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Ergebnisse der Junioren- und Kadetten-Wettkampfhöhepunkte

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Nach den positiven Ergebnissen der Junioren- und Kadetten-EM in Novi Sad hieß es für die DFB-Auswahl, sich bei den Weltmeisterschaften vom 2. bis 10. April in Dubai zu behaupten. Nach Abschluss aller Wettbewerbe ist es Zeit, Bilanz zu ziehen, die guten Ergebnisse in einzelnen Waffen zu würdigen und auch die nötigen Weiterentwicklungsbedarfe aufzuzeigen. Wir schauen uns gemeinsam mit DFB-Sportdirektor Sven Ressel die Ergebnisse dieser beiden Wettkampf-Höhepunkte an.

„Für den DFB war es die erfolgreichste Junioren-EM seit Bestehen im Jahr 2007. Mit 5 Medaillen und weiteren Top 8- und Top16-Platzierungen haben wir einen großen Schritt nach vorn im europäischen Vergleich gemacht – und dabei sogar noch potenzielle Medaillen liegen gelassen, die beispielswiese im Herrenflorett im Einzel und auch im Team drin gewesen wären“, stellt Ressel voran.

Junioren-EM Einzelwettbewerbe

Bei der EM konnten die Junioren mit 3 Medaillen und 3 Top-8-Platzierungen aufwarten, dabei wurden sämtliche Einzelergebnisse unter kompletter Beteiligung der russischen Konkurrenz erzielt:

  • Gold holte Säbelfechter Colin Heathcock (Eislingen)
  • Bronze-Medaillen gingen an Felice Herbon (Damensäbel; Dormagen) und Katharina Kozielski (Damendegen; Tauberbischofsheim).
  • Top-8-Platzierungen für Lara Goldmann (Damendegen; Leverkusen), Bastian Kappus (Herrenflorett; Tauberbischofsheim) und Antonio Heathcock (Herrensäbel; Eislingen).

Zudem konnten sich weitere vier Fechterinnen und Fechter in den Top16 platzieren: Laura Katalin Wetzker (Damendegen; Leverkusen), Lena Stemper und Christine Marie Weber (Damensäbel; Künzelsau) sowie Leon Kuzmin (Herrensäbel; Tauberbischofsheim).

Junioren-EM Teamwettbewerbe

Bei der EM konnten die DFB-Teams 2 Medaillen und 3 Top-8-Platzierungen erringen:

  • Gold holte das Herrensäbel-Team mit Colin Heathcock, Antonio Heathcock, Leon Kuzmin und Valentin Meka (Dormagen)
  • Silber ging an das Damendegen-Team mit Katharina Kozielski, Lara Goldmann, Laura Wetzker und Alexandra Zittel (Heidenheim)
  • Top8-Platzierungen gelangen den Herren- und Damenflorett-Teams sowie dem Damensäbel-Team

Die Team-Ergebnisse wurden ohne Beteiligung der russischen Delegation errungen, die sich im laufenden Team-Wettbewerb aus der EM zurückgezogen hatte. Der Rückzug hatte einzig einen positiven Effekt auf die bereits im Halbfinale stehende Damendegen-Mannschaft, die ohne diesen Effekt dennoch mindestens um Bronze gekämpft hätte. „Somit sind die Ergebnisse nicht positiv verzerrend zu betrachten“, erklärt Ressel.

„Für die Junioren sind die Wettbewerbe wegweisend für ihre weitere Entwicklung. Hier blickt der DFB natürlich auf Ergebnisse und Potentiale. Die zum Teil sehr guten Ergebnisse bieten einen ersten Ausblick, in welchen Disziplinen ein guter Übergang in die Senioren-Altersklasse perspektivisch gelingen kann. Bei den Kadetten wiederum stehen Medaillen noch nicht im Vordergrund, auch wenn es großartig ist, wenn diese errungen werden. Das demonstriert ja auch, in welchen Vereinen spitzensportlich betrachtet eine hervorragende Nachwuchsarbeit geleistet wird. Für den DFB liegt bei den Kadetten jedoch der klare Fokus auf der Leistungsermittlung im internationalen Vergleich und das Heranführen an die internationale Wettbewerbsfähigkeit“, erläutert Ressel. „In der Regel starten hier NK2-Athletinnen und -Athleten. Daher ist es wichtig, in dieser Altersklasse zu sichten, DFB-Leistungssportpersonal dafür einzusetzen, um eine leistungssportliche Steuerung frühzeitig zu etablieren und zentrale Lehrgangsmaßnahmen dauerhaft zu realisieren. Die Kadetten-EM war durchschnittlich erfolgreich im Vergleich zu den Vorjahren. Aber hier muss man ganz klar berücksichtigen, dass die Pandemie für diese Altersklasse oft das Vereinstraining verhindert hatte, sodass Entwicklungen unterbrochen wurden oder gar Talente verloren gingen. Das muss jetzt über einen gewissen Zeitraum erst wieder aufgefangen bzw. neu aufgebaut werden“, mahnt der Sportdirektor.

Kadetten-EM Einzelwettbewerbe

Bei der EM konnten die Kadetten mit 2 Medaillen aufwarten:

  • Gold ging erneut an Säbelfechter Colin Heathcock
  • Bronze holte Tiziana Nitschmann (Damensäbel; Künzelsau)
  • Top-8-Platzierungen blieben aus.

Zudem konnten sich weitere 5 Fechterinnen und Fechter in den Top16 platzieren: Veranika Seiffert (Damenflorett; Berlin), Victoria Graudins (Damensäbel; Mainz), Jakob Stange (Herrendegen; Solingen), Niklas Diestelkamp (Herrenflorett; München) und Finn Buchmann (Herrensäbel; Nürnberg).

Kadetten-EM Teamwettbewerbe

Bei der EM gelang den Kadetten-Teams keine Podiumsplatzierung.

  • Top8-Platzierungen erzielte das Herrenflorett-Team sowie die Damen- und Herrensäbel-Teams

„Die EM hat gezeigt, dass wir durchaus mittel- bis langfristig Potenziale in allen Disziplinen haben. Doch dafür müssen wir in Deutschland gemeinsam alles dafür tun, um diese Talente langfristig für den Fechtsport und vor allem für den harten Weg in den Leistungssport zu begeistern. Auch wenn in dieser Altersklasse die finanzielle Unterstützung zentraler Lehrgangsmaßnahmen durch öffentliche Mittel äußerst begrenzt ist, müssen wir gemeinsame Trainingsmaßnahmen möglichst oft realisieren“, sagt Ressel ganz klar.

Und dass dies eben nicht so einfach ist und dabei auch Statistiken und Medaillenspiegel nicht immer die Realität abbilden, zeigte prompt die Junioren- und Kadetten-WM in Dubai.

Junioren-WM Einzelergebnisse

Bei der WM konnten die Junioren 2 Medaillen, davon einen WM-Titel, erzielen.

  • Gold ging erneut an Säbel-Fechter Colin Heathcock
  • Bronze holte Bruder Antonio Heathcock
  • Top8-Platzierungen konnten nicht erreicht werden

Drei Sportler platzierten sich in den Top16: Im Damensäbel konnte sich Felice Herbon nach Bronze bei der EM auch bei der WM am weitesten nach oben kämpfen mit klarem Entwicklungstrend nach oben. Bastian Kappus blieb ebenfalls stabil; er zeigte nach seiner Final-Platzierung bei der EM erneut seine Stärke und wurde bester Deutscher im Herrenflorett – dicht gefolgt von Nils Alexander Fabinger (Moers), der bei der EM noch klar unter seinen Möglichkeiten geblieben war, bei der WM seine gute Form im Einzel aber abrufen konnte.

„Das größte Potential liegt derzeit im Säbelbereich. Die stabilste Leistung auf Spitzenniveau können insbesondere Colin Heathcock, aber auch sein Bruder Antonio derzeit abrufen“, erklärt Ressel. „Beide Jungs haben seit 2019 einen rasanten Leistungssprung gemacht und wir sind froh, dass diese Talente für Deutschland starten. Innerhalb unseres Systems müssen wir es deshalb ermöglichen, individuell auf die Bedürfnisse und persönlichen Anforderungen, wie beispielsweise Schulausbildung und Studium, solcher Ausnahmetalente einzugehen, um langfristig die gemeinsamen Erfolge zu sichern. Wichtig ist zum einen die Einbindung in die Leistungs- und Kaderstrukturen des DFB und zum anderen die kontrollierte Zusammenarbeit mit den Trainerinnen und Trainern im Ausland.
Aber auch im Damensäbel und Herrenflorett konnten wir bei der WM weiterhin den Anschluss halten. Dies war nach den guten Ergebnissen bei der EM leider bei den Degendamen noch nicht reproduzierbar. Das zeigt uns für die Zukunft auf jeden Fall: Potenzial und gute Fechter sind da, jetzt müssen wir noch an der Kontinuität arbeiten“, betont Ressel.

Mentale Stärke weiter ausbauen

Da spielt möglicherweise auch die mentale Stärke zukünftig eine noch wichtigere Rolle: In den Team-Wettbewerben gelang es in keiner Disziplin, in die Top8 vorzustoßen. Tragischtes Beispiel war sicherlich das Herrenflorett-Team: Nach einem 10-Punkte Rückstand gegen Korea konnten sie sich wiedererstarkt herankämpfen, ausgleichen und sogar einen kleinen Vorsprung herausarbeiten. Denkbar knapp verloren sie am Ende im Sudden Death, anderen deutschen Teams ging es zeitweise ähnlich, die letzten Treffer fanden nicht ihr Ziel, die Gegner nutzen kleinste Unsicherheiten vor allem zum Ende hin gnadenlos aus. „Die Leistung und auch die Strategie hat in den allermeisten Fällen gestimmt“, sagt Ressel. „Der knallharte letzte Wille, der Glaube an sich selbst, jetzt die eigene Aktionen zu setzen, der hat vielleicht manchmal gefehlt – daran können wir arbeiten und das kann sicherlich noch einmal einen enormen positiven Impact für jeden Sportler bedeuten, wenn wir diese Punkte von nun an kontinuierlich gemeinsam mit unserem Verbandspsychologen mit einbinden.“

Aktueller Leistungsstand noch schwer zu ermitteln in der Pandemie

Erschwerend kam hinzu, dass die Team-Junioren-Weltranglisten, die die Grundlage zur Setzung der Direktausscheidungen diente, nicht den wahren Leistungsstand widerspiegelten. Aufgrund der Pandemie fanden über zwei Jahre keine Team-Weltcups statt. Somit erhielt die JWM in Kairo 2020 eine hohe Wertigkeit. Bekanntermaßen hatte Deutschland neben weiteren Nationen (einschließlich Italien) diese JWM aufgrund des damaligen Infektionsgeschehens abgesagt. „Daher kam es bereits frühzeitig zu sehr sonderbaren Paarungen. Im Herrensäbel verlor unser mitfavorisiertes Team knapp gegen Italien, die am Ende des Wettkampfes souverän den Titel feiern konnten. Im Herrendegen musste unser Team bereits im 32er Tableau gegen den späteren Weltmeister Ägypten antreten.“

Kadetten-WM Einzelergebnisse

Bei der WM konnten die Kadetten 2 Medaillen erzielen:

  • Silber ging an Säbel-Fechter Colin Heathcock.
  • Ebenfalls Silber holte Ruben Lindner (Tauberbischofsheim) im Herrenflorett
  •  Top8-Platzierungen konnten nicht erreicht werden

Zwei Sportlerinnen platzierten sich in den Top16: Im Damenflorett wurde Lea Zoni (Halle) beste Deutsche, nachdem sie bei den EM in ihrer Altersklasse noch im 64er Tableau scheiterte. Im Damensäbel konnte Lena Stemper (Künzelsau) erneut eine starke Leistung abrufen, nachdem sie bereits bei den Junioren in die Top32 gelangt war und sich bei der Kadetten-EM ebenfalls weit oben im Tableau positionieren konnte.

„Eine Medaille bei den Kadetten für Colin war ja nach seinen herausragenden Leistungen schon fast gesetzt. Einzig der kräfteraubende Kampf um den Junioren-WM-Titel am Vortag führte ihn „nur“ zu Silber. Da bin ich absolut zuversichtlich, dass er schnell den Sprung in die Senioren schafft und sich da auch zügig behaupten wird – trotz seiner erst 16 Jahre. Jedoch müssen wir auch hier behutsam seine leistungssportliche Entwicklung begleiten und nicht sofort alles von Colin erwarten. Er darf auch mal schlechtere Ergebnisse abliefern, ohne dass man direkt besorgt sein muss. Was mich aber besonders gefreut hat war die Silbermedaille von Ruben Lindner: Nach einem guten Platz 17 bei der EM hat er sich hervorragend gesteigert und einen außergewöhnlich starken Wettkampf gezeigt. Der Halbfinalkampf was sensationell gut, er hat viele Aktionen und seine ganze Bandbreite gezeigt und dabei sehr souverän und konzentriert gefochten. Das hat mir sehr gefallen und lässt auch im Florett-Bereich der Kadetten auf eine spannende und erfolgreiche Zukunft blicken“, so Ressel.

„Betrachtet man die nackten Ergebnisse unserer Kadetten, so könnte man zum Schluss kommen, dass unsere Athletinnen und Athleten in der Gänze noch nicht so richtig konkurrenzfähig sind. Steigt man jedoch in die Tiefe der Betrachtungsweise ein, so können wir an vielen Stellen positiv feststellen, dass in dieser Altersklasse sehr wohl viel Entwicklungspotential steckt. Viele Fechter sind fechterisch gut ausgebildet, ihnen fehlt jedoch oftmals noch das taktische und situative Verständnis und – wie bereits mehrfach erwähnt – die mentale Stabilität.“

„Wir werden nunmehr die sportfachlichen Analysen der verantwortlichen Trainer abwarten und uns dann kurzfristig gemeinsam zusammensetzen, um die Ergebnisse noch genauer bewerten zu können und entsprechend der aktuellen individuellen Leistungsstände die fortlaufenden Trainingsinhalte sowie die Trainings- und Wettkampfmaßnahmen anpassen“, erklärt Ressel abschließend.

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