Mannheimer Reiterpräsident Hofmann: "Der moderne Fünfkampf hat mit Pferdesport nichts zu tun"
Von Roland Kern
Mannheim. Hat der Reitsport ein Tierschutz-, oder auch ein Imageproblem? Dazu hat unsere Redaktion mit Peter Hofmann (71) gesprochen, dem Mannheimer Reiterpräsidenten. Er ist unter anderem auch beim deutschen Reiterverband FN Mitglied im Präsidium und für den Spitzensport zuständig.
Peter Hofmann, haben die Reiter nach den olympischen Spielen ein Imageproblem?
Nein, die Disziplin Reiten im Fünfkampf hat eines, nicht ganz zu Unrecht. In dieser Disziplin gelten andere Maßstäbe als in unserem Pferdesport. In dieser Disziplin werden gemietete und oft nicht dafür trainierte Pferde von quasi fremden Menschen "benutzt", die gar keine geschulten Reiter sind. Der moderne Fünfkampf hat mit Pferdesport nichts zu tun. Dass der Laie hier den Unterschied zu den Reitsportarten nicht erkennt ist zwar verständlich aber ebenso bedauerlich – insgesamt ist es deshalb auch ungerecht, weil es fachlich falsch ist.
Also bei den reitsportlichen Disziplinen Dressur, Springen und Vielseitigkeit läuft alles richtig?
Ich bin der Meinung, dass insbesondere unsere deutschen Reiter in Tokio ausgezeichnete Szenen gezeigt haben, die unsere Einstellung gegenüber dem Pferd als Sportpartner sehr gut darstellen. Ich denke da in erster Linie an unsere Dressurreiter und besonders an Jessica von Bredow-Werndl, die sehr authentisch ihre Liebe zu den Pferden zeigt und lebt. Aber auch an Springreiter Daniel Deusser, der sein Pferd im Springen zur Schonung aus dem Parcours genommen hat, als es keine Chance mehr auf eine Medaille gab.
Aber in der Öffentlichkeit scheint mehr das Bild der rabiaten und verzweifelten Fünfkämpferinnen hängen geblieben zu sein, warum?
Weil es eine dramatische, verzweifelte Szene war, die ins Auge und ins Herz sticht und sich deshalb einprägt. Die Medien haben das ja auch durchaus mit hoher Frequenz berichtet. Dass ein Pferd als Sportgerät benutzt wird, entspricht nicht der Auffassung von Reitern im Pferdesport. Hier müssten die Regularien dringend verändert werden. So gesehen sind Reiter in diesem Sinne vielmehr Tierschützer.
Wie kann man das verstehen?
Reiter achten sehr genau darauf, dass es ihren Pferden an nichts fehlt und es ihnen gut geht. Reiter leben die Einstellung, dass das Pferd der Sportpartner ist, mit dem man gemeinsam für den Erfolg trainiert. Das geht nur mit einem top gesunden, gut gepflegten, gut versorgten und durchtrainierten Pferd, das leistungsbereit ist. Man kann doch nicht ernsthaft davon ausgehen, dass Reiter mit Pferden erfolgreich sind, denen es nicht gut geht. Deshalb: der verantwortungsbewusste reiterliche Umgang mit Pferden ist der beste Tierschutz.
Das sieht Peta zum Beispiel anders?
Das definierte Ziel von Peta ist es, Reiten ganz zu verbieten. Aus unserer Erfahrung und unserem Sachverstand heraus sagen wir aber: Ein Reitverbot würde vor allem den Pferden schaden. Wir sehen hier deshalb keine Diskussionsgrundlage. Dass Peta jetzt den Fünfkampf und den Reitsport in einen Topf wirft, zeigt doch, dass man sich dort mit dem Thema nicht fachlich versiert und sachlich richtig auseinandersetzt.
Wie sieht denn dieser Anspruch aus?
Es geht um Respekt und Achtung vor der Kreatur. Das ist die Maxime unseres Sports. Davon rücken wir auch nicht ab. Genau das macht ja auch die Faszination aus. Es gibt keine andere Sportart, die einen solchen pädagogischen, ja philosophischen Ansatz verfolgt wie der Pferdesport. Nur gemeinsam kann Mensch und Tier erfolgreich sein. Das müssen wir gerade jetzt immer wieder betonen.
Wird das an der Basis gut umgesetzt?
Dies ist eine ständige Aufgabe. Ich kann da nur von meinem Reiter-Verein Mannheim sprechen, wo wir mit Pferdewirtschaftsmeisterin Anica Fröhling eine Reitlehrerin haben, die das täglich lebt und lehrt. Wir haben sehr viele Projekte mit Kindern, denen wir genau diesen Anspruch an Respekt und Achtung vor der Kreatur nahebringen können.
Bei der FN in Warendorf wurde aber dennoch eine Kommission einberufen, die Trainingsmethoden kritisch unter die Lupe nimmt? Warum?
Zu unserem Anspruch gehört doch in dieser Konsequenz auch, dass wir uns ständig hinterfragen und auf den Prüfstand stellen. Es ist nun der Eindruck entstanden, diese Kommission habe sich wegen der aktuellen Diskussion gegründet. Das stimmt natürlich nicht. Denn das ist bei uns ein ständiger fortlaufender Prozess.

