Craft Bike Days Italia 2026: Von 32″ XC bis DH-Race – 5 spannende MTB-Kreationen
Selbstgemachte Nischenbikes, viel italienischer Tüftlergeist und einige technische Ansätze abseits des Mainstreams: Wir haben vier spannende italienische Mountainbikes von DHSign, Exept, Pedroni und Terra von den Craft Bike Days Italia mitgebracht.
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Craft Bike Days Italia 2026
Die Craft Bike Days von MTB-News und DT Swiss sind bereits seit Jahren ein Fixstern innerhalb der Rahmenbau-Szene. Klassischerweise finden sie im Herbst statt und bieten neben kleineren Nischen-Marken mit lokaler Produktion auch immer einigen Heimwerkern und Rahmenbau-Tüftlern eine Plattform und Möglichkeit zum Austausch. Nun gibt’s in Form der Craft Bike Days Italia auch eine italienische Version, die Mitte März in der Toskana stattfand. Rennrad-News-Chefredakteur Jan war vor Ort und hat uns neben vielen Rennrad- und Gravel-Highlights auch fünf spannende MTB-Modelle mitgebracht.
DHSign Enormeus
DHSign ist in der italienischen Szene bislang vor allem für Komponenten und Service bekannt – insbesondere für Dämpfer-Service, außerdem für Vorbauten, Pedale und Kettenführungen. Auf den Craft Bike Days Italia stand nun aber ein komplettes Bike im Mittelpunkt: ein sehr groß wirkendes Aluminium-Bike mit dem passend gewählten Namen Enormeus. Das optisch äußerst ungewöhnliche Rad ist uns auch schon mehrfach im Downhill World Cup aufgefallen, wo es vom hauseigenen, mit jungen Italienern besetzten DHSign Factory-Team gefahren wurde. Auch der Gründer selbst fährt auf Amateur-Niveau Enduro und DH-Rennen.
Obwohl das Design ein paar Worte wert ist, stellt DHSign klar das Geometrie-Konzept in den Vordergrund: Dieses ist von langen, flachen Rädern, wie sie von Nicolai oder Mojo/Geometron bekannt sind, inspiriert – sprich, lang, flach und vorne sehr hoch. Das Rad soll zudem äußerst variabel sein und sich für Light Enduro, Enduro-Race und den DH-Einsatz eignen.
Es lassen sich Dämpferlängen von 230 bis 210 mm einbauen, man kann die Tretlagerhöhe an ein 29″ oder 27,5″-Hinterrad anpassen oder die Kettenstrebenlänge zwischen 445 und äußerst gewaltigen 470 mm wählen. Bei den Kunden sollen die langen Kettenstreben allerdings sehr beliebt sein. Es gibt zudem verschiedene Sets an Umlenkhebel für die verschiedenen Einsatzbereiche. Vorn sind 160–200 mm Federweg möglich.
Der Rahmen besteht aus Aluminium und setzt ungewöhnlicherweise auf große Bleche, die mit Rohren verbunden werden. Die einteiligen, MX-artigen Kettenstreben erinnern stark an alte Zonenschein-Zeiten und wirken optisch jedenfalls alles andere als steif. Diese bestehen aus flachen, gefrästen und anschließend in Form gebogenen Alu-Platten – DHSign ist nach eigener Angabe der wohl einzige Hersteller, der auf dieses Verfahren setzt. Der sehr industrielle Look war durchaus gewollt, da der Gründer von DHSign nicht aus einer Rahmenbau-Tradition stammt. Den Rahmen hat er selbst am Computer designt, gebaut wird er nach eigenen Angaben von einem erfahrenen Rahmenbauer.
Der Rahmen ist in 3 Größen verfügbar und kostet im Webshop aktuell günstige 2.200 € ohne Dämpfer. Zudem scheint es die Option auf eine Custom-Größe zu geben. Das Bike soll komplett in Italien beziehungsweise Europa gebaut werden, zudem arbeitet man mit EXT als Fahrwerkspartner zusammen.
32Pollici Trenta Due – 32″-XC-Hardtail
32Pollici sind reine 32″-Experten, die schon lange vor dem aktuellen Hype um die extragroßen Laufräder entsprechende Mountain- und Gravel-Bikes entwickelt haben. Dass das Team bereits Erfahrung mit 32″-Laufrädern hat, merkt man dem Trenta Due-XC-Hardtail an – es sieht ungewöhnlich nüchtern und schlank aus. Man muss fast zweimal hinsehen, um die Laufradgröße zu erkennen. Rennrad-Redakteur Jan konnte das Rad auf eine Runde in der Toskana entführen und war positiv angetan von der dynamischen Fahrweise des großrädrigen XC-Bikes: 32″-Gravelbike im Test
Viele Infos zum Rad liegen uns nicht vor, spannend ist allerdings vor allem der Aufbau mit Ingrid-Schaltwerk und leichten Carbon-Felgen aus dem Hause Damil. Auch die Bright Racing-Upside-Down-Gabel sieht man nicht alle Tage an einem Mountainbike.
Exept Base Nato
Exept kommt ursprünglich nicht aus dem MTB-, sondern aus dem Rennradbereich. Die Marke wurde laut CEO Corrado Grassi vor rund neun Jahren gegründet und arbeitete zunächst mit einem patentierten Carbon-Konzept, bei dem sich mit einer Mold unterschiedliche Geometrien umsetzen lassen sollen. Von dort ging es nun in Richtung Mountainbike – auch, weil man sich vom offeneren Mindset der MTB-Szene mehr Raum für kleine Marken verspricht. Interessanterweise stammt Exept aus Finale Ligure und hat die dortigen, weltberühmten Trails natürlich bei der Entwicklung fleißig genutzt.
Das gezeigte Bike ist allerdings noch kein Carbon-Projekt, sondern ein Aluminium-Enduro. Laut Corrado Grassi entstand es zunächst als Experiment für seine Enduro- und DH-Rennkarriere zusammen mit Federico Biora, dem Inhaber von MDE aus Turin. Vor zwei Jahren wurde auf dem Rad die italienische Enduro-Meisterschaft gewonnen, zudem konnte Melanie Pugin darauf bereits Silber im Enduro World Cup holen. Da bisher alles so gut lief, sollen in diesem Jahr noch 2–3 weitere MTB-Projekte auf den Markt kommen – darunter eine Carbon-Version des Base Nato-Enduro-Bikes.
Der Name ist Programm, die Geometrie soll zu Finale Ligure passen und deshalb eher Downhill-lastig ausfallen: Genannt werden ein Lenkwinkel von 63,5°, eine Gabel mit 170 mm Federweg und 165 mm Federweg am Heck – am Showbike mit Fox DHX-Stahlfederdämpfer. Verwaltet wird der Federweg vom I-Link-System mit virtuellem Drehpunkt – ähnlich DW-Link.
Beim Kauf kann man die Farbe und Ausstattung selbst bestimmen und gegen Aufpreis sogar die Geometrie, wobei es hier Grenzen des Umsetzbaren gibt. Das Rahmenset soll 2.500 € kosten, das gezeigte Bike etwa 6.500 € – auch hier also eher moderate Preise. Mit 16 kg Gewicht war das Showbike verhältnismäßig leicht, trotz unkonifiziertem Alu-Rohrsatz.
Pedroni Race Evo 25
Pedroni Race hat vor Ort viel Wert darauf gelegt, historisch eng im DH-Sport verwurzelt zu sein. Die Marke geht auf Michele Pedroni zurück, der seine Bikes schon früh selbst für Renneinsätze entwickelt und daraus nach und nach einen eigenen technischen Erfahrungsschatz aufgebaut hat. Daraus entstand ein Composite-Labor, das nach eigenen Angaben auch für die Luft- und Raumfahrt sowie industrielle Anwendungen arbeitet – und mittlerweile drei eigene Carbon-Mountainbikes anbietet.
Bei den Craft Bike Days Italia wurde das neu entwickelte Evo 25-Downhill-Bike präsentiert, in das die gesamte Erfahrung der letzten Jahre und Jahrzehnte geflossen sein soll. Dank der eigenen Fertigung kann der Carbon-Rahmen komplett inhouse hergestellt werden. Parallel wird mit dem Pedroni Charger GT wohl bald ein neues E-Bike auf den Markt kommen.
Das ausgestellte Pedroni Race Evo 25-Komplettrad wechselt für stolze 10.000 € den Besitzer, das Rahmenset kostet 4.200 € – beides nicht gerade günstig, allerdings auch nicht teurer als so manches Serienbike aus Fernost. Laut Pedroni hat man auch versucht, den Preis möglichst moderat zu halten, wobei Handarbeit aus Europa natürlich nie ganz günstig sein kann.
Das Evo 25 hat 200 mm an der Front und etwa 195 mm am Heck und kann als 29er oder Mullet-Bike gefahren werden, ansonsten wurden keine Verstellmöglichkeiten untergebracht. Dazu gibt’s einen auffälligen High-Pivot-Hinterbau mit senkrecht im Rahmen verstecktem Dämpfer und einteiliger Hinterbau-Schwinge. Das System soll MX-inspiriert sein und wirkt tatsächlich auch so. Das angegebene Gewicht von 16–16,5 kg ist wirklich gering für ein modernes DH-Bike, wobei der Trend aktuell eher zu schwereren Rädern mit zusätzlichen Gewichten am Rad geht. Es sind insgesamt 3 Rahmengrößen verfügbar – Custom-Lösungen werden nicht angeboten.
Terra Bikes DH-Prototyp mit Pinion-Getriebe
Terra-Chef Francesco Papaveri persönlich stand uns bei den Craft Bike Days Italia Rede und Antwort und hat uns seinen neusten Downhill-Prototyp vorgestellt. Wenn es die Serienreife erlangt, wird es das vierte Rad der kleinen italienischen Schmiede neben zwei Enduro-Modellen (mit und ohne Getriebe) und einem E-Enduro sein. Die DH-Version soll vom Enduro-Modell Aria inspiriert sein und setzt auf ein Pinion C1.9-Getriebe. Francesco selbst ist vorher noch nie ein Pinion-Getriebe gefahren, das Rad konnte eine Woche vor dem Event das erste Mal ausgetestet werden – ist also noch sehr früh im Entwicklungsstadium.
Es wird – wie so ziemlich jedes DH-Bike – als kompromisslose Abfahrtsmaschine beworben und ist daher mit einem 29″-Vorderrad und 27,5″-Hinterrad ausgestattet. Für Terra Bikes ist das der beste Kompromiss im DH-Einsatz. Es besteht als einziges Bike der Runde aus Stahl und wird zu 100 % in einer Werkstatt in Arezzo, Toskana, gefertigt.
Leicht ist das Rad entsprechend nicht – 20 kg oder mehr dürften es schon sein, wobei das für Terra Bikes eher uninteressant ist. Der Federweg beträgt 200 mm an Front und Heck – sehr üblich für diese Kategorie – und wird hinten über ein System mit virtuellem Drehpunkt kontrolliert. Dazu gibt’s einen hohen Drehpunkt und eine auffällige Kettenumlenkung – mittlerweile wohl fast ein Must-Have für Nischenhersteller. Viel mehr Infos kann man uns noch nicht geben – das Rad ist noch mitten im Entwicklungsstadium und es kann sich noch viel ändern.
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