräch nicht am Spielfeldrand möglich sei, sondern drinnen. Wagner eilte hin, bekam dort aber keine Kamera zur Verfügung gestellt. "Jetzt stehe ich hier allein", schimpfte er: "35 Leute in Fifa-Anzügen und keiner weiß, was zu tun ist."WM-Anekdote:Das Deutschland-Spiel gegen Japan schaute ich im Medienzentrum Dohas. Um mich herum: US-Amerikaner, Spanier, Briten. Nach dem 1:0 für die deutsche Auswahl wanderte der Fokus der Kollegen weg vom Spiel, doch bei der Schlussphase schauten wieder alle gebannt zu. Die Reaktion beim Abpfiff? Applaus. Den hatten sich die Japaner ihrer Meinung nach verdient.WM-Spiele:11:00 Uhr, Gruppe G: Schweiz gegen Kamerun14:00 Uhr, Gruppe H: Uruguay gegen Südkorea17:00 Uhr, Gruppe H: Portugal gegen Ghana20:00 Uhr, Gruppe G: Brasilien gegen SerbienWeitere Hinweise:Die Gruppe G geht heute an den Start. Das Besondere: Drei Teams der Gruppe spielten bereits bei der WM 2018 gegeneinander. Die Schweiz, Serbien und Brasilien kennen sich aus Russland. Nur Costa Rica wurde durch Kamerun ersetzt.Die WM in Katar hat begonnen. t-online ist mit vor Ort und berichtet über das brisanteste Turnier der Fußballgeschichte. Mit dem WM-Push verpassen Sie keine News mehr. Hier können Sie ihn abonnieren.

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