Veränderungen am Bundesstützpunkt in Bonn
Der 36-jährige Sportwissenschaftler Sebastian Weiss kommt eigentlich aus der Leichtathletik. Als Vereins- und zuletzt Bundestrainer für den Mittel- und Langstreckenbereich der Frauen in Leverkusen ist er damit vertraut, Gesamtverantwortung zu übernehmen. Als Bundesstützpunktleiter ist er von nun an hauptsächlich für die sportliche Entwicklung und Administration am Standort Bonn und die Disziplinentwicklung des DFB im Herrenflorett und Damendegen verantwortlich.
Seit September ist Weiss an Bord, hat viel Zeit in eine möglichst umfangreiche Einarbeitung in die komplexen Strukturen investiert. Er sei „kein Fitmacher für schnelle Erfolge“, hat Weiss einmal gesagt, sondern setze auf Geduld und langfristige Planungen. Nicht nur im Leistungssport, sondern auch im Management verfolgt er diese Philosophie. Nach einer ersten Analyse in Bonn und regem Austausch mit seinen Kollegen aus Tauberbischofsheim und Dormagen musste er aber vor allem eins: Fechten! Um die ständige Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen der Hauptgeschäftsstelle nicht nur im Büro zu stärken, ging es für den Fecht-Neuling Weiss auch auf die Bahn. Sportdirektor Sven Ressel ließ es sich nicht nehmen, nach beinahe 20 Jahren den Degen wieder selbst in die Hand zu nehmen, um die erste Lektion zu geben. Beim Team-Building der besonderen Art hatte auch Leistungssportreferent und ehemaliger Spitzenfechter Christoph Kneip wieder Blut geleckt. Am Ende stand auf dem Tableau eine Fuß-Verletzung, ein vorzeitiges Aus wg. Erschöpfung und eine Überlegung zur Teilnahme am nächsten QB-Turnier.
Von OSP-Trainer Richard Junghanns und seinen Florett-Fechtern wurde die Aktion interessiert beobachtet. Auch Benjamin Kleibrink musterte das Treiben – nicht als Sportler, sondern mittlerweile in seiner neuen Funktion als Nachwuchstrainer im Herrenflorett. Der Olympiasieger von 2008 hatte nach der Teilnahme an den Spielen in Tokyo still und leise, wie es seine Art ist, seinen Rücktritt aus dem aktiven Leistungssport vollzogen. Jetzt konnte er am Bonner Bundesstützpunkt als Trainertalent für die kommenden Generationen gewonnen werden. „Ein starkes Symbol, dass er sich für eine Karriere als Trainer entschieden hat und ein großes Glück für uns, dass dem deutschen Fechten ein Ausnahmeathlet wie Benni nun als versierter Trainer erhalten bleibt“, kommentiert Ressel die Entscheidung Kleibrinks. Der lächelt nur in seiner neuen, nun schwarzen, Fechtausrüstung.
Wir sagen an dieser Stelle noch einmal ein herzliches Willkommen an Sebastian und Benjamin, wir freuen uns auf eine gute und hoffentlich lange, fruchtbare und erfolgreiche Zusammenarbeit!

