Neuer Schwalbe Romy im ersten Test: Neue Reifen, neue Karkasse, neue Gummimischung!
Schwalbe stellt für die Saison 2026 die Weichen neu und baut das Portfolio rund um ihre Radial-Technologie aus. Im Fokus stehen dabei der völlig neue All Mountain-Reifen Romy sowie die neue Gravity Pro-Karkasse, die mehr Pannenschutz bei gleicher Dämpfung bieten soll. Auch der Tacky Chan erhält ein Update und ist nun erstmals mit Radial-Karkasse verfügbar. Begleitet werden die Neuheiten von einer gestrafften Sortimentsstruktur und dem neuen Ultra Soft Compound. Wir hatten die Chance, den neuen Romy MTB-Reifen zu testen, und geben euch direkt noch einen Vorgeschmack auf alle weiteren Updates von Schwalbe!
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Schwalbe Romy MTB Reifen – Infos und Preise
Mit der Vorstellung des neuen Romy MTB-Reifen möchte Schwalbe die Wahl des passenden Reifens für Trail- und All-Mountain-Einsätze vereinfachen. Das Modell soll als vielseitiger Alleskönner fungieren und den bisherigen Hans Dampf ersetzen. Mithilfe von aggressiven Schulterstollen soll der Romy hohen Kurvengrip generieren, während das eng angeordnete Mittelprofil mit reduzierter Profiltiefe das Rollverhalten verbessert. Für den Serienstart wird es erst einmal nur zwei Gummimischungen geben: Mid (vorher Speedgrip) und Soft. Man kann zudem zwischen zwei Konstruktionen wählen: der Radial-Variante, welche durch ihre flexiblere Oberfläche und größere Auflagefläche den Fokus auf Performance in Bezug auf Grip und Dämpfung hat, sowie der klassischen Diagonal-Variante, bei der minimaler Rollwiderstand und maximaler Durchschlagschutz im Mittelpunkt stehen. Der Romy soll sich dabei gleichermaßen für den Einsatz an Vorder- und Hinterrad eignen.
- Laufradgrößen 27,5″, 29″
- Reifenbreiten 2,4″, 2,5″
- Gummimischung Soft, Mid
- Karkasse Race, Race Pro, Trail, Trail Pro, Trail Pro Radial, Gravity Pro, Gravity Pro Radial
- Gewicht ab 970 g (29 x 2,40, Gravity Pro Soft: 1.230 g, Herstellerangabe)
- www.schwalbe.com
Preis: ab 44,90 € (UVP) | Bikemarkt: Schwalbe Romy kaufen
Der neue Romy ist zudem der erste Reifen, den Schwalbe als Radial-Version in 2,4″ anbietet. Bisher war diese Technologie breiteren Modellen vorbehalten. Preislich startet der Reifen bei 44,90 € (UVP) in der einfacheren Trail-Ausführung, während die radiale Pro-Variante für 79,90 € (UVP) erhältlich ist. Schwalbe setzt beim Romy sowie bei über 70 % des Gesamtportfolios auf recycelten Ruß aus dem eigenen Recycling-System, was laut Hersteller die CO₂-Emissionen im Vergleich zu herkömmlichem Industrieruß um 80 % reduziert. Zudem gibt Schwalbe an, in allen Pro-Versionen fair gehandelten Naturkautschuk zu verwenden, bei dem zertifizierte Kleinbauern über eine zusätzliche Prämie direkt unterstützt werden.
Weitere Schwalbe-Neuheiten im Detail
Schwalbe gliedert sein MTB-Portfolio künftig in drei Anwendungsbereiche: Die Kategorie Gravity ist auf abfahrtsorientierte Einsätze und maximale Performance ausgelegt, während Trail eine Balance zwischen Pannenschutz und Gewicht für den All-Mountain-Einsatz anvisiert. Die auf Leichtbau und Effizienz optimierte Race-Familie soll das Sortiment ab 2027 ergänzen. Somit hat man die Auswahl von fünf auf drei Karkassen-Konstruktionen reduziert.
Karkassen-Update – Gravity (Pro), Trail (Pro), Race (Pro)
Die Basis-Versionen (Gravity / Trail / Race) sind auf ein ausgewogenes Preis-Leistungs-Verhältnis ausgelegt. Hierfür werden Gummimischungen genutzt, die zuvor der Evolution Line vorbehalten waren, um so eine ordentliche Performance samt zuverlässigem Pannenschutz für kleineres Budget (44,90 € UVP) zu ermöglichen. Die Pro-Versionen (Gravity Pro / Trail Pro / Race Pro) nutzen neueste Materialien und Technologien (bspw. Radial-Aufbau), welche laut Schwalbe auch im Weltcup verwendet werden. Sie sind auf maximalen Grip und Kontrolle sowie Pannenschutz getrimmt und ersetzen technologisch die bisherige Evolution Line.
Besonders interessant im 2026er-Portfolio ist die weiterentwickelte Gravity Pro-Konstruktion. Schwalbe gibt an, dass das Entwicklungsteam die bestehenden Konstruktionen signifikant im Bereich Pannenschutz verbessern konnte, ohne die positiven Eigenschaften der Radial-Technologie – wie bspw. Dämpfung und Traktion – zu beeinträchtigen. Die Radial-Technologie selbst nutzt einen stumpferen Winkel der Karkassenfäden im Vergleich zur herkömmlichen 45-Grad-Ausrichtung. Dies soll dazu führen, dass das Material bei Stößen punktuell nachgeben kann, wodurch sich die Kontaktfläche zum Boden bei gleichem Luftdruck um etwa 30 % vergrößern soll. Dabei soll nicht nur der Grip gesteigert, sondern auch die Bremskontrolle verbessert worden sein.
Aktuelles Line-Up aller Schwalbe MTB-Reifenmodelle samt Karkassen-Optionen:
| Race Pro | Trail | Trail Pro | Gravity | Gravity Pro |
|---|---|---|---|---|
| Romy | Magic Mary | Albert Radial | Magic Mary | Albert Radial |
| Tacky Chan | Nobby Nic | Magic Mary (Radial) | Tacky Chan | Eddy Current (Radial) |
| Romy | Nobby Nic | Magic Mary (Radial) | ||
| Tack Chan | Romy (Radial) | Romy (Radial) | ||
| Tacky Chan (Radial) | Shreddy F & R Radial | |||
| Tacky Chan (Radial) |
Neuer Ultra Soft-Compound
Zusätzlich zu den Karkassen-Updates führt Schwalbe den neuen, im Downhill World Cup entwickelten Ultra Soft-Compound ein. Dieser soll eine um 50 % höhere Dämpfung (bezogen auf den Rebound bzw. Rückfedereigenschaften des Gummis) als die bisherige klebrigste Mischung bieten und hierdurch besonders bei nassen Bedingungen die Haftung drastisch erhöhen. Neben Ultra Soft stehen die Mischungen Soft, Mid (ehemals Speedgrip) und Speed zur Verfügung. Letzteres soll durch minimalen Rollwiderstand bei hoher Haltbarkeit überzeugen. Ziel war es, die Namensgebung zu vereinfachen, um Verwechslungen zu vermeiden.
Schwalbe Tacky Chan-Updates
Neben der Veröffentlichung des nagelneuen Romy bekommt auch der Tacky Chan ein Update verpasst. Für 2026 wird es den präzisen Gravity-Reifen auch mit Radial-Karkasse geben. Während die 2,4″-Version auch in der klassischen Karkasse erhältlich bleibt, wird das neue 2,5″-Format ausschließlich als Radial-Version zu kaufen sein. Als Gravity Pro-Version soll der überarbeitete Tacky Chan vor allem im Grenzbereich mehr Reserven bieten: Die neue 2-2-Aufteilung der Profilblöcke ist dabei für mehr Kontrolle zuständig, während der geschlossenere Übergangsbereich ein sanfteres Einlenken und höhere Bremstraktion ermöglichen soll. Hier sollten Tacky Chan-Fans hellhörig werden, denn der bekannte Kippeffekt beim Einlenken soll damit beseitigt worden sein. An dieser Stelle kann ich schon so viel verraten: Der neue Tacky Chan in Gravity Pro Ultra Soft zeigt sich als eine wahre Offenbarung für mich in Bezug auf Grip und Kontrolle, vor allem im Grenzbereich.
Um im Dschungel der Modelle und Neuerungen nicht den Überblick zu verlieren, hier eine Auflistung der wichtigsten Updates des neuen Schwalbe-Portfolios:
- Neues Modell Romy Allrounder für Trail und All-Mountain, er ersetzt den Hans Dampf und ist für Vorder- und Hinterrad optimiert.
- Neue Gravity Pro-Karkasse Mehr Durchschlagschutz bei gleicher Dämpfung, dank sechs Lagen unter der Lauffläche, vier Lagen an der Seitenwand und einem verstärkten Apex-Durchschlagschutz.
- Tacky Chan-Update Jetzt auch in radialer Gravity Pro-Konstruktion verfügbar, dazu Update beim Stollendesign für besseres Lenkverhalten und mehr Kontrolle.
- Neue Produktfamilien Drei Kategorien: Gravity (maximale Performance), Trail (Balance aus Performance/Gewicht/Schutz) und Race (Leichtbau, ab 2027).
- Neuer Ultra Soft-Compound satte 50 % mehr Dämpfung als das bisherige Ultra Soft Compound soll er bieten und die Nasshaftung damit massiv verbessern.
- Eddy Current-Update Die spezifische Unterscheidung zwischen Front- und Rear-Variante entfällt. Es ist nur noch eine optimierte Hinterrad-Variante in radialer Gravity Pro-Konstruktion verfügbar.
- Sortimentsbereinigung Die folgenden Modelle werden aus dem Programm genommen und durch aktuelle Alternativen ersetzt: Hans Dampf (Romy) | Big Betty (Albert, Tacky Chan) | Eddy Current Front (Albert, Magic Mary).
- Neues Label-Design Eine klare Optik auf der Seitenwand soll die schnelle Identifikation von Reifenfamilie, Karkasse und Gummimischung im Handel und am Bike erleichtern.
Schwalbe Romy – Auf dem Trail
Der erste Test zu den neuen Schwalbe Romy fand im wunderschönen Molini statt. Hier hatte ich die Chance, die Reifen in der Trail- und Gravity-Pro-Variante zu testen. Da der Romy aktuell nur in zwei Gummimischungen (Mid, Soft) erhältlich ist, wurde hierzu die weichere Soft-Variante für beide Karkassenausführungen gewählt. Als Testteileträger wählte ich das Propain Tyee Trail mit 160/145 mm Federweg, sowie das Propain Ekano E-MTB in der Trail-Variante mit 160/150 mm Federweg. Neben Testeindrücken zu den neuen Romys gibt es einen spannenden Vorgeschmack zum neuen Tacky Chan inklusive Ultra Soft-Compound.
Der Start in das zweitägige Testevent sollte kalt und feucht vonstattengehen. Nach der gemütlichen Shuttle-Fahrt auf rund 1.000 Meter über Null begrüßten uns umherwehende Schneeflocken beim Ausstieg. Gleichwohl ging es direkt in die erste Abfahrt, die mit nassen Wurzeln, Steinen und teils schmierigen Abschnitten gespickt war. Ich bin ehrlich: Über die Aufschrift „Soft“ an der Reifenflanke habe ich mich vor Abfahrt nicht sonderlich gefreut – nimmt man bei kalten und nassen Bedingungen doch lieber mit der maximal klebrigen Mischung aka „Ultra Soft“ vorlieb. Doch ich wurde überrascht. Das recht flache und moderat offene Profil der Romys überzeugt mit guter Selbstreinigung, die stabilen Seitenstollen beißen auf Anhieb ordentlich zu. Der Soft-Compound lässt auch bei diesen widrigen Bedingungen nicht den Eindruck entstehen, unkontrolliert unterwegs zu sein – und das trotz meiner wenig optimal gesetzten Bremspunkte inklusive einer funky Linienwahl.
Nach dem ersten schnellen Trail-Abschnitt, der mit glatten Steinen und Wurzeln gespickt war, steigt mein Vertrauen in die Reifen sprunghaft an. Das nächste Segment ist etwas aufgeweicht und überrascht mit schmierigen Stellen. Auch das ist allenfalls eine Herausforderung für meinen Kopf, der Romy meistert auch diese Passagen unbeeindruckt – keine wilden Rutscher oder spontaner Traktionsverlust. Die Bedingungen ändern sich nun schnell, die Sonne ist da und die Temperaturen steigen. Die Trails trocknen ab, während die Gashand lockerer wird. Auch in schnellen, ruppigen und steileren Abschnitten performt der Romy mit seinem Soft-Compound auf überraschend hohem Niveau. Zum direkten Vergleich nehme ich den Wechsel von der Gravity Pro- auf die Trail Pro-Karkasse vor. Den Unterschied spüre ich ab den ersten Metern. Der Gegenhalt ist hier spürbar geringer und das Fahrgefühl für mich mit meinen fahrfertigen Ü‑100 kg etwas unpräziser, da sich der Reifen unter mir stärker verformt. Daher entscheide ich mich dafür, den restlichen Testzeitraum auf die dickere Gravity Pro-Version zu setzen, auch als ich mir den überarbeiteten Tacky Chan inklusive neuer Ultra-Soft-Gummimischung vornehme.
Der Testzeitraum war zwar zu knapp, um alle unterschiedlichen Reifenmodelle samt diverser Karkassen- und Compound-Varianten auf Herz und Nieren zu prüfen, dennoch kann ich eines vorwegnehmen: Das Update des Tacky Chan kann sich sehen lassen. Auch das bekannte Kippverhalten beim Einlenken ist dank überarbeitetem Profil gänzlich verschwunden. Die neue Ultra-Soft-Mischung stellt eine spürbare Verbesserung zum alten Compound dar, was laut Schwalbe-Entwicklern der um 50 % höheren Dämpfung (bezogen auf den Rebound bzw. Rückfedereigenschaften) zu verdanken ist. Besonders im Grenzbereich macht sich dieses langsamere Rückfederverhalten des Gummis bemerkbar. Nur mutwillig schaffe ich es, das Vorderrad leicht untersteuern zu lassen, also dass das Vorderrad geradeaus aus der Kurve nach außen schiebt. Nicht immer ist es so einfach, angepriesene Verbesserungen sofort zu spüren.
Die neue Gravity Pro-Karkasse – ebenso wie die Trail Pro-Version – kann ebenfalls als Verbesserung zur bisher erhältlichen Version verbucht werden. Die hohen Drücke, die ich bei der ersten Radial-Variante (inkl. Gravity-Casing) fahren musste, gehören nun der Vergangenheit an. Zum Vergleich: Die alte Variante bin ich teilweise mit 1,9 bar vorn und 2,4 bar hinten gefahren. Die aktuelle Gravity-Pro-Version wurde in Molini mit 1,6 bis 1,7 bar vorn und 2,0 bar hinten bewegt – inklusive gewagter Linien samt Einschlägen, die ohne Dellen oder Plattfüße endeten.
Fazit – Schwalbe Romy
Der neue Romy überzeugt im ersten Test als potenter Allrounder, der mit Soft-Compound und guter Selbstreinigung für ein hohes Gripniveau auch bei nasskalten Bedingungen sorgt. Während die leichtere Trail Pro-Karkasse bei schweren Fahrern etwas an Gegenhalt vermissen lässt, bietet die Gravity Pro-Variante in jeder Situation einen souveränen Auftritt und lädt dazu ein, den Gashahn ordentlich zu spannen. Was den Romy in dieser Konfiguration zu einer vielseitigen und potenten neuen Option im Schwalbe-Portfolio macht.
Ein spannendes Update liefert zudem der überarbeitete Tacky Chan: Das ehemals bekannte Kippgefühl beim Einlenken ist passé, während der neue Ultra Soft-Compound in jeder Hinsicht beeindruckt. Das überarbeitete Profil samt neuer Gummimischung wirkt wie ein Confidence-Booster, der den Grenzbereich noch mal neu definiert, sodass Untersteuern selbst in brenzligen Situationen zur Seltenheit wird.
Was haltet ihr vom Schwalbe-Update und dem neuen Romy MTB-Reifen?
Testablauf
Der Testzeitraum beinhaltete zwei Tage Vollgas im italienischen Molini per Shuttle und kürzere Tretpassagen. Dabei gab es flowige Segmente mit Anliegern und Sprüngen, ebenso wie schnelle, ruppige und steile Abschnitte, die auch mal mit spitzen Felsen oder stumpfen Drops überraschten. Gefahren wurden die Schwalbe Romy-Reifen primär auf dem Propain Tyee Trail und dem neuen Propain Ekano E-MTB.
Hier haben wir Schwalbe Romy getestet
- Molini: Alles dabei, von Flow bis wild und ruppig. Schnelle Segmente wechseln sich mit engen und technischen Abschnitten ab. Der ein oder andere Sprung oder Drop ist ebenfalls dabei, gern auch mal mit flacher und harter Landung.
| Körpergröße | 194 cm |
| Schrittlänge | 97 cm |
| Oberkörperlänge | 71 cm |
| Armlänge | 68 cm |
| Gewicht | 105 kg |
- Fahrstil
- verspielt, strammes Grundtempo, lieber eine Kurve mehr als Straightline
- Ich fahre hauptsächlich
- Enduro, Trail, Jumps und auch gern mal Downhill
- Vorlieben beim Fahrwerk
- etwas straffe, so wenig Dämpfung wie möglich, soviel viel Zugstufe wie nötig, ausreichend Pop
- Vorlieben bei der Geometrie
- ausreichender Reach, mittellange Kettenstreben, flacher Lenkwinkel

